bald,
5
bal
(vereinzelt nobd.),
Adj.
(belegt in 1 und 2),
Adv.
(3-8),
Konj.
(9); in 10 erscheint
bald
in Verbindungen, die als Konj. fungieren, in 11 konjunktionale und adverbiale Verwendung; 12 ist phrasematisiert; Uml. (für 1-6).
1.
›entschlossen, kühn, beherzt (von Personen, Handlungen, Haltungen)‹; mit negativer Konnotation: ›dreist, voreilig, verwegen, unbesonnen‹; je nach Bezugsgröße ferner: ›kräftig, stark (z. B. von der Stimme); innig (z. B. vom Gebet); gewandt; lebendig (im eigentlichen und ütr. Sinne)‹; offen zu 2.
Vorwiegend älteres und mittleres Frnhd.; oft Verstexte.
Bedeutungsverwandte:
, , (Adj.),  3, ; vgl.  3,  3,  3.
Gegensätze:
 6, (Adj.) 2,  3, .
Syntagmen:
b. sein / werden, jn. b. machen, etw. b. tun, des mutes / werkes b. sein
;
balder sprung
;
fürste / übel b.
(hier als schmückendes Beiwort).

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
238, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ie die sünde grœzer und mêrer sint, ie sie got âne mâze gerner vergibet und belder, wan sie im wider sint.
Chron. Köln
1, 1835
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
quemen wir hynne, so weren wir balt, | want bleuen wir langer in deser noit | wir weren alle ain zwiuel doit.
Reissenberger, Väterb.
4715
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Vor was ez [gebet] heiz und balt, | Nu was ez laz und kalt.
Thiele, Minner. II,
32, 240
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
wy vrisch, wie moedich und wy balt | hi [man] were in sinen jongen daghen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
905
(
mrhein.
,
um 1335
):
Nů dar, ir frechen helde, | sint ir des můdes belde, | so slahent in also sere.
Bergmann, Ambr. Liederb.
225, 354
(
Frankf.
1582
):
da führt sie mich gar schnell und bald, | in jr kammer gehüre.
Hübner, Buch Daniel
6598
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
sin stimme balt, | Greslichen en zu horen.
Mone, Adt. Schausp.
1, 378
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
Gotes goͤte und sin gewalt | behoͤt uch vor allem obil balt.
Schönbach, Adt. Pred.
18, 36
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
swanne der esel geth, so setzet er einen vůz balde nach deme andern.
Palm, Veter Buoch
37, 6
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
wis nicht ze balt; habe gewalt diner zungen vnd dines buches.
Ebd.
50, 29
:
dem selben tufel tut aller wirst, das man sine anvechtunge dicke sait, vnd swer sie birget, der macht in balt vnd vro.
Pyritz, Minneburg
4873
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Vor blugheit sie ez niht entuͤt, | Wenn sie ist so frisch, so bald.
Gille u. a., M. Beheim
76, 296
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das wir nit | sollen so gechs und palte | Gwaltigen unser veinde.
Päpke, Marienl. Wernher
5900
(
halem.
,
v. 1382
):
Sin zunge was gespræche wol, | [...] | Warhaft, gerecht, gegen nieman snos, | Nút gæche, nút klæffig, nút balt, nút los.
Koppitz, Trojanerkr.
1153
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Mitt vil balden sprüngen schnell | Sprang der rysse Ruel | An den held uss Throyer land.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 2, 188
(
schwäb.
,
1471
):
Ain zag můsz werden palt, | Wann er so hoches můtes pfligt.
Ebd.
13, 97
:
Ainer ze haisz, der ander ze kalt, | Ainer ainuältig, der ander palt.
Primisser, Suchenwirt
6, 148
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Man sach den fursten lobes palt | Vor Velegrat nach ern streben.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
1197
;
Thiele, a. a. O.
24, 66
;
Froning, Alsf. Passionssp.
3496
;
7326
;
Jahr, H. v. Mügeln
222
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 172, 22
;
334, 5
;
Pyritz, a. a. O.
3914
;
Gille u. a., a. a. O.
