gering,
Adj.;
als
Adv.
auch
geringen
sowie
geringlich(e)
.
1.
›relativ zu dem, was möglich ist, was gewünscht, erwartet wird, der Erfahrung entspricht, schwach ausgeprägt, gering, unbedeutend, klein, nichtig‹; teilweise negativ konnotiert; mehrfach in Bescheidenheitsformeln (z. B.
mein geringer verstand
), ironisch (z. B.
geringe kurzweil
für ›höchste Strapazen‹) und als stilistische Figur der Verneinung des Gegenteils (z. B.
nicht die geringste narung
›eine wichtige Erwerbsquelle‹) gebraucht.
Phraseme:
das geringste
›die geringste Kleinigkeit‹;
nicht im geringsten
o. ä. ›gar nicht(s)‹;
nicht das geringste sein
›etw. Bedeutendes sein‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 5, (Adj.) 9, , .
Gegensätze:
, (Adj.) 23, (Adj.) 1415, , .
Syntagmen:
das ampt, der glaube g. sein, der sin g. sein / werden, die vernunft zu g. sein, zu [...]
;
jn. / etw. g. achten / halten, etw. für g. achten / schätzen, jm. g. dienen, das ewige g. wiegen
;
der geringe fang
›Stoß‹
/ gedanke / lon / unkost / verstand / vorteil / zwirnsfaden, die geringe anfechtung / ere / freude / furcht / hülfe / kurzweil / lüge / schärfe / sünde / ursache / vererung, das geringe alter / ansehen / ding / frauenbild / geld / gut / her / königreich / schlos / talent / verbrechen / volk / wort
; subst.:
das geringe achten
.
Wortbildungen
geringschätzig
1 (dazu bdv.: ; dazu ggs.: ),
geringschätzigkeit
(dazu bdv.: ),
geringscheinig
(dazu bdv.: ; a. 1531).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Nû wart der Littouwen macht | zu jungist sich vorsinnen | [...] | daz ein sô geringe her | sî solde letzin âne wer.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 6, 6
(
Wittenb.
1525
):
aller menschen vnd engel vernunfft sind zu geringe vnd zu wenig gots wort zu deuten.
Luther, WA (
1531
):
Der Bapstesell aber thut das gegenspiel, der glaube ist gahr gerienge bei ihme.
Ders. Hl. Schrifft.
5. Mose 26, 5
(
Wittenb.
1545
):
Der [Vater] zoch hinab in Egypten / vnd war daselbs ein Frembdling mit geringem Volk
[
Mentel
1466:
lútzeln
,
1
1475:
kleine
].
Peil, Rollenhagen. Froschm.
563, 1777
(
Magdeb.
1608
):
WJr achten die Froͤsch so gering / | Als jhe war in der Welt ein ding.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Vilitas. geringschetzigkeit / wolfeilheit.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Ein geringes nutzt / ein geringes schadet.
Ein Floh ist ein gering klein Ding / vnd kan doch im Ohr grosse beschwernuß machen.
Ebd. :
Wer daß geringe nicht achtet / der ist deß grossen nicht werth.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
62, 3
(
Hamburg
1646
):
und mich nicht so wohl ihrem gebote (dan si hat mier nichts im geringsten zu gebuͤten) als ihrem bitten entzuͤhe.
Rosenthal. Bedencken
30, 22
(
Köln
1653
):
daß alles was von vns auff andeutung seines guten [Gott] / [...] Willens geschicht / [...] billich fuͤr gering vnnd nichts muß geschaͤtzt werden.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
31, 17
(
Frankf./M.
1550
):
Bitt / jr wollet diese meine geringe verehrung fuͤr gut nemen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 95
(
Frankf./M.
1559
):
sie wolten im diser zeit seines geringen alters / die vorbegerte bitt guͤnstig erlauben.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
als der ich meiner vngnugsame vnd geringen verstandts wolbeweist.
vnangesehen daz sie ein schwach vnd gering Frawenbild.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
20, 9
(
Frankf./M.
1568
):
Den Patronen bin ich nit hold / | Darmit man schlechte arbeit macht / | Darvon auch gringen lohn empfacht.
Ralegh. America iiij, (
Frankf.
1599
):
so viel mich belanget / hab ich geringe Kurtzweil solche weite Reysen anzunemmen / mich selbst zu betriegen / hart zu schlaffen / vnverdaͤwliche schwere Speiß zu gebrauchen.
es waren
Berrhei
geringste Gedancken / denn die Mittel fehleten jm / solchen Anschlag zu volfuͤhren.
Johan Dowglaß ergruͤndete die Wasser / vnd fund vier gar bequeme Eyngaͤng / vnder welchen der geringste so groß war / wie die Thamesis.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
22, 9
(
omd.
,
1487
):
app ein mensch auch einen vom tode erloßen mochte, mitt einer cleÿnen geringen lögen, sall er Jn keÿnen wegk thu̇n.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
61, 37
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Vorm Gebürge, da der flaxbau nicht die geringste nahrung ist, pflegt man ihnen nur aufzuebreiten.
Schein, NA
7, 11b, 28
(
Leipzig
,
1621
/
Straßb.
1632
):
mein [...] bitten / E. E. Ch. Ch. G. G. nicht so wol auff die Geringschaͤtzigkeit dieses schlechten prælents als auff mein danckbarlichste [...] gemuͤt ein gnaͤdigste Auge haben [...] wollen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
[Die Welt] Gedenckt nur auff zeitlich ding | Wigt jhr aus stoltzem muth ewig gring.
Opitz. Poeterey
9, 22
(
Breslau
1624
):
welche aus der Poeterey nicht weiß ich was fuͤr ein geringes wesen machen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 72
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
So lang uncz dem menschen das uberlauffen der menschen abgee und sein synne von betrubnuße gering werden.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
122
(
Nürnb.
1517
):
Ir habt vermerkt, das Christus durch etliche zeichen die innerlichen suese seiner lieb offenbaret, unter denen nit das geringest ist, das er die bürden des gesetz leicht [...] macht.
Ebd.
211
:
Darumb ist nit ein geringschetzig zeichen, das der warhaftiglich gloubt, den die himlische zung erlüstigt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
105, 19
(
Nürnb.
1548
):
alß wenig kan er fuͤr die geringsten suͤnd mit eigenen wercken / oder fruͤm͂keyt gnug thun.
Dietrich. Summaria
20r, 4
(
Nürnb.
1578
):
das Christus so ein kleines geringes ansehen hat / als sey er der geringst im Himelreich.
Ebd.
30v, 13
:
das sie in geringen dingen grossen fleiß fuͤrgeben / vnd dagegen der fuͤrnembsten guten werck gar nicht achten.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 232, 26
(
Hagenau
1534
):
Es ist keyn ampt so geringe / es ist henckens werdt.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1683
):
schwere thalkosten [...] zu nicht geringer beschwärt der armen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
die von Gmünd zugen auß für zwai geringe schloß.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
das in summa kain so gering wort, in der gantzen sprach sey, das nit seine͂ namen, von seinem ampt, auß aigner [...] bedeütung hab.
so offt ain verenderter synn in der rede kumpt, wie gering vñ klain er, [...], so geruwet man da vnd helt ain wenig inn.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
aldo wir vül füsch, [...], für ein gering gelt kauften.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein ameiß wirt zum Cameln gemacht / dz ist / auß einem geringen dinge wirt etwas grosses gemacht.
Das ist mir zu gering / da hab ich ein eckel fuͤr. [...]. Geringschaͤtzig / schlecht [...]. Geringschaͤtzigkeit / duͤnne / gerings vermögen, tenuitas [...]. Jnn geringen dingen soll auch Gerechtigkeit gehalten werden. Vmb geringe ding soll man sich nicht lassen an das Recht bringen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1594
):
Die burgerlichen rechtführungen [...]: die wichtigisten handlet ain amtsverwalter ab, die geringschäzigen werden ainem richter [...] abzuhandlen.
Ebd. (
16. Jh.
):
Soll auch kein ainicher underthon in dem geringisten nichts wëkgeben, er fail es dan zuvor der gruntobrigkeit an.
der ober das geringiste von disen verschweigen wurt, der solle dem verpröchen nach gestrafft werden.
v. Keller, a. a. O. ;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
11, 25
;
Ralegh. a. a. O. ; ;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
20, 3
;
Perez, Dietzin
1, 317, 19
;
203, 17
;
407, 12
;
v. d. Lee, a. a. O.
50, 31
;
Böhme, Morg.R.
148, 35
;
Reichmann, a. a. O.
66, 16
;
168, 10
;
172, 28
;
175, 3
;
Dietrich. a. a. O.
19v, 3
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Rauwolf. Raiß ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
29, 11
;
Rechn. Kronstadt
3, 415, 31
;
Dietz, Wb. Luther
2, 86
f.;
Vgl. ferner s. v.  1,  9,  1.
2.
›in einem sozialen (meist), religiösen, künstlerischen o. ä. Wertesystem auf einer unteren Ebene stehend, niedrig, minderen Ranges (meist in der Fremd-, selten in der Eigenwertung)‹; mit Öffnung zu ›demütig, bescheiden‹ (dies meist in der Eigenwertung); teilweise mit ideologischer Überhöhung im Sinne von ›einfach‹; vielfach auf Christus als den Mensch gewordenen Sohn Gottes bezogen.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 4,  8, (Adj.) 1, ,  1, , .
Gegensätze:
 6, .
Syntagmen:
j
. (z. B.
der herre
)
g. werden, der son geringer sein (als der vater), jn. g. wägen, sich g. erkennen, sich zu g. zu etw. dünken
;
der geringe betler / knecht / handwerker / heilige / stand, das geringe geschlecht / herz / leben / volk / wort, die geringe ankunft
›Herkunft‹
/ creatur / narung / person
.
Wortbildungen
geringerung
2 (dazu bdv.: , , ),
geringschätzung
(dazu bdv.: , , ),
geringscheinend
›bescheiden (von einem Buch)‹.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
73, 8
(
14. Jh.
):
Daz erst [stuͤk] ist ein otmuͤdik hertz, daz ander ist ein stet fleiz, daz dritt ist ein gerink hertz.
Luther, WA (
1521
):
Geringe wortt seynnes, doch ist darinnen eyn grosser, unaußsprechlicher schatzs.
Ebd. (
1535
):
Wie bistu [Herr] worden so gering, | Das du da ligst auff duͤrrem gras, | Dauon ein rint und esel ass.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Sam. 18, 23
(
Wittenb.
1545
):
Dauid aber sprach / Dünckt euch das ein geringes
[
Mentel
1466:
lützel
,
1
1475:
kleins
]
sein / des Königes Eidem zu sein? Jch aber bin ein armer geringer Man.
Ebd.
Sir. 29, 29
:
ES ist besser geringe Narung vnter einem bretern eigen Dach / Denn köstlicher Tisch vnter den frembden.
Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
Einer vom adel bedengkt sein eher, ankonfft und geschlecht besser und eher den einer auß frembden landen ader von geringer ankonfft.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
351, 2874
(
Magdeb.
1608
):
[Gott] Hat dich auß deinen bruͤdern erwehlt / | [...] | Das du fuͤrst ein geringes Leben.
Alberus
y ir
(
Frankf.
1540
):
Adel [...] der von eim geringen geschlecht durch sein eigen tugent ehr erlangt / vnnd edel wirt.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2800
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
dar umme so sal si [maget] sich des weren, | wil si anders di kuscheid erneren, | den herlichsten mit ernsten worten, | den geringesten das si komen zu forten.
Thür. Chron.
15v, 24
(
Mühlh.
1599
):
Arrius der grosse Kaͤtzer / der [...] fuͤrgab / daß der Sohn [...] / mit dem Vater nicht gleiches Wesens / sonder weniger vnnd geringer were.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Der Landpfleger Pilatus lest jhn [Jesus] / als einen gar geringen vnnd gemeinen Menschen aus dem Poͤbel / geisseln.
Böhme, Morg.R.
143, 13
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Wer waren die Propheten / groß und klein? gemeine und geringe Leutlein / ein theil nur Bauren und Hirten.
Voc. Teut.-Lat.
m jr
(
Nürnb.
1482
):
Geringschetzu͂g kleinschetzu͂g kleinachtu͂g od’ geringerung.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
214, 14
(
Nürnb.
1548
):
Keysern vnd Koͤnigen sol es gehn / wie dem geringsten bettler / eim Fuͤrsten wie eim bawren.
Dietrich. Summaria
22v, 26
(
Nürnb.
1578
):
so sollen wir sie [lehre] mit glauben annemen / vnd vns an der Person / sie sey gleich hoch oder gering / nit ergern.
Bell, G. Hager
434, 2, 9
(
nobd.
,
1594
):
Er
[H. Sachs]
sprach: ich hab mich zware | zu gring ge deicht dar zu, | jn zu gleichen für ware.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
er hette ouch 800 sperknappen und geringe volke.
Wickram
4, 49, 22
(
Straßb.
1556
):
was ir geton habt / einem aus disen meinen geringsten / das habt ir mir gethon.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. (
Straßb.
1611
):
das mit diesem geringscheinenden Büchlein / dem guthertzigen Leser gedienet seie.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
188
(
Genf
1636
):
Geringe Personen sollen sich nicht kleiden wie die Graffen.
Sappler, H. Kaufringer
3, 67
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ain baur ist in der pfarre mein, | der will nur selber herr sein | und wigt mich und ew gering.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Je geringer du bist / je heller Gottes augen auff dich sehen.
Geringfügig / nidertraͤchtig / humilis. [...]. Geringes herkommens sein. [...]. Der geringste Knecht ist aller Landts recht. [...]. Auß dem weeg / was geringe Leuth sind. [...]. Veracht geringe Leuth nicht gar / Den kleinen Maͤusen waͤchßt das haar. [...]. Aller geringste vnnd verachteste Stand
[eine Reihe weiterer Sprichwörter ebd.].
[...]. GOTT ist der Armen vnd geringen jhr staͤrcke inn Truͤbsaal.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
Ach koͤndte ich [...] mein arm vnd geringfuͤgiges Gebet vor dem Allerheiligisten Wunderbarlichen Sacrament auffopferen.
Peil, a. a. O.
521, 460
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Reichmann, a. a. O.
261, 8
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Dietz, Wb. Luther
2, 87
.
Vgl. ferner s. v. ,  15,  3, , ,  2.
3.
›im Vergleich zu etw. Wertvollerem gering(er)wertig, minderer Qualität; nicht den Gehalt, das Gewicht oder sonstige Kennzeichen einer Sache aufweisend, die ihren Wert ausmachen‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1, (Adj.) 12, ; vgl. (Adj.) 2.
Gegensätze:
 2, , (Adj.) 18, .
Syntagmen:
der wein, die speise g. sein
;
der geringe ring / wein, das geringe geld / gewicht / gewand / gold / holz / treide, die geringe münze
.
Wortbildungen:
geringern
2,
geringigkeit
2,
geringschätzig
2.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 95, 15
(
preuß.
,
1449
):
das sie den steten vorberurt 600 mark geringes geldes von stundan von dem vorschreben gelde [...] antwerten.
Ebd.
5, 301, 12
(
1476
):
von der swacheydt unnd geryndikeit
[zu
-nd-
statt
-ng-
s.
Frnhd. Gr.
§  L 63, 4]
der munczen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
196, 4673
(
Magdeb.
1608
):
Vieleicht koͤnt man aus gringen sachen | Diesen Edlen Elixier machen.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 113, 8
(
md.
,
1530
):
derhalben kan auch aus solchem vornemen die Müntze zu geringern bestendiglich nicht erfolgen, das das silber ynn einen höhern kauff vnd werth möcht bracht [...] werden.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
Ein iclich mensche setzit des êrsten gûten win, und wenne si trunken werden, dar nâch den der da geringer ist
[
Mentel
1466:
erger
].
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Man kauffte 1 schock holtz vor 8 d. oder vor 9 d. und grune holtz und geringe, als das zu marckte kompt.
Gärtner, Widm. Rechenb.
422, 20
(
Leipzig
1489
):
wie vil hab ich des geringern saffransz gemyscht.
Haage, Hesel. Arzneib.
14r, 17
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Dar an sol du [...] wein trincken mit basser gemüscht oder geringen bein.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
Die dreÿ ring, die jch gestochen hab um kunst, die zweÿ geringern sind angeschlagen umb 15 cronnen.
Bell, G. Hager
318, 2, 17
(
nobd.
,
1608
):
vnser speiss, | Ob sie jst kring vnd schlecht.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
):
so kan ain aigennutziger die guͦte reichsmüntz mit der frembden, geringen müntz aufwechslen.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
wölches ein schwere und hohe münz, wüe dann solches düe geringste ist von silber.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gering / nicht vil werth, nichts guͤltig.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1602
):
von ainem der schmalz salz milch air kraut obß und dergleichen geringschätzig ding fail hat.
Mell u. a., Steir. Taid. ; ;
Vgl. ferner s. v. , (Adj.) 1.
4.
›leicht, mühelos, reibungslos, ohne größere Anstrengung‹; auch ›leichtfertig‹.
Phraseme:
jn. zu etw. geringe machen
›jm. etw. leicht machen‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 3; vgl.  6,  10, , (Adj.) 4.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die arbeit
)
g. werden
;
es geht geringlich zu, jn. geringlich erreichen, etw
. (z. B.
das leiden
)
g. machen, g. geselschaft finden, geringlich etw. angreifen / winnen, g. etw
. (z. B.
eine last
)
tragen, etw
. (z. B.
ein heiligtum
)
g. überantworten, mit etw. g. umgehen, g. etw
. (z. B.
arbeit
)
treiben
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
das es solt also geringlich zu gehen, on alles ansehen.
Ebd. (
1540
):
Teuffel gehet mit der Christen blut so geringlich umb als ein Lanius mit bocks blut.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen her machet in lichte | Und geringe zu den sunden, | Biz sie dran werden vunden.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat die soene, die tuschen mime heren van Coelne und der stat van Coelne upgenoimen was [...], niet as geringe dar engienge noch ouch vollendet enwart, as si begriffen was, zo verderflichen schaden der stede.
Ebd. (
15. Jh.
):
die Berschen ind der junker van Cleve [...] wonnen dat schif gerinklichen enwech mit gewalt.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1982
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[di finen perlin] stercken den geist mit dem liebe, | das her sin arbeid geringlich tribe.
Ebd.
2009
:
so wirt in alle arbeit geringe, | zu gotes dinste.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
69, 24
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das volk ist [...] von grobir corpir und sint stark also das ir eyne gerynge truge eyne last di unsir lute iiij nicht tragin mochtin.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1440
/
4
):
solte ein rate sollich wirdig heiligtum, daz im mit grosser vorbetrachtung vom stul zu Rom [...] bestetigt ist, also gering uberantwurten.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
272, 13
(
Nürnb.
1548
):
Solcher trost aber macht alles leyden gering vnd leycht.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Daz herz kan suͤzklich betrahten, [...], der lip ellú ding geringklich an grifen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
108, 152
(
Basel
1494
):
Er würt gselschafft fynden geryng | Mit den er Gaudeamus sing.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Barack, Zim. Chron. ;
Schmitt, Ordo rerum
476, 29
;
5.
›körperlich leicht; nicht das vorgeschriebene Gewicht aufweisend (von Brot); leicht zu tragen; ohne Druck, druckschwach‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. (Adj.) 1.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Gott hat vns [Fuchß] drumb den Schwantz beschert, | Das im Sommer den Fliegen gwehrt; | Vnd ist zutragen gar gering.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
geringelich bescheide mich | Und nicht mit syner schweren last | Verdrucke mich vil armen gast.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Das schock holtz kaufte man [...] vor 1 schwertgroschen, aber das holtz machten sie fast geringe, man muste der wol 7 oder 8 schock haben zu einem wercke.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein ameissen puls / weñ der puls gering vñ sehr schwach ist / vnd vnter der hand zwizert.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1523
):
wer daruber mit unrechtem gewicht befunden, demselben das gering prot genomen und [...] gestraft werden.
Vgl. ferner s. v. ,  3.
6.
›schnell, rasch, unverzüglich‹.
Phraseme:
in einem geringen
›in kurzer Zeit‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, (Adj.) 1, , , , , ,
2
(Adj.) 3,  12, , , , .
Syntagmen:
die beschäude g. sein
;
g. auffaren / aufspringen / herfürkommen / reiten, sich g. rüsten,
[wohin]
setzen / heben, g. vom rosse springen, jn. g. zu jm. senden, jn. g. bei dem arm nemen, zu boden werfen, geringlich etw. bauen / gewar werden
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Cito Gehe schnelligklich schnell gehlings gethrad bald leufflingen gerad gering rösch flux eilends behend geschwind.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
150, 3303
(
Magdeb.
1608
):
Sprang der Jaͤger wider auff gering / | Ruckt aus seines schwerts scharffe kling.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1251
(
rib.
,
1444
):
Sij bereyt zo keren ind zo wenden | Ind ouch zo verwandelen op allen enden, | Id sij lancksam off gerynge.
Ebd.
1672
:
ich hassen alle dinge | De mit ylingen geschient gerynge.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dairboven santen si geringe ein boden zo dem roemschen koninge.
also lief vil volks zo umb die kost ind wart gerinklich gebuwet dat vurß slos.
die heren wurden gerinklichen gewar, dat it duvelsgedroch was.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
So koͤndt ich machen, das jr solt | Jn eim geringen spuͤrn mein Kunst.
Lemmer, Brant. Narrensch.
6, 13
(
Basel
1494
):
Die jugent ist zuͦ bhaltten gering | Sie mercket wol vff alle ding.
Schmidt, Rud. v. Biberach
55, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
so ist vnderscheidvn beschoͮde von gedanke an dem, das dvͥ beschoͮde fri ist. Want dvͥ beschoͮd ist gar gering vnd gesnel (an ir getat).
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Karolus sprang gering von seinem ross und hueb das swert auf.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Peil, a. a. O.
248, 6288
;
496, 7268
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2128
;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
39, 86
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3244
;
Spiller, a. a. O. ;
7.
›beweglich, geschmeidig, beschwingt, gelenkig, geschickt‹; ütr.: ›zu etw. schnell bereit (z. B. zur Sünde)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , .
Syntagmen:
der jüngling, die frau g. sein, zu dem fal der sünde g. sein
;
jm. g. nachschleichen
;
mit geringem fus tanzen
.
Wortbildungen:
geringfertig
(1. H. 16. Jh.),
geringfertigkeit
(hierher? Beleg Dasypodius semantisch nicht sicher interpretierbar; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
zwene iungelinge | waren starc unde geringe | wol gezieret guter tugent.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
wanne daz si
[Schwangere]
danzeten, so bonden und knebelten si sich umb den lip hart zu, daz si deste geringer weren.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
107, 9
(
Frankf./M.
1568
):
Das Hertz vnd Gmuͤt sich frewen muß / | Vnd tantzen mit geringem Fuß.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4277
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das di wilden thir | [...] | [...] sint geringe unnd auch snel.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
52, 16
(
els.
,
1362
):
Die [gezúge] zugent ire kleider abe das sú deste geringer werent zuͦ werfende.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Vilitas, Geringfertigkeyt / nachgultigkeit.
Bauer, Geiler. Pred.
92, 17
(
Augsb.
1508
):
Hass sein selbs / das beschicht wenn ain mensch etwann tieff hinderdencket / [...] wie gar gering und schnel er ist / zuͦ dem fal der sünd.
Bell, G. Hager
97, 2, 19
.