geschelle,
das
;
-s/–
.
1.
›Gerede, Gerücht; Verleumdung, üble Nachrede‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
75, 6
(
alem.
,
14. Jh.
):
es was in den selben ziten, do daz geschell waz von der gift
[angebliche Vergiftung der Brunnen durch die Juden].
Adrian, Saelden Hort
7766
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swie ich [Maria Magdalena] in daz geschelle | kom ummer da ich inn was.
Dierauer, Chron. Zürich
145, 6
(
halem.
,
1415
/
20
):
Des
[von einem feindlichen Angriff]
kam das geschell her in die statt, so ver, das man mit der paner hinus wart ziechent.
Schweiz. Id.
8, 538
.
2.
›auffallender Lärm, wie er durch Musikinstrumente, durch die Stimme von Tieren, den Gebrauch von Waffen, soziale Unruhen, Auftritte des Teufels oder andere religiöse Ereignisse, durch Feste und Alltagsgaunereien verursacht sein kann‹, häufiger auf Unangenehmes und Unartikuliertes als auf Wohlklänge bezogen, deshalb eher ›Krach, Getöse, Geschrei‹ als ›Klang, Schall‹; als Metonymie: ›Läutwerk, Geschelle‹.
Bedeutungsverwandte:
,  23, ,  147, ,  23, ,
1
(
der
),
1
 1, .
Syntagmen:
ein g
. (Akk.obj.)
erheben / machen / hören / fürchten / verschmähen, es gibt ein g.
;
das g
. (Subj.)
angehen / sein / werden, sich (er)heben, js. g. frölich sein
;
dem g. nachfolgen
;
durch g. etw. hören, jn. in einem g. verzucken
›entführen‹,
mit g. auffaren / eilen / kommen, js. leib mit g. zerreissen, mit g. an die tür stossen
;
das g. der freuden, der hörner, des lobes
;
das g. mit posaunen / trommeten
;
das grosse
(mehrfach)
/ kleine / laute / michele / sänfte g
.;
die messe mit g
.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
5583
(
preuß.
,
1331
):
Ouch mit eim geludme qwam | Der heilge geist und sin vlam, | Daz er in den jungern sin | Czu der predigote fyn | Irhube ein geschelle | Ken allem ungevelle.
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
3276
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
do gehortens ein geschelle von den hosten englischen scharn!
Schöpper
33b
(
Dortm.
1550
):
SONVS. Hall glaudt thon geschell klangk ¶ gedoͤse gethoͤne gereusch geboͤche knall klapff ¶ geproͤschel gethemmer getuͤmmel geruͤmmel getraͮppel thuͤmor gemurmel geschrey geruͤff.
Gille u. a., M. Beheim
233, 100
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ich wirt furbas me | auf haissen horen elle | Euer
[der Juden]
freüden geschelle | und euer feyertag genczlich.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
410, 32
(
nobd.
,
n. 1525
):
ye gern die dewflische mess wider gern sehen uffzurichten, mitsampt vil geschell und lewtens und ander alt bäbstlich kirchengepreng.
Sachs
5, 123, 18
(
Nürnb.
1557
):
[der teuffel] fur zum ofenloch hin-nauß | Und kham mit sehr grossem geschell | Widerumb hin-nab für die hell.
Ebd.
14, 262, 20
(
1553
):
Weil du warst ein lediger gsel, | War laut-raissig, frölich dein gschel.
Ebd.
15, 465, 14
(
1562
):
ander grewlich würm unrein | Mit grossem gschell, solten den leib | Zu-reissen dem christlichen weib.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 162, 138
(
thurg.
1520
/
1
):
Groß freud und gschel | Hat steufels her.
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
74, 28
(
önalem.
,
v. 1478
):
das er soͤlle verschmohen das geschelle zergengliches lobes vnd soͤlle trucken die hohfart des v`bermuͤtigen ruͦmes.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 103, 3
(o. O.
1517
):
Jn nennen gott Emanuel | Mit süesser stimm, mit senfftem gschell.
Barack, Zim. Chron.
2, 528, 11
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
liess der herzog den selbigen aubent ain schöne junkfraw, [...], in dem geschell und tumult durch etlich wenig seiner vertrawten diener von dem danz unversehenlichen verzucken.
Klein, Oswald
35, 2
(
oobd.
,
1409
/
10
):
In Suria ain braiten hal | hort man durch gross geschelle.
Turmair
4, 278, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wen der wind drein fiel, so gab es ein gar groß g’schäl und bummen, das man’s gar weit hört.
Helm, a. a. O.
2850
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
307, 10
;
Fastnachtsp.
778, 24
;
Gille u. a., a. a. O.
301, 65
;
Hampe, Ged. v. Hausrat
2, 1, 5
;
Sachs
15, 274, 4
;
22, 316, 12
;
Bihlmeyer, Seuse
43, 32
;
Koppitz, Trojanerkr.
3228
;
Volz, Prophet Daniel W
3, 5
;
Geier, Stadtr. Überl.
65, 18
;
Roder, Stadtr. Villingen
198, 20
;
Sappler, H. Kaufringer
18, 163
;
Barack, a. a. O.
2, 260, 26
;
4, 123, 9
;
Österley, Steinhöwels Äsop
73, 27
;
Niewöhner, Teichner
48, 44
;
487, 26
;
Klein, a. a. O.
49, 8
;
Pfälz. Wb.
3, 241
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
136
;
Schwäb. Wb.
3, 450
;
460
 f.
3.
›(in der Regel mit Lärm einhergender) Streit, Zwist (sowohl verbaler wie tätlicher Art, bezogen auf die volle Bandbreite von persönlicher bis zu bewaffneter Auseinandersetzung)‹.
Syntagmen:
(mit jm.) g. haben, das g. niederlegen / richten / wenden, an die herren stellen
;
g. aufstehen
;
jn. in einem g. erschlagen, von einem g. erschrecken
;
das g. zwischen
[a]
und
[b].
Wortbildungen
geschellen
(dazu bdv.:  8,  2, ),
geschellig
(dazu bdv.: ,  1,  3, ),
geschelligkeit
(dazu bdv.: , , , ).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
11219
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dî [wîb] hôrte ein michil prûsin | und ein grôz geschelle | [...] | want eine grôze schar da vûr | von tûviln.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 35, 30
(
preuß.
,
1447
):
want geschell gewesen is tussen dem koupmanne und den schipperen van der hense umbe de unkosten van loeszmans gelde.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 358, 12
(
rib.
,
1477
):
omb die amptere, ind die dazo gehoerent, zo vereingen ind ire geschele, tuschen in ontstanden, an unse herren v. r. zo stellen.
Voc. Teut.-Lat.
m ijv
(
Nürnb.
1482
):
Geschelle aufflauff kriege od’ zwitracht od’ partheyu͂g.
Ebd.
Geschellischeit auff lauffikeit kriegischeit partheyischeit, od’ zwitrechtigkeit. sedities.
Ebd.
r vr
:
Kriegen auflauffen geschellen zwytrachten tumultuare.
Ebd.
y iijv
:
Parteyischer aufflauffiger geschelliger kriegisch’ zwitrachtiger.
Ebd.
y iijv
:
Parteyischeit aufflauffigkeit geschellikeit kriegischeit zwytrachtigkeit. sedities.
Ebd.
ff vv
:
Sturm oder streyt od’ geschel.
Chron. Strassb.
1, 328, 9
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wurdent die Roͤmer in der stat under einander stoͤssig und missehellig, das sü vil geschölle hettent.
Ebd.
776, 1
:
Das geschölle zwüschent den Zörnen und den von Mülnheim [...]. und in dem selben geschölle und gestoͤsse wurdent under den von Mülnheim zwene erslagen.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 298, 14
(
alem.
,
1445
):
wenn ich me do huͦt, gnam ich mich keynerley sach an, sunder nútzit dann ze huͤten fúr geschelle oder ynrennen.
Niewöhner, Teichner
166, 94
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
wer mit gemach beleiben well, | der hab mit in [phaffen] chain geschell.
Strehlke, a. a. O.
19173
;
Toeppen, a. a. O.
3, 663, 14
;
Chron. Strassb.
1, 121, 30
;
Voc. Teut.-Lat.
m iijr
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
136
;
Schweiz. Id.
8, 538
.