auskommen,
V., unr. abl.
1.
(ausgehend von einem Orientierungspunkt, der der Standpunkt des Schreibenden und / oder der Standpunkt ist, von dem aus die textlichen Bezugsgegenstände gesehen werden:) ›sich wohin begeben, wohin gehen; aus etw. herausgehen, ausreiten‹; speziell: ›in die Welt ziehen‹; ›ins Feld ziehen‹; ütr. ›der Welt entsagen, sich dem Weltlichen entziehen‹; offen zu 2 und 3.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1,  4,  2,  1,  1,  3; zur Ütr. vgl.  12.
Gegensätze:
(V.) 1, .
Syntagmen:
in der Regel mit Ellipse des Ausdruckes für den Ort, von dem man ausgeht.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 144, 18
(
rib.
,
15. Jh.
):
inhedde irre ein dem anderen nie veste angewonnen, bis die stat Collen mit us quam.
Vetter, Pred. Taulers
320, 8
(
els.
, Hs.
1359
):
so der mensche [...] wenet zůmole uzkommen sin und geistlich sin.
Päpke, Marienl. Wernher
13625
(
halem.
,
v. 1382
):
Wa sú [zwelfbotten] inden landen do | [...] | Predien [...], | Dar umb sú warent komen us.
Sappler, H. Kaufringer
5, 326
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
herr, ich suoch [...] | [...] aubentür [...]; | darumb pin ich kommen auß.
Chron. Augsb.
7, 119, 6
(
schwäb.
, zu
1548
):
sein sie zuͤvor selten auskommen, mancher sein leben lang vor keinem fürsten nie gewesen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
236, 10
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
er [kunig] wer wider dy Turcken auskomen, dy wollt er beschwechen.
Turmair
4, 363, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
India [...] [hat] fünftausend grosser stet, sein nie auskummen, sein nie in frembde land zogen.
Päpke, a. a. O.
2014
;
Sappler, a. a. O.
4, 13
;
Maaler
43r
;
Dietz, Wb. Luther
172
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 309;
Schwäb. Wb.
1, 481
;
Rwb
1, 1045
.
2.
(von einem Punkt, der nicht der Orientierungspunkt des Schreibenden ist, ausgehend:) ›sich wohin bewegen, herauskommen‹; das kann der Gang auf den Orientierungspunkt sein (dann: ›herkommen‹) oder das Herauskommen ohne Angabe einer Richtung.
Syntagmen:
die Ellipse des Ausdruckes für den Ort, von dem ausgegangen wird, ist seltener als bei 1.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Ez.
14, 22
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
set, sy werdin uzkomen zu uch, und ir wert sen iren weg.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
4, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Vor den wek buwete Alexander eynen grozen turm [...], das si nicht mochtin us kumen ouch ymant czu yn.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
120, 12
(
nobd.
,
1390
):
Welher dez niht tett, der solt gen Nur(enberg) reiten auf denselben landfr. und nicht auzkomen, biz daz geschiht.
Keil, Peter v. Ulm
126
(
nobd.
,
1453
/
4
):
pad er dornach als lang er wöll, vnd wenn er außkome
[aus dem Bad],
so [...].
Päpke, Marienl. Wernher
3411
(
halem.
,
v. 1382
):
Do sú [herren] ze velde kament us | Sament von des kúneges hus, | Der sterne wart in aber schin.
Ebd.
7419
:
Do er [Ihesus] so nache kam der stat | Das er gegen der porte trat, | Do kam vil lúte gen in us.
Mollay, H. Kottanerin
29, 17
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Jch bin doch darumb nicht aus komen, daz ich vechten wolt. Jch bin dar umb aus komen, daz Jch tanczen wolt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
56, 43
(
m/soobd.
, 16. Jh. / ˹Hs.
2. H. 17. Jh.
˺):
wer weeg, steig im wäldern [...] verschlueg, und man daselbst außkummen solt, und das in dreien tagen nicht außschreit.
3.
›(aus einer Gefangenschaft) freikommen, entfliehen; (einer Gefahr) entrinnen, etw. überstehen, überdauern; übrig, erhalten, verschont bleiben‹; subst.: ›Ausweg, Möglichkeit, einer Versuchung zu entkommen‹; eng an 2 anzuschließen; offen zu 4, zweite Nuance.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10 (zur 1. Variante),  2.
Gegensätze:
 1,  3.
Syntagmen:
leute / fischerin / gefangener / herzog / geist a.
; (
jm.
)
lützel / wenig / nichts a.
;
mit freude / heimlich a.
;
jm. ein a. machen.

Belegblock:

Chron. Köln
3, 898, 23
(
Köln
1499
):
die luide verdrunken sere nae alzomail, bis up 6 of 7 die uisquamen.
Luther, WA Bibel
7, 112, 26
(
1522
):
die weyl Got trew ist, der euch nicht lest versuchen [...], sondern macht neben der versuchung eyn außkomen, das yhrs kund vbirtragen.
Bihlmeyer, Seuse
458, 17
(
alem.
,
14. Jh.
):
Do er us kam, do begunden sich die tiefel leichen.
Eis, Wahrsagetexte
33, 9
(Hs.
1491
/
2
):
Der gefangen komt aus balde mit frewden.
Lemmer, Brant. Narrensch.
83, 5
(
Basel
1494
):
Noch armůt frogt yetz nyeman mer | Gar kum vff erd yetz kumen vß | Die tugend hant / sunst nüt jm huß.
Chron. Augsb.
2, 183, 2
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
[es]
verpran den leuten, was sie hetten, und kam in wenig und gar lützel auß.
Ebd.
242, 30
:
dem Rottennanner kam auß, was er hett, wann sein gemach was nit so nahent bei dem feur.
Ebd.
6, 35, 4
(zu
1527
):
man legt ein Vischerin ein und noch ein weib [...]; sie kamen auch aus.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
202, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Desselben tags was herr Engelprecht von Nassaw [...] haymlich auskomen und ward widerumb eingeholt.
Chron. baier. Städte. Regensb.
30, 3
(
noobd.
,
1517
):
wugs gar kain payrisch wein von winttergfrür, und was den wintter gleich auskam, erfrur im maien.
Turmair
4, 873, 18
(
moobd.
,
1522
/
33
):
war ain böser geist in ain guldenes trüehelein gepant. Ain römischer knecht zerhaut on gevärd das trüehelein, kam der pös geist aus.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
87, 38
(
smoobd.
,
15. Jh.
):
kumpt sein auch so vil aus, das den schefherren sein lon und schefmiet davon gevallen mag.
Mollay, Ofner Stadtr.
233, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wo dÿ gefangen auß komen von dem Richter, So muͤß der richter peÿ seinem aÿd sprechen, [...] daß sÿ auß chomen sint an seynen willen.
Chron. Köln
3, 648, 10
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
2, 156, 10
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
155, 14
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
96,
Anm. 1;
Chron. Augsb.
2, 243, 9
;
6, 39, 12
;
Mollay, H. Kottanerin
16, 37
;
Turmair
5, 222, 6
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
4, 35
;
Maaler
43r
;
Dietz, Wb. Luther
172
;
Schwäb. Wb.
1, 481
;
Rwb
1, 1045
;
Tarvainen, Wortsch. Unrest.
1966, 75
.
4.
›hervorquellen, ausströmen, entweichen‹.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
16, 37
(
14. Jh.
):
Ditz ist der ewig uzfluz, dez nie ein zaher auzquam in vermengunge aller creatur.
Feudel, Evangelistar
22, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
alse der bose geist uz kuͤmet von dem menschen, so wandirt her durch durre stete.
Sermon Thauleri
13 ra, 30
(
Leipzig
1498
):
danne außbricht der edele rauch wan der dan auß kõmet. so laß das gebete des mundes kunlich faren.
5.
›bekannt, entdeckt werden, an die Öffentlichkeit gelangen; offenbar werden‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
(s. v. ), (s. v.  2).

Belegblock:

Jostes, Eckhart
28, 12
(
14. Jh.
):
ez ist ein ander wort, unbedacht und unfurbracht, daz ist ewiclich in dem vater, der es spricht, daz nie uz enchom.
Altmann, Wind. Denkw.
131, 9
(
wmd.
,
um 1440
):
ob es des koniges will nit were und die briefe unwißlich ußkomen werent.
Luther, WA
30, 3, 285, 20
(
1531
):
des sie sich schemen muͤsten, wo es auskeme und sich im liecht solt sehen lassen.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 255, 1
(
halem.
,
1508
/
16
):
als die nach [...] hortend, das ir anschlag us komen was.
Froning, Alsf. Passionssp.
7447
;
Wyss, Limb. Chron.
85, 13
;
Maaler
43r
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 309;
Rwb
1, 1045
.
6.
›aufkommen, sich verbreiten, ausbreiten, bekannt werden‹.
Phraseme:
in druk auskommen
›im Druck erscheinen‹.
Bedeutungsverwandte:
 9,  13,  1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 2. Chron.
26, 15
(
Wittenb.
1545
):
sein gerücht kam weit aus.
Ebd. Luc.
5, 15
:
Es kam aber die sage von jm je weiter aus.
Ders., WA
30, 2, 397, 23
(
1530
):
so besorget ich mich [...], das er [brieff] moͤcht etwa verruckt außkomen und mir als denn sonst und so gedeutet werden.
Thür. Chron.
12v, 21
(
Mühlh.
1599
):
wenn die Kunst auß kehm / was tuͤchten dann deß Keysers Gefaͤsse.
Chron. Augsb.
5, 385, 9
(
schwäb.
,
um 1530
):
daß dieselb schrifft nit in truckh noch sunst auskheme.
Karnein, de amore dt.
176, 9
(
moobd.
,
v. 1440
):
wo die hoffnung lanng vertzogen wirt, da kumbt vil red aus.
Luther. Hl. Schrifft. Röm.
16, 19
;
Gerhardt, Meister v. Prag
17, 9
;
Chron. Nürnb.
4, 365, 9
;
Maaler
43r
.
7.
›entstehen, ausbrechen, aufkommen, sich ereignen‹ (in allen Belegen von negativ Bewertetem gesagt).
Syntagmen:
unfriede / unglük / not / feuer
(mehrmals)
a.

