mutter,
die
;
-Ø/-Ø
+ Uml.
1.
›Mutter, Frau, die ein oder mehrere Kinder geboren hat, damit in der Generationenfolge von
ane
(
die
) 1; 2 /
anfraue / grosmutter
(nach rückwärts) und
kind / son / tochter, enkel, urenkel
(nach vorwärts) steht‹; auch auf die Mutter des Menschen Jesus Christus sowie des Teufels bezogen (zur theologischen Deutung der Mutterschaft Mariens s. z. B.
LThK
7, 80
 f.); in Einzelfällen Bezug auf ein Muttertier;
mutter
1 unterliegt in der Sinnwelt ,Religion‘ einer durchgehenden Überhöhung; in der Sinnwelt ,Alltag‘ mischt sich eine aus der täglichen Lebenspraxis resultierende sozial bedingte Hochwertung mit (seltener) kritischen Urteilen; in der Sinnwelt ,Recht‘ herrschen differenzierte Regeln, oft mit Bezug auf erbrechtliche Fragen (s.
Rwb
9, 1092
 ff.; mit ausführlichem Wortbildungsfeld).
Phraseme:
jn. seine mutter gefreien heissen
;
jm. die mutter zum bier füren
›jn. zum Narren halten‹;
j. fält der mutter nicht in den schos
;
die hand an die mutter legen
;
noch unter der mutter rute sein
;
das kind von der mutter wegen küssen
.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2, , .
Syntagmen:
eine m. haben, die m. eren, lieb haben, angreinen / (ver)lassen, an den pranger stellen, am leben strafen, nicht zu gezeugnis zulassen
;
jn. m. nennen
;
die m
. (Subj.)
kind machen, des kindes pflegen, zwischen den kinden testieren, eine schuld gelten, die tochter verkuppeln, jm. heimfüren, den son baden / etzen / nären / wickeln / lieben, dem kind die narung entwenden, die tochter bulen lernen, absonderung begeren, jn. verlassen, der töchter / knaben aufsehen, jn. etw. leren, jn. um missetat strafen, dem kind den brei fürkauen, an dem kind verzagen, mer sehen, denne [...]
;
j. jm. als eine m. sein, die m. magd sein können
;
jn. einer m. ergetzen
;
von der m. geboren werden, das fleisch von der m. haben, bei der m. bleiben, für die m. bitten, das kind
(Subj.)
nicht für die m. gelten, von der m. lernen, fabeln hören, das kind
(Akk.obj.)
von der m. abgewönen, die tochter wieder die m. scheiden
;
die m. des teufels, die m. hellekruk
;
die getreue / fleischliche / leibliche / natürliche / persönliche / reine / unfruchtbare m
.;
der bauch / leib, die natur / stat, die brüste, das angefälle / wissen, das gut der m.,
˹
die liebe / ausschliessung, der schläger der m.
˺ (jeweils gen. objectivus).
Wortbildungen:
mutterbarn
(Gw zu
2
,
der/das
, 1),
mutterbruder
(dazu bdv.: , ),
mutterfluch
,
mutterfreund
›Verwandter mütterlicherseits‹ (dazu bdv.: ),
muttergaul
(dazu bdv.:
2
),
mutterhaft
›von mütterlicher Seite‹,
mutterig
›von Muttertieren stammend, minderwertig (von Fleisch gesagt)‹,
mutterlam
›weibliches Lamm‹ (a. 1621),
mutterlinie
,
muttermord
,
muttermörder
,
mutterpferd
(dazu bdv.: ),
mutterschlächtig
›durch den Tod der Mutter krank, getroffen‹,
mutterschwein
(dazu bdv.:
2
 1, ,
die
, ),
mutterschwester
(dazu bdv.: vgl.  2),
muttertöter
,
mutterweise
›Halbwaise (von der Mutter her)‹,
mutterzunge
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
295, 8
(
Wolfenb.
1593
):
nun ist sie ehrlich vnd fromb, Vnd wenns auch dem Teuffel vnd seiner Mutter leid were.
Mieder, Lehmann. Flor.
