streichen,
V., unr. abl.,
vereinzelt V. (schwach, regelmäßig); zur Geschichte dieses Nebeneinanders s. ; eine semantische Differenzierung der Flexionsklassen ist für das Frnhd. nicht erkennbar. – Das Bedeutungsspektrum zeigt eine außerordentlich vielschichtige Vernetzung; die hier vorgetragene Reihung trennt die raumbezogenen Verwendungen (Ansätze 1; 2; 3) von denjenigen, denen die Streichbewegung zugrunde gelegt werden kann (Ansätze 4–9); andere Gliederung im ff., im ff. sowie im ff.
1.
›sich räumlich aus etw. heraus, zu etw. / jm. hin bewegen, zu etw. / jm. hineilen, kommen, gehen, reisen, ziehen‹; meist von Personen, auch von Sachen, darunter abstrakt Gedachtem gesagt; je nach Bezugsgröße im Einzelnen z. B.: ›[wohin] flüchten, entweichen‹; ›[wo] herumstreunen, herumstreichen, vagabundieren‹ (jeweils von Personen); mehrfach ütr., dann z. B.: ›wandern‹ (von Wolken); ›jn. umkreisen‹ (von der
minne
in Bezug auf Personen); ›nach
liebe
streben‹ (vom
herzen
gesagt); ›auf bestimmte Weise (z. B.
in gehorsam
) leben‹; ›nachgeben, sich ducken‹; ›jm. erscheinen‹ (von einem
geist
gesagt).
Phraseme
(jm.) von den augen, aus dem wege streichen
›verschwinden‹ (als Aufforderung);
jm. streicht etw. zu herzen
›jm. geht etw. nahe, zu Herzen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (V., unr. abl.) 4, , 1; 3; 4, 1, 2, .
Syntagmen:
eine schar
[wohin]
s., j. hin und her, vor jm. hin, über land sich an jn. s., j. durch js. tochter ferre s., j. hin gegen Salern, zu Galilea, durch den tan s., Christus aufwärt s., der wiedersacher aus der stat s., j. in dem gehorsam, ein knecht um die küche, j. in das kloster, in der schmacheit
›Verdammnis‹
s., ein pferd aus dem ingesiegel s., das wasser
(Subj.)
aus dem mere, die wolken vor den winden s., j. vor dem sturm, vor einem greuel s., die freude / wonne
[wo]
s., die schmähe herwieder s., die bröde (des menschen) vor dem tode s., die minne an jn. s., ein geist
[woher]
s
.;
jn. streichend
(objektbezogenes präd. Attr.)
begreifen
;
der streichende betler, dieb, die streichende reise
(hier Verschiebung der Bezugsgröße von dem sich Bewegenden auf
reise
›Bewegung‹).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz ist diz vleischen gewant, | Daz wol den wolken glichet, | Die vor den winden strichet: | Also strichet menschen brode | Vluchtic hir vor dem tode.
[ich] wart gewar daz ein bleich | Pfert uz dem ingesigele streich. | Der daz pfert reit zu siner not.
Dar zu im muze entwichen | Vroide, wunne, di hi strichen | Mit schrifte in dirre carten.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
So vant er in ie ebene | In dem gehorsam strichen | Und nindert dar uz wichen.
Thiele, Minner. II,
23, 224
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
die rode stryffen ich beduden | nit dan valsche mynne, | die zewers an menchen luden | stricht ome die zynne | in cleift dat herze in suͦre rasten.
Ebd.
32, 180
:
is [hertze] mois hem selbe auch ontlichen | und alle tzyt nach liebe strichen, | is si zu vreuden of zu noden.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
vre weder saichen sint entwichen | ind vs der stat, wene ich, gestrichen.
Karnein, Salm. u. Morolf
134, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Morolff, aller erst hast du unrecht gethan! | striche balde von den augen min!
Ebd.
192, 2
:
Sie [ritter] hiessent den ußerwelten tegen | balde strichen von dem wege.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wiewol ich mich kan baß bewegen, | Auff alle seiten dem Windt entweichen. | Wenn du vor grossem sturm must streichen, [...].
Nach dem jetzt die grimmigen Lawen | All Thier fast trutzen vnd bedrawen | [...] | Mit jrer Tyranney vnd rach, | Mit wuͤten, toben vnd gewalten | All Thier so trutzlich vnderhalten, | Vor jrem grewel muͤssen streichen, | Vnd gleich wie in einr fallen kreichen, | Muͤssen sich ducken, bucken, schmucken.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Wider ist er [Cristus] gestrichen | Uf wert zu sime lande.
Ir
[der
toten
]
ein teil werden gemeit | Lebende ewiclichen | Mit Gote. so muz strichen | Daz ander par in smaheit.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
245, 22
(
nobd.
,
1406
):
dedimus 109 gulden firren mit spissen, sie wir dem lantfr. zu ainer streichenten rais lichen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Allso rast, zeyt und weil hin weicht, | Dag, woch, menet und jare, | Allter und swech her wider streicht, | Ze lest der dot, nempt ware.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
1035
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Am freytag vmb die zehend stund | Der geist herzuͦher strichen bgund | Mit einem grausamlichen leben.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
daz ain hirtte durch den tan | Mit sinem vich gestrichen kan.
Ich bin gestrichen verre | Durch üwer tochter die magtt.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
Indem warent vil guͤter endlicher lúten [...] hinzuͦ gestrichen und schussen gar vast zuͦ inen.
Wiessner, Wittenw. Ring
8920
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Und schluog ıͤr mangen zuo der erd! [...]. Niemant gtorst sich an in streichen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Dahin Streychen / Sein straaß faren. [...]. Er Streycht dem velsen zuͦ / Er nimbt den waͤg gegen dem velsen zuͦ.
Streichen / Vmblauffen / vmbschweiffen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wiewol er seiner schwester und andern mit groser beschwerdt anzaigt, das es im zum herzen strich.
Brandstetter, Wigoleis
206, 24
(
Augsb.
1493
):
Er [...] ritt froelichen vnnd vnerschrocken dem greülichen wurm nach der strich nach seiner gewonheit hin zuo dem walde.
McClean, Havich
3589
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
Der pot nicht lenger paitt, | er straich gen Salern in das lant.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
15. Jh.
):
ob ain frömder streichunder diep auf des gotshaus grünt köm.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 165, 18
(
moobd.
,
1524
):
dieselben streichennden petler, die sich also in schein des petlen allennthalben eindringen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5700
;
Helm, H. v. Hesler. Nicod. ;
McClean, a. a. O.
1744
;
Winter, a. a. O. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 230
.
Vgl. ferner s. v. , 23.
2.
›sich in der Länge erstrecken, in eine bestimmte Richtung verlaufen‹ (von Erzlagerstätten gesagt, relativ zum Beobachterstandpunkt und in Bezug auf die Mittagslinie).
Nahezu ausschließlich omd.; fachbezogene Texte.
Syntagmen
(meist subst.):
den gang des streichens innehalten, das gebirge tief des streichens haben, die gänge
[wohin]
s., die erze
(Subj.)
gegen morgen zu
(›nach Osten hin‹)
s., etw
. (Subj.)
die gänge aus irem streichen verrücken
; subst.:
˹die gänge
(Subj.)
durch ir streichen veradelt werden
;
das streichen der gänge˺
;
der streichende gang
.

Belegblock:

Schmitt, Fachprosa
37, 14
(
omd.
,
um 1500
):
Das streichen der kupfergeng vnd ir voradelung vornim tzugleycher weiß [...] von dem streichen vnd voradelung der silbergeng, dan allein, daz [...].
Ebd.
19
:
Sunder die geng, dy do streichen an dem gheng des bergs gegen dem mittag, seyndt subtiler, [...].
Ebd.
22
:
Auch werden dise genng voradelt durch ire strichen
(Beleg hierher oder zu
strich
?).
Löscher, Erzgeb. Bergr.
77, 12
(
omd.
,
1563
):
etzliche seyfengebuͤrge, so zu 4, 5, 6 lachtern tief in das geburge ihr fallens undter sich und streichens haben und suchstoͤllen treiben mußen.
Ebd.
102, 10
(
1548
):
der gang [muste] in der vierung wieder gesucht ader das streichens in festem gestein innegehalten werden.
Ebd.
114, 29
(
um 1559
):
das nach steigens und fallens der gebirge [...] die genge aus ihrem streichen vorruckte.
Ebd.
136, 22
(
1546
):
Darauf berichten sie, das ein jede fundgrube uf eim streichenden gange zweyundvierczigk lachter, [...] feldes haben soll.
Ebd.
219, 1
(
1554
/
1633
):
Vom streichen und unterschied der gänge.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
um 1509
):
Die weil aber die erz mechtig und viel seindt, auch nicht allewege auf den streichenden gengen, sondern den mehren theil umb die genge hangendts und liegendts fletzweise brechen, so [...].
Ebd. (
1663
):
welche [werk] wir ohne ihro ka. patenten solche gänge zu eröffnen nicht macht haben [...] patenten, solche streichende gänge [...] zu probieren.
Patocka, Salzwesen.
1987, 113
.
3.
›räumlich in bestimmter Weise verlaufen‹ (teils: bis zu einem Orientierungspunkt hin); in das Temporale ütr.: ›ablaufen‹ (vom Tag gesagt).
Bedeutungsverwandte:
1,
1
1, 3.
Wortbildungen:
streichschnur
›Messschnur für Tuche‹ (a. 1590).

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Auß dem Meridian aber / wird erkant / ob ein solcher Stern oder Punct / durch die Mittags Lini streiche.
das in gleichen Puncten der Zeit / auch gleiche Bogen des æqvat: oder Tag⸗Nacht⸗gleichers durch die quer Circkel streichen.
biß zu einem gewissen Punct im Æqvatore, der mit einem / in der Ecliptica gegebenen punct / zugleich durch dem Meridian streichet.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
um 1513
):
aws dem puncten a streicht ein andre linj, der end sey c.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
es geht die sag, | Amulius hab gestrichen tag | Sein Bruder thun ins elend jagen.
Streichen / Reichen / langen / [...], extendere. Mein garten (streichet) biß auff deñ Mayn.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ist dâ von, daz der vaizt rauch zæh ist an im selber und sich streckt nâch der leng.
Nyholm, Füetrer. Gralepen
665, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
ir herren, nembet war! | wie streicht der anckar durch dy wind so flucke?
4.
›eine Bewegung ausführen, in der sich zwei Bezugsgrößen leicht, streichend, oberflächlich berühren oder (im ütr. Sinne) als sich berührend gedacht werden‹; speziell z. B.: ›(an einer Geige) zupfen‹; ›(Fische) streichend einfangen‹; ›sich begattend, laichend durch Reisigbündel streichen‹ (von Fischen gesagt); ›(ein Zeichen) auf eine Wunde streichen‹; resultativ: ›jm. etw. abstreifen‹.
Phraseme:
die segel streichen
(nur 1 Beleg; hierher?);
jm. das helmlein durch das maul streichen
›jm. Honig ums Maul schmieren‹.
Bedeutungsverwandte:
2.
Syntagmen:
die fische / schmerle
(Subj.)
s
.;
(etw.) mit der hand s., das laub durch das maul s., das leiden (des herren) nicht durch das maul s., die macht von jm. s., die mutterlosen s., das gewand jm. gestrichen
›glatt, körpereng‹
stehen
.
Wortbildungen:
streichbere
›Sacknetz für den Fischfang‹ (a. 1557; Gw zu
1
1; dazu bdv.: vgl. , , , , I, 2, ),
streichblume
›Färberkamille‹ (deren Extrakt zum Bestreichen von Wunden, zum Stärken der Wäsche gebraucht wird; a. 1539; dazu bdv.: , , ),
streichbret
›Brett in einem Fischbach, das die Tiere in einen Fangbehälter ableitet‹,
streiche
1 ›Glättwerkzeug, Streichwerkzeug‹ (mit verschiedenem extensionalem Bezug),
streichgarn
›Netz zum Fischen‹ (dazu bdv.: , , ),
streichhame
›Netz zum Fischen‹ (Gw zu
1
),
streichkarpfe
(dazu bdv.: vgl. , ),
streichkraut
Reseda luteola (a. 1531f.); ›Kamille‹ (a. 1577),
streichmesser
ein Gerät zum Schärfen von Messern,
streichnez
›Jagdnetz für den Vogelfang‹ (das von mehreren Personen über den Boden, über Sträucher o. Ä. gezogen wird),
streichscheit
(dazu bdv.: ),
streichstein
1 wohl ›Wetzstein‹,
streichteich
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
244, 36
(
preuß.
,
1452
):
Schuampth: item ein valdemesser, eine streyche
[genaue Bedeutung unklar],
ein reckeysen, ein wergkmesser.
Ebd.
294, 32
(
1447
):
1 wetzcefeyle, eyne streichmesser und eyn usslegel.
Ebd.
665, 4
(
1437
):
Im snyczhusze: [...] 1 vyndemessir, 1 streichmessir, 5 schroteysen, 1 korcz schrotisen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
536, 938
(
Magdeb.
1608
):
Das er [Hirsch] die Pfeil aus der Haut streich | Vnd vnversehens daselbst behieng / | An seiner Hoͤrner krummen zinck.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
487,
Anm. 6 (
mosfrk.
, o. J.):
item sol der gehofener auch macht haben zu fischen mit einem streichbret und fischsack in der Kiel.
Karnein, Salm. u. Morolf
468, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Dem spielman er die harp uß der hende nam, | er leit die uff sine beine, | vil schone streich er dar an.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 197, 6
(
hess.
,
1529
):
Auch soll keiner von anfang deß mertzens biß zu sanct Jacobß tag mitt dem streichhame nit fahren.
Alberus (
Frankf.
1540
):
Anthemis [...] geel camill / steynblum / streichblum / lentzblum.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1602
):
begerende, sie solten ir zu ehren, nach altem gebrauch, die segel streichen laßen und sie mit dem geschütz grüßen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Danyelis got! | Er ist der, der ane spot | Leben hat ewiclichen, | Von im wirt nicht gestrichen | Sine macht nach werdikeit.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
50, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
uf der insiln voet man di rotin perlin mit eyme kessir, als man czu uns di mutirlosin
[s.
mutterlose
]
strichit.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
5, 1
(
osächs.
,
1570
/
7
):
das die streichteich zue rechter zeit mit leichkarpfen besetzet.
Ebd.
196, 19
:
so streychen sie [schmerl] und werden schön groß.
Ebd.
197, 9
:
Es mus auch darauf gesehen werden, das die kleinen fohren, [...], nicht ohne unterscheit aus den wassern genommen und den fischern mit den streichen zu fischen nicht gestattet werden.
Ebd.
200, 26
:
Welchermassen teiche anzurichten und zu besetzen, auch wie die streichkarpen zugerichtet werden sollen.
Ebd.
201, 20
:
so mus man etzlich gebund reisig anpfählen, daran sie [fische] streichen mögen.
Ebd.
30
:
In die beiden kleine streichteichlein, [...], pfleget man in jederen fumfzehen streichkarfen zu setzen.
Ebd.
219, 6
:
Umb das weidwerg, wie man lerchen bei nacht mit dem streichnetz uberzeucht, ist es also gelegen, das darzu drei oder zum wenigsten zwei personen gehören.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Wilst du haben noch wilder art, | So henck den reibstein auch darein, | Die scherladen und den streichstein
(es geht um das möglichst schreckliche Aussehen des Baders).
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
668, 8
(
els.
,
1362
):
[dirre man] seite wie sant Fanciscus sine minnezeichen hette gestrichen úber sine wunden.
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 11, 8
(
Straßb.
um 1514
):
Groß vñ Kleyn Meß zuͦ Weyß ṽn zuͦ Kern | Dar zuͦ eyn Wannẽ Streyche / vnd Scharen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
er [Constantinus] wer wuͤrdig selber Keiser zu sein, und streich inen wol das Helmlin durch das Maul.
Wiessner, Wittenw. Ring
93
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Der aten smacht ıͤr [Mätzli] als der swebel. | So stuond ıͤr daz gwändel gestrichen, | Sam ir die sele wär enwichen
(hier ironisch:
Mätzlis
Kleid schlottert).
Streichen mit der handt weg nem̃en.
Bauer, Geiler. Pred.
82, 19
(
Augsb.
1508
):
Sonder es [pferd] beisset nur das laub darab / und streichet es durch das maul als ain ander holtz / damit geet es für / wann es hatt nitt verstentnus.
Ebd.
24
:
wenn du unsers herren leiden betrachtest / so soltu es nitt durch das maul streichen / wie das pferd on verstentnuss / sonder [...].
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
um 1545
):
das der metz mit dem schwärm getraid gestrichen soll werden mit dem streichscheit auf dem eisn des selben metzn; und der habrn mit demselben metzn sol nit also gestrichen sein sonder mit der hant geschwaift werden ôn geverde.
Ebd. (
1529
):
die streichgarn sein verpotten
(in der Fastenwoche).
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1617
/
46
):
Es soll auch verbotten sein gruntzeug, streüchgarn, rackvüschen, grüppelpern, zuggarn, flüeßgarn, watt, oder secznecz, rochnecz, eüßhacken, mit schnuerangl, bei der puos.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1532
):
pro quattuor strych ad horreum laterum asp. 5.
Ermisch u. a., a. a. O.
220, 16
;
Marzell
1, 325
;
2, 608
(für
streichblume
);
3, 1301
(für
streichkraut
);
5.
›etw. (eine Salbe, Farbe; generell: Zähflüssiges) auf eine Unterlage sachlicher, sehr vereinzelt persönlicher Art streichen, auftragen‹.
Bedeutungsverwandte:
1; 2,
2
1; vgl. .
Syntagmen:
sich an dem leibe mit balsam s., etw. an / auf / in / über etw. / jn
. (Letzteres vereinzelt)
s
., z. B.
öl an das haupt, spangrün an die zäne, blut an js. augen, etw. an das eingeweide, eine salbe an jn., auf das geschwer, den schweis an das tischtuch, etw. an einen meissel, ein r auf ein blat, honig auf das haupt, safran auf das podagram, das zeichen (des kreuzes) auf die schultern, einen namen auf das herz, etw. auf leder, auf ein tuch s., farbe in den gral, gift in das mark s., einen kern über einer wunde, ein tuch über die wunde, etw. um den schaden, um die wunde s
.; mit verschobener Bezugsgröße (von der aufgetragenen Masse auf die Unterlage):
die hare mit einer salbe, die räudigkeit mit öl, etw. mit einer gans
(als Schmiermittel zur Köderung)
s
.,
etw
. (Subj.)
meisterlich, in eren gestrichen sein
; nachgestellt:
der schranz
›Lackaffe, Geck‹
gestreichet und gestrichen
.
Wortbildungen:
streichig
›streichfähig (von Arznei)‹,
streichpflaster
›streichfähige Arznei zum Aufstreichen auf ein Pflaster‹ (15. Jh.),
streichsalbe
›streichfähige Salbe‹ (15. Jh.).

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
25
(
Mainz
1485
):
secundinã das ist die ander geburt den buch da mit gestrichen ader den geroch des knobelauchs sal die frauwe vnden hervff zuͦ ir scheme laissen dempfen.
Ebd.
72, 13
:
brunellen getemperiert mit gersten mel senffiget die hitze in den augẽ dar vmb gestrichen.
Ebd.
75, 72
:
Wer sich vßwendig an dem lybe strichet mit balsam der wirt nit vßsetzig.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Is quam von frunden halben | ein frawe mit thier salben; | Die ließ hie [Judas] strichen an sich.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
60, 9
(
Frankf.
1535
):
Augsteyn gstrichen über die blöden augen machen sie klar.
Ebd.
11
:
Auch ist es [Augstein] guͦt gestrichen vff geschwere die da hitzig seind / vnd ziehen die hitz auß.
Jahr, H. v. Mügeln
285
(
omd.
, Hs.
1463
):
wie man eigentlichen sal | die farben in des tichtes gral | strichen mit sines pinsels ort.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
213, 2
(
osächs.
,
1570
/
7
):
bestreich ein fleck mit der gans, so kombt der fuchs daruf, walzt und streicht er sich und bestehet also gewis zum schus.
Keil, Peter v. Ulm
241
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Nym spongrün j quintin vnd j lot hönigs: daz meng zu samen vnd streich es an die zen, so sterben die wurm.
Ebd.
278
:
Ein wund-salbe. Nym bibenell vnd aicheln vnd garben vnd mayen-puttern [...] vnd drucks durch ein tuch vnd streiche es aussen vmb die wunden.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz er [diener der weisheit] die namen alle uf sin herz mit goͤtlicher begirde striche.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
ich [...] streich der biren kernen einen v́ber miner wunden eine.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
so koͤmet dorther ein snoͤder schrancz, | gestreichet und gestrichen; | alle muͤde ist ym entwichen, | die naht mag er wol springen.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Vil besser ist es, sie
[Mönche, Nonnen]
gon zuͦm dantz, | Vnd helffen vnß ein reyen springen, | [...] | Gen sant Arbogast faren hyn, | Jn weissen eren gestrichen fyn.
Wiessner, Wittenw. Ring
5854
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Secht, do ward er cheichent, | Den swaiss ans tischtuoch streichent.
Streichen / schmieren.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und nam (die) gifft und straich dye einem messer in das march.
J. W. von Cube. a. a. O.
121, 45
;
Thiele, Minner. II,
31, 717
;
Belkin u. a., a. a. O.
90, 8
;
96, 9
;
Pyritz, Minneburg
5197
;
Keil, a. a. O.
113
;
153
;
154
;
179
; S. 
469
;
Lauchert, a. a. O. ;
Lemmer, Brant. Narrensch.
15
;
Wyss, Luz. Ostersp.
9418
;
Eis u. a., G. v. Lebenstein
32, 22
;
53, 6
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Rohland, Schäden
535
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 117
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 275
;
Lehmann, Rezeptb.
265
.
6.
›etw. (Produkte unterschiedlicher Wirtschaftszweige) so bearbeiten, bemessen, qualitativ ausstatten, dass sie den Erfordernissen des gängigen Maßsystems, des Handels, der gewerblichen Weiterverarbeitung entsprechen‹ (allgemein); mit sehr weitem und aus den Belegen nicht immer erschließbarem extensionalen Skopus; im Einzelnen z. B.: ›(ein Trockenmaß) mittels eines Scheites o. Ä. glatt abstreichen und damit die Füllmenge maßgerecht bemessen‹ (dies im Unterschied zu , V., 1); ›(Tuch) glattstreichen und messen‹; ütr.: ›(einen Text) umdeuten, zurechtbiegen, löschen; (Gold) mit dem Probierstein auf seine Echtheit prüfen‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
das gestrichene mas
.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
haber / korn / tuch, das mas, die metze, leder, solen, mergel s., etw. gerecht mit einem scheit s
.;
das gestrichene viertel, die gestrichene allegation
; subst.:
das streichen des goldes
.
Wortbildungen:
streichbank
›Arbeitstisch, auf dem Gewerbeprodukten ihre letzte Form gegeben wird‹,
˹
streiche
2,
streicher
3˺ ›Streichlatte‹ (dazu bdv.: vgl. ),
streichgadem
(Gw zu 3) ›Probierhaus der Münze‹,
streichgeld
›Gebühr für das Prüfen von Metallen‹,
streichladen
(Gw zu ,
der
, 1),
streichlon
›Lohn des Ziegelmeisters‹,
streichmas
1 ›Arbeitsbohle des Ziegelstreichers‹,
streichnadel
,
streichstein
2 ›Probierstein‹ (für die Echtheit von Materialien, z. B. von Gold); ütr.: ›Prüfstein‹ (für das Evangelium),
streichwolle
›eine durch einen besonderen Arbeitsgang kraus gekratzte Wolle‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1408
):
1 m. 5 scot vor ronen zu hauwen zu 4 ofen zygel zu bornen. item 8 sch. vor eyne strychlade.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
521, 29
(
preuß.
,
1423
/
34
):
besidin, sthreichen ende wedir czustechen 5 ß.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
243, 13
(
preuß.
,
1452
):
eine streychbang czu vassen und eine zcu tonnen.
Luther, WA (
1537
):
nim den Streichstein oder Probirstein fur die hand, nemlich das Goͤttliche Wort, und probire, urteile und richte darnach alle das jenige, was die Veter geschrieben [haben].
Ebd.
780, 15
:
lass uns gehen zum Streichstein und lass uns mit der rechten ellen messen und sehen, ob sichs reime mit dem Vater unser und den Artikeln des Christlichen Glaubens.
Wolf, Gesetze Frankf.
114, 3
(
hess.
,
1406
):
was duche sie striichen, das sie die auch gerecht striichen und yderman die rechte lenge sagen.
Ebd.
225, 1
(
1417
):
und sal auch ir keiner die duche strichen, daran er underkeuffer gewest ist.
Bergner, Urk. Kahla (
thür.
,
1492
):
Es sal auch nimant miß nach zu geringe leder uf deme markt zu solen vorsneiden, auch nich die solen nach solenstücke streiche unde die solen [...] nach des hantwerks maße sneiden.
Lippert, UB Lübben
2, 286b, 12
(
osächs.
,
1572
):
6000 mirgel zu Luboltz gestrichen.
Ebd.
18
:
thutt in allen von streichlon 19 fl.
Grünhagen, Rechn. Breslau (
schles.
,
15. Jh.
):
Das Ich an dem amechte des Brengadens am offsetczen und streychen goldis und silbers, das hier brocht wird, dem rate[...] gewere sein wil.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1480
):
alle andere, die golt ubirkomen, die sullen sulchs yn die urberey brengen, dovon streychgelt und urberey geben.
Ebd. (
1509
):
so oft er einen hüttenherrn ein stück goldt anfrischt und streicht.
[allen geczeug] sal her schaffen und vorsorgen und sal auch haben und halden den streychgaden, wasz dovon gefellit, zu seynem notcze.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 291, 7
(
nobd.
,
1464
):
Es ist zwͤ merken, das die obgeschrieben bawern sulch 90 meczen habern weren auf den casten Cadolczpurg bey Erelbacher kornmasz, und haufen ein masz und streichen das ander und sprechen, es sey ir recht.
Ebd.
292, 2
:
so wer es abgeeychet: so man das kornmasz einmal hawft und einmal strych, so wer es gleich und als viel als zwen meczen habern.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Streiche / streichholtz. [...]. Streichsteyn damit man gold bewert.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1437
):
vff dem selben tag wurden ouch die wullschleger iro eiden erlaßen, die si gesworen hatten vmb das tuͦch zuͦ strichent.
Jörg, Salat. Reformationschr.
53, 38
(
halem.
,
1534
/
5
):
wo die nüwen secter [...] unzerstoͤrlich [...] fundamennt [...] haͤttend / zuͦ jrer saͤct so dienlich / wurdend sy mit aller macht und unmuͦs / aller truckeryen [...] lutmaͤr machen / und erheben / untz an den himel [...] / dann haͤttends noch so vil gestrichener / fingierter / gebogner allegaciones.
Streichholtz / n. oder streycher / damit man von der Mesten oder suͦmern das Korn vnd andere frucht abstreichen. [...]. Streichnadel / wie man sie zum metall braucht. [...]. Streichen / damit man das Goldt probieret.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Was ich ir hauff, das streicht sy mir.
Bastian, Runtingerb.
2, 46, 29
(
oobd.
,
1383
):
so gie auf daz golt und aͤuf daz silber ze prennen, ze streichen, ze wegen, ze kantten 7¾ Tukat.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1310
/
2
):
der prugkmetze sol nicht merer sein dann ein viertail von einem rechten galvay. Man sol in auch gestrichen nemen.
Fuchs, Urb. Göttweig
74, 31
(
moobd.
,
1425
):
Dy gemain doselbst (Penning) 3 mutt vogthabern mit ir aigen maß gestrichen mit ainem scheyt.
Ebd.
252, 30
(
1361
):
Hainr(icus) 20 metr. avene de beneficio gestrichnewͤ mazz.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
E. 16. Jh.
):
Wer traid hingibt oder kauft, sol man das schwer traid den metzen streichen und das ring traid haufen.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1624
):
inßleth, glett, endt, straichwoll, zerbrochen glas, scherwoll
(ein Betrag).
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1572
):
nemblichen das resch getraid als waiz und korn gestrichen, den habern und hiersch aber gupft oder gehauft.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1593
/
1671
):
In außtailung der reuter soll dise ordnung [...] gehalten werden: alß nemblich das ainen pauern der ain hueben hat nit vill uber ain geschübertes viertl oder acht mässl, ainen halbhüebler nit vill uber ain gestrichnes viertl.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
Es sol ain maier dacz Cell ainen gerechten landmeczen haben, der vier an ain streichmass geent, die mass sullen aigenlich gevächt sein.
Zingerle, Inventare (
tir.
/
vorarlb.
,
1485
):
vierzehen par protmesser mit swartzen schaln, sechs zirckl, ain streichstain, vier spatl.
Lippert, a. a. O.
288a
, 13;
Zingerle, a. a. O. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
7.
›jn., (häufiger:) ein Tier streicheln, liebevoll über js. Haare bzw. über die Federn, über die Haut, den Körper oder Körperteile eines Tieres streichen‹; ›sich nachdenklich übers Gesicht streichen‹; ütr.: ›jm. schmeicheln‹; ›sich schmeichelnd verhalten‹.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, oft gebundener Form.
Phraseme:
den balg / fälbel / falken / fuchsschwanz streichen, die ringe streichen
(als Zeichen äußerer Frömmigkeit).
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .
Syntagmen
(teils offen zu phrasematischer Festigkeit):
die mutze, den bart / balg / gauch / pfennig, einen vogel, ein tier, eine katze, den schwanz der katze / seine krullen s., mit der hand, mit gabe, tag und nacht s
.; zur Ütr.:
jm. s
.; subst.:
das streichen jm. gefallen, dem hund mit streichen ein zeichen geben
.
Wortbildungen:
streich
5 ›schmeichelnde Nötigung‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz how sint die weichen, | Die nicht me tuen wen streichen | Den balc.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
ich wold min crullil
[s.
krulle
]
streichin | unde in lôsim smeichin | dî andiren kalin leichin
(›die anderen Kahlen verspotten‹).
Luther, WA (
1524
):
Do sangk Marti. nider, streich mit seiner handt uber sein angesicht, bedacht sich unnd sprach: Ey hoͤre zu, das heyst bilder abthun, ey wie ein seltzam teutsch ist das.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Bey jm ich [Hundt] stets am Tische saß, | Auß seiner handt vnd Schuͤsseln aß; | Mit guten worten, klopffen, streichen | Erzeigt mir gar viel freundlich zeichen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
war aber daß nicht ein artiger streich / jhme
[dem
beichtiger
]
einen guten zutrit / bey der Gefangenen / oder bey derselben sich anmuͤhtig zumachen?
Goedeke u. a., Liederb. (
Frankf.
1582
):
Den falken können sie streichen, | dieweil wir bei in sein.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4278
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[das di wilden thir] sint geringe unnd auch snel | obir di zamen di man streicht, | unnd mit sanfften worten erwecht.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Nun wird er [Antonius] deß kriegs wenig warten, | Allein sich streichen umb die zarten
(Bezug auf
Cleopatra
).
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
nút enwenent das das wor gebet si das man vil gepoppelt mit dem munde [...] und vil vigilien liset und die ringe strichet und das herze har und dar loͤft.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
143, 26
(
els.
,
1362
):
Du hest me lustes in deme daz du dinre kaczen swancz streichest, denne dirre Basilius habe in aller sinre gezierde.
Goedeke, P. Gengenb. (o. O.
1515
):
Schmeichlen strichen mir wol gfalt.
Lemmer, Brant. Narrensch.
44, 3a
(
Basel
1494
):
Wer vogel / hund / jnn kyrchen fuͤrt | Vnd ander lüt / am betten jrrt | Der selb / dẽ gouch wol stricht vnd schmyert.
Wiessner, Wittenw. Ring
1590
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Zartend ward sei dreistund mer | Mit streichen und auch salben | Die mutzen allenthalben.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
786
(
Zürich
1560
):
Wer nit kan strychen haͤl und glatt | der selb sin teil da unden hatt.
Streichen mit der handt vber etwas fahren [...] Mulcere.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 93, 28
([
Augsb.
]
1548
):
Den Fuchsschwantz streichen.
Rot
287
(
Augsb.
1571
):
schoͤn thuͦn mit worten vnd wercken / den faͤlble streichen / zutuͤchtlen / sagen was man gern hoͤrt / zu gfallen reden / Eügel dien / Fuchsschwentz verkauffen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Durch losen und durch smaichen | Er chund nach gab nicht straichen.
Niewöhner, Teichner
418, 66
(Hs. ˹
wobd.
,
1360
/
70
˺):
also tuͦt der phenning zaichen | und ist sunderleich zu straichen | nur umb ains, ders achten chan, | daz er macht werden man.
Goedeke u. a., a. a. O. ;
Gille u. a., M. Beheim
25, 2
;
Bell, G. Hager
574, 3, 8
;
Williams u. a., a. a. O.
66, 25
;
226, 37
;
Primisser, a. a. O. .
8.
›nach jm. / e. S. schlagen; jn., einen Körperteil mit der Rute, der Peitsche o. Ä. schlagen, auspeitschen, geißeln, züchtigen‹ bis hin zu ›jn. totschlagen‹; teils mit Bezug auf das als gerecht legitimierte Bestrafen der Kinder, des Sünders, auch auf die Geißelung Christi; meist von Einzelpersonen als Handelnden (darunter Jesus Christus) gegenüber anderen, vereinzelt von militärischen Handlungen gesagt; ütr. auch: ›jm. mit etw. physisch wie psychisch zusetzen‹; ›jn. mit Worten schlagen, verbal attackieren‹.
Bedeutungsverwandte:
, 11, 1, 1, 3.
Syntagmen:
j
. [wohin] (z. B.
in die luft, nach jm
.)
s
.; meist mit Akk.obj. d. P.:
jn
. (z. B.
Jesum, Sanct Paul, den herren, den trügner, die feinde / schüler
)
/ etw
. (z. B.
die kele, schuldiges / leidiges
)
s., jn
. [wohin] (z. B.
heim, um die kirche
), [womit] (z. B.
mit ruten, mit ängstigung / schwermut / verfolgung
), [warum] (z. B.
um die sünde, um der sünde willen
), [mit welchem Ergebnis] (z. B.
danieder, zu tode
), [wie] (z. B.
ser / ungezogenlich
)
s., j. gestreicht
(hier regelmäßig flektiert)
aufwischen
; subst.:
vom wort zum streichen kommen
.
Wortbildungen:
streichampt
›Funktion des Henkersknechtes (s.
1
4), Verurteilte oder sonstige missliebige Personen aus der Stadt herauszupeitschen‹ (zum Gw vgl. ,
das
, 3; 4),
streichmal
›Striemen von einem Schlag‹ (a. 1529; Gw zu
2
,
das
, 1),
streichmas
2 ›Strieme, Wundmal‹ (Gw zu
1
,
die
, 2; dazu bdv.: 2, 1,
1
1, 1, 1, 2, , ),
streichmäsig
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1632
):
Doch stricht ihr in die Luft. Wer streitet wider Gott, | der schlägt sich selbst aufs Maul.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Cicatrix. Wundmaase, schnatte / narbe wundtmal beul / streime streichmaase malzeichen.
Luther, WA (
1524
/
7
):
wenn er einher platzet und streichet mit verfolgung, Engstigung, Schwermut und anderm, damit er uns Linckwerts zusetzet.
das euch ihene yns angesicht streichen, das ist, das sie offentlich euch schelden und schamrot machen und handeln euch mit grewlichen, ungeschickten, unverschampten worten, als weret yhr yhre esel und vieh.
Ebd. (
1546
):
Suͤndigestu, so lege dich williglich nider zur staupe, sprich, Streich Vater, doch so wie du heisst, (Wen Er vmb der suͤnde willen nicht streichet, der ist nicht aus seinen kindern).
Volkmar (
Danzig
1596
):
Liuidus, blawschwartz / streichmaͤsig.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
673, 5237
(
Magdeb.
1608
):
Da abr der Koͤnig nach jhm strich / | Vnd das Pferdt traff / da er entwich.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Die Querstoltze ir viande strichen | sonder rode, dat sy in entwichen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Von dem richter ist uns erleubet, | Mer soln en strichen, daß he teubet.
So enmagestu [wipp] uns nit erweichen, | Ganck von uns mer woln dich anders streichen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Da wolt er jm den dritten [schlag] geben; | Da wischt er auff also gestreicht, | Mit noth das er den Busch erreicht.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Herre, du bist gestrichen | Harte um unse sunde.
Strauch, Par. anime int.
39, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
du he [sente Pawil] [...] cristine lude anevechtin wolde, du strech un Got danidir.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
ded. Albrecht, leben, 1½ ℔. hl. vom streichampt.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Min [Ewige Wisheit] gemeitú kele waz vil ungezogenlich gestreichet, min reines antlút mit speichel gar verunreint.
Bächtold, H. Salat (
Luzern
1537
):
So nimpt er [herr] die gemachet ruͦt zur hand. Stricht schuldigs, lidigs, durch bank enweg, | Unangsehen, was party man pfleg.
Maaler (
Zürich
1561
):
Blaͤue wie streychmasen.
Einen mit ruͦten zuͦ tod Streychen.
Streichen / mit Ruthen steupen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Newer alain mit swertes slegen | Hat der auzderbelte degen | Vil mangen ser gestrichen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1532
):
Ob zwen in unwillen oder krieg sich gegen einander aufwurfen, vom wort zum streichen kämmen [...].
Ebd. (
1529
):
so soll er [gueter man] ain gërten nemen, sols haim streichen, das es
(das
zulosen am fënster
)
hinfur nimer thuet.
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 38, 7
(
mslow. inseldt.
,
1466
):
Ver Got vnd sein werde mutter [...] ẅbel tzusprecht, das der [...] schemlichen vnd entplöst bys awf dy Gürtl vnd parfueß vmb dy pharrkhirchen geschtrichn zal werden.
Spanier, Murner. Narrenb.
5, 44
;
Wiessner, Wittenw. Ring
962
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Qu. Brassó
5, 496, 19
;
Vorarlb. Wb.
2, 1342
.
Vgl. ferner s. v. 1, (V.) 6.
9.
einmal im Syntagma
streichende reise
›Streifzug‹ belegt; semantische Beeinflussung von (V.) I, 2 her.

Belegblock:

Vock u. a., Urk. Nördl.
2488
(
schwäb.
,
1379
):
sollten die Städte einen Streifzug
(
ain strichent rayzz
)
unternehmen wollen, sollen die A [...].