1
ton,
der
 ;
-(e)s/-Ø, -e,
überwiegend + Uml.;
zu
mhd.
dôn
›Gesangsweise, Melodie, Lied‹
(
Lexer
1, 446
); dies aus
lat.
tonus
(
Georges
2, 3148
).
1.
›akustische Wahrnehmbarkeit, Hörbarkeit als wesenhafte Eigenschaft verschiedener (von Gott geschaffener) Gegebenheiten‹; speziell auch: ›Lautstärke‹; überwiegend metonymisch: ›akustisches Phänomen; Schall, Geräusch (allgemein)‹; speziell: ›Lärm, Getöse‹; mit Blick auf die menschliche Rede: ›(öffentliches) Gerede‹; ütr.: ›öffentliche Angelegenheit‹;
zu  1; vgl.  4.
Phraseme:
in allem ton
›in jeder Hinsicht‹;
mit reichem ton
›mit machtvoller Präsenz‹;
in hellem ton
›weithin hörbar‹;
j. in grossem ton sein
›j. Gegenstand von Klatsch, Gerede, Gerüchten sein‹;
der unnütze ton der worte
›das leere Geschwätz‹.
Bedeutungsverwandte:
1
(
der
),  1 (subst.), , (
der
1, , ; vgl.
2
, ,
1
 1, , ,  1,  1, ,  4, (
der/das
12,  2,  123, , ,  1,  1,  1.
Syntagmen:
(einen) t. fürchten / geben / merken / verursachen
;
der t
. (Subj.)
herausgehen, die luft brechen / schlagen, seinen ursprung nemen
;
j
. (z. B.
zwölftausend man
)
mit t
. [wohin] (z. B.
für Troya
)
keren
,
etw
. (z. B.
die warnunge
)
mit t. verwunden sein, j. zum t. der welt
›ins weltliche Leben‹
kommen
;
der t. des schals, der welt
;
der grosse / helle / reiche t
.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb.
7968
(
md.
, Hs.
um 1400
):
kom ich [die brut] widir zur werlde done, | ich mache di sele widir unschone, | mit manichem sundirlichen sliche.
Quint, Eckharts Pred.
2, 192, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ez [die warnunge
›Exempel‹
] ist verwunden mit varwe und mit dône und mit lîphaftigen dingen.
Jahr, H. v. Mügeln
463
(
omd.
, Hs.
1463
):
min don der sluk und brach die luft, | biß das ich [Musica] in des herzen gruft | lokte got.
Göz. Leichabd.
164, 1
( 
Jena
1664
):
[hohle Gaͤnge und Kluͤffte] durch welche eine und andere Qvelle abfaͤllt / und durch ihr Anschlagen solchen und solchen Thoon oder Laut verursachet.
Böhme, Morg.R.
154, 30
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Der 6. Quell-geist in der goͤttlichen kraft ist der Schall oder thon.
Voc. Teut.-Lat.
s iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Laut. od’ hal. od’ don. sonitus sonus.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
5, 11
(
els.
,
1362
):
so schlahent die steine annander das sú brechent; den ton merket nieman denne got.
Koppitz, Trojanerkr.
13712
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der küng sunder melde | Geritten kam ze velde | Mitt zwölff tussend siner man. | [...] | Für Troye sy do schonne | Kertten mitt richem donne.
Päpke, Marienl. Wernher
5293
(
halem.
,
v. 1382
):
mit des schalles done | Wurdent lebende schone | Sinú klainu voͤgellin.
Lemmer, Brant. Narrensch.
41, 1
(
Basel
1494
):
Eyn glock on klüpfel / gibt nit thon.
Chron. Augsb.
9, 111, 28
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
hat (sich) ain erber rat und gemaind diser stat in hochen und nidren sachen [...] und (in) allem andren ton das merer imperium und gewalt ausgenomen und vorbehalten.
Barack, Zim. Chron.
1, 122, 16
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Die statt Bunik ist [...] Diether Landtschaden von Stainach vom stift Menz verpfendt worden, welcher [...] domals in grossem thon gewest, dann ime ain Camerin von Kolberg gross gut zugebracht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
270, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man in [den drachen] verjagen wil [...], sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und sleht dar auf mit coralleinn gärtleinn; den dôn oder daz kläppern fürht er.
Munz, Füetrer. Persibein
102, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
des lob in hellem done | erhal allzeit, wo ye dy frechen waren.
Böhme, a. a. O.
155, 28
;
156, 23
;
Schöpper
33b
;
Serranus
52v
;
Maaler
301v
;
404r
;
Schweiz. Id.
13, 214
 f.
Vgl. ferner s. v.  5.
2.
›einzelner (durch die menschliche Stimme hervorgebrachter und durch ein Notenzeichen repräsentierter) Ton; (durch einen Buchstaben repräsentierter) Laut einer Sprache; lautliche bzw. tonale Qualität‹; speziell in der Metrik: ›Betonung‹;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
, (
der
2, ,  1; vgl. , ,  9.
Syntagmen:
einen t. geben / haben / krümmen / machen / zerbrechen / ziehen
;
ein t
. (Subj.)
sich geberen
;
etw
. (z. B.
zwei octaven
)
ein t. sein
;
etw. aus dem t. erkennen, etw
. (z. B.
die orgel
 )
mit falschem t. dissonieren
;
der falsche / helle / klare t
.

Belegblock:

Jahr, H. v. Mügeln
419
(
omd.
, Hs.
1463
):
Uns leret Musica hie schon, | wie sich gebirt
[›verhält‹]
ein iglich don.
Opitz. Poeterey
26, 6
(
Breslau
1624
):
Die diphthongi [...] duͤrffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben werden / dessen thon sie haben.
Ebd.
38, 2
:
das wir aus den accenten vnnd dem thone erkennen / welche sylbe hoch vnnd welche niedrig gesetzt soll werden.
Rupprich, Dürer
3, 298, 651
(
nobd.
,
1528
):
wie sich im gsang ein octaff zu der andern helt, eine hoch die ander nider, vnd ist doch ein ton.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
945
(
schwäb.
,
1455
):
Ein orgel was zuo Praug | [...] | Die yetz vast dissoniert | Mit mangem valschen toun.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
11, 8
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Sy haissen aber darumb Lautbuchstaben, das sy aine klaren vn̈ hellen thon oder laut in den silbe mache.
Jahr, a. a. O.
434
;
Schweiz. Id.
13, 215
.
3.
›charakteristischer Klang, Klangfarbe eines Instruments, einer Stimme (von Mensch oder Tier, auch von Gott); Ausdrucksseite, Klang einer Lautfolge, eines Wortes‹; metonymisch auch: ›Stimme‹;
vgl.  4.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
ein name, ein wort den ton haben
›lauten‹.
Bedeutungsverwandte:
1
; vgl.  3,  4, ,  1510.
Syntagmen:
den t. entwerfen / haben / überkommen
›die spezifische Klangfarbe erhalten‹
/ verlieren, wieder einander geben, nach x arten zwingen
;
etw
. (z. B.
ein spielgezeug
)
in seinem t. gehört werden
;
der t. der glocke / stimme, des horns / seitenspiels, der vögel / mäuse / posaunen
;
der böse / feine / grobe / helle / linde / regierte / scharfe / schöne / süsse / wunderliche t
.

Belegblock:

Luther, WA
21, 10, 1
(
1528
):
Druͤmb, da das volck ynn solchem erschrecken die stymme Gottes hoͤrete und sahe den donner und blix und den dohn der posaunen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
8714
(
md.
, Hs.
um 1400
):
das wort [acephalon] hat wundirlichen don.
Hübner, Buch Daniel
116
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Sin name hatte den don: | Er Nabuchodonosor.
Jahr, H. v. Mügeln
456
(
omd.
, Hs.
1463
):
falseten, linde, grop und scharf, | min
[der personifizierten Musik]
pinsel alle dön entwarf.
Gajek, Köler. Maÿen-Lust
67, 4
(
Breslau
1642
):
Die Nachtigall [...] auch Menschen vbersingt / | Wann sie der Stimme thon nach tausend arten zwingt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 581, 9
(
Nürnb.
1631
):
nicht veracht der Glocken Thon.
Bihlmeyer, Seuse
425, 2
(
alem.
,
14. Jh.
):
Die minnende sele [...] batt in
[Gott]
alleine, daz er mit einem don siner worten in ir hertz erklankti.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
566, 27
(
els.
,
1362
):
do von bat er got das die glocke iren suͤssen ton fúrlor.
Thiele, Minner. II,
14, 45
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
galander, tröstel und nachtegal | mit iren suͤssen dönen
(auch zu 5 stellbar).
Schmidt, Rud. v. Biberach
78, 2
(
whalem.
,
1345
/
60
):
nach der reinunge so hoͤrt er den ton eines hornes von tonre.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 244, 14
([
Augsb.
]
1548
):
Gespalten Glocke hat boͤsen dohn.
Klein, Oswald
40, 25
(
oobd.
,
v. 1408
?):
Ich hör vil süsser voglin don.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
22, 14
;
Koppitz, Trojanerkr.
675
;
Klein, a. a. O.
42, 9
;
59, 46
;
Schweiz. Id.
13, 214
 f.
4.
›Ton(fall), Ausdrucksweise; zum Ausdruck gebrachte Stimmung‹; auch: ›sprachliche Gestaltung der Rede, poetisches, rhetorisches Register; Rede-, Formulierkunst‹; in Verbindung mit Personalpronomina ütr.: ›Meinung, Lesart‹;
vgl.  5.
Gehäuft Verstexte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
auf js. ton sein
›mit jm. einer Meinung sein‹;
von grossem ton sein
›den Mund sehr voll nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
3,  6.
Syntagmen:
der t
. (Subj.)
die rede weisen
;
etw
. (z. B.
die schriften
)
auf js. t. bucken / tragen / winden / ziehen / zwingen, in dem t. zusammenklingen
;
der t. des danks / hasses / rumes, der freude, des lobes / murmelns
;
der äusserliche / jämerliche / klägliche / liebliche / (zucker)süsse t
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 604, 37
(
1530
):
Jch wolt gern [...] mit jhnen zum hause Gottes gehen, jm dohn des rhumes und dancks unter dem hauffen, die da feiren.
Fischer, Brun v. Schoneb.
7827
(
md.
, Hs.
um 1400
):
do sust mit lobes done | di brut des brutegomes schone | hete gelobit genug und vil.
Ebd.
21849
:
Swer daz treit sunder murmels don, | Dem wil er [got] geben richen lon.
Rueff, Rhein. Ostersp.
595
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
Endruwen, du bist von grossem don.
Hübner, Buch Daniel
5252
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
do ez quam zur none, | Mit clegelichem done | Sprach Crist: [...].
Pyritz, Minneburg
4654
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Versmehen, spotten, haßes don, | Daz gar min fraw zu mir tuͦt | In hochfart und in ubermuͦt.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 325, 20
(
Coburg
1634
):
DJe Figuren welche in dem lieblichen Thon zusammen klingen / seyn nicht einerley Gattung.
Dasypodius
308r
(
Straßb.
1536
):
Dohn der die rede weyset.
Jörg, Salat. Reformationschr.
66, 23
(
halem.
,
1534
/
5
):
Hand alle gschrifftt uff jren ton / und tannt zogen / zwungen / und gbogen.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 122, 12
(
schwäb.
,
1471
):
Wie zucker süsz ist maniges don, | Do er puͦlt vmb ain Maid.
Schorer, Sprach-Verd.
5, 27
(o. O.
1643
):
alle solche heutige Auffschneidereyen / wie schoͤn sie aͤusserlichen Thon nach lauten / sind im Hertzen doch nicht eines Drecks werth.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
21819
;
Jörg, a. a. O.
193, 2
;
636, 25
;
Schweiz. Id.
13, 216
.
Vgl. ferner s. v.  1.