166, 28
(
Lübeck
1639
):
Ein Mutter die jhrem Kind den Brunn der Nahrung verstopfft [...] / die sol man zu den wilden Thieren weisen.
Volkmar
54
(
Danzig
1596
):
Auunculus, Ohm / der mutterbruder.
Ebd.
571
:
Mutterschwein / Sawmutter.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
202, 23
(
preuß.
,
1516
):
6 ochszen zcun pfflugen, 3 mutterpherde zcun eigen.
Große, Schwabensp.
53a, 37
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
ne is auͦer da vater noch muͦter, broder noch swester da, so nemen iz de neisten erben.
Luther, WA
11, 323, 12
(
1523
):
Das diß die wort auff Ebreisch sind, wirt myr keyn Jude leucken, der anders Ebreisch und deutsch verstehet, denn wyr deutschen sagen nicht: ,concepit, das weyb hatt empfangen‘. Die Prediger haben aus dem latin solch deutsch gemacht. so spricht der deutsch man und mutter tzunge.
Ebd.
21, 201, 12
(
1544
):
Darinnen uns die Episteln und Euangelia, [...] furgekewet sind, wie eine Mutter irem Kindlin den brey fur kewet.
Ebd.
30, 2, 133, 2
(
1529
):
sie haben dir dein mutter zum bier gefurt, du ammechtiger plauderer; Denn damit richtestu nichts an.
Ebd.
30, 2, 637, 19
(
1530
):
man mus nicht die buchstaben inn der lateinischen sprachen fragen, wie man sol Deutsch reden, [...], sondern, man mus die mutter jhm hause, [...] den gemeinen man auff dem marckt drumb fragen.
Ebd.
31, 1, 212, 32
(
1530
):
Denn wir leiden und dulden doch die Juͤden, die unsern Herrn Christum und seine mutter [lestern].
Ebd.
51, 645, 11
(
um 1535
):
Mancher vbel von weibern redet | Weis nicht Was sein mutter thet.
Ders. Hl. Schrifft.
Mt. 2, 11
(
Wittenb.
1545
):
Sie [...] giengen in das Haus / vnd funden das Kindlin mit der mutter.
Fischer, Brun v. Schoneb.
10193
(
md.
, Hs.
um 1400
):
wen her von in ouch was geborn | muterhaft, hat di schrift gesworn.
Voc. inc. teut. q
vijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Muterswester matertera.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
18, 2
(
hess.
,
14. Jh.
):
Du kelnersen des closteres sal gecorn werden von der samenungen und guder sidde, reine und cusche, [...] nit suinde, danne got vochtende, die aller der samenungen sy als ein muder
(Beleg auch zu 4 stellbar).
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 27, 25
(
hess.
,
1377
):
wer [...] mit worten ubel handelte mit lygen ader den andern sine mudere hiesse gefryhen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
29
(
mrhein.
,
um 1335
):
Responde(n)s Iesus [...] Reines wip vnd mutter min, | was ruret mich der breste sin.
Wolf, Gesetze Frankf.
203
(
hess.
,
1426
):
wer nit sein lipliche muter in leben [...] hette, der mochte an der muter stad nemen ein odir zwo siner swester odir mumen.
Froning, Alsf. Passionssp.
449
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Krentzlyn, Belial und dyn mutter Hellekruck, | die leuffet hynden an den reygen nach!
Alberus
R ijv
(
Frankf.
1540
):
Equa, equilia, ein mere / muttergaul.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
100, 31
(
thür.
,
1474
):
dy danne der genanten kinder mutherswester gewest ist.
Schönbach, Adt. Pred.
25, 17
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Ere vater und muter, spricht er, uf daz du lange lebest uf der erden.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
10, 35
(
osächs.
,
1343
):
ich bin kuͦmen zuͦ scheiden den menschin wider sînen vatir vnd di tochtir wider ire mûter.
Ebd.
12, 46
:
„Sich dîn mûter und dîne brûdere stên dâ vore und sûchen dich.“ Und her [...] sprach: „Welch ist mîn mûter und wer sint mîne brûdere?“
v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 20
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
der man [...] pflit des kindis als eyn mutir, ane das her das kint nicht soygit.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
21, 13
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
helfet [...] meine kinder einer solichen reinen muter ergetzet werden.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
258, 40
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Auf zehen mutterschweine heldet man einen eber.
Fastnachtsp.
1443, 13
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Wie ain muoter ir dochter lernet puolen.
Köbler, Ref. Nürnberg
139, 14
(
Nürnb.
1484
):
auch sol ein vater od’ muter fuͤr oder wider Jr leiplich kind zu gezeugknus nit zugelassen werde͂.
Ders., Stattr. Fryburg
109, 16
(
Basel
1520
):
Wie die güter von vatter vnd muͦtter den eelichen kinden verpfendt sin sollen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
253, 5
(
Nürnb.
1548
):
fleisch heyst alles / das wir von vatter vnd mutter an vns haben.
Sachs
17, 467, 8
(
Nürnb.
1562
):
Wenn ein mutter flucht irem kind, | Daß dasselb nur mutterflüch sind, | Welliche gar nit gehnt von hertzen.
Vetter, Pred. Taulers
10, 35
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wer durch mich lot vatter, muͦtter und acker, der sol hundert werbe also vil wider nemen.
Ebd.
257, 15
(
1359
):
wenne das kint wirt enphangen in der muͦter libe, zem ersten so ist ein blosse materie.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 38, 8
(
Straßb.
1520
):
andere müter haben auch kind gemacht.
Dasypodius
127v
(
Straßb.
1536
):
Matricida, Ein muͦter toͤdter.
Goldammer, Paracelsus
6, 74, 9
(
1530
):
es fallt euer keiner der mutter in die schoß, aber dem deufel in ars!
Sudhoff, Paracelsus
14, 148, 7
(
1529
/
32
):
das do ein zwispeltig geburt wird, das ist, leibt es [monstrum] sich nach der mutter natur, so fallts in ir art, wo nit, so wird ein tier doraus.
Koppitz, Trojanerkr.
16029
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Belaib der schamlichen diett | Ain mütter barn lebendig nit.
Adrian, Saelden Hort
10826
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
der sun was gar anmáhtig | und was och muͦtersláhtig
[Vorlage:
matricida effectus
]
| er billich stirbet ane vrist.
Welti, Stadtr. Bern
107, 14
(
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
des emannes geltschuld soͤllent die muͦter vnd die kint gelten von dem varnden guͦt.
Ebd.
217, 16
(
n. 1437
):
der [...] noch vnder sins vatters vnd muͦter ruͦten ist, vnd noch nit vßgestuͥret [...] zu der e.
Lauater. Gespaͤnste
37v, 9
(
Zürich
1578
):
fablen vnd gedicht von den selben [herdmenly] / die sy von jren muͦteren vnd großmuͦteren gehoͤrt.
Maaler
295v
(
Zürich
1561
):
Muͦter / das ist wyble daruon man junge zeücht. [...]. Muͦter bruͦder / Vetter. Auunculus. [...]. Muͦtermoͤrder / Einer d’ sein muͦter vmbbringt. [...]. Muͦtermord (das) Todschlag an seiner muͦter begangen. [...]. Muͦterschweyn / Loß.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
331
(
Genf
1636
):
mutterlinie [...] Linea materna.
Bremer, Voc. opt.
3055
(
schwäb.
/
bair.
,
15. Jh.
):
Pupillus [...] qui caret matrem [...] muͦterways.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
166, 8
(
schwäb.
,
1414
):
welher under in schweine flaisch metzgoti oder schluͤg, das pfinnig wurde oder waͤr, oder judisch muͦtrigs [...].
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 143, 26
([
Augsb.
]
1548
):
die leere die in seine Muͦter leeret / Künige sollen nicht Wein trincken.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
2, 15
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Jch schreib ich hab geschriben etc. Das lernen die kinder besser von der muter, dan̄ auß der Grammatic.
Henisch
65
(
Augsb.
1616
):
Man kusset offt das Kind von der Mutter wegen.
Ebd.
147
:
Ein getrewe Mutter sihet mehr mit einem / denn der Vatter mit zehen augen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
12, 46
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
das die warhait muss | das wunder von dir schreiben, | das muter magt mag sein | und wort zu fleisch ist worden.
