rumor,
der
;
-s/–
;
auch
die / das
;
aus
lat.
rūmor
›Geräusch, Gerede, Lärm‹
(
Kluge/S.
2011, 777
).
1.
›ruhestörender Lärm, Krach, Getöse‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1,  1, ,  2, ,  1,
1
(
der
),
1
, .
Gegensätze:
vgl.  7.

Belegblock:

Perez, Dietzin
1, 207, 27
(
Frankf.
1626
):
Geschwind lauffen kont ich nicht / von wegen der vielen Corallen
[Halskette mit Korallen]
/ die ich trug / denn ich hette mit denselbigen noch einen groͤssern Rumor angerichtet als die Eselin mit jhren Schellen.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 213
.
2.
›Streit, Schlägerei, Zwietracht‹; ›verbale oder gewalttätige Auseinandersetzung (zwischen Einzelpersonen oder innerhalb einer Gruppe)‹; ›Gefecht, Kampf‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
, ,
1
 1, , (
der
3, , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
einen r. anfahen / anheben / anrichten / begehen, untereinander haben
;
r
. (Subj.) [wo]
sein / geschehen, sich begeben / erheben / verziehen, sich durch jn
. (z. B.
durch die betler / hausierenden / landfarer / landsknechte
)
zutragen
;
etw
. (Subj.)
nicht ane r. zugehen, j. in dem r. an einander wund machen
;
ein gefärlicher / grosser / täglicher r
.
Wortbildungen
rumorhandel
›Rauferei, Schlägerei‹ (dazu bdv.: , ),
rumorsleute
›Raufbolde, Randalierer‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Luther, WA (
1523
/
4
):
dweil iderman richter uber die lehr sein sall, ßo kans nicht ane rumurh zcu gehen.
Ebd. (
1527
):
das wort richtet allen den rumor an, das sich daruͤber scheyden mutter und tochter, vater und son, wie Christus sagt.
Dedekind/Scheidt. Grob.
161, 5
(
Worms
1551
):
Wo sich dann solch rumor vnd zanck | Verziehen wolt / vnd würd zu lang | Das wirt dir nicht zu leiden sein.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Auff den keyser stachen und schlugen, | Daß sie in dem rumor gar rund | Auch machten an-einander wund.
Chron. Strassb. Anm. 10 (
els.
,
E. 14. Jh.
):
und hettent [Roͤmer] grosse rumur underenander und schruwent aber also vor: wir wollent einen [babst] von Rome oder von Italia.
Chron. Augsb. Anm. 13 (
schwäb.
, zu
1560
):
er hat mit etlichen [...] fürgeenden personen ain rumor angefangen, in welcher ainer [...] ain stich empfangen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
am suntag [...] da geschach ein rumor ze Newß zwischen den Pikarten und der von Kollen soldnar also, das [...].
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
187, 45
(
moobd.
,
1524
):
so tragen sich auch täglichen rumor und ander pöss sachen zue.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1412
):
ob sich ain krieg oder rumor erhueb in ainem leithaus oder bei dem tanz oder bei dem krautsieden, do sol der richter gwalt haben zu schirmen.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
):
Dieweil sich auch durch die pettler, landfarer, hausierende, landsknecht und dergleichen personen allerlai muetwillen und rumor zuegetragen.
Ebd. (
1580
, Hs.
1629
/
43
):
wann es sich zuetragen möchte das etwo beße und muetwillige leut in die gemain ankumben, ainen rumorhandl anheben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1598
/
1661
):
seint die rumohrsleut noch ihren verbrechn nach gerichtlicher erkantnus dorumbe zu straffen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
wo sich im gericht Althenthann frävel und rumor begibt, da soll man mit des pflëgers willen 14 tag fridt machen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Bischoff u. a., a. a. O. ; ;
Schulz/Basler
3, 504
;
Vgl. ferner s. v.  1,  1, (Adv.) 3,  10.
3.
›Aufruhr, Tumult, soziale und (bezogen auf den Glaubensstreit) religiöse Unruhe‹; ›(Volks)aufstand, Erhebung, Widerstand gegen die Obrigkeit‹.
Vielfach Chroniken, auch Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
j
. (Subj., z. B.
die gemeinde / schüler
)
einen r
. [wo]
anfahen / machen
,
eine predigt
(Subj.)
einen r. im volk anrichten
;
(ein) r
. (Subj.)
sich erheben / heben
, [wo]
sein / geschehen, je länger je grösser sein, in die stat kommen
;
ein begangener / grosser / wilder r
.
Wortbildungen:
rumieren
›aufbegehren, rebellieren‹ (dazu bdv.: vgl.  3),
˹rummenei
,
rummenieren
(
das
),
rumorei
˺ ›Aufruhr, Tumult‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1524
):
der Herr Abt [...] hat [...] mich gebeten, [...] die Ebtissin zusambt gantzer sammlung des begangenen rumohrß halben zu hören.
Luther, WA (
1530
):
Also gehen denn die Rotten an, und hebt sich solcher lerm und rumor jnn der Christenheit.
Ebd. (
1531
):
Es mus eine grosse, schöne predigt gewesen sein, die einen solchen rumor und zwitracht im volck anrichtet.
Ebd. (
1539
):
do werden doch andere Rotten und Secten auffstehen, [...], so wurde ein solcher rumor, Zertrennung, Zwispalt und totschlag in der welt werden.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
di von Fredeberg irslugen den ediln knecht. Unde wart ein groß rumor unde geschrei zu Butzbach unde zogen zu velde.
Gille u. a., M. Beheim
273, 11
Var. (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sich hat ain rummenei
[Var.
rumorey
]
in teütschen landen an gehebt.
Ebd.
355, 352
:
Es wurt ain gross getilg, | ain wustes rumeniren.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
/
80
):
1348 [...] geschach ein großer aufflauffe und rumor yn der stat Nuͤremberge, wan sich das gemein volck und povel [...] (sich) aufferhuben.
Ebd. Anm. 1 (
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Den schulern, so die rumor in der schul angefangen haben, zu sagen, das sy die stat eyns jars lang meyden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
sie dann ain raisigen zewg oder ander fußvolk mit inen pringen, wie sich dann die gemaind besorgte und darumb ain solich widerwertig, uffrurig geschray und rumor anfiengen.
sein die weyber mit helnparten [...] in der Hafengassen umbgelaufen und ser rumirt [...], gesagt, sy wollen alle pfaffenheuser stürmen.
Sachs (
Nürnb.
1533
):
Und laufft mit ewer wehr fürs thor | Und machet darfür ein rumor, | Sam wolt ir die feind uberffalln!
Ebd. (
1562
):
Hat in Chion [...] | Durchstochen mit seim blossen schwerdt. | Ob dem erhub sich ein rumor, | Das hofgsind trang ein durch das thor.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1515
):
ethlich fierdt man, ethlich lett man uff die reder [...] und was ain wild romor under in im land.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
er [künig] wolt das land mit gewalt einnemen. also satzten sich die Behem und ward die romor und die widerpart ie lenger ie größer.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der rumor und das geschray kam paldt in die stat.
Vgl. ferner s. v.  1, .
4.
›Gerücht, Gerede‹.
Bedeutungsverwandte:
 4.

Belegblock: