arg,
Adj.;
Uml.
1.
›billig, schlecht, minderwertig (von Sachen aller Art); karg, spärlich (von der Kost); gering (von Personen)‹. – Phrasematisch:
zu der ärgeren hand hören
›dem nicht ebenbürtigen Elternteil folgen‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 12, (Adj.) 3, ; vgl.  2, , (Adj.) 15,  1.
Syntagmen:
des ärgsten nicht wert sein
;
münze
(mehrmals)
/ erbe / vieh / pfand sein a.
;
a. frucht / kost / milch / (-)biere / rebe, a. fleisch / korn, a. wein
(mehrmals).

Belegblock:

Chron. Köln
1, 299
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Hie en is neyman de vr begert, | ir en sijt des archsten neit wert.
Haage, Hesel. Arzneib.
2v, 26
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
arge kost.
Chron. Nürnb.
1, 403, 8
(
nobd.
,
1420
/
41
):
sie [muntz] was vil zu gering und arg.
Chron. Augsb.
1, 153, 26
(
schwäb.
,
1372
):
ein pferd, daz drizzig guldin wol wert sey oder bezzer und nicht erger.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
341, 1
(
oobd.
,
1349
/
50
):
asch, der auz gar argen holzpiren wirt geprant.
Ebd.
350, 33
:
alsô pis den milten reben arch und den argen milt.
Chron. baier. Städte. München
493, 21
(
moobd.
,
1401
):
ob in da deucht, daz ain tail erger wär, dann der ander.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
230, 37
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
den zehent soll man [...] ôn abgang reichen, [...], nicht das argest an ainem jeden ende.
Voc. inc. teut. b
iijv
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 200
;
Pfälz. Wb.
1, 323
;
Schwäb. Wb.
1, 309
;
Schweiz. Id.
1, 445
;
Rwb
1, 812
.
2.
›schlecht, böse, übel, schlimm (von Sachen, Sachverhalten)‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1.
Gegensätze:
(Adj.) 1.
Syntagmen:
etw. a. sein / werden / machen
;
a. stank, a. welt / drüse.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
1266
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
die tage sint leider ark, | Und die lute sin umminnic.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
9, 16
(
osächs.
,
1343
):
der ritz wirt ergir.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
87, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ez haizt auch miltaw niht von miltikait, wan ez ist ark und übel.
˹Sprichwörtl.: Luther, WA
51, 661, 478
(
um 1535
):
Vbel erger machen
[Erläuterungen ebd., 72;
Thiele
, Luthers Sprichw. S. 411].
Henisch
105/6
(
Augsb.
1616
):
Es ist nie so arg gewesen / es ward wider gut. [...] Der argen Welt thut niemand recht. [...] Boͤß ja nicht aͤrger mach
˺.
Helm, a. a. O.
13673
;
21406
;
Buch Weinsb.
5, 272, 31
;
Dietz, Wb. Luther
1, 113
;
Schwäb. Wb.
1, 309
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 119
.
3.
›mächtig, zwingend, kräftig, wirkungsvoll (im Beleg von der Minne)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
5437
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
[Die meister] han die mynne also derkant | So vest, so mechtig und so ark, | So gar gewaltig und so stark.
4.
›übel, böse, böswillig, tückisch, hinterhältig, nichtswürdig, schlecht‹ (von Personen gesagt; im Unterschied zu 8 unter vorwiegend innerweltlichem Aspekt).
Syntagmen:
bischof / dieb / räuber sein a.
;
jn. für a. haben
;
jn. von a. menschen erlösen
;
den a. drücken
;
a. heide / riese / schächer / schalk / walant / wüterich / wicht, a. weib.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
2795
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
So daz du den argen druckes | Und den gerechten uf zuckes.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 219, 4
(
preuß.
,
1453
):
das lande und stete des bundes [...] en zere vor obel und arig gehat haben.
Luther, WA
48, 109, 27
(
1549
):
So denn jr, die jr doch arg seid, koͤnnet ewren Kindern gute Gabe geben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
9, 4
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Der milte got, der mechtige herre, gereche mich an euch, arger traurenmacher!
Gille u. a., M. Beheim
99, 920
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er furt sein reigement und stat | mit den ergesten wichten.
Sachs
15, 545, 19
(
Nürnb.
1563
):
Daß es dergleich noch zu thut gehn | Zwischen den fromm gaistlichen glerten | Und bey den falsch argen verkehrten.
Wickram
4, 12, 24
(
Straßb.
1556
):
Nuͦn het der Tuͦchbereiter einen suͦn / gar ein argen / verlognen / muͦtwilligen / eygensinnigen / boͤsen lecker.
Munz, Füetrer. Persibein
307, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
was wil das arge weib | an disem hellden rechen?
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
14190
;
Helm, a. a. O.
2791
;
6447
;
Froning, Alsf. Passionssp.
4679
;
Gille u. a., a. a. O.
99, 1043
;
447, 300
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
166
;
Koller, Ref. Siegmunds
127, 29
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
7182
;
Munz, a. a. O.
130, 6
;
135, 6
;
252, 1
;
Schöpper
17a
;
Henisch
104/5
;
Dietz, Wb. Luther
1, 113
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 119
.
5.
›übel, böse, hinterhältig, falsch, tückisch, verbrecherisch, frevelhaft‹ (von Gesinnungen, Haltungen u. ä.).
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 6, , , , ; vgl. , .
Syntagmen:
a. gedanke / list / vorsaz / wan / wank / wille, a. gemüte / vermerken, a. laune.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
190, 28
(
thür.
,
1474
):
daz sy sollich ingefurt getreyde [...] in argem vorsatcze by nacht [...] wegkgefurt habin sollen.
Gille u. a., M. Beheim
22, 27
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der cham in ungenad gen chaiser Otten, | das er auf in gewan ein argen laun.
Chron. Strassb.
2, 936, 20
(
els.
,
1349
):
der der stat zuͦ Strazburg [...] nützest und wegest sie, aun alle geverde und argen list.
Matthaei, Minner. I,
12, 297
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
fraugt frow Mynn | ob ich an allen argen wan | úch dar inn nit recht gerauten hon.
Koppitz, Trojanerkr.
2890
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Daz schüff daz siu argen wanck | Gegen ir amyse nie gewan.
Chron. Augsb.
7, 262, 30
(
schwäb.
, zu
1552
):
weliche zuͤ irem aigennützigen vortail aus argem, neidigem gemuͤte mehr auf sich selbs und ire affecten achtung geben.
Roth, E. v. Wildenberg
91, 7
(
moobd.
,
v. 1493
):
do wardt von im geöffent sein arger fursatz.
Jahr, H. v. Mügeln
122, 12
;
Pyritz, Minneburg
5331
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
1176
;
Chron. Augsb.
9, 47, 22
;
Henisch
104
;
Dietz, Wb. Luther
1, 113
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
16
.
Vgl. s. v.  1, .
6.
›geizig‹, auch im ütr. Sinne.
Wortbildungen
(verdeutlichend):
arggeizig.

