name,
der
;
-n(s)/–n
.
1.
›lexikalische Bezeichnung, die etwas zu wissen gibt (nomen appellativum), Benennung, Charakterisierung, Wort für eine in der Regel statisch gedachte Bezugsgröße‹ (sowohl für eine Sache wie für eine Person, darunter für
got
); teils: ›bloße Bezeichnung, leerer Ausdruck ohne inhaltliche Entsprechung‹; mehrfach: ›mit einer Bezeichnung verbundene Klassifizierung e. S./e. P. als etw. / jemand‹; auch: ›mit der Bezeichnung verbundene Bezugsgröße‹; vereinzelt Tendenz zu: ›Existenz der bezeichneten Größe‹; offen zu 2; 3.
Phraseme:
in einem namen
›alle zugleich, zusammen‹;
e. S
. (Gen.)
keinen namen haben
›etw. nicht zugeben, zugestehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  456, ; ˹ 2, ˺, jeweils zu ›leerer Ausdruck‹.
Syntagmen:
j., got, Venus, ein geist, ein geschlecht, ein underscheid einen namen, das gedächtnis keinen namen haben, einen namen füren / kennen / verlieren / verbergen
, [woher, z. B.
aus dem griechischen
]
nemen, brot / wein einen neuen namen bekommen, e. S
. (z. B.
einem buch
)
den geschöpfen / tieren / vögeln, jm. einen namen geben, einen namen mit den werken erfüllen
;
namen
(Subj.)
bezeichenlich sein, ein name viele bedeutungen haben
;
entscheid / weisheit / wesen / schwester ein n. sein
;
des namens abstehen, jn. der namen berichten
;
jn. mit einem namen vereren, von allen namen frei / entkleidet sein
;
der name des ritters, eines gewichtes, der geistlichkeit / philosophie / ursache, der buchstaben
;
der eigene / heilige / kurze / königliche / leichte / mütterliche / neue / teure n
.
Wortbildungen:
namelos
1 ›ungekennzeichnet, unmarkiert‹ (von
tuch
),
namenbuch
1 ›Wörterbuch‹ (dazu bdv.: ; vgl. , ).

Belegblock:

Luther, WA
2, 83, 14
(
1518
/
9
):
Vater, der du bist yn dem hymel. [...] Der beste anfang und vorrede ist, das man wol wisse, wie man nennen, eren, handelen sol, den man bitten wil [...]. Nu ist kein name under allen namen, der mehr geschickt mache uns gegen goth dan ,vater‘. [...] Es wer nit so [...] trostlich, wan wir sprechen ,herr‘ ader ,goth‘ ader ,richter‘.
Ebd. WA
41, 625, 1
(
1536
):
Sic ipse: per hoc cognoscatis, quod ex morte i. e. vere viventes Christiani, non mortui, quod tantum schein und namen, sed wesen und warheit.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
55, 1
(
um 1571
, Hs.
1615
):
Geist hat vill namen, dann er heissßet Spiritus Sidereus der Siderische geist, daß er von denn Sideribus oder gestiern herkompt.
Quint, Eckharts Pred.
2, 278, 12
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wîsheit ist ein müeterlich name, wan müeterlich name ist eigenschaft eines lîdennes, wan in gote ist würken und lîden ze setzenne
(vgl. dazu den Kommentar
Quints
).
Fischer, Brun v. Schoneb.
6188
(
md.
, Hs.
um 1400
):
daz si von wundere sprachen da | in eime namen: quae est ista.
Köbler, Ref. Wormbs
62, 4
(
Worms
1499
):
REchtlicher entscheid vnd sprüche sind vnderschiedlich namen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 227
(
hess.
,
1355
):
Auch ensal nyman kein nameloz duch an litzen lenger machen wan dry und dryszig elin.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
3, 24
(
hess.
,
14. Jh.
):
Du ebdisse [...] sal irwullin den namen mit den werken.
Jostes, Eckhart
27, 20
(
14. Jh.
):
wan vernunfticheit zeuhet got ab daz vel der guͤt und nimt in bloz, da er encleidet ist von gut, von wesen und von allen namen.
Logau. Abdank.
170, 26
(
Liegnitz
1651
):
das jhr Gedaͤchtnuͤs muͤsse vergehn im Lande / und Sie keinen nahmen haben auff der Gasse / [...] / das jhr Nahme verwese.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 69, 5
(
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
):
wan swa ein herre ist ane knecht, der hat namen nicht rechte.
Franck, Decl.
347, 12
(
Nürnb.
1531
):
auß verlierung der vernunfft verleurt der mensch den namen eines menschen.
Rieder, St. Georg. Pred.
296, 5/6
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Von der bezaichnung Gottez namen. Unser herre hat maͤngen namen die bezaichenlich sint.
Fuchs, Murner. Geuchmat
863
(
Basel
1519
):
alles, das an wyben ist, | Die kleyder / mentel / roͤck vnd schuͦh, | [...] | Es guckt vnd locket alles sammen, | Vnd wellens dennocht han kein namen.
Golius
147
(
Straßb.
1579
):
Liber alphabetarius, ein a. b. c. buͦch, nam͂enbuͦch.
Roloff, Brant. Tsp.
265
(
Straßb.
1554
):
Wolt ich doch nit verbergen mein nammen | Heyß Warheit.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
2, 1
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
DJsem Buͤchlein hab ich ainē namen gebē, Grāmatica.
Andreae. Ber. Nachtmal
21v, 2
([
Augsb.
]
1557
):
das Brot vnd Wein / ainen newen nam͂en bekom͂en daß sie der Leib vnd Bluͦt Christi genennet werden.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
69, 131
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Aber welhe die possisten sein: die allain den namen vnd gewant der gaistleichait habent.
Pfefferl, Weigel. Ges.
5, 11
;
Luther, WA
36, 67, 18
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
19, 31
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 40, 2
;
132, 1
;
155, 4
;
ders., Eckharts Trakt.
428, 1
;
Fischer, a. a. O.
3938
;
4030
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
28, 15
;
M. Cunitia. Ur. Prop.
169, 19
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
226, 23
;
v. Birken. Erzh. Österreich
64, 16
;
Lemmer, Brant. Narrensch. Vorr.
12
;
Heydn. maister
27r, 22
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 253, 17
;
Kohler, Ickelsamer. Gram.
2, 29
;
12, 8
;
22, 40
;
42, 23
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
21, 25
;
Klein, Oswald
8, 43
;
Vgl. ferner s. v.  4,
1
 2, ,  2,  1.
2.
›Preisangabe; Betrag (eines Zinses)‹; im Sinne von ›Bezeichnung‹ als Spezialisierung an 1 anschließbar.

