gerücht,
das
;
-(e)s/–
;
in 3-5 auch Schreibungen ohne finales
-t
(
gerüch
), vereinzelt ist Berührung mit  345 denkbar; vgl. auch
v. Bahder, Wortwahl [...].
1925, 52
 f.
1.
›Lärm, die Situation störendes lautes Geräusch, wie es besonders durch die Stimme des Menschen, auch von Tieren sowie durch gewerbliche Tätigkeit u. ä. zustandekommt‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. , , ,  1, (
das
), ,  1,  1, , (
das
7.
Gegensätze:
vgl. (
das
1.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1624
(
Köln
1476
):
Jck byd, wylt my doch bedyeden | Dat gerucht vnder v lyeden. | Vns heeft all, got weet, besonder | Van den gerucht seer groyt wonder!
Buch Weinsb.
4, 232, 30
(
rib.
,
1595
):
Die pannensmide und kesselscleger machen grois gerucht, das nit so bequeim vur gelerten ist.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
122, 35
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Jn dem gerüchte entwachte die konnigynne / vnd gesach das [...].
Thiele, Chron. Stolle
271, 15
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der voyt von gota, or geleitsman reyt von on stille, swigende, das her keyn geruchte machte.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
246, 10
(
els.
,
1362
):
so horte er zuͦ stuͦnt ein gros gerichte maniger hande wilder tier.
Tiemann, a. a. O.
159, 14
.
2.
›Ärger, Aufregung, Tumult bis zu aufstandsähnlicher Unruhe hin‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , ; vgl.  2,  5,  4, (
der
1, (
das
), .

Belegblock:

Chron. Köln
2, 145, 22
(
rib.
,
15. Jh.
):
do quamen snoede lude vur de stat Collen int verbranten der stat moelen zwa. dat geruchte wart in so grois, si hetten anders die moelen alle verbrant.
Ebd.
3, 940, 22
(
Köln
1499
):
und haben ihren boesen schnoeden rath aldar geschloßen und seint mit einer mirklicher großer procession komen auf das rathhauis mit einem großen ungebeir und geruicht.
Schneider, Pont. u. Sid.
76, 27
(
rhfrk.
/
mosfrk.
,
2. H. 15. Jh.
):
Groß gerucht vnd gesegtz was vnder dem folk, das herre Pontus der junge solt vechten wieder den heydenschen ritter.
Hertel, UB Magdeb.
3, 705, 19
(
nd.
/
omd.
,
1503
):
truncken lewthe ader ander lewthe die sich under einander rowfften, slogen zcogen ader geruchte machten.
Rwb
4, 403
.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›lautes Beschreien des Täters eines schweren Vergehens (im Sinne von
geschrei
8)‹; schwach belegt.
Zur Sache:
Hrg
1, 1584
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.
Syntagmen:
das g. rufen
;
mit g. klagen, jn. mit g. beklagen / verfesten / verfolgen, vor gericht bringen, vor dem schultheissen beklagen
.
Wortbildungen:
gerüchtigen
›jn. beschreien‹ (a. 1617).

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
179, 18
(
thür.
,
1474
):
Hat der clegere vater dem genanten Mertin Moller [...] met geschreye unde met gerüchte vor den schultheyßin unde fronebotin by synem lebin beclaget.
Ebd.
193, 36
:
hat her yn in hanthafftiger tat in gerichte met gerüchte, [...], nicht vorvestet, beclaget nach vorfolget.
Unger, Richtes Stig
10, 3
(
1474
):
So findet man zurechte: er sulle rugen zethergeschrey und geruche und pluttende wunden.
Rwb
4, 401
;
Schwäb. Wb.
3, 430
.
4.
›Gerücht, meist unverbürgte, beunruhigende, mündlich weitergetragene Rede‹; teils mit einem gewissen Grad der Verbürgung, dann Tendenz zu ›Nachricht‹.
Bedeutungsverwandte:
,  10, ,  3,
1
 3,  1, (s. v. ), , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
ein g. ausbringen / ausgiessen / hören
(mehrfach)
/ vernemen / machen / schreien, ein g. für ein g. einbrengen, das
(falsch verbreitete)
g. büssen
;
das g
. (Subj.)
wankel / weit sein, weit auskommen, offenbar / ruchtbar werden, sich von etw. ergehen, von jm. ausgehen, mit 1000 zungen reden, wie ein adler fliegen, das g. sein
[und Hauptsatz in Konj.];
der poltergeist das g. heissen
;
sich auf ein g. trösten
;
das g. der urläuge, im reiche, von den feinden
;
das böse / färliche / glaubliche / grosse / gemeine
(mehrfach)
/ schwerliche g
.;
in gerüchtes weise
.
Wortbildungen:
gerüchtträger
1 ›Person, die Gerüchte in die Welt setzt‹.

Belegblock:

Schöpper
97b
(
Dortm.
1550
):
Fama. Geruͤcht geschrey hoͤrsag mär rumor gassenred.
Luther, Hl. Schrifft.
Mt. 14, 1
(
Wittenb.
1545
):
Zv der zeit kam das gerüchte
[
Beheim
1343:
lûmunt
,
Mentel
1507:
geschray
,
Froschauer
1530:
gschrey
].
von Jhesu für den vierfürsten Herodes.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
276, 31
(
Wolfenb.
1593
):
Wie ich bin in der Stadt gewesen, Ich mit schmertzen von dir ein böses Gerücht gehöret habe.
Dat nuwe Boych
425, 8
(
rib.
,
1396
):
vp dat geruchte so troyste sich alle man, die des vnschuldich was.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1755
(
Köln
1476
):
Cortz was dayr dat gerucht seer wyt, | Dye Nuysser waren all verblijt.
Koeniger, Sendgerichte
75, 19
(
rib.
,
1566
):
man soll bei der warheit die rueger frogen, das sie ein geruecht für ein geruecht und ein warheit für ein warheit einbrengen.
Thiele, Chron. Stolle
389, 16
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das geruchte was, er solde ouch tod sy.
Opel, Spittendorf
15, 5
(
osächs.
,
um 1480
):
[sie] sagten, wie sie in gerichts weyse vernommen hetten uneinigkeit.
Ebd.
443, 4
:
wardt der man geware, das seine hausfrau, die er kurtz genommen hatte, schwangers leibes war; das gerichte ward offenbar.
Sachs
22, 386, 32
(
Nürnb.
1547
):
Geruech, gewalt und glüeck | Sint stez wanckel und flüeck.
Ebd.
23, 46, 3
(
1554
):
und das gerüech seiner [schlos] pefestigung und sterk im ganczen lant ruechtpar wart.
v. Birken. Erzh. Österreich
78a, 51
(
Nürnb.
1668
):
weil schon lange das Geruͤcht mit tausend Zungen von ihm redet.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 91, 14
Var. (
Straßb.
1466
):
Wann ir seyt zehoͤren die vrleg vnd die mere
[Var. 1483:
geruͤhd
;
Beheim
1343:
we͂ne
,
Luther
1545:
geschrey
]
der vrlege.
Dasypodius
68v
(
Straßb.
1536
):
Famiger atque famigerator, Ein gerücht traͤger / der neüwe geschrey auff bringt.
Henisch
1524/5
(
Augsb.
1616
):
hoͤre ich / das man zusam͂en mumet / das man ein gerüchte machet [...]. Ein boͤß gerücht hat guten Wind / Fleugt wie ein Adler [...]. Ein gemein gerücht ist selten erlogen.
Luther, WA
18, 436, 5
;
19, 187, 1
;
50, 129, 6
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
513, 194
;
Herborn u. a., Rechn. Jülich
66, 7
;
Dat nuwe Boych
430, 2
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
152, 5
;
Hertel, UB Magdeb.
3, 51, 43
;
702, 42
;
Opel, a. a. O.
497, 11
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
53, 4
;
Turmair
4, 41, 28
;
Henisch
1524/5
;
Dietz, Wb. Luther
2, 88
 f.;
Rwb
4, 402
;
Schwäb. Wb.
3, 430
.
Vgl. ferner s. v.  2,  6.
5.
›Leumund, guter oder übler Ruf e. P., damit einhergehende moralische Bewertung und entsprechendes Ansehen‹; vereinzelt mit Tendenz zur Metonymie, dann: ›Gegenstand der Nachrede‹.
Phraseme:
das gute gerücht
;
das böse / quade gerücht
.
Bedeutungsverwandte:
(
das
2,  9, , (
der
4,
1
 3, , , , ; vgl.  4,  4,  1,  1; offen zu , , , .
Syntagmen:
ein gutes g. haben / behalten / behüten / hochachten / kränken, ein böses g. erwecken / machen, jm. das gute g. nemen, ein gutes g. bringen, jm. ein quades g. werben, js. g. behüten / beschmützen
;
js. g
. [wie]
riechen, das g. aus der gemeinde kommen
, [wohin]
ausgehen, jn. töten, zum buben machen, das gute g. keinen scherz leiden
;
jn. des guten gerüchtes berauben, j. gutes gerüchtes erschallen
;
js. g. einen schuz stiften
;
an js. g. greifen, in ein böses g. kommen, jn. in ein böses g. bringen, jn. zu g. machen
›in üblen Ruf bringen‹,
jn. an seinem guten g. beliegen / verleumden
;
das erliche / unschuldige g
.;
eine person von bösem / quadem g., der name von quadem g
.;
die rettung js. gerüchtes
.
Wortbildungen:
gerüchtträger
2 ›Person üblen Rufes‹,
gerüchtig
›berühmt, gut beleumundet‹.