70, 168
;
Lemmer, Brant. Narrensch. 35, Vorspruch Z.
3
;
Päpke, a. a. O.
1665
;
Adrian, Saelden Hort
2823
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
167, 3
;
Primisser, a. a. O.
6, 86
;
33, 115
;
Weber, Füetrer. Poyt.
312, 2
;
2.
›rasch, schnell, eilig, in schneller Bewegung‹; offen zu 3.
Vorwiegend älteres und mittleres Frnhd.
Phraseme:
sich nicht zu bald sein lassen
›sich Zeit nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , (Adj.) 6,  12, , , ; vgl. .
Gegensätze:
(Adj.), (Adj.) 1.
Syntagmen:
b. (wohin) faren / fliegen / gehen / laufen / reiten, sich auf das bäldeste wohin fügen, jn. b. beschicken, jm. b. zu hilfe kommen, b. niederkommen
›rasch gebären‹;
j. zu fusse b. sein, reise b. sein
;
balde eile, balder abschied / schreiber.
Wortbildungen:
baldfallend
,
baldfliessend
,
baldlaufend.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
12436
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
want er was zu vûze balt.
Quint, Eckharts Pred.
1, 369, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Die meister sprechent, der himel loufe umbe, daz er alliu dinc in ein bringe; dar umbe löufet er alsô balde.
Chron. Köln
1, 5569
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ich begaff dat essen ind geinck vegin, | so ich mich balste moicht bewegin.
Ebd.
2, 586, 13
(
Köln
1499
):
die pris ind ere hude willen bejagen, die loufen bald ind hoilen uns die leideren van den kirchen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
24, 25
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
so sihest [...] ein baldfallenden erdenknollen.
Palm, Veter Buoch
75, 28
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Der bruder was vro vnd lief balde gegen dem alden.
Henschel u. a., Heidin
1794
(
nobd.
,
um 1300
):
Des hab dv gvt gewalt | La dir niht wesen zv balt.
Adrian, Saelden Hort
305
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
Hin bald von mir, Sathanas!
Päpke, Marienl. Wernher
1067
(
halem.
,
v. 1382
):
Weder træge noch zebald | Ist kain ir wandel nút gezalt.
Ebd.
9626
:
Summlich in úbel stiessent | Und balder gan in hiessent.
Schib, H. Stockar
10, 11
(
halem.
,
1519
):
und ha(nd) hübschin beringe ros und hurtig, bald luffend.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
5v, 23
(
Zürich
1521
):
So ich hoͤr den namẽ eines menschẽ / so louff ich bald hin zů.
Pfaff, Tristrant
201, 12
(
Augsb.
1498
):
Er macht ein balden abschyd.
Chron. Augsb.
7, 114, 9
(
schwäb.
, zu
1548
):
die, so nit anhaimbs weren, solten sich auf das beldist und nechst zuͤ iren heusern fuegen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
149, 23
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der has hât hinden lenger füez denn vorn, dar umb läuft er sänfter und palder ze perg wan ze tal.
Primisser, Suchenwirt
26, 21
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
mit meinem hunt, | Der heizzet Lieb, und lauffet pald.
Klein, Oswald
72, 8
(
oobd.
,
1431
/
2
):
hast nicht, so richt | dich balde von hinnen!
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
50, 21
(
oobd.
,
n. 1427
):
nu sitz auff din pferdt (und lug nit umb) und reytt pald.
Chron. Köln
1, 2388
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1028
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
165, 31
;
168, 19
;
Thiele, Minner. II,
22, 83
;
Froning, Alsf. Passionssp.
7387
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
5, 25
;
Henschel u. a., a. a. O.
1041
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
13, 27
;
Sachs
17, 481, 4
;
Bell, G. Hager
277, 1, 6
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
568, 9
;
Chron. Strassb.
1, 247, 27
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
25, 25
;
Bartsch, Reinfrid
4528
;
Koppitz, Trojanerkr.
21159
;
Päpke, a. a. O. Wernher
175
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5051
;
Chron. Augsb.
2, 42, 16
;
Thür. Chron.
7v, 5
;
Klein, a. a. O.
20, 7
;
Munz, Füetrer. Persibein
65, 3
;
Weber, Füetrer. Poyt.
153, 2
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
8, 1
;
123, 4
;
559, 6
;
Mollay, H. Kottanerin
30, 1
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 47
;
Schmitt, Ordo rerum
459, 29
;
Voc. inc. teut. aa
vv
; s
iv
;
Dasypodius
322v
;
Schöpper
45b
;
Maaler
270r
;
Volkmar
284
;
618
;
Wmu
1, 137
;
Dietz, Wb. Luther
1, 203
;
Dief./Wü.
152
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
21
;
Schwäb. Wb.
1, 583
;
585
/6;
Öst. Wb.
2, 103
;
Meyer, Legenda aurea.
1939, 89/90
.
Vgl. ferner s. v.  1,  4, ,  3,  11,  1,  1.
3.
›bald, in Kürze, nach einem kurzen Zeitraum (zu rechnen von einem im Text genannten oder pragmatisch vorausgesetzten Zeitpunkt an)‹; vereinzelt auch: ›in kurzer Zeit (ohne Bezug auf einen zeitlichen Fixpunkt)‹; die jeweils angenommene Zeitspanne ist nach Ausweis von Syntagmen der Art
gar bald
, von Steigerungsformen oder von Wortbildungen wie
allerbäldest
gradierbar.
Mittleres und späteres Frnhd.
Phraseme:
so j. bäldest mag
;
zum bäldesten, so j. mag / so etw. sein mag.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1, , , ; vgl.  2.
Syntagmen:
b. sterben / wiederkommen, b. gesund werden, js. / e. S. b. vergessen, js. b. müde werden, e. S. bald gedenken
›gleich nachher auf etw. eingehen‹;
b. darauf / darnach / hernach, b. nachdem
[...],
b. nach etw.
(z. B.:
bekantnis
);
gar / fiel b.
;
etw. auf das bäldeste anzeigen.
Wortbildungen:
allerbäldest
,
baldanderst
(als Bezeichnung für den seine Gestalt dauernd ändernden Proteus).

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
477
(
ohess.
,
1501 ff.
):
nach mer balde kommet gegangen, | der vor mer gewesßen ist.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
186, 7
(
Frankf.
1535
):
schluck dises ein wenig einn / benimpt gar bald das hals geschwere.
Ulner
277
(
Frankf.
1577
):
Mit wenig Worten / baldt / mit einem Wort / in einer summ / mit kurtzen Worten.
Luther. Hl. Schrifft.
Ps. 102, 3
(
Wittenb.
1545
):
Wenn ich dich anruffe / so erhöre mich bald.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 59
(
Thorn
1584
):
her sal so her allir beldiste mag tzu deme richter komen.
Opitz. Poeterey
26, 7
(
Breslau
1624
):
epitheta, derer wir bald gedencken werden.
M. Cunitia. Ur. Prop.
173, 24
(
Öls
1650
):
Damit man aber bey dem auffgehenden punckt bald seinen winckel haben moͤchte.
Gille u. a., M. Beheim
33, 27
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Vil pald darnach | erschain im hie | der engel her.
Langen, Myst. Leben
206, 5
(
nobd.
,
1463
):
seint das fegfewr / als bitter ist vnd der sele so palde vergessen wirt.
Bell, G. Hager
158, 1, 18
(
nobd.
,
1597
):
Der wur gar bal | von der kranck heit | gar fein wider gesunde.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
119
(
Nürnb.
1517
):
die andern, die eins bessern stands sein, von dennen bald hernach gesagt wirdet.
Sachs
5, 310, 1
(
Nürnb.
1534
):
Bald-anderst so bin ich genandt, | Der gantzen welte wol bekandt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
70, 31
(
Nürnb.
1548
):
Wenn Gott nicht so bald helffen will / alß wirs gern hetten.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2781, 30
(
Nürnb.
1618
):
Werd jr mich nicht nauß lassen ball, | So muß ich ersticken vnd sterbn.
Lemmer, Brant. Narrensch.
99, 202
(
Basel
1494
):
Wann Christus yetz nit selber wacht | Es ist bald worden vmb vns nacht.