Belegblock:

Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
171, 19
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
Pferd mit 2 vnd kain namen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
232, 13
(
halem.
,
1525
):
si vermeinten, das ihnen [...] der gewalt geben werden söllte, söllich [...] ewig zins, [...], abzuͦlösen [...], ob man den namen der summ weist.
3.
›Name (nomen proprium), mittels dessen eine Person oder eine als Individuum gesehene Sache (oft: eine Stadt, ein Land, ein Geschlecht, eine Tier-, Pflanzenart, generell: alles tendenziell statisch Identifizierbare und Identifizierungsnotwendige) identifiziert, aus anderen herausgehoben wird‹; teils Tendenz zu: ›die identifizierte P./S. selbst‹; auch auf die äußere Zeichengestalt statt auf die identifizierte Größe bezogen.
Phraseme:
keinen namen haben wollen
›nicht erwähnt werden wollen‹;
seinen eigenen namen ausrufen
›sich selbst rühmen‹.
Syntagmen:
den / einen / js. / e. S. namen abtun / abwischen / anrufen / haben / bekommen
(z. B. von
kräutern
gesagt)
/ erhalten / erlangen / heiligen
(mehrfach)
/ kaufen / nennen / tilgen / verleugnen / verschweigen, jm. / der stat einen namen geben, js. namen
[wie]
heissen / nennen
;
name und leben nicht eins sein, etliche namen got eigentlich zugehören
;
Camillen / Fabius / Hans / Venedig namen sein
;
sich des namens schämen
;
des namens ein christenmensch sein
;
die schafe mit namen nennen, jn. mit seinem namen aufzeichnen / grüssen, j. mit dem namen christen sein, unter js. namen ein buch verbreiten, ausgehen lassen
;
der n. got
;
der n. des cham, des geschlechtes / reiches, der krieger / türne, einer stat, der n. Americae, von einem lande
;
der besondere / deutsche / eigene / ererbte / erliche / lobsame / süsse / unwandelbärige n
.;
die häle / rechenschaft des namen(s)
.
Wortbildungen
namenanzeiger
(im alten Rom; zur Sache: Kl. Pauly
4, 146
) ›ein Verzeichnis von Namen‹,
namenbuch
2 ›Namenbuch‹,
namenzettel
›Totenregister‹.

Belegblock:

Luther, WA
6, 296, 11
(
1519
/
20
):
Darumb heysset auch unszer name ,Christglewbigenn’.
Ebd.
10, 1, 2, 413, 16
(
1526
):
das volck, welche alleyne mit dem namen Christen seynd.
Ebd.
33, 514, 31
(
1531
):
drum muss ers von ihm selbst singen und ein kuckuck werden, seinen eigen namen selbst aussruffen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 533, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swer iht bekennet in gote und im deheinen namen anekleibet, daz enist got niht.
Ebd.
2, 539, 28
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Es ist ze wissen, dz Etliche namen gehörent got aygelichen zu, Wan sie abgescheiden sint von allen andern namen, als mit sunderheit der namen ,got‘ ist, Wan diser namen gehort im allein aygelichen zv, Recht als der namen ,mensche‘ aygelichen dem menschen zu gelegt wirt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
1, 21
(
osächs.
,
1343
):
si gebiret einen sun, und du salt sînen namen heizen Jhêsum.
Ebd. Joh.
10, 3
:
dî eingenen schâf nennet her mit namen und leitet si ûz.
Opitz. Poeterey
57, 25
(
Breslau
1624
):
das ein liebhaber vnserer schoͤnen Muttersprache [...] ein sonderlich Dictionarium oder Namenbuch der Voͤlcker / Leute / Goͤtter / Laͤnder / oͤrter / staͤdte / fluͤße / porten / gebirge [...] zuesammen truͤge.
Gille u. a., M. Beheim
110, 176
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
von Jermania alain | würt dez reichs nam erkennet.
Mayer, Folz. Meisterl.
100, 63
(
nobd.
,
um 1480
):
Talmut [...] wurt geteilt in vir bücher: [...]. Doch hat itlichs ein besunderen namen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
80, 19
(
Nürnb.
1548
):
Derhalb bite ich am aller ersten / Geheiliget werd dein nam.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 15, 16
(
orhein.
,
1520
):
in diesem hus [...], in wölchem min namen ist angeruͦft worden.
Dasypodius
149r
(
Straßb.
1536
):
Nomenclator, Ein vornamser / oder namen anzeyger.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 174, 21
(
halem.
,
n. 1529
):
dass ein stat Bern [...] in gehaltner disputation gar keinen namen wolt haben.
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
3, 21
(
Straßb.
1611
):
der Erste Nahm | Dess Menschen war genennt Adam.
Sudhoff, Paracelsus
11, 398, 47
(
1537
/
41
):
das vil kreuter und wurzlen iren namen bekomen haben [...] von irer biltnus, form und substanz wegen.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
12, 24
(
Zürich
1521
):
Wie lang wil nam͂e͂ [christenlicher Name] vñ leben nit eins sin.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
33, 30
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Deßgleiche sein auch die aignen teütsche namen, [...], der menschen, als sein Hans, Claus, Fridrich, Dietrich, [...], nit on sonderliche bedeütung
(es folgt ein Hinweis auf die Vorbildfunktion:
die zu sein, von denen gesagt würdt
; damit eng an 1 anschließbar).
Henisch
64
(
Augsb.
1616
):
durch Americum Vesputium von Florentz / von welchem dise India den namen Americae erlangt hat.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
9, 19
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er het ain frawen aus seinem namen
[›Stamm, Geschlecht‹]
und art aus Armenia.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
226, 38
(
m/soobd.
,
1494
):
daz all unsers gotshauss leute jeder mit eigem name und zunamen zu sainem gut [...] eigenlich aufgezeichnet werden.
Turmair
4, 185, 10
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Disen nam, als die alten todenregister und namenzetl anzaigen, haben die alten Baiern gern und oft iren kinden aufgesetzt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
27, 19
(
tir.
,
1464
):
der mensch [...], der alain ein christen mensch ist des namens vnd der wort.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 29, 15
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
583, 2442
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
34, 17
;
Gille u. a., a. a. O.
24, 24
;
Behrend, a. a. O.
6, 135
;
Roloff, Brant. Tsp. Widm.
67
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 445, 36
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1214
;
1222
;
Vgl. ferner s. v. ,  1, ,
2
(Adj.) 7,  1,  9, .
4.
›(in der Regel guter, seltener: übler, schlechter) Ruf, Leumund, Einschätzung, die e. P. in ihrem sozialen Umfeld hat‹; offen zu 5.
Seit der 2. H. des 15. Jhs.
Phraseme:
den namen tragen, das [...]
›sich sagen lassen (müssen), daß [...]‹;
jm. einen bösen namen machen
›jn. in einen schlechten Ruf bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,  5,  9,
1
 3,  1,
1
 2, , .
Syntagmen:
(einen) namen erlangen / haben, js. namen beschneiden / befördern, lästerlich anzeigen, seinen namen erhöhen, etw. namen und ärgernis gebären, jm. einen bösen namen geben
›jn. beschimpfen‹;
der n. in dem ruf sein, das [...], der (gute) n. bekant / hoch / not / nütze, ein nuz sein, js. n. hoch reichen, sich von etw. erschepfen
›daraus ergeben, daß [...]‹,
ein hoher n. aus der armut kommen, ein guter n. eine gute tat bringen
;
jn. seines namens lästerlich anziehen
;
seinem namen nachgehen
;
der n. eines säufers, eines reiches
;
der böse n.
›Spott-, Schimpfname‹,
der ewige / hohe / gute / grosse / schmäliche n
.;
die ausbreitung eines namens
;
personen von namen
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 1, 561, 10
(
1522
):
das itzt Magus eyn schmehlicher name worden ist und nit mehr heyssett, denn die alßo durch den boßen geyst weyßsagen.
Ebd.
18, 108, 14
(
1525
):
Wie offt geschichts, das eym dinge eyn boͤser name bleybt, wenn das boͤse weg ist?
Ebd.
41, 327, 22
(
1535
):
Noch muͤssen wir den namen tragen, das wir ungeduͤltige, [...] rachgirige leute sind.
Ebd.
41, 637, 6
(
1536
):
Sed facis mihi bosen namen? Si taceo, tum schende auch meine ehr, si non arguo.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
514, 244
(
Magdeb.
1608
):
Ein gut Gewissen ist bey Gott / | Gutr Nam bey Menschen nuