gerufte,
das
;
-s/–
;
graphiegeschichtlich bedingt nahezu ausschließlich ohne Umlaut(kennzeichnung).
– Omd., östliches Inseldt.
1.
›lauter Ruf, Lärm, Geschrei; Wehgeschrei, wie er / es vom Menschen ausgeht‹; Ütr.: ›Ruf Gottes an den Menschen‹.
Meist Texte religiösen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  2, ,  2; vgl.  1.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
15, 8
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ja hat di grenizen Moabs gerufte
[
Mentel
1466:
ruoff
,
Luther
1545:
Geschrey
]
ummeringet, sin huylen ist komen zu Gallim, und sin geschrey biz zu deme burne Helym.
Ebd.
22, 2
:
so waz wirret dir, daz du dich ouch zumal gemachet hast uf di dach vol geruftis
[
Luther
1545:
gedönes
],
du volle stat, du vroliche stat?
Eggers, Psalter
70, 22
(
thür.
,
1378
):
Singit eme eynen nvwen sanc, singet ime wol mit gerufte.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
5642
(
omd.
,
1338
):
Wan gemeynlich hy und dort | Gotes gerufte wirt gehort.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
783, 13
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Da tat unser mitburger aber ein gerufte in gehegte pank umb einen richter.
2.
›lautes Beschreien des Täters eines schweren Vergehens (im Sinne von
geschrei
8)‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  3.
Syntagmen:
das g. schreien
(mehrfach)
/ rufen / hören
;
ein g
. (Subj.)
werden
;
das g. der begin der klage sein
;
jm
. (z. B.
dem richter
)
etw. mit g. klagen, jn. mit g. beklagen, vor gericht bringen, einer tat mit g. folgen, den richter mit g
. [wozu]
laden
;
das öffentliche / schlechte g
.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen
181, 6
(
omd.
,
um 1400
):
geschit ungerichte ymande an roube adir an wunden [...], schryet denne der syn gerufte, so ist das gerufte eyn begyn der clage.
Ebd.
184, 32
:
wenne ich yn us der vrone mit gerufte brocht habe vor gerichte, ab her nu mit eynis hant dovor gerichten moge adir waz eyn recht sey.
Goerlitz, Magd. Schöff./Posen
84, 32
(
omd.
,
1400-36
):
Wenne denne Hans Menteler umbe dy tat yngesaczit wordin ist, mit gerufte unde czeytergeschrey vor dem richter gebrocht und beclagit worden ist.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
10, 30
(
osächs.
,
1523
/
4
):
So aber einer solcher clag, [...], vor gericht begunst und die nicht volfurte oder ein schlechte gerufte schreige und dem nicht volge tet, so muste der zu landrechte dem richter drei schilling [...] wetten.
Ebd.
132, 8
:
Tut er [der ime schuldig ist] das nicht und entgeht ime one seinen dank, der cleger mag rufen sein gerufte, das er werde gesehen und gehort.
Ebd.
804, 28
:
So ist Hempel der tat der wunden selbsiebend wolgehaldener leut auf den heiligen neher zu entgehen, seintdemmal er in handhaftiger tat und mit gerufte nicht bestetigt hat, dan ine Hans nun oberzeugen moge.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
185, 32
(
osächs.
,
1542
/
70
):
wan von ergangenem mord ein offentlich geruft ader geschrei worden und einer sich in die flucht begebe.
Leman, Kulm. Recht
3, 62
(
Thorn
1584
):
wirt eyn burgir beroubit [...]. wenne ym das ersten tzu wissen wirt. so mag her komen vor der stat gerichte. vnde sal do sweren vf den heilgen das ym synes gutes alse vil abe geroubit sy. daz ym clage not sy. Doruf sal ym der richter dirlouben syn gerufte. so mag her clagen eyne hanthaftige tat. en geschit des nicht so [...].
Piirainen, Stadtr. Sillein
135a, 13
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
wirt eyn man beclagt vmb raubleich gewere do man dy hanthaft tat beweysen mak vnd wirt der richter mit gerufte dar czu geladen der richter sol czu hant volgen durch dy hanthafte tat vnd sol richten dem clager vͤber den rauber.
Goerlitz, a. a. O.
84, 19
;
Piirainen, a. a. O.
72r, 10
.