5.
›Wohlklang einer harmonischen Folge von Tönen‹; metonymisch: ›Musik (allgemein)‹; auch: ›Gesang, Lobpreis‹; speziell: ›eine kunstvolle Einheit von Metrik und Melodie in der Liedlyrik (Sangspruch, Meistersang)‹; generalisierend: ›Melodie, Weise; Tonart‹;
zu  5.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, oft in Versform.
Bedeutungsverwandte:
 12,
2
 1, , (
das
), ; vgl.  5, .
Syntagmen:
einen t. hören / machen / singen / vernichten, einem lied einen t. richten, beim singen einen t. abnemen
;
ein t
. [wie] (z. B.
erbar / ernsthaft / langsam
)
lauten
;
etw. in einen t. bringen, etw
. (z. B.
ein lied / singspiel
 )
in einem t. sein, etw
. (z. B.
lügen
)
in js. t. finden, etw
. (z. B.
einen reihen, ein lied
 )
in einem t. (vor)singen, etw. mit einem t. singen, jn
. (z. B. Maria)
mit einem t. krönen, etw
. (z. B.
die klage
)
ane töne sein
;
js
. (z. B.
Diebolds) t., der t. eines meistergesangs, der engel, der lieder
 ;
der helle / lateinische / schöne / süsse t
.

Belegblock:

Luther, WA
18, 123, 21
(
1525
):
das man den latinischen text
[der Messe]
verdolmetscht und latinischen don odder noten behellt, las ich geschehen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
108, 6
(
Frankf./M.
1568
):
Darmit wir [drey Pfeiffer] gar gruͤndtlich ergreiffn / | Die Thon der Lieder componirt.
Mone, Adt. Schausp.
1, 2359
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
nuͤ hebit an, ir engel schone, | und singet myner muͤter mit sußem done.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
2, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Dein klage ist on reimen und on döne
(›literarisch anspruchslos‹).
Mayer, Folz. Meisterl.
90, 24
(
nobd.
,
um 1480
):
keiner nit sol bringen | Dan in den thon | Die die zwolff hant gemachte
(im Sinne von ›es haben nur die Töne der 12 alten Meister Geltung‹).
Ebd.
93, 13
(
1517
/
18
):
Kunt er hofflichen richten | Auf schone art | Eim ieden lied sein done | Mit worten, reimen schone.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3093, 4
(
Nürnb.
1610
/
18
):
EIN SCHÖNS NEUS SINGETS SPIL, [...] Im Thon, Wie man den Engelländischen Roland singt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 103, 21
(
Nürnb.
1631
):
seind auch beym singen wol abzunemen die vnterschiedliche weisen vnd melodeyen oder thon deren etliche recht ernsthafft, langsamb vnnd gar erbar lauten.
Ebd.
151, 2
:
Sing was du wilt, hoͤr was du wilt, | [...] nichts ist so mild, | Als JEsus Christus GOttes Sohn, | Der Thon ist vber alle Thon.
Päpke, Marienl. Wernher
14092
(
halem.
,
v. 1382
):
Si [Maria] fuͦr so wunder schone | Uf mit der engel done.
Bächtold, N. Manuel.
180
(
Basel
,
1530
):
Du findest vil in Diebolts ton.
Sappler, H. Kaufringer
26, 145
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ainen neuwen raien er vorsingt | in süessem don.
Klein, Oswald
19, 30
(
oobd.
,
1416
):
ain volgk, gerichtet vil, | [...] | die sungen, klungen mangen don, | ir ieslicher besunder, | mit fremder stimme wunder.
Chron. Magdeb.
2, 227, 6
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
392, 9
;
Mone, a. a. O.
2318
;
Mayer, a. a. O.
89, 135
;
91, 54
;
Euling, Kl. mhd. Erz.
891, 2
;
Päpke, a. a. O.
2615
;
Kehrein, a. a. O.
80, 21
;
Munz, Füetrer. Persibein
182, 6
;
Qu. Brassó
5, 595
.
Vgl. ferner s. v.  2.