gicht,
die/das
;
–/
auch
sowie
-er
.
Einheit des Wortes fraglich;
hier wird in Übereinstimmung mit dem und
Pfeifer
2000, 448
Herkunft (Verbalabstraktion) aus
mhd.
jëhen
(), frnhd.
›sprechen‹
angesetzt; vgl. dagegen das ;
Kluge/S.
2002, 357
. Im Falle der Haltbarkeit der
Dwb-Etymologie wäre
gicht
2 die ,besprochene, beschworene Krankheit‘.
1.
›Bekenntnis, Geständnis, rechtsrelevante Aussage vor Gericht‹; als Metonymien: ›Abgabe, zu der man verpflichtet ist‹; ›im Zusammenhang mit einer
gicht
zu zahlende Buße‹.
Bedeutungsverwandte:
 5;
1
 2 (zu letzterer Metonymie); vgl. ,  2,  4, , (
das
2,  3,  2.
Gegensätze:
 2, .
Syntagmen:
(eine) g. begeren / bitten / geben / tun / schweren
;
die gicht fallen
;
die würtembergische g
. (im Gegensatz zu
bairisch schweren
).
Wortbildungen:
gichtbuch
›Protokoll der Urgichten‹ (a. 1492).

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
so hait der vurg. her Heinrich vanme Stave moitwillenclich in sime lesten ende gicht gedain und bekant.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
1561
):
daß die frohnen, versiegelung und gicht, [...], nun hin furter von acht zu acht tagen fallen und gehalten wollen werden
[
gicht
im
Rwb
als ›Beurkundung‹ interpretiert].
Boos, UB Aarau (
halem.
,
1416
):
Dis alles zigen si in an, inen harumb gicht oder loͮgung ze gebend und satzten das hin zuͦ uns an recht.
Merz, Urk. Wildegg
31, 10
(
halem.
,
1428
):
vnd begerte dar vmb gicht oder lognen von inen.
v. Bunge, Livl. UB
4, 726, 33
;
Rudolph, a. a. O. ;
Vock u. a., Urk. Nördl.
244, 6
;
2.
›insbesondere der Einwirkung von Kälte, aber auch anderen Ursachen zugeschriebene lähmungsartige und schmerzhafte, dem Schaganfall verglichene Gliederkrankheit‹; oft in einem außerordentlich breiten Orientierungsfeld genannt (s. u. auch den Beleg
Pfeifer
), insofern nicht genauer bestimmbar; am ehesten ›Gicht‹; auch ›Gliederlähmung‹; ›Epilepsie‹; meist dem Menschen, vereinzelt Tieren (Pferden) zugeschrieben.
Phraseme:
habet die gicht
;
das dir die gicht ankomme
;
das dich die gicht bestehe
;
das euch die gicht zudrünge
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  2, (
das
1, , , , , I.
Syntagmen:
die g. haben / brechen / vertreiben, der teufel die g. zuschicken / jm. anhängen
;
die g
. (Subj.)
von kälte kommen, geistlich etw. bedeuten
;
jn. an der g. gesund machen, j. in die g. fallen
;
die g. der beine
;
die kalte / reissende g
.;
arznei für die gicht
;
salbe zu der g
.
Wortbildungen:
gichtader
›am Fußrand sich hinziehende Wurzel der Vena saphena externa, die bei Gichtanfällen geöffnet wurde‹ (so
Hyrtl, Anatomie
63
),
gichtbaum
›zur Heilung der Gicht beschworener Baum‹ (a. 1667),
gichtbere
,
gichtblume
,
gichtholz
,
gichtrübe
eine die Gicht verursachende Rübe (zur Motivation vgl. f.),
gichtsegen
(a. 1650),
gichtschuz
›zuckender, reißender Schmerz‹ (17. Jh.),
gichtsüchtig
(dazu bdv.: ),
gichtwurz
(dazu bdv.: , , ); möglicherweise ›Dictamus albus‹; so
Marzell
2, 124
; laut : ›Pfingstrose‹).

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
zu handeln, was der aussatz und die gicht geystlich bedeutte.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
139, 2976
(
Magdeb.
1608
):
Dieweil sie in dem glauben stund / | Des tags wer kein kraut vngesund. | [...] | Schierling / Wolffsmilch / vnd Coriandern / | Gichtruͤb / Nachtschad / Braunkraut zun andern. | Salbey mit Kroͤtengifft befleckt.
Follan, Ortolf. Arzneib.
89, 2
(
snfrk.
,
1398
):
Paralisis het dy gycht; dat kumt gerne van calden eder von czornne eder ouerigeme etene vnde drynkende eder van vnkuschet.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der Jaspis der ist gruene: | Sin art vortribet die gicht.
Froning, Alsf. Passionssp.
453
(
ohess.
,
1501ff.
):
habet die giecht in euwerm gekroß!
Keil, Peter v. Ulm
200
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Die salb vertreibt die gicht, vnd den der slag troffen hat, hept es mit gewalt auß dem pet vnd ist zu allerley tropffen gut.
Ebd.
233
:
Ein scharff-salb an dem leip. Nym ein holtz, heist gicht-holtz, daz ist als erlein vnd stinckt. [...]. [gicht-holtz] hat per als die weinper-trauben, die sind schwartz vnd heissen gicht-per.
Ebd.
249
:
Ditz ist noch ein pesser ertzney für das gicht vnd die geschwulst, die von kelten ist.
Haage, Hesel. Arzneib.
3r, 3
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wenn der harem ist plaichv [...] | so hat er die kalten gicht.
Voc. Teut.-Lat.
l jr
(
Nürnb.
1482
):
Gichtsuchtiger. parliticus. od’ tropfschlachtiger.
Ebd.
l iiijv
:
Gichtwurtz. dictamium.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Du leugst mich an, hab dir das gicht!
Golius
394
(
Straßb.
1579
):
Paonia [...] Pfingst rosen / Künigs bluͦmen. Gichtwurtz.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
201
(
Genf
1636
):
gichtwurtze [...] Rose de nostre dame, Pæonia.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
schwäb.
,
um 1521
):
daß dichs gicht ankum in groben büffel!
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
zwen beghart und ain paur, [...], die teten sich auß die leut gesund ze machen an dem gicht.
Ebd. (
E. 15. Jh.
):
Es kam ain stuͦlbruͦder her gen sant Veit und prach in das gicht.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gichtblumen / Schlisselblume͂ / S. Peters Schlissel / primula veris odora, [...], herba paralysis.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz selb öl oder diu salb ist guot für daz paralis und für diu zwai vallenden lait, der ainz apoplexia haizt und daz ander epilencia, und ist guot für der âdern gegiht, daz artetica haizt, und für der füez und der pain giht, daz podagra haizt, und für der hend giht, daz ciragra haizt.
Deinhardt, Ross Artzney
169
(
oobd.
,
1598
):
so ain roß das geicht in bain hat, so nimb schwarz vnnd weiß schneckhen, auch salz.
Piirainen, Stadtr. Sillein
129b, 31
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
ab dv schuldik seist daz dich daz gycht vnd dy misselsucht beste.
Keil, a. a. O.
56
;
147
;
391
;
Haage, a. a. O. 8r;
Voc. Teut.-Lat.
k viijv
;
l iijv
;
Voc. inc. teut.
i vijr
;
Schwäb. Wb. f. (hier volkskundliche Information); .
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
eine Pflanze (als Heilkraut gegen Gicht).
Bedeutungsverwandte:
,  1.

Belegblock:

Bremer, Voc. opt.
50144
(
wobd.
,
15. Jh.
):
Gariofilaca [...] gamandre [...] benedict [...] giht.
Schweiz. Id. (s. v.
gicht
II).
4.
›Seuche, Elend (der Sünde, der Verdammung o. ä.)‹; Ütr. zu 2.
Syntagmen:
jeweils mit gen. explicativus.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz her vortribet die gicht | Der ewiclichen lemden.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Doch hastu myner sunden gicht | Gesalbet und geheilet hy.
Ist aber daz sy horen nicht, | Verstocket inder sunden gycht, | Von dem swerte sy vergan.
Stackmann u. a., Frauenlob
67, 16
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
da von wirt slicht | des jamers gicht.