lermen,
lärmen
(vor allem obd. auch mit
-a-
in der zweiten Silbe;
ä-
Schreibungen auch in Texten des späten Frnhd. deutlich seltener), seit dem 16. Jh. auch zunehmend in der Kurzform
lerm,
lärm
,
der
 ;
bei 2 auch
Interj.;
aus
frz.
alarme
o. ä. (Kluge/S.
2002, 558
).
1.
›Krach, Lärm (zumeist verursacht durch Streit und Kampf, aber auch durch Unwetterkatastrophen)‹; metonymisch: ›durch besondere Lautstärke gekennzeichnete Unordnung zwischenmenschlicher oder sozialer Art: Geschrei, Krawall, Aufruhr, Unruhe, Tumult; Streit (zwischen zwei Personen)‹; mit deutlicher Tendenz zu: ›Kampf, Krieg, Revolte, Aufstand; einzelne im Krieg stattfindende Schlacht, einzelne Attacke‹.
Vielfach Chroniken.
Phraseme:
blinden lermen machen
›blindlings in den Kampf rennen‹.
Bedeutungsverwandte:
(subst.) 1,  12,
1
 5, ,  4, ,  2, ,
1
 1, , , , , , , .
Gegensätze:
.
Wortbildungen:
lermengeschrei
,
lermenspiel
.

Belegblock:

Schöpper
110b
(
Dortm.
1550
):
Claßicum. Lermen sturm.
Lappenberg, Fleming. Ged.
114, 10
(
1631
/
9
):
Ists Einer, der sich freuet, | wenn itzt der laute Lärm mit vollen Spielen geht | und uns der kühne Feind im blanken Felde steht, | so bin auch warlich ichs.
Ebd.
177, 28
:
Da fängt der muntre Geist erst seinen Lärmen an, | wacht, wenn sein Gastwirt schläft.
Chron. Magdeb.
2, 41, 8
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
wie hiemit in der Stadt ein lermen angerichtet und derselb kaum wider gestillet war.
Luther, WA
22, 279, 27
(
1544
):
wo jr fortfaret zu toben, wil ich euch einest einen lermen schicken
(hier offen zu 2)
, das jr mit Bischoffshuͤten und allem untergehet.
Ebd.
30, 2, 211, 14
(
1530
):
Also gehen denn die Rotten an, und hebt sich solcher lerm und rumor jnn der Christenheit.
Ebd.
30, 3, 467, 32
(
1531
):
Es were (bey Gott) nicht wunder, das hieraus ein lermen wuͤrde, da kein har noch haut von den Papisten uberbliebe.
Ebd.
33, 605, 23
(
1531
):
Dennoch mus es [...] geschehen und mus diesen lermen und Zerstoͤrungen anrichten.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
550, 1393
(
Magdeb.
1608
):
Der Grobianscher Stieffelwischer | Jn dem blinden lerman vnfug | Zu mir mit der Kratzbuͤrst einschlug.
Ebd.
557, 1587
:
Das wir nicht blinden lermen machen / | Gefehrt werdn vnverwarnter sachen. | Wer Krieg ohn Kundschafft fuͤhren wil | Der [...] gewint nicht viel.
Ebd.
638, 4121
:
DAmit fieng sich der Lerman an / | Jeder schoß vnd warff auff den Mann.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
166r, 41
(
Leipzig
1588
):
Wie auch [...] ein schrecklich Blutbadt gefolgt ist / [...] Jn welchem Lermen auch Cicero jemmerlich mit vmbkommen ist.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
15, 72
(
Zwickau
um 1540
):
hab ichs fuͤr [...] gut angesehen diß widerbebstisch lerman spiel und geticht E. G. und Ernvehst zuzuschreyben.
Chron. Nürnb.
5, 675, 13
(
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
komen die veind früe zu uns und [...] machten uns einen lerman.
Sachs
2, 428, 7
(
Nürnb.
1542
):
Da het man manchen lerman groß | Und scharmützelt für unde für.
Ebd.
20, 177, 35
(
1563
):
In dem die zwen auch zum hauß kamen | Und den lerman darin vernamen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
764, 14
(
Nürnb.
1610
/
8
):
All Leut, [...] | Seind in dem Lermen wordn erschlagn.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 91, 38
(
Nürnb.
1631
):
der Ketzer gedichte Lobgesaͤng, sind vor Gott dem Herrn ein Tumult (oder Laͤrmengeschrey) vnd [...] ein gruntzen der Saͤw.
Ebd.
2, 709, 12
:
An allem Orth ist nichts dann Mord, | Nichts ist als lauter Laͤrmen.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 211, 1
(
alem.
,
1537
):
Da sind die lantzknecht hinusz gelouffen zornig, haben gemaint, es hab sy [fenster] einner mit muͦtwillen eingeschlagen, oder es sey ein lerman da usz, bisz sy gesechen haben, das es [...] von dem wetter geschehen ist.
Jörg, Salat. Reformationschr.
330, 10
(
halem.
,
1534
/
5
):
ward die sach bericht / vertragen / und die puren gestillt ane lerman / sturmm / oder bluͦtt.
Maaler
268v
(
Zürich
1561
):
Jch weiß nit was sich in vnsererm abwaͤsen daheim für ein Lermen vnnd vnruͦw erhebt hat. [...] Ein Lermen machen / Ein anrennen thuͦn [...]. Pugnam dare.
Chron. Augsb.
8, 24, 7
(
schwäb.
,
1563
):
da ist im das volck, so in disem lerman zugelaufen, nachgeeilet und haben in [ergriffen].
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
37, 21
(
schwäb.
,
1548
):
Dysser lerman ist nach sechs wochenn gestiltt, verttragenn und ein auffgerichter, versigeltter landfridenn gemacht wordenn.
Barack, Zim. Chron.
1, 153, 29
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
zu dem war bei irer baider regierungen ain wiester und wilder lerman im reich.
Meisen u. a., J. Eck
44, 34
(
Ingolst.
1526
):
woͤlte Got, das die ketzerisch prediger nit die Gschrifft aigenwillig außlegen; so wer der lerme und jammer yetz nit uff erden.
Winter, Nöst. Weist.
1, 614, 6
(
moobd.
,
1530
):
erhueb sich [...] ein rumor und lerman, so soll der richter [...] die anfenger, rumorer und muetwiller vänklich annemen.
Luther, WA
41, 660, 32
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
74, 962
;
103, 1885
;
639, 4149
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
2, 330, 17
 f.;
Sachs
15, 106, 30
;
Bobertag, Schwänke
299, 18
;
Schib, H. Stockar
104, 32
;
108, 14
;
Jörg, a. a. O.
188, 20
;
248, 11
;
341, 6
;
542, 9
;
866, 14
;
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 123, 32
;
Turmair
1, 397, 13
;
5, 519, 18
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
24, 26
;
95, 16
;
Barack, Zim. Chron.
3, 591, 10
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
55, 7
;
28, 7
;
Volkmar
681
;
2.
›Alarmsignal (bei drohender Gefahr); Schlachtruf, Aufruf zum Angriff‹.
Phraseme:
lermen blasen / schlagen
.
Wortbildungen:
lermanplaz
›Sammelplatz der Bewohner bei Katastrophen (z. B. bei Feuer)‹,
lermantrummeter
,
lermtrumme
›Alarmtrommel‹,
lermenordnung
›Notfallverordnung‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 64, 9
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
den 24 Julii ritten der feinde reutter gar nahent an die Stadt heran, derhalb schlug man lerm herinner.
Ebd.
733, 5
:
wan sich etwa ein feur entstünde, solten sie sich auf ihrem lermplatz [...] finden lassen, [...] nicht zum feur lauffen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5198
(
Magdeb.
1608
):
Da er zuvor drey Tag vnd Nacht / | Mit Lermen blasen auffgebracht.
Hulsius
L iijr
(
Nürnb.
1596
):
Lermen / sturm / alarme. Lermen schlahe͂ oder blasen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
603, 20
(
nobd.
,
um 1525
):
um 8 or hat man lerman geschlagen und erfordert [...] alle gelopt und geschworen uff den marckt.
Sachs
10, 424, 17
(
Nürnb.
1557
):
Lerman, lerman! her, her, her! | Schist tod! stecht tod!
Bachmann, Morgant
248, 20
(
halem.
,
1530
):
do erhuob sich ein groß gschrey inn der stat, wann yederman schrey „lärmma!"
Jörg
, Salat. Reformationschr. 78, 28 (halem., 1534/5):
Da hat er schon die recht lermantrumen gruͤrt / das ghort der gmein man [fast gern].
Ebd.
724, 17
:
fiengend nun an die Zürcher / mitt gantzer macht schüren zum krieg [...] und schluͦgend laͤrman / laͤrman / über die verbannten v ort.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
891, 33
(
halem.
,
1628
):
wann die füwr- und laͤrmenordnung [...] unser hauptstatt verlaͤsen [wird].
Maaler
260v
(
Zürich
1561
):
Laͤrmen die schnaͤll aufblaasend / das ein yeder den feynd anzegreyffen gerust seye. [...] Laͤrmen blaasen. Canere classicum. Laͤrmen schlahen abzeziehen.
Ebd.
268v
:
Lermenschlahen / Aufblaasen mit vaͤld trummeten.
Chron. Augsb.
8, 424, 33
(
schwäb.
, zu
1556
):
hat man 8 stück feldgeschütz in die Rossenau auf den lermanplatz gefuert.
Ebd.
436, 19
:
und ob lerman oder an die sturmglocken geschlagen wurd, so soll ain jeder zuͤ seinem fehnlin.
Turmair
4, 434, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ein ietlicher kriegsman ist imer durch alle empter zu einem pessern kummen, welche ämpter si gar fleissig beschreiben mitsambt den trumel und pfeifen, lerman trumeter, hornplaser, loßgeschrai, harnasch.
Peil, a. a. O.
546, 1257
;
Jörg, a. a. O.
757, 14
;
761, 10
;
761, 11
;
Adomatis u. a., J. Murer. Bab
905
;
Chron. Augsb.
5, 386, 4
;
8, 426, 24
;
Leidinger, V. Arnpeck
654, 35
;
659, 17
;
Turmair
4, 136, 4
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
95
;
99
;
Qu. Brassó
4, 240, 43
;
Maaler
268v
;
Golius
166
;
Vorarlb. Wb.
2, 224
;
Schweiz. Id.
3, 1383
;
Öst. Wb.
3, 314
.
3.
›Nachricht, Botschaft zur Warnung‹.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron.
4, 139, 18
(
halem.
,
n. 1529
):
liessen do schnel einen lermle hindersich gon mit einem geschrei, man haͤtte angriffen, das man doch in der stat Meyland nit wolt glouben.