ausstossen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (z. B. Körperteile) durch eine Öffnung hindurchstecken, hinausstecken‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
39, 13
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
di arme [hatten] wanten endeiles ein spanne von der asselen oder zwo spanne, unde endeiles hatten nit me dan da man di armen ußstiß.
Vetter, Pred. Taulers
329, 32
(
els.
,
1359
):
das er [...] ein loch koͤnde vinden uf geton, das er sin hoͮbt koͤnde us gestossen.
2.
›(das Banner o. ä.) aufhängen, aufstecken‹; als Synekdoche: ›(Truppen) zum Aufbruch beordern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  1,  1,  3.

Belegblock:

Welti, Pilgerf. v. Walth.
44, 8
(
omd.
,
n. 1474
):
ßo stossen sie vff deme slosse eyn banyr vß.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 216, 21
(
alem.
,
1444
):
wenn man daz paner uszstosset hie ůf dem rathus.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 444, 22
(
halem.
,
1508
/
16
):
wurdend also die paner, das schüzen venli [...] usgestossen, das vormals nie me beschechen ist.
Schweiz. Id.
11, 1637
.
3.
›(einen Gebäudeteil) über einen anderen vorragen lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 526
(a.
1655
).
4.
›etw. aus seinem natürlichen oder von Menschen hergestellten Zusammenhang herausschlagen, herausstoßen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (z. B. einen Bienenkorb) stoßend leeren‹; auch: ›(Wein) ausschenken‹.
Phraseme
dem fas den boden ausstossen
›e. S. gewaltsam ein Ende bereiten‹, vereinzelt:
dem kübel / schiflein den boden ausstossen.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2 (jeweils zur dritten Variante).
Syntagmen:
(jm.) das auge, die achsel a., die scheibe, den markstein, das fenster
, (verschoben:)
den imben a.

Belegblock:

Luther, WA
33, 181, 18
(
1531
):
Ehr schuttets gahr grob aus undt stöst dem fass den boden aus.
Ebd.
41, 221, 28
(
1535
):
das er [...] Koͤnige [...] verzehre wie stoppeln oder duͤrre bletter, Und also dem fass den bodem ausstosse.
Ebd.
21, 318, 36
(
1544
):
Das ist doch gar dem Fass den Bodem ausgestossen und dem gantzen Juͤdenthumb den kopff abgehawen.
Ebd.
22, 189, 5
(
1544
):
So mus auch darauff folgen die endliche straffe und zorn, der es gar ausmachet und dem fas den boden ausstoͤsset.
Maaler
46v
(
Zürich
1561
):
Das aug Außstossen / oder auß dem kopff schlahen. [...]. Eim die augen Außstossen. [...]. Das Außstossen der ymmen. Vindemia mellis.
Luther, WA
30, 2, 36, 8
;
Dietz, Wb. Luther
1, 189
;
Rwb
1, 1118
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 338/9
;
Schweiz. Id.
11, 1636
.
5.
›anlegen, das Schiff verlassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2,  2,  1,  1,  10.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr.
22184
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Sin unzuchtt in nitt enlïss | An dem lande er uss stiess.
6.
›jn. aus einem Raum, einem Haus, einem Land hinauswerfen, jn. verjagen, vertreiben‹ mit Tendenz zu: ›jn. aus einer Gemeinschaft ausstoßen‹.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
das kind / weib a., jn. von der behausung, aus dem reich a., jn. mit gewalt a.
;
ausgestossener priester.
Wortbildungen:
ausstossung
1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
3. Mose 22, 13
(
Wittenb.
1545
):
Wird sie [des Priesters tochter] aber eine Widwen oder ausgestossen / vnd hat keinen Samen / vnd kompt / wider zu jrs Vaters hause.
Mathesius, Passionale
49r, 4
(
Leipzig
1587
):
[er] wird von seinen Landsleuten [...] außgestossen / ist vnnd wird ein Pfalbuͤrger zu Capernaum.
Ulner
55
(
Frankf.
1577
):
Außstossen. Vertreiben / verjagen / verweisen / außtreiben / außwerffen / außjagen / außschlagen.
Gille u. a., M. Beheim
79, 230
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Warumb hast ein gelassen | oder erwelet in den sal | diese czu deiner freuden schal | und uns all aus gestossen?
Bihlmeyer, Seuse
364, 17
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz gerúnbel, daz sich zwenzeg jar an ein stat semnot, daz sich daz als bald lass uss stossen.
Maaler
46v
(
Zürich
1561
):
Einen auß seinem reych vertreyben vnnd Außstossen.
Rot
309
(
Augsb.
1571
):
Excludirn, Außschliessen / außstossen / verstossen.
Winter, Nöst. Weist.
1, 203, 42
(
moobd.
,
um 1532
):
soll im auch der herr sein weib mit sampt seinen kinden nit ausstössen von seiner behausung.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
153, 44
(
m/soobd.
,
1573
):
Wiertt ainer bei ainem wiert außgestossen und wirft, sticht oder schlächt wider hinein.
Goldammer, Paracelsus.
2, 54, 2
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 387, 24
;
Dasypodius
431v
;
Maaler
46v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 189
;
Schweiz. Id.
11, 1637
.
7.
›etw. verdrängen, ersetzen, abstoßen, tilgen‹; Ütr. zu 6; am ehesten hier anzuschließen das im Rwb
1, 1118
mit 1 Beleg vertretene
den kauf a.
›einen Kauf rückgängig machen‹ (16. Jh.).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
292, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
ich wil dir dis wunder mit einem andern wunder uz stozen.
Ruh, Bonaventura
337, 8
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
der [weg] stat in ußstössen der sund.
8.
›etw. aus einer Gesamtheit ausscheiden, aussondern‹; mit Obj. d. P. und bei positiver Bewertung des Ausgesonderten im Schweiz. Id.
1
Beleg (a. 1670) mit der Bed. ›jn. auswählen‹; Ütr. zu 6.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ;
1
 3,  3, ,  1 (jeweils zur letzten Nuance).
Syntagmen:
schafe, den zehenten a.
, (positiv:)
den arbeiter a.
Wortbildungen:
ausstossung
2.

Belegblock:

Vorarlb. Wb.
1, 202
;
Schweiz. Id.
11, 1636
(a.
1429
;
16.
/
17. Jh.
);
1138
(
ausstossung
).
9.
›etw. rauben, stehlen‹.

Belegblock:

Schöpper
99a
(
Dortm.
1550
):
Priuare. Berauben außstossen entweltigen entsetzen entweren.
Rot
285
(
Augsb.
1571
):
Außstossen / verwerffen / seines gůts berauben / abschneiden vnd enterben / von vbelthat wegen.
10.
›etw. äußern, erklären, mit Worten oder Gebärden zu verstehen geben; etw. zeigen, zur Schau stellen‹.
Wobd.
Phraseme:
einen schalk ausstossen
, wohl: ›einen Fluch ausstoßen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, (V.) 1, ; vgl.  12,  1,  3.
Syntagmen:
has / hoffart / neid / übermut / untreue / zorn / schmachworte / drohworte a., den pracht a.
(›zeigen‹),
a., ob [...] / warum [...]
(jeweils mit Objektsatz);
a.
+ indirekter Aussagesatz (Objektsatz) im Konj.;
ausgestossene botschaft / rede, ausgestossene injurien.

Belegblock:

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
14, 8
(
Straßb.
1650
):
alß der [...] schmachwort wider die heilsame Justitiam vnnd derselben Dienere ausstoßen wirde.
UB Zug
653, 6
(
halem.
,
1424
):
ich vor gericht ußsties, sÿ weri mi(n) ewirtÿ.
Maaler
46v
(
Zürich
1561
):
Allen hassz Außstossen. [...]. Boͤse wort Außstossen wider ein vnschuldigen. [...]. Den zorn über einen gar Außstossen. [...]. Einen schalck gaͤgen eim Außstossen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
121, 24
(
Ulm
1486
):
Es ist gar gemain das zornig leüt wann sie irn zorn aus gestossen hond. das sie sich darnach zů andern keren.
Rwb
1, 1118
;
Schwäb. Wb.
1, 526
;
Schweiz. Id.
11, 1637
.
11.
bedeutungsverwandt zu .