Belegblock:

Neumann, Rothe. Keuschh.
2944
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
in harten liden ist her [der arme] starck, | in guten werken nummer arck.
Sachs
15, 248, 23
(
Nürnb.
1563
):
Im land die armen thust verdrucken | Mit allen arg-geitzigen stucken, | Mit wucher und finantzerey.
Henisch
106
(
Augsb.
1616
):
Je elter / je kaͤrger / je lenger / je aͤrger.
Barack, Teufels Netz
13379
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Manslachter und unkünscher | Land die segi nit ler; | Darzuo die argen und kargen | Und die schnüdel und güdel.
Trübner, Dt. Wb.
1, 119
.
7.
›erzürnt, böse, wütend‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle
358, 4
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
uff die swiczere was er also arg, unnd was on enkein geczogen.
Sachs
17, 133, 20
(
Nürnb.
1554
):
Das macht den mann ungschlacht und arck.
8.
›böse, teuflisch, das Böse vertretend; dem Bösen verfallen‹ (jeweils unter religiösem Aspekt); subst.:
der arge
›der Teufel‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
a. abgot / antichrist / bube / teufel / hellewicht, a. schlange.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
8551
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz sie des nicht berouben | Der arge tuvel mechte.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 9
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ouch sint gar arge abgoter und bose lute.
Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 13, 19
(
Wittenb.
1545
):
So kompt der Arge | vnd reisset es hin | was da geseet ist in sein hertz.
Ebd.
1. Joh. 5, 18
:
der Arge wird jn nicht antasten.
Jahr, H. v. Mügeln
1982
(
omd.
, Hs.
1463
):
dampfte in der flammen glut | der argen slangen übermut.
Vetter, Pred. Taulers
413, 33
(
els.
,
14. Jh.
):
was solte mir mere helle oder arger túfel.
Brandstetter, Wigoleis
220, 11
(
Augsb.
1493
):
die argen hoelwicht den er sel vnd leyb ergeben hete.
Henisch
106
(
Augsb.
1616
):
Je fruͤmmer Vatter / je aͤrger Kind. Je mehr man predigt / je aͤrger die welt wirt. [...] Frummer schalck / aͤrgster bub.
Helm, a. a. O.
18461
;
Mayer, Folz. Meisterl.
1, 292
.