Bachmann, Haimonsk.
101, 11
(
halem.
,
1530
):
das ir ŭch mit Karly verreinbarend und im Rengnold gebend zumm beltisten, so ir mögend.
Heydn. maister
8v, 1
(
Augsb.
1490
):
Die freünd solt dir nit balde besitzen / noch dich der bald vnderziehen.
Brandstetter, Wigoleis
193, 39
(
Augsb.
1493
):
er gelobet jr sein widerfart so er peldest moecht.
Pfaff, Tristrant
44, 12
(
Augsb.
1498
):
Er [...] befalch dem, das er bald varn soͤlte, da mit sy nit lang under wegen legen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 111, 15
([
Augsb.
]
1548
):
Den Herren / welche der leüte bald müde werden / unnd ire diener offt verendern / den ist nicht gůt dienen.
Henisch
174
(
Augsb.
1616
):
Das soll ein schwetzer bald gesagt haben.
Ebd.
175
:
Verhofften dingen vil zu bald glauben geben. [...]. Was bald anfleugt / (auffgeht) fleugt (fellet) bald ab. Zuuil muß bald brechen. Die schoͤne ist vergaͤngklich / ist bald dahin. Boßheit vnd mutwill nimbt bald ein end. [...]. Was bald wird / das verderbt bald.
Ebd.
176
:
Verheissen / vnd bald leisten. Was bald reiff / dz helt nit steiff. [...]. Vnbekanten Leuten bald trawen / macht offt sich hindern ohren krawen.
Klein, Oswald
6, 50
(
oobd.
,
1431
/
2
):
O welt, nu gib mir deinen lon, | trag hin, vergiss mein bald!
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
156, 21
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Wane pald nachdem und (als) sy dem kunig die stat gaben.
Winter, Nöst. Weist.
1, 975, 7
(
moobd.
,
1564
/
76
):
solches all zeit dem vischmaister auf das bältist anzaigen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
110, 44
(
tir.
,
1464
):
soltu gen vnd solt pëssern vnd puessen deine sünden, so tu pëldist mügest.
Dies., Imitatio Haller
97, 13
(
tir.
,
1466
):
ir sint gar vil, die da schnell vnd pald sterben, so sy aller minst gedenkchen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
16, 24
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
Balt nach śolcher bekantnus Jśt Herr Gregor von dem Saxnśtein für einem Erbarn Ratth [...] erśchienen.
Große, Schwabensp.
87a, 11
;
Lohmeyer, K. v. Nostitz
89, 2
;
Lappenberg, Fleming. Ged.
156, 25
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 14, 2
;
24, 3
;
362, 7
;
2, 719, 10
;
Chron. Köln
1, 772
;
Thiele, Minner. II,
24, 38
;
Ralegh. America
3, 43
,
Goedeke u. a., Liederb.
72, 17
;
Stedtfeld, Roger-Glosse
45
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
129, 4
Anm.;
Opitz. a. a. O.
20, 17
;
M. Cunitia. a. a. O.
150, 23
;
213, 31
;
Gille u. a., a. a. O.
30, 40
;
54
;
71, 261
;
Sachs
15, 381, 31
;
Reichmann, a. a. O.
90, 29
;
Bell, a. a. O.
308, 2, 1
;
642, 13, 2
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
490, 15
;
Lemmer, a. a. O.
11, 28
;
80, 18
;
103, 149
;
Wickram
4, 41, 15
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
34, 2
;
48, 26
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
94
;
1920
;
Bachmann, Haimonsk.
101, 16
;
114, 25
;
127, 36
;
Heidegger. Mythoscopia
63, 22
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
3373
;
5842
;
Sappler, H. Kaufringer
2, 228
;
8, 302
;
14, 158
;
Chron. Augsb.
1, 109, 30
;
5, 312, 28
;
331, 12
;
Munz, Füetrer. Persibein
85, 7
;
288, 5
;
310, 7
;
528, 4
;
Weber, Füetrer. Poyt.
215, 7
;
Grossmann, a. a. O.
86, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
53, 4
;
99, 8
;
dies., Imitatio Haller
45, 30
;
Moscouia
C 2r, 6
;
Grothausmann, a. a. O.
44, 4
;
163, 12
;
Maaler
49v
;
Alberus
d iijv
;
Schöpper
45b
;
Hulsius
A ivv
;
Volkmar
5
;
113
;
Dietz, Wb. Luther
1, 203
;
Schwäb. Wb.
1, 583/4
;
Öst. Wb.
2, 103
.
Vgl. ferner s. v.  2, , , (V.) 2,  1,
1
,  3,  4,  1,
1
 7,  1,  2,  3,
3
 1,  2.
4.
als Komparativ im Anschluß an 3 ansatzweise lexikalisiert, dann: ›in kürzerer Zeit, rascher, schneller; eher, früher‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
432, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dâ von, ie belder der mensche vliuhet von der geschepfede, ie belder im zuoloufet der schepfer.
Sachs
17, 176, 1
(
Nürnb.
1554
):
Smal hast versaumbt, hab dir die frantzen! | Nun must du umb den brodkorb tantzen! | Zum nechsten bälder wider kumb!
Rohland, Schäden
357
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
der eytter geit dester belder uß.
Heydn. maister
10v, 22
(
Augsb.
1490
):
man sol belder an die stat geen da es dẽ freĩden übelgeet / dann do es in wol geet.
Henisch
174
(
Augsb.
1616
):
Man soll bälder einen Hasen mit einer trummen fangẽ.
Memminger Chron.
7, 22
(
Ulm
1660
):
ein Gewett mit dem Schwaben gethan haben / welcher baͤlder drey Statt in seinem Land nennen koͤnne.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
96, 5
(
tir.
,
1464
):
vnd wurffen darein [feür] öl vnd pech, das ire leichenamen dëster pëlder wurden verprinnen.
Maaler
57r
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
234, 9
;
Henisch
272
.
5.
›sofort, gleich, sogleich, umgehend (als punktuelle Zeitangabe)‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1,
1
(Adj.) 8, , , ; , .

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 55, 7
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
von den unsern sein baldt im anfange acht erschossen worden.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
269
(
mrhein.
,
um 1335
):
Swester, ist dir dine sunde leit, | so salt du balde sin bereit.
Ebd.
683
:
Wer vnder vch nit habe ein swert, | der sal virkaufen balde sin wert.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
120, 7
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Wye heyssest du das sage mir balde.
Karnein, Salm. u. Morolf
15, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Also die kiele wurdent geladen, | sie jagtent balde von dem staden.
Bell, G. Hager
585, 1, 7
(
nobd.
,
1601
):
Das [drinkgelt] bracht er Bal | seim weib heim an der stette.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
505, 17
(
els.
,
1362
):
Do dirre schůler zů ime selber kam do lief er vil balde in der brediger closter.
Chron. Strassb.
1, 43, 15
(
els.
,
1362
):
do sante er balde boten an den Rin, daz man im schiere zů helfe keme.
Schmidt, Rud. v. Biberach
109, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dv́ minne ist niemer volkomen balde, so si geborn wirt.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
63, 12
(
Ulm
1486
):
Red für dich. kanst du es nit pald sagen was du wilt.
Henisch
175
(
Augsb.
1616
):
Wol thun / ist bald thun. Bald geben / ist doppelt geben. Qui citò dat, bis dat.
Ebd.
176
:
Bald angefangen / bald ligen gelassen. [...]. Kein buler sagt bald zu. Verba dat, omnis amans.
Klein, Oswald
111, 162
(
oobd.
,
1431
/
2
):
‘Pilato, an creutz, chreutz in, chreutz in bald!’
Kurz, Waldis. Esopus
4, 19, 97
;
Roloff, Brant. Tsp.
424
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
1, 29
;
Päpke, Marienl. Wernher
181
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
49
;
4638
;
Sappler, H. Kaufringer
23, 173
;
Jaksche, Gundacker
4965
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
24, 5
;
123, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
92, 4
;
Moscouia
B 4r, 25
;
D 1v, 3
;
Schmitt, Ordo rerum
459, 29
;
736, 12
;
737, 14
;
Dasypodius
335v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 203
;
Maaler
49v
;
Henisch
174
;
Hulsius
A ivr
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 376
.
