dreschen,
V., unr. abl.;
teils auch regelmäßig;
zu
mhd.
drëschen
›dreschen; (bildl.) quälen‹
(Lexer
1, 460
); zu Etymologie und Formenbildung vgl. Dwb, Neub.
6, 1386
 f.
1.
›dreschen; Früchte (z. B. Getreidekörner, Hülsenfrüchte) aus der Spreu, den Ähren, Hülsen u. Ä. ausklopfen, heraustreiben‹; dies erfolgte durch Schlagen (mit hölzernen Stäben) sowie (vor allem in den biblischen Belegen) durch Austreten (mit Ochsen, Pferden u. Ä.) oder Auspressen (z. B. mit einem Dreschwagen); im Kontext von Religion und Mystik ütr.: ›jn. / sich / etw. aus etw. herauslösen, von etw. (z. B. von Sünden) reinigen, befreien‹; auch ütr. auf die sexuelle Betätigung (des Mannes) sowie mit Tendenz zu bildlichem Gebrauch: ›etw. (z. B. Phrasen / Worte) dreschen, herunterleiern‹.
Gehäuft Texte der Sinnwelten ,Recht / Wirtschaft‘ und ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
eitles / leres stro dreschen
›unnütze, wertlose Arbeit tun‹;
in einer leren scheune dreschen
(hier zweideutig auf Sexuelles bezogen);
die bauern dreschen gehen lassen
›die Bauern laufen und ihrer Arbeit nachgehen lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
 13,  1,  1,  1,  6,  8,  3, ,  15, ; vgl.  13,  1,  4,  5,
2
 16,  2, , ; des Öfteren im Orientierungsfeld mit anderen bäuerlichen Tätigkeiten bzw. Arbeitsgängen in der Getreideverarbeitung genannt, wie z. B.
1
,
1
 2, (V.) 1,  2,  12,  1,  1,
2
 1,
2
 1, , , , .
Syntagmen:
j
. (z. B.
der bürger / knecht
)
d. (können), j
. [wann, z. B.
x tage
], [wie, z. B.
auf hofnung, auf dem zehenten
], [wo, z. B.
in dem schlos
]
d., jn. d. hören, jm. zu d. gebieten
;
etw
. (z. B.
den zehenten, die gülte, das futter / korn, die garben / wicken
)
d., etw
. [wann, z. B.
tag und nacht
], [wie, z. B.
gar zunichte, auf einem leilachen, mit egen / flegeln, um taglon
], [wo, z. B.
im ten, in einer scheune
]
d
.;
jm. etw. d., den rossen futter d
.;
sich aus etw
. (z. B.
aus der mische
)
d
.;
etw
. (Subj.)
gedroschen sein / werden, etw. durch jn
. (z. B.
durch tagelöner
),
mit jm
. (z. B.
mit dem hausgesinde
), [wie, z. B.
fein / lauter
]
gedroschen sein / werden
;
der gedroschene / ungedroschene haber, das gedroschene getreide
.
Wortbildungen:
˹
drasch
,
dresch
1 (a. 1566),
dresche
˺ (›Tätigkeit des Dreschens‹; metonymisch auch: ›Resultat des Dreschens, das Gedroschene‹; ›Zeit des Dreschens‹; dazu bdv.: vgl. ,
das
), ˹
dreschet
(a. 1581),
dreschezeit
˺ ›Zeit der Drescharbeit‹,
dreschgärtner
›Kleinhäusler, der gegen Rohertrag die Ernte des Gutsherrn einbringt und ausdrischt‹ (a. 1603),
dreschgeschir
,
dreschgut
,
dreschkarre
,
dreschochse
,
dreschpfennig
(a. 1366),
dreschtag
›Tag zum Dreschen in der Fron‹ (15. Jh.),
dreschtenne
(a. 1631),
dreschwagen
›ein wagenähnliches Gerät, dessen breite Räder über ausgelegte Ähren gezogen wurden, ein Dreschgerät‹.

Belegblock:

Schöpper
78b
(
Dortm.
1550
):
Troͤschen korn außtrucken.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
577, 24
(
preuß.
,
1436
):
Aldehoff: 50 scheffel gerste, och ist nach czu dresschen, 4 leste haber gedrosschen und ungedrossen, 4 scheffel korn.
Luther, WA
17, 2, 120, 11
(
1527
):
wie man die lerer neeren soll und dem dressch ochsen das maul nicht verbinden, denn das were yhe eyn grober undanck.
Ebd. WA
47, 412, 1
(
1537
/
40
):
Was man da drischt, ist eittel stroh, wird nichts aus.
Ders. Hl. Schrifft. 3. Mose
26, 5
(
Wittenb.
1545
):
die Dresschezeit sol reichen bis zur Weinerndten.
Ebd. Jes.
28, 27
 f.:
man dresschet die Wicken nicht mit egen / So lesst man auch nicht das wagenrad vber den Kümel gehen / Sondern die wicken schlegt man aus mit eim stabe / vnd den kümel mit eim stecken. Man malet es / das Brot werde / vnd dresschet es nicht gar zu nicht / wenn mans mit wagenraden vnd Pferden ausdresscht.
Ebd.
41, 15
:
Sihe / Jch habe dich zum scharffen newen Dreschwagen gemacht / [...] / Das du solt Berge zudreschen vnd zumalmen / vnd die Hügel wie sprew machen.
Apherdianus
126
(
Köln
1575
):
Flagellare, Exspicare, Tritturare, dröschen.
Struck, Joh. Pfannstiel
1755, 3
(
mosfrk.
,
1549
/
50
):
Ein fremet knecht, [...], hat gedrassen und zacker gefarn 13 tag, im gegeben 13 alb.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 17, 2
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
Ei waz sich mischet und unmischet, | unt waz sich ûz der mische drischet.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
64, 3
(
osächs.
,
1570
/
7
):
die scheune [...], wann die drescher vom drasch gehen, gewiß vorschlossen.
Fastnachtsp.
324, 1
(
nobd.
,
n. 1450
):
Des wil ich mich an mein hausfrau ziehen | Und wils mit meinem eit beteuren; | Soll ich dan treschen in ainer leren scheuren?
Sachs
22, 7, 6
(
Nürnb.
1524
):
Chorherr. | [...], ich byn hinden im sommerhauß gewest und han abgedroschen. | Schuster. | Wie? hond ir gedroschen? | Chorherr. | Ja, ich han mein horas gebeet.
Vetter, Pred. Taulers
179, 16
(
els.
,
1359
):
Ein guͦt man stŭnt und trasch sin korn, und in dem wart er verzuket.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 82, 18
 f. Var. (
Straßb.
1466
):
Nit verbind den mund des ochsen des trettenden
[Var. 1475
2
-1518:
dez treschenden ochssen
; Luther
1545, 1
. Kor. 9, 9:
Du solt dem Ochsen nicht das Maul verbinden / der da dreschet
].
Ebd.
6, 85, 15
Var.:
er macht vber sy zuͦ vbergen trestel vnd schliten vnd eysen wegen
[Var. 1475
2
- 1518:
ließ úber sy geen treschkarren
].
Dasypodius
242r
(
Straßb.
1536
):
Vor zeyten troͤschet man das korn in den dennen nit mit pfleglen / sunder druckets auß mit waͤgē haru̇ber geschleyffet. [...] Ein gehaltnuß soͤllicher schleyffen / odder troͤschgeschier.
Golius
52
(
Straßb.
1579
):
Tribula [...] vorzeite͂ ein Troͤschwage / jetzunder aber ein pflegel.
Rieder, St. Georg. Pred.
29, 6
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Nu muͦssent aim jeglichen korn sechs ding e geschehen e es zuͦ brot werde. daz erst daz man es snidet; daz ander daz man es bindet; daz dritte daz man es droͤschet; das vierd [...].
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
122
(
Genf
1636
):
Dreschboden.
Ebd.
534
:
Treschen / die frucht mit flegeln außklopffen [...].
Niewöhner, Teichner
517, 82
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1368
˺):
der da drischt und habt den phluͦg, | der ist darumb nit ain puͦr.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
68, 36
(
Ulm
1486
):
Das ist das best von unß ziehen. als die tresche uß den ehern.
Klein, Oswald
38, 12
(
oobd.
,
1409
/
10
):
All unser veind an zal | sein zu mal | schricklich ser erloschen | von dem kindlin klaine, | sein raine | lauter vein gedroschen.
Ebd.
79, 39
(
1418
?):
Ge smierb den wagen und drisch den rossen fütter.
Winter, Nöst. Weist.
1, 105, 31
(
moobd.
,
15. Jh.
):
wer ettwas hingeit, es sei traid oder viech, das sol mautfrei von dannen gen, und dreschgut das die drescher verdient.
Mieder, Lehmann. Flor.
784, 6
;
Ziesemer, a. a. O.
48, 16
;
Brinkmann, Bad. Weist.
240, 24
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
19, 28
;
Küther, UB Frauensee
267, 35
;
Strauch, Schürebrand
53, 14
;
Wiessner, Wittenw. Ring
3832
;
Löffler, Columella/Österreicher
1, 114, 17
;
Barack, Zim. Chron.
12, 7
;
Klein, a. a. O.
82, 66
;
Niewöhner, a. a. O.
351, 68
;
Serranus
53v
;
Maaler
409r
;
Henisch
1408
;
Rwb
2, 1106
 f.;
Pfälz. Wb.
2, 489
;
Schweiz. Id.
14, 1349
 ff.;
1357
;
Schwäb. Wb.
2, 321
;
368
 ff.
Vgl. ferner s. v.
1
 2,  1, (V.) 1,  1.
2.
›jn. verprügeln, verdreschen; auf jn. / etw. oder in etw. kräftig und anhaltend einschlagen‹; tropisch: ›jn. quälen, bedrängen‹ (auch von Zuständen des Menschen gesagt); als Ütr. anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
 1, (V., unr. abl.) 36,  23, , , , ; vgl.  2, ,  1011,  6,  1.
Wortbildungen:
dresch
2 wohl ›Quälerei; Bedrängnis, Verfolgung‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 183, 1
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
So sein auch alle Handtwercke [...], dergleichen die gemeinen burger [...] allesampt uff die Pfaffen und Munche gedröschen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
18877
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô er [...] getet | [...] diz gebet, | so gar an im dî brunst vorlasch, | di vor ûf in sô swinde drasch | in schundinde zu abekust.
Luther, WA
48, 231, 33
(
1546
):
Darumb streich, peitzsche, drisch auff vns gerechter Gott.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
510, 106
(
Magdeb.
1608
):
Noch mehr fluchten sie [Meuß] allen Froͤschen / | Wolten sie beissen / kratzen / dreschen / | Das sie jhren Koͤnig ermordt.
Ebd.
684, 5575
:
Ob gleich noch etlich [Maͤuß] widderstunden / | Den Krebshelden [...] / | Jhnen frisch in die Augen dreschten / | Vnd jhr vielen das Gsicht außleschten.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
534
(
Genf
1636
):
Treschen / Schlagen / Abschmieren.
Turmair
4, 902, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
in disem dräsch [...] ist von christlichs glaubens wegen enthaupt worden [...], Leonides.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
2437
(
tir.
,
v. 1496
):
Ist nun mein hertzen liebes kind tot? | Ist nun das klare liecht erloschen, | Darauf die sünder haben getroschen?
Schweiz. Id.
14, 1352
.