Belegblock:

Luther, WA
7, 271, 22
(
1521
):
wie sein [Emser] gerücht reucht, ßo lautten auch seyne buchle.
Ebd.
8, 500, 22
(
1521
):
erliche, fromme buͤrger ynn eyner stadt, eyns gutten lebens und geruͤcht.
Ebd.
9, 132, 14
(
1518
):
Greifft man an dein ere, geleumb, gut gerucht, gut und was du hast, so greifft man in Christus guth.
Ebd.
38, 372, 5
(
1535
):
Und ist damit unserm gerucht und unschuld eine maur und schutz gestifft wider boͤse meuler.
Schöpper
59b
(
Dortm.
1550
):
Fama. Luͤmbd leumbd leymat geruͤcht ruff geschrey.
Lappenberg, Fleming. Ged. 86, Prosa
18
(
1635
):
das gute Liefland, welches, [...], unserm Teuschlande an Künsten, Reichtumb und Gerüchte nicht weichen solte.
Thiele, Minner. II,
27, 140
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
we ich by ir wesen muͤchte | suͤnder enich keruchte.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5308
(
rib.
,
1444
):
want dat eyn name is | Van quaide͂ geruchte, so hain ich des | Gevraget.
Ebd.
8687
:
Dat der geen zo perde rede | De eyn guyt geruchte hedde.
Chron. Köln
1, 285, 9
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat irre ein den anderen [...] usme rade setzen und in in ampten und gaffelen liessen zo geruchte machen.
Koeniger, Sendgerichte
94, 35
(
rib.
,
17. Jh.
):
Ob auch jemand seinem nesten sein ehr, fam und gut geruchs abgeschnitten [...] habe.
Ulner
223
(
Frankf.
1577
):
Geruͤcht. Gemeiner leumut / geschrey / sage / gemeine Rede / mumeley.
Ebd.
435
:
Ein gut Geruͤcht soll man [...] hoͤher schaͤtzen denn Gold vnd Silber.
Gille u. a., M. Beheim
447, 218
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Auff grass gerucht und geuden hie | wir ach nit sollen pawen.
Voc. Teut.-Lat.
kk jv
(
Nürnb.
1482
):
Verwarlosiger [...] geruchtnisser
[Bildung nicht regelüblich]
diuaricosus.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
32, 11
(
Bamb.
1507
):
ob der verdacht ein soliche verwegne oder leichtvertige person von poͤsem leuͤmat vnd gerucht sey.
Franck, Decl.
335, 4
(
Nürnb.
1531
):
Demnach seindt zwey ding vor allen die die menschen hochachten / nemlich reychthumb / vnd guͦt geruͤch.
Sachs
3, 354, 34
(
Nürnb.
1542
):
Durch sollich heymlich list und renck | Mach ich seym guten ghrücht ein gstenck.
Dasypodius
332v
(
Straßb.
1536
):
Gerüchttreger [...] der ein boͤß Gerücht hat. Infamis.
Henisch
1524
(
Augsb.
1616
):
Gerüchtig / gerüchtiget [...] / famosus, celebris.
Ebd.
1525
:
Es kompt mancher mit der warheit inn ein boͤß gerücht. [...]. Wehe dem der inn ein boͤß gerücht kompt. [...]. Ein ehrlich gerücht ist offt ein vrsach ehrlich zu handlen. [...]. Es wirdt selten ein Kanne Wein getruncken, da man nicht frommen vnnd abwesenden jhr gut geruͤcht beschmuͤtzet. Ein gut gewissen / demuth vnserm hertzen / ein gut geruͤcht vnserem naͤchsten. Wir duͤrffen ein gut gewissen vnser selbst halben / vnd eines guten geruͤchts vmb ander Leuth willen. [...]. Das geruͤcht toͤdtet den Mann. Ein boͤß Zung ist ein boͤß geruͤcht. Gewin mit boͤsem geruͤcht ist schand. Wen das geruͤcht zum Buben macht / Der bleibt sein lebenlang veracht. Wirst du die Schantz einmal versehen / So ists vmb dein geruͤcht geschehen.
Winter, Nöst. Weist.
3, 112, 5
(
moobd.
,
1630
):
Wann ainer dem andern ainen dieb schelmb mörter [...] schildt und ihme also sein guet geruech und ehre hierdurch zue nehmen vermeint.
Luther, WA
2, 91, 29
;
6, 220, 4
;
11, 414, 20
;
22, 202, 26
;
41, 472, 13
;
52, 590, 25
;
Meijboom, a. a. O.
8573
;
Buch Weinsb.
2, 270, 5
;
379, 25
;
Kurz, Waldis. Esopus
3, 11, 49
;
4, 46, 27
;
Palm, Veter Buoch
77, 27
;
Opitz. Poeterey
22, 9
;
Kohler u. a., a. a. O. Corr.
146, 22
;
ders. u. a., Peinl. GO Karls V.
20, 21
;
Sachs
20, 515, 9
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 123, 13
Var.;
Mell u. a., Steir. Taid.
22, 30
;
56, 8
;
Byland, Wortsch. Zürcher AT,
44
.
Vgl. ferner s. v.  8.