Vgl. ferner s. v. ,  5.
6.
›leicht, ohne viel Mühe und Zeitaufwand; leichtfertig‹;
nicht bald
als Litotes in der Bedeutung ›gar nicht‹;
wol so bald
›geradezu‹ (Belege im
Schweiz. Id.
4, 1196
).
Vorwiegend mittleres und späteres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
202, 11
(
Frankf.
1535
):
der goltfarbe laßt sich bald brechen / ist vergifft.
Schwartzenbach
K viv
(
Frankf.
1564
):
Leichtlich. Bald. Hat sich vnbeschwerlich auffwegen lassen.
˹Ironisch in Spanier, Murner. Narrenb.
92, 73
(
Straßb.
1512
):
Die eren, die ir habt dar von, | Die habt ir bald gehalten thon.
˺
Roloff, Brant. Tsp.
465
(
Straßb.
1554
):
Du moͤchst ine als guͤtlich haben gthon | Sie hetten dich nit als bald verlon.
Lemmer, Brant. Narrensch. Vorr.
42
(
Basel
1494
):
wer sich für ein narren acht | Der ist bald zů eym wisen gmacht.
Maaler
49v
(
Zürich
1561
):
Er ist Bald auff den esel gesetzt / Es ist jm gleych geschaͤhen das er hoͤn oder erzürnt wirt. Illi facile fit quod doleat.
Henisch
175
(
Augsb.
1616
):
Er ist bald im harnisch / [...], facile irascitur. [...]. Bald vernemen / was wol oder vbel laute / aliq. aures elegantes aut teretes habere. [...]. Es ist bald vmb einen Menschen gethon. Homo bulla. Temporis punctum est omnis vita. [...]. Wann man einem vbel will / so findet man bald ein vrsach.
Ebd.
176
:
Es ist einer bald in ein boͤß geschrey kommen / er ist aber nicht so leicht wider herauß bracht. [...]. Armut kan so bald vrsach zur suͤnd geben / als reichtumb.
Bauer, Imitatio Haller
74, 28
(
tir.
,
1466
):
Man ist aber laider das pös offt pelder gelauben, das man ret von vnserm nachsten, denn das guet.
Belkin u. a., a. a. O.
68, 12
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
109, 21
;
Chron. Augsb.
7, 210, 5
;
Schweiz. Id.
4, 1195
.
Vgl. ferner s. v. , ,  5,  1.
7.
als Modalpartikel im Sinne von ›wohl, denn wohl‹.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
9, 14
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Welichen armen man hette er balde so reichlich wol begabet?
8.
›fast, beinahe‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Skála, Egerer Urgichtenb.
84, 18
(
nwböhm.
,
1571
):
were sager Im Schnee baldt verdorben het offt willens gehabt sich selbs Zu erschiessen.
Dief./Wü.
152
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 219
;
Schweiz. Id.
4, 1194
;
Spengler, Fischart.
1969, 177
.
9.
zur Kennzeichnung der Gleichzeitigkeit zweier Geschehen: ›sobald, im gleichen Augenblick, in dem [...], als‹, teilweise mit konditionaler Komponente: ›sobald, wenn‹; vereinzelt zur Kennzeichnung der Nachzeitigkeit eines Geschehens: ›gleich nachdem‹.
Späteres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 13,  3.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
3, 25, 41
(
Frankf.
1557
):
Baldt wirdt diß leben angefangen, | Jst vber vns das vrtheil gangen.
Ebd.
4, 71, 46
:
Wie er denn war von Schnee gemacht, | Baldt ich jn in die Sonne bracht, | Vor grosser hitz er gar verschmaltz.
Bell, G. Hager
98, 3, 9
(
nobd.
,
1594
):
balt sich ein mensch zu got ver spricht | [...] | So find er noch das kreicz al tag.
Sachs
9, 26, 23
(
Nürnb.
1544
):
das wir drey alle sander | Morgen frü kemen nach einander, | Bald er daheim außgangen wer.