Bischoff, Steir. Landr.
158
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Gelten fur vater vnd fur muter. Ez gilt ain chind für seinen vater oder fur sein mûter nicht, ez besicz dann ir erb.
Bremer, Voc. opt.
3026
(
mbair.
,
15.
/
16. Jh.
):
Cognatus muͦtermag [...] mutterfrewndt.
Schöpper
58a
;
Luther, WA
1, 700, 29
;
9, 565, 29
/34;
21, 62, 17
;
21, 63, 24
;
30, 2, 637, 19
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 102, 5
;
ders., Eckharts Trakt.
25, 12
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 61, 11
;
Köbler, Ref. Franckenfort
64, 9
;
ders., Ref. Nürnberg
222, 5
;
Eggers, Psalter
44, 5
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
43, 8
;
44, 6
;
Gille u. a., M. Beheim
111, 309
;
Reichmann, a. a. O.
81, 11
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
574, 28
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 211, 32
Var.;
Gilman, a. a. O.
1, 129, 5
;
Rieder, St. Georg. Pred.
252, 22
;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
538, 30
;
ders., Zivilr. Bern
445, 5
;
Dirr, Münchner Stadtr.
379, 31
;
Wolf, Norm im sp. Ma.
46, 49
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
32, 10
;
Bremer, a. a. O.
45141
;
Schmitt, Ordo rerum
300, 2
;
Rwb
9, 1092
.
Pfälz. Wb.
4, 1496
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
251
.
2.
›Gebärmutter (in aller Regel der Frau, vereinzelt von Tieren, z. B. der Kuh)‹; in wenigen Belegen (s. u.
Sachs
) ironisierend auf den Unterleib von Männern bezogen; die Belege thematisieren die biologische Funktion der Gebärmutter deutlich seltener als die ihr zugeschriebenen Krankheiten, Unregelmäßigkeiten und dagegen angewandte Therapien.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  234, ; vgl.  1, , , .
Syntagmen:
die m. brechen / erwärmen / reinigen
(mittels
petersilienkraut, wein, holz von balsam
, eines
wassers
),
die blätter der nesseln die ausgehende m. an ire stat leiten
;
die m
. (Subj.)
austreten
(bezogen auf eine
ku
),
jm. erfrieren / geschwellen / schweren / umfaren, (jm.) vol eiter, aus dem häuslein
(›aus dem kleinen Becken‹)
sein, die m. jn. anstossen, die m. jm
. (einem Mann)
erkalten
;
essig der m. schaden
;
ein kind aus der m. treiben, die begierde
(Subj.)
aus der m. kommen, ein kraut
(Subj.)
die geburt aus der m. werfen, die jungen in der m. scharren, in der m. unreinigkeit sein
; nachgestellt:
die m. verrumpft / verstorben
;
die m. des weibes
;
die ausgehende / kalte m
.;
die attraktion / gesucht / kälte / schwäche / unruhe, das aufstossen / gebrechen der m
.
Wortbildungen:
mutterflus
›Ausfluß der Gebärmutter‹,
muttersak
.

Belegblock:

Luther, WA
1, 700, 29
(
1518
):
Auß dem leib der muter der morgenroͤt wirt dir geborn werden der taw deinr kindschaft. Das woͤrtlin muͦter, im latein matrix oder uterus, haißt hie nit ain gantz personliche muͦter, [...], sonder das, da die frucht in muͦter leib empfangen und biß zuͦ der geburt ernoͤrt wirt.
Ebd.
47, 680, 16
(
1539
):
Ir [Sara] mutter verstorben, verrumpfft, verstrumpfft.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Mose 13, 2
(
Wittenb.
1545
):
Heilige mir alle Erstegeburt / die allerley Mutter
[
Mentel
1466-1475
1
:
natur
; 1475
2
:
leib
; nd. Bibel 1494:
de vrouliken stede
; 1522:
de porten der geboͤrt
;
Eck
1537:
schloß
]
bricht bey den kindern Jsrael / beide vnter den Menschen vnd dem Vieh.
Ebd.
Jes. 66, 9
:
Solt ich ander lassen die Mutter
[
Wormser Proph.
1527:
geburt
]
brechen / vnd Selbs nicht auch geberen?
Buch Weinsb.
2, 92, 13
(
rib.
,
1560
):
die [doctoren] befonden, das sei gebrech an der moder hatt.
J. W. von Cube. Hortus
75, 59
(
Mainz
1485
):
Disser wyn [...] ist sunderlich guͦt den frauwe͂ wan der reyniget inen die muder.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
74, 20
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Einer kranken kue, so die mutter austritt.
Sachs
17, 321, 27
(
Nürnb.
1563
):
Wenn man heym-kommet auß dem bad, | Daß sich ein mann gantz warme halt, | Daß ihm die mutter nicht erkalt, | Und trinck nicht wasser, sonder wein.
Kurz, Murner. Luth. Narr
1002
(
Straßb.
1522
):
Lassen sie [arme kind] doch ein mal rumplieren, | Das posteriorum auch complieren, | [...] | Die muͦter würt in sunst erfrieren.
Bremer, Voc. opt.
3002
(
halem.
,
1328 f.
):
Matrix muͦter [...] muͦtersack [...] bermuuͦter [...] est neruosa membrana sive pellicula guttam masculine seminis naturaliter contrahens et conseruans, cuius gutte virtus actiua conmixta gutte seminis feminei fetum ex sangwine sicut ex materia generat in matrice.
Sudhoff, Paracelsus
1, 269, 8
(
um 1520
):
das oftmals eines glits ein sam verhalten wird durch krankheit [...] oder durch schweche der attraction der muter.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe, H. R. Manuel
364, 2486
(
Zürich
1548
):
Wenn mich [altes wib] die muͦter stosset an, | So luͦg ich, dass ich win mög han.
Memminger Chron. Beschr.
33, 5
(
Ulm
1660
):
dessen das obere Wasser [...] die weissen beharrlichen Mutterfluͤß verhalten vñ außtruͤcknen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
285, 17
(
oobd.
,
1349
/
50
):
si [die jungen der vipern] scharrent in der muoter und aufreizent si und koment mit gewalt her für.
Ebd.
410, 22
:
daz kraut [...] mêret der frawen haimleichait, [...], und wirft die gepurt auz der muoter.
Ebd.
423, 34
:
der nezzeln frischeu pleter [...] laitent die auzgênden muoter wider an ir stat.
Strauss, A. v. Villanova dt.
169v, 29
(
obd.
, Hs.
1421
):
zwo adern ytweder seyten an der kleynen zehen sint guͦt gelaßen fur gesucht der lenden, der blasen vnd der muter.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
36, 19
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Welcher frawen jnwendig ir muter swirt oder vol aitter ist, die trinck prawnel wasser.
J. W. von Cube. a. a. O.
75, 89
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
182, 15
;
Keil, Peter v. Ulm
87
;
Sachs
17, 391, 20
;
Memminger Chron. a. a. O.
31, 20
;
32, 31
;
Eis u. a., a. a. O.
41, 15
;
ders., Gesundheitsl.
128, 23
;
138, 15
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 205
.
Vgl. ferner s. v.  8,  2.
3.
›als Mutter Christi semantisierte zentrale Person der Sinn-, Moral-, Handlungswelt vor allem des katholischen Christentums‹;
mutter
gilt als von Gott
auserwählte, gebenedeite jungfrau
3,
magd
4; sie wird über wechselnde Zuschreibungen in die Nähe Christi gerückt und in unterschiedlichen Stufungen an dessen Erlösungstat beteiligt; dem entspricht eine Ausstattung mit göttlichen Seinsqualitäten wie
demut, barmherzigkeit
1,
miltigkeit
3,
minne
2, die innerweltlich als moraltheologisch verpflichtende Tugenden erscheinen und mit zeittypisch positiven weiblichen Eigenschaften wie
keusch, rein, wirdig
(usw.) zu Verhaltensvorbildern erhoben werden; die Mutter Gottes ist zu verehren, man kann sie um Hilfe bitten; selber Leid ertragen habend, behütet und erlöst sie den Bittenden. Das Verhältnis der Mutter Gottes zu den drei innertrinitarischen Größen Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist ist mehrfach Gegenstand spielerischer poetischer Ausdruckskunst mit einem Ergebnis, das auch in frnhd. Zeit mit Verständnisproblemen verbunden gewesen sein dürfte.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
die m. grüssen / preisen, um hilfe anrufen / um trost bitten, zu mitler machen
;
eine magd m. und weib heissen / sein / werden
;
die m
. (Subj.) ˹
lieben, weinen
˺ (absolut),
jn. behüten / erlösen / erquicken, Christum dem vater opfern, uns den son leiblich anbrüdern, etw. klagen, pein leiden, die m. (gottes) eine magd sein
;
der m. eine kapelle widmen
;
eine jungfrau zur m. kiesen
;
die m. gottes / Christi, des sones / herren, des heiles, der barmherzigkeit / christenheit / gnade / miltigkeit / minne / trinität
;
die auserwälte / edle / heilige / keusche / liebe / wirdige / zarte m
.;
der leichnam
(›Leib‹),
die ere der m
.
Wortbildungen:
mutterkeit
›mystische Mutterschaft Mariens‹.

Belegblock:

Luther, WA
7, 189, 14
(
1520
):
das sie Christum im hertzen (durch den glaubenn) hat entpfangen, dan im fleysch, das sie ehr sein mutter ist worden im hertzen dan im fleisch.
Ebd.
7, 809, 10
(
1521
):
die heilige mutter gottes mit irer iungfrawschafft ader mutterkeit nit from ader selig worden ist, sunder durch den willen des glaubens und durch die werck gottis.
Ebd.
10, 3, 281, 23
(
1522
):
Darumb ist es [...] ain jrthumb, Das wir die muͦtter gottes, oder die hailigen woͤllen zuͤ mittler vor Gott machen.
Ebd.
30, 2, 284, 19
(
1530
):
wenn gleich jemand die mutter Gottes beschlaffen hette, so were es durchs Ablas vergeben.
Alberus, Barf.
7, 1
(
Wittenb.
,
1542
):
Franciscus bat die Mutter Gottes vmb ein trost.
Quint, Eckharts Pred.
2, 386, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
das der hoͤchste got hat vnser sterbliche natuͦr angenōmen in dem heiligen leichnam seiner werdiger muͦtter.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
682
(
Köln
1476
):
Hylgh moder der barmhertzycheit, vmbkeer vns vyand fell!
Fischer, Brun v. Schoneb.
4474
(
md.
, Hs.
um 1400
):
der andir cherubin so man seit | bezeichent uns ir muterheit.
Sermon Thauleri
10va, 5
(
Leipzig
1498
):
Nu bey der edeln muter cristi vorste͂ wir war lauter gotliche liebe.
Gille u. a., M. Beheim
84, 5
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Maria, aller frawen | Ain ewige juncfraw und mait, | ain muter aller miltekait und parmung.
Mayer, Folz. Meisterl.
74, 10
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Müter des süns, | Die uns | In leiplich prüdert an.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 223
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die andere demuͤtikeit, [...], ist, daz er eine arme iuncfrowe kos zvͦ einer muͦter.
Ebd.
2, 2208
:
die liebe muͦter gottes Maria [...] ist muͦter der minnen, [...] sv́ opferte in [Crtistum] dem vattere.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
142
(
schwäb.
,
1455
):
Hilff, muoter der trinitaut! | Ich ruoff dich an umm helff.
Klein, Oswald
2, 24
(
oobd.
,
1421
):
das firmament allaine | möcht uns beteuten gottes kind, | der seiner mütter vatter ist und man.
Ebd.
7, 20
(
1427
):
Traut, sëlig weib, | keuschliche maid, frau, mütter gottes kinde, | der uns durch dich all hat erlosst | von hellischem gesinde.
Luther, WA
10, 3, 325, 3
;
Stackmann u. a., Frauenlob
6, 2, 16
;
10, 3, 3
;
Fischer, a. a. O.
3921
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
60, 4
;
Hübner, Buch Daniel
4409
;
Küther, UB Frauensee
228, 1
;
Fastnachtsp.
1438, 23
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
85
;
Martin, a. a. O. Tempel
25
;
Stammler, Berner Weltger.
452
;
Dirr, Münchner Stadtr.
103, 30
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
170, 32
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
7, 1
;
8, 1
;
10, 1
;
16, 9
;
Klein, a. a. O.
29, 2
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
196, 5
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1.
4.
›Frau in einer herausgehobenen Position oder Funktion (letzteres seltener)‹; im einzelnen: ›Großmagd auf einem Hof‹; ›Äbtissin‹; ›Hausmutter, Leiterin des Gesindes‹; ›Leiterin von Gesellenunterkünften‹ (a. 1648;
Rwb
9, 1094
); ›Hebamme‹; ›geistliche Ratgeberin‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Wortbildungen:
mutterhaus
›Zunfthaus‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
1, 42, 3
(
preuß.
,
1385
):
alzo das der [smydeknechte] mutirhus und alle ire vorsamelunge slechtis sal abegen.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
71, 29
(
preuß.
,
1445
):
dy mutter vorkoufft 7 schog kese.
Struck, Joh. Pfannstiel
288, 8
(
mosfrk.
,
1619
):
2 Sm. der Schwarzfärberin zu Fackenhofen,
der guthen mutter
[wohl ›Hebamme‹]
aus der Ems.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
19, 5
(
hess.
,
14. Jh.
):
Alle irre
[der
suster
]
notdurfte sollen sie warten von irre muder.
Ebd.
27, 22
:
daz da geschiet ane willen der geistelichen muder, daz wirt gezalt zu ideler eren.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 280, 8
(
hess.
,
1500
):
so ein gesell sich auf der herberg wurde ungebärlich halten [...], sollen sie sich mit dem vatter und mit der mutter vertragen.
Lauchert, Merswin
37, 24
(
els.
,
1352
/
70
):
ich sprach an stette zuͦ ir [closenerin]: liebe mvter, ich begere hv́te an dich, daz dv es durch got tvͦst.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 219, 9
(
Straßb.
1466
):
Dorumb wil ich die iungen witwen zegemecheln
.
zegebern sún zesein mútter
[1475
2
:
haußmuͦter
]
des ingesindes.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 567, 23
(
moobd.
,
1494
):
Anna Schaͤczerin, der zeitt muͦter in des Puͤtrichs regelselhaws hie zw Muͤnchen.
Mollay, H. Kottanerin
20, 3
(
moobd.
,
1439
/
40
):
„Wellt ir mich geweren, wes ich euch pit, So wil ich ew sagen, was ich in meiner hand hab.“ Do sprach die edel KungInn: „Ja, liebe mueter.“ Da sprach die Am: „gnedige fraw, ich hab ainen Jungen Kunig in meinen henden.“
Ziesemer, a. a. O.
21, 26
.
5.
›Wurzelstock‹ (1 Beleg); dazu meist ütr.: ›Quelle, Wurzel, Grund, Nährboden, Ursprung, Beweggrund e. S.‹; insgesamt Ütr. zu 1; offen zu 6.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
die m. des goldes, der armut / demut / sünde / warheit, einer sprache / stat, der experimente / kirchen
;
m. unflat
.

Belegblock:

Schöpper Vorr. (
Dortm.
1550
):
die offtberuͤrte Oberlendische zung / als ein außbundt vnd mutter vnser Deutschen sprach.
Mieder, Lehmann. Flor.
875, 19
(
Lübeck
1639
):
Die Zeit ist der warheit Mutter / vnd die weiß jhre Tochter zu rechter gelegenheit zu geberen vnd an Tag zu bringen.
Luther, WA
54, 261, 5
(
1545
):
ob nicht die Roͤmische Kirche, das ist, die Bepstliche, Hellische grund suppe billich sich rhuͤme Eine mutter aller Kirchen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
323a, 29
(
Frankf./M.
1649
):
sintemahln die Beicht an sich nichts nutze ist / wann sie nicht auß einem geaͤngstigten zerschlagenem Hertzen herruhret / dann dasselbig muß gleichsam die Mutter sein / ohn welche die Beicht nicht sein kan.
Jahr, H. v. Mügeln
164
(
omd.
, Hs.
1463
):
des si gefragt der keiser fri, | ab ich [philosophi] der künste mutter si.
Ebd.
171
:
ich [Gramatica] bin ein mutter früchte rich: | welch kint uß miner brüste tich | trinket, das erkennet wol, | wie es sin latin reden sol.
Sermon Thauleri
10va, 5
(
Leipzig
1498
):
Wã gotliche liebe ist ein mutter der ware͂ lauter demut.
Voc. Teut.-Lat.
u viijv
(
Nürnb.
1482
):
Muter der stete in einer gegende, metropolis.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
143, 19
(
Nürnb.
1548
):
so du ein weib hast / [...] / die muncket / parrlet / [...] vnd mutter vnflat ist.
Rieder, St. Georg. Pred.
207, 24
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz vierde [ist] daz si [Jherusalem] únser muͦter ist. da bi merkent minne.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 189, 22
([
Augsb.
]
1548
):
Hochfart ist die muͦter aller sünde.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
322, 6
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sô man die nidersten est
[des
vaigenpaums
]
peugt vnd si mit erden beschütt, sô pringent si ain neu geslächt umb die muoter.
Buijssen, Dur. Rat.
20, 22
(
moobd.
,
1384
):
wie wol vil sprach sind, yͤdoch sind dyͤ drey di vordristen: ebrayschew durich der ee willen gottes und auch darumb das si ist ain muetter ander sprach.
Ralegh. America iijv,
25
;
Stoltzius, Chym. Lustg.
95, 11
;
Franck, Decl.
345, 32
;
Sudhoff, Paracelsus
6, 472, 7
;
Buijssen, a. a. O.
6, 18
.
Vgl. ferner s. v.  2.
6.
›eine Sache oder Person als Medium, Entfaltungs-, Seins-, Wesensraum von etw. im Werden, in Entwicklung, Bewegung Befindlichem‹; als Allegorie an 1 anschließbar.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
j. eine m. werden, die christenheit js. m. sein
;
in der m. (der christenheit) etw. geschehen
;
die m. der gestirne, der (heiligen) christenheit
.

Belegblock:

Luther, WA
1, 702, 5
(
1518
):
Nun die muͤter diser morgenroͤt ist die liebe im hertzen [...]. In den worten nennet sich Paulus ain muͦter, und seine üter erzaigt er, das sein lieb sey.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
9, 21
(
Zwickau
um 1540
):
Die Mutter der Gestirne / die Nacht war vorbey / der Tag brach an.
Quint, Eckharts Pred.
1, 292, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dar umbe sprichet si [sêle]: ,diu kint mîner muoter hânt wider mich gestriten‘. Diu kint, daz sint alle die nidern krefte der sêle; die strîtent alle wider sie und vehtent sie ane.
Schönbach, Adt. Pred.
27, 23
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
In dem ewigen lande ist din mŭter die oberste Jerusalem, da sint [...] alle gotes heiligen.
Sermon Thauleri
1vb, 32
(
Leipzig
1498
):
die eigenschafft
[des
vaters
]
sal auch ein iglich mensch an ym haben, der ein geistlich muter wil werdenn disser gotlichenn geburt der sall al tzu mal in sich gehen.
Reichert, Gesamtausl. Messe
9, 25
(
Nürnb.
um 1480
):
gutheyt, die da geschicht in der muter
[19:
messe
]
der heyligen cristenheyt.
Ebd.
94, 18
:
sollen wir verstan [...] die heyligen cristenlichen kirchen; das ist: alles das, das die muter der heyligen cristenheyt gelaubt, setzt, gebeut oder verbeut.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
115, 46
.
7.
in einzelnen Belegen metaphorisch (zu 1) gebraucht; dann z. B. ›Bachbett‹; ›Schraubenmutter‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, , , .

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
24, 28
(
smoobd.
,
1625
):
Welcher wasser heben wolte auß der muter, der soll es [...] iederman ohne schaden thuen.
Pfälz. Wb.
4, 1491
.