geburt,
die
;
-Ø/-en
.
1.
›das Gebären, die Zeugung, Geburt; das Geborenwerden‹; auch bezogen auf die Geburt Christi;
zu  1; vgl.  1.
Phraseme:
(geschehen) vor/nach Christi geburt
(die Geburt Christi als zeitlicher Bezugspunkt für die christliche Zeitrechnung).
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
des herren / sones g.; die eliche / götliche / gnadenreiche / keusche / natürliche / neue g
.

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 473, 21
(
1527
):
das kaine gepurt on schmertzen mag geschehen.
Große, Schwabensp. 42, a,
19
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wan des ne was nicht vor Cristes geborte.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
142, 6
(
wmd.
,
1634
):
Der Sohn ist von dem Vatter sein | Nicht ohn Geburt entsprossen.
Strauch, Par. anime int.
27, 35
(
thür.
,
14. Jh.
):
dise zitlichen geburt haben geschrigit und gepredigit di engle.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 18, 6
(
hess.
,
1609
):
Daß den handtwerckern und zunfften uber kundschafft eelicher geburt zeugen abzuhören hinfürters verpotten sein soll.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
180, 8
(
Frankf.
1535
):
Er [agstein] vertreibt die schlangen / vnd ist guͦt den schwangeren frawen zu einer leichten geburt.
Allg. Schau-Buͤhne
33, 21
(
Frankf.
1699
):
Bald darauff wurde der König un̄ das gantze Reich durch die Geburt eines Dauphins hoͤchlich erfreuet.
Feudel, Evangelistar
7, 14
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
An dem suntage noch der geburt unsis herren schribit sente Lucas.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
73, 18
(
omd.
,
1487
):
des einen sones weip mitt dem kinde Jn der geburtt gestorben.
Quint, Eckharts Pred.
2, 238, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
In dirre geburt [Christi] würket got krefticlîche oder würket kraft.
Küther, UB Frauensee
102, 25
(
thür.
,
1340
):
Dirre brîf ist gegeben nach Cristis geburtin drizenhundert jar in deme virzigisten jare, an deme sûnabinde nach seinte Walcpurge tage.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
277, 37
(
thür.
,
1474
):
briff, der gegebin ist nach Cristi geburt vierczenhundert jar darnach in dem sechßundedryßigisten jare am fritage sent Sebbastiani unde Fabiani tage.
Göz. Leichabd.
167, 15
( 
Jena
1664
):
Hiob [...] verfluchte hier in Steigen seine eigene Gebuhrt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
9, 1
(
osächs.
,
1343
):
Jhêsus ginc vore und sach einen menschen blint von sîner geburt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
1, 21
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dy herschaft der Tartarin di hub sich in dem tûsintstin jare c und lxxxvij jare noch gotis geburte.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
141, 11
(
schles.
,
1387
):
Geschen am nehesten dinstage nach sente Johes tage Baptiste Nach Cristus gebourt Tusunt dreihundert iar in dem seben vn̄ achzigesten iare.
Reichert, Gesamtausl. Messe
90, 6
(
Nürnb.
um 1480
):
das sie [Maria] sey gewesen ein junckfrawe und also beliben in der geburt, dar vor und auch dar nach.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
98
(
Nürnb.
1517
):
Ein werk einer hohen barmherzikeit, in dem die widergeburt ist fürgangen der geburt.
Anderson u. a., Flugschrr.
24, 9, 23
([
Nürnb.
]
1525
):
das Fest vnsers herrn gepurt / das man Weyhennachten nennt.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
3, 47
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dis ist der vs gang vnd die geburt des sv́nes des ewigen lichtes, do men alle selikeit inne bekennet vnd siht.
Dreckmann, H. Mair. Troja
45, 21
(
oschwäb.
,
1393
):
ich der erst bin an der geburt, darumb sol ich auch der erst sein, der unser veind sol innan bringen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
49, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da ist ain kirch da die engel verkunten den hirten die geburt unsers herren.
Koller, Ref. Siegmunds
287, 5
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Der erst kayser, der ye was, der hieß Ninus, der Trier paüet und Solotern, als er kayser ward, das was wol sibenhundert jar vor Cristi gepürt.
Menge, Laufenb. Reg.
4430
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Nießwurtz die sú bereit | Ze niessend / als sú hand geseit | Wonn es die frǒwen sunder stúrt | Das ir geburte dester lichter wúrt.
Rieder, St. Georg. Pred.
62, 29
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Dú erst geburt ist ain lieplichú geburt, als wir all geboren werdent usser únser muͦter lip.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
42, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
man spricht auch, ob diu frawe irn âtem halt in der gepurt, daz si dester leihticleicher geper.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
182, 32
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
In solicher zeit, als man zalt nach Cristi unnsers leiben Herrn gepurt 1489, [...] starb bischoff Johannis von Gran.
Moscouia
D 4r, 36
(
Wien
1557
):
Sy [Anna] ist mit der letzten geburdt zuͦ Prag gestorben.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
55, 16
(
tir.
,
1464
):
Ainer der was plint von anfang seiner gepurd.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
23, 2
(
mslow. inseldt.
,
1499
):
Als man śchraibt noch Chriśti geburt 1499 den neheśten Montag nach Allerhailigentag.
Schmitt, Ordo rerum
75, 1
;
77, 23
;
Voc. Teut.-Lat.
l viir
;
Dasypodius
83r
;
Schöpper
58a
;
Maaler
160r
;
Hulsius
F iijr
;
Henisch
1399
 f.;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 32
;
Göpfert, Wb. Katechismus
86
;
Dietz, Wb. Luther
2, 29
 f.;
Dief./Wü.
604
;
Bad. Wb.
2, 315
;
Schwäb. Wb.
3, 139
;
Schweiz. Id.
4, 1634
;
Öst. Wb.
3, 1474
 f.
2.
›das (gezeugte) Kind‹, auch ›das Kind im Mutterleib, der Embryo‹;
metonymisch zu 1; zu  2, vgl.  1.
Phraseme:
mit der geburt gehen
›schwanger sein‹.
Syntagmen:
die edle / tote / unvertragene
›unausgetragene‹ /
unzeitige
›unausgetragene‹
g
.

Belegblock:

Luther, WA
21, 281, 20
(
1544
):
da ein unrechte, unvertragene geburt oder Monkind von jm selbs dahin stirbt und verdirbt.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Kor. 15, 8
(
Wittenb.
1545
):
AM letzten nach allen / ist er auch von mir / als einer vnzeitigen Geburt / gesehen worden.
Chron. Köln
3, 777, 24
(
Köln
1499
):
In dem selven jair [...] starf zo Coellen herzoch Ailf van dem Berge sunder geboirt.
J. W. von Cube. Hortus
105, 19
(
Mainz
1485
):
Disse blomen gesotten in wasser vnd das gedru͂cken drybet vß secundinã das ist die ander geburt.
Dubizmay, kurß zu Teutze
69, 17
(
hess.
,
1463
):
der Iungfrawn sante | Marien geburtt ist zu heyle | kumen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
58, 14
(
Frankf.
1535
):
Disen steyn gelegt in wasser drei tag / diß wasser trinck ein fraw die ein kind sol geberen / wirt von stund erloͤßt von der geburt.
Ebd.
182, 14
:
Welche fraw den rauch laßt vnden auff gehn / der treibt todte geburt auß / vnd reyniget die mutter.
Feudel, Evangelistar
116, 12
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
We den dy denne mit irre geburt gen unde den dy do sugen. wen iz wirt groz noth uf erden unde czorn desym volke.
Quint, Eckharts Pred.
2, 318, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu witewe was dar umbe gebrestenlich, wan diu geburt tôt was.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 391, 3
(
Bautzen
1567
):
Maria rein, dein gburt allein, | Ist vnser trost auff erden.
Chron. Strassb.
1, 301, 2
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wip, du hest enphangen dinen beschirmer, und dine geburt wurt sygenünftig und niemanne undertenig.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
209v, 20
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der wissen reb wurcz: die zúhet vsser der / frǒwen lib die toten geburt.
Ebd.
215v, 27
:
Ysopus ist guͦt mit haissem wasser dem wib, / der die geburt tod ist in dem lib.
Merk, Stadtr. Neuenb.
130, 11
(
nalem.
,
1616
):
daß ein [...] verleumbte person ihr geburt begerte ungebeurlicher weis zu verkurzen oder abzutreiben.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
41, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Wie diu gepurt an die werlt kome.
Ebd.
371, 2
:
daz tuot er auch mit wermuotwazzer und zeuht die gepurt auz dem leib.
3.
›Hervorbringung, Erschaffung, Schöpfung, Gestaltung‹; ütr. und bildlich zu 1;
vgl.  3.
Syntagmen:
die ewige / geistliche / götliche / himlische / hohe / minnigliche / neue g
.
Gehäuft in Texten der Mystik.

Belegblock:

Luther, WA
21, 480, 38
(
1544
):
so nu der Mensch Gottes Reich sehen solle, so muͤsse da ein newe geburt und gar ein ander natur werden.
Strauch, Par. anime int.
14, 21
(
thür.
,
14. Jh.
):
in deme heubite der sele, daz ist in vornuftikeit: da geschihit di gebort inne.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
19, 9
(
Frankf./M.
1626
):
so wuͤrde man es doch diesem Wercke / als der ersten Geburt vnserer Arbeit / gern zu gut halten.
Jostes, Eckhart
4, 36
(
14. Jh.
):
Der sun ist ewiclichen gewesen in dem vater, und er gebirt sinen sun an underlaz, und di geburt ist alle zeit newe.
Quint, Eckharts Pred.
2, 118, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wan got würket daz werk in der sêle, daz sîn geburt ist; sîn geburt daz ist sîn werk, und diu geburt ist der sun.
Ebd.
2, 627, 8
:
Got hât allen sînen lust in der geburt, und dar umbe gebirt er sînen sun in uns, daz wir allen unsern lust dar inne haben.
Logau. Abdank.
166, 7
(
Liegnitz
1651
):
Frome Christen sterben nicht; Jhr Tod ist jhre Geburt zur Unsterbligkeit / und der andere Tod hat keine macht uber Sie.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
35
(
Nürnb.
1517
):
In disser neuen geburt sein der vatter: got, die muter: der will, der erweckend samen: die verdienstnus unsers herren Jesu Christi.
Vetter, Pred. Taulers
234, 21
(
els.
,
1359
):
úch werdent alle úwer súnde gantz vergeben in diser geburt des heiligen krúzes.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1534
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die hende die des himels hurt | Und aller creatur geburt | Geschaffen hand mitt voller macht.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
22, 26
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Und haizzt in Aristotiles den krummen oder den schilhenden kraiz in dem andern puch von der gepurt.
Koller, Ref. Siegmunds
70, 22
(Hs.
um 1448
/
52
):
Das erst ist der recht dauff, der eyn part ist in die cristenheyt und eyn geystlich gebort.
4.
›Abstammung, Herkunft, Geschlecht, Geburt‹;
zu  3; vgl.  4.
Bedeutungsverwandte:
(
die
8, (
das
2,
1
 3,  5.
Syntagmen:
von deutscher / edler / elicher / erlicher / feindlicher / götlicher / guter / hoher / rechter g. sein
.
Vielfach in Urkunden, Rechtsschriften.

Belegblock:

Pfeiffer, Nic. Jerosch. Chron.
153
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
er was ein Sachse der gebort.
Große, Schwabensp.
156a, 28
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
SWem man eyne wuͦnde sleit oder in beschiltet oder an luͦget, deme sol man buͦzen nach siner gebort vnder nach der schuͦlde.
Buch Weinsb.
4, 93, 5
(
rib.
,
1590
);
wiewol er sclechter geburt, eins aissenmechers sohn uff der Hanestraissen war.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
137, 1
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dan Marckair ist wol gefründet / vnd ist von guder gebürte.
Kollnig, Weist. Schriesh.
150, 38
(
rhfrk.
,
1517
):
auch der frembde muß einen schriftlichen schein beylegen seiner geburt und herkommens.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 260, 33
(
hess.
,
E. 16. Jh.
):
frembde jungen [...] sollen zuforderst ihre ehrliche geburt durch brieffliche uhrkund, der hiesige burgers sohne aber von alters durch lebendige zeugnus in unserer cantzley erscheinen und daselbsten in ein gewohnliches buch eingschrieben [...] werden.
Allg. Schau-Buͤhne
39, 51
(
Frankf.
1699
):
Dieser [Graf] war nebst seiner hohen Geburt ein Herr von vortreflichen Gaben und Qualitaͤten.
Behrend, Magd. Fragen
131, 26
(
omd.
,
um 1400
):
unde das sal nicht volgen von kinde zcu kinde, die wile man dy uneliche gebort bewissen unde beschelden mag.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
7, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Billichen klage ich, wann sie was edel der geburt, reich der eren, schöne.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
22, 35
(
thür.
,
1474
):
doch dyselbin zcwey kint von vater unde von muther glicher geburt sind.
Ebd.
145, 2
:
Als dy frouwe met uns genanten recht geswisterde kint von vater unde muther rechter unde elicher geburt gewest ist.
Thür. Chron.
9r, 6
(
Mühlh.
1599
):
Der ist Edel / welchen seine Tugendt Edel macht / die Geburdt macht einen Narren / Buben vnnd Schalck nicht Edel.
Stackmann u. a., Frauenlob
11, 7, 2
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
Ich wil dem adel macht bewisen: | daz ein ist an geburt, die sol man prisen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
47, 13
(
Straßb.
1650
):
Höre das Gepräng der Abdanckung, warin des Rühmens der Person, Geburt, Herkommens, Stammens, Namens vnnd Standts titul [...] kein ende ist.
Österley, Steinhöwels Äsop
291, 2
(
Ulm
1474
/
82
):
Unsälig ist der mensch [...], welher sich in übermuot höher und edler ufftreiet wann syn geburt [...] begeret.
Karnein, Salm. u. Morolf
584, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ich bin von geburt ein künigin her.
Bihlmeyer, Seuse
224, 11
(
alem.
,
14. Jh.
):
ich bin von hoher geburt, von edlem geschlechte.
Köbler, Stattr. Fryburg
185, 26
(
Basel
1520
):
Der vnflatskinder halb / diewil die vß verdampter vermischung vnd abschüchlicher geburt herkommen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
83, 18
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Umb des willen wil ich noch fürbas von diser liny sagen von dem edlen kaiser Karlen und seiner gepurd.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
95, 6
(
tir.
,
1464
):
die da geporen waren von der ëdlisten gepurd.
Mollay, Ofner Stadtr.
28, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
der selbig sol sein von deütscher art vnd gepürdt von allen seinem geslähte.