Kurz, Murner. Luth. Narr
829
(
Straßb.
1522
):
Bald sie den narren geigen hoͤren, | So bleiben sie warlich nit dunden.
Chron. Augsb.
9, 329, 9
(
schwäb.
,
1536
):
aber bald man ain ding bessern will, so macht mans gmainclich erger.
Turmair
5, 118, 32
(
moobd.
,
1522
/
33
):
bald künig Karl wider aus dem land kam, so bracht herzog Weitchund wider ain volk zesam.
Kurz, a. a. O.
1, 12, 63
;
Bachmann u. a., Volksb.
127, 31
;
Turmair
5, 228, 2
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 259, 24
;
Henisch
174
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 219
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 376
;
Schwäb. Wb.
1, 583/4
;
Schweiz. Id.
4, 1196
;
Öst. Wb.
2, 103
.
10.
in Verbindung mit vorangehendem, nebensatzeinleitendem
als
(meist)
/ also / so / wie
und korrelierend mit hauptsatzeinleitendem
so
(meist)
/ da / zehant
(selten auch ohne Korrelat) zur Kennzeichnung der Gleichzeitigkeit zweier Geschehen oder der gerade abgeschlossenen Vorzeitigkeit des im Nebensatz ausgedrückten Geschehens; oft mit konditionaler Komponente; ›sobald, in dem Augenblick, in dem [...], als; kaum nachdem; indem, wenn‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 25, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Alsô schiere sô dû got anebetest umbe die crêatûre, sô bitest dû umbe dînen eigenen schaden, wan alsô balde sô crêatûre crêatûre ist, sô treget si inne bitterkeit und schaden.
Ebd.
539, 44
:
Wan als balde man | ‘vater’ nennet, so verstet man auch den ‘sun’.
Bergmann, Ambr. Liederb.
228, 43
(
Frankf.
1582
):
Wie bald die Marien das vernommen, | aus dem winckel sie da kommen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 6
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Als balde ein man ein weib genimt, also balde wirt er selbander in unser gefengnüß.
Opitz. Poeterey
44, 21
(
Breslau
1624
):
So baldt er nur gesegnet hat | So wird er in den Sandt versencket.
Vetter, Pred. Taulers
375, 1
(
els.
,
1359
):
als balde er gedachte ein uͤbunge ze tůnde, so sprang der licham her fúr.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 4, 26
(
Straßb.
1524
):
so bald das hertz abfalt / so ist das gebet auch auß.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 226, 28
(
Hagenau
1534
):
Als bald Petrus gen Hofe kam / ward eyn schalck darauß.
Moscouia
C 4r, 33
(
Wien
1557
):
die zwen seind mit dem grafen Nügarolis vnd mit mir in die Mosqua geraist / so pald die ankhum̃en / haben sy dem Fuͤrsten alles solches fürtragen [...] müessen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
106, 7
(
tir.
,
1464
):
als pald er die schënt wort gerët hët, da cham ein himelplicz von dem himel.
Quint, Eckharts Trakt.
236, 7
;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
771/2
;
Sudhoff, Paracelsus
7, 29, 6
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
50, 10
;
Chron. Augsb.
2, 367, 9
;
Wolf, Norm im sp. Ma.
48, 52
;
Bauer, a. a. O.
5, 30
;
80, 27
;
111, 1
.
11.
in der Doppelformel
bald ... bald
›sowohl ... als auch; einmal ... einmal‹.

Belegblock:

Göz. Leichabd.
172, 100
(
Jena
1664
):
bald mit der ganz⸗erboßten Welt / [...] / sich durcharbeiten muͤssen; bald auch wieder den Erbfeind menschliches Nahmens / [...] stehen muͤssen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
119, 22
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und gedacht nicht (das) ‘pald auff, pald ab’, das an im auch dargieng.
12.
jm. bald tun
›jm. etw. zeigen, jm. ein Zeichen von etw. geben‹.

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
403, 14
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
enmac des alles niht gesîn, | so tuo mir balt | unt mach mir schin | vor minen ougen, wie du sîst gestalt.