Belegblock:

Schwartzenbach C iijr (
Frankf.
1564
):
Außbrechen. Außkommen [...]. Allenthalben einbrechen. Allerley vnrahts auß etwar kommen / erwachsen / erfolgen / entstehen oder entspringen.
Chron. baier. Städte. Regensb.
115, 33
(
noobd.
,
1532
):
in mitternacht ein feur außchomen.
Mell u. a., Steir. Taid.
4, 26
(
m/soobd.
,
1523
/
1546
):
so ain not von feur oder wasser erstuende oder auskeme.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
89, 33
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
wo ein unfrid auß kem.
Luther. Hl. Schrifft. 2. Mose
22, 6
; Hes.
5, 4
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
328, 16
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 382, 35
;
Bischoff u. a., a. a. O.
75, 32
;
Maaler
43r
;
Shess. Wb.
467
;
Rwb
1, 1045
.
8.
›in Betrieb gehen‹ (z. B. von Bergwerken gesagt); ›gegründet werden‹ (z. B. von Orden gesagt).
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  6.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 136, 7
(
schles.
,
1502
):
so irkein bergwergk an andern enden an unserm Monsterbergischen und Frankensteynischem furstenthum und landen ausqweme und funden wurde.
Rwb
1, 1045
.
9.
›von jm. abstammen; aus etw. entstehen, erwachsen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,  2.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 1. Chron.
1, 12
(
Wittenb.
1545
):
Mizraim zeuget Ludim / Anamim [...] Casluhim / von welchen sind auskomen die Philistim.
Ebd.
2, 53
:
DJE Freundschafften aber zu Kiriath Jearim waren die [...] Sumahiter vnd Misraiter. Von diesen sind auskomen die Zaregathiter.
Vetter, Pred. Taulers
31, 15
(
els.
,
14. Jh.
):
do die aller edelste suͤsseste fruht uz kummet vor allem holtze.
Schweiz. Id.
3, 276
.
10.
›etw. bezahlen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 1,  2,  2,  9.

Belegblock:

Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
717
(
schles. inseldt.
,
1481
):
bas Petter Wberman seyn gelt aws komth off dÿ jarczeÿt.
Ebd.
726
:
alz lange, bas her dÿ newnczen marg aws kommen.
11.
›mit etw. (z. B. mit einer bestimmten Geldsumme) auskommen‹; subst. mit Verschiebung vom Handlungsträger auf den Bezugsgegenstand: ›das zum Lebensunterhalt Nötige, das Auskommen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
2, 321, 20
(
nobd.
,
1450
):
von den, die nit purger sind und nit auß zu kumen haben auf ½ jar.
Chron. Augsb.
2, 129, 8
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
villeicht geit got zu, daß wir wol außkoment.
Dietz, Wb. Luther
172
.
12.
›mit jm. auskommen, mit jm. gut zurechtkommen‹; auch: ›mit jm. wegen etw. übereinkommen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 4; vgl. (V.) 10.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
172
(a.
1526
);
Rwb
1, 1046
(a.
1497 ff.
).
13.
›zu Ende gehen, ablaufen, aus sein‹ (von best. Zeiträumen oder Handlungen / Ereignissen gesagt).
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  13,  8,
3
 5,  26,  7.
Syntagmen:
(
drei
)
tage, jar und tag, die messe / predigt / woche / zeit, der friede / tanz, das kindbette a.

Belegblock:

Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
682
(
schles. inseldt.
,
1481
):
das nymant anspreche hot gemacht, bas jar vnd tag aws kommen ist.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 492, 25
(
alem.
,
1445
):
do die mesz uszkam, do satzt man im die kron uff.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 438, 12
(
halem.
,
1508
/
16
):
Nach dem der frid uskam, da leit der herzog etlich zůsetzer gen Büren.
Winter, Nöst. Weist.
3, 30, 39
(
moobd.
,
1555
):
wer selbs pfant geit mit guetlichem willen, dieselben ligen auf vierzehen tag. und wann dieselben auskomen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
691, 22
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
92, 12
;
Koller, Ref. Siegmunds
154, 14
;
Päpke, Marienl. Wernher
1996
;
2375
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 69, 14
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 315, 11
;
316, 8
;
Winter, a. a. O.
1, 801, 16
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
318, 25
;
Crecelius
1, 70
;
Bad. Wb.
1, 95
;
Schwäb. Wb.
1, 481
;
Schweiz. Id.
3, 276
;
Schmitt, Urkundenspr.
1936, 169
.
14.
›zur Neige gehen, leer werden (z. B. von Fässern)‹; mit persönl. Subj.: ›keine Mittel mehr haben‹.

Belegblock:

Bad. Wb.
1, 95
(a.
1284
);
Schweiz. Id.
3, 276
(a.
1472
).