amme
(vereinzelt mit Diminutivsuffix:
ammel
),
die
;
-n/ -n.
1.
›Frau, die ein Kind stillt (selten von der leiblichen Mutter gesagt), Amme, Kinderfrau‹; sehr vereinzelt auf Tiere ütr.; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
a.
(Subj.)
jn. muttern / kinder tragen / milch geben / ein geschlecht ernären / kinder zu sich nemen / kinder mit brüsten nären; eine werde a. sein; [ein kind] einer a. befelen; pflicht der a.
; phraseologisch:
dessen walte eine sieche a.!
im Sinne einer Verwünschung gebraucht.
Wortbildungen
ammensauger
›Muttersöhnchen‹; verdeutlichend:
säugamme.

Belegblock:

˹Ütr.:
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
2018
(
preuß.
,
1331
):
Von himelischem vlamme | Ist si ein werde amme | Aller hubschheit und der czucht.
˺
Follan, Ortolf. Arzneib.
21, 4
(
rib.
,
1398
):
wente dat kynt suget dy suke von der ammen vnde wert dar von kranc. De amme sal nycht vorsalten spyse eten noch bitter; dat dut deme kynde we, vnde nycht vnreyns eszen. Se sal guͤden trank drynken. Se sal sych kuͤz halden, wante von vnkuzheyt vorwandelt sych dy mellych.
Große, Schwabensp.
215a
, 13 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
de Joden ne sůlen nene kerstene knechte haben noch cristene diernen noch ammen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
6280
(
md.
, Hs.
um 1400
):
gedenke sun, ich bin din muter, | du sogest miner bruste mamme, | ich was din muter und amme.
˹Ral.: Henisch
65
(
Augsb.
1616
):
Hoffmaͤgd / stauenmaͤgd / Huren vnd am̃en sind von einem stammen. Man kusset offt das Kind von der Mutter wegen / vnd die Amme vmb des Kindes willen.
˺
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
178, 24
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sô fräut sich sein [cukuk] amme diu grasmuk, daz si ain sô schœn kint prâht hât.
Mollay, H. Kottanerin
19, 4
(
moobd.
,
1439
/
40
):
heten zwo Ammen mit in bracht, die ain was hef Am, das ander was die am, die das kind neren solt mit den prusten, vnd diselb am het ıͤr kind auch mit bracht, das was auch ain Sun, Wann es mainen die weisen, es sei die milch pesser von der frauͤn, die ainen Sun bringt.
Piirainen, Stadtr. Sillein
71a
, 5 (
sslow. inseldt.
,
1378
):
An varendem weyben vnd an ammen mag tvn eyn man not vnd seynen leip vor wirken ob er sy an iren dank besleffet.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
7000
;
Fischer, Brun v. Schoneb.
3440
;
Matthaei, Minner. I,
8, 72
;
Brandstetter, Wigoleis
194, 31
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
2985
;
3116
;
3342
;
Welti, Stadtr. Bern
509, 5
;
Roth, E. v. Wildenberg
101, 21
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
495, 22
;
500, 14
;
2.
›Mutter‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1.
Syntagmen:
a.
(Subj.)
gebären; der a. rufen / in der wamme liegen; in der a. wachsen; a. gottes / des geschöpfes.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
20850
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do die lutter gotheit geberk | Nam in der megede wammen, | Do wuchz her in der ammen | An einen berk wol also groz.
Mayer, Folz. Meisterl.
8, 161
(
nobd.
,
v. 1496
):
Umfach des creuczes stame: | Dar pey finstu die amme | Gotes Jhesu.
˹Ütr.: A. à S. Clara. Glori
13, 25
(
Wien
1680
):
Die Sonn [...] dieser strahlende Fuͤrst der Planeten / diese Lieb- und Lebenhaffte Ammel aller Erden-Geschoͤpff.
˺
Jahr, H. v. Mügeln
59
(
omd.
, Hs.
1463
):
davon der name werd gericht | der tochter und der ammen din, | die dich gebar an alle pin.
Ebd.
1793
;
Mayer, a. a. O.
4, 22
;
Goedeke, Fischart
177, 66
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 48
;
47, 13
.
3.
›Hebamme‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Wortbildungen:
ammenwerk
›Hebammenarbeit‹.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 163, 5
(
Straßb.
1466
):
Do rachel gebar [...] sy begund zeuerderben vmb die vnsen ftikeit der geburd. Vnd die amm sprach zů ir.
(
Luther
, s. u., an dieser Stelle:
wehmutter
).
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
159, 39
(
nobd.
,
1475
):
Der Ammen satz. [...]. Auch wo es not were, das sich der ammen eine der sache nicht verstunde.
Ebd.
181, 12
;
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
35, 17
;
Dietz, Wb. Luther
66
;
Schwäb. Wb.
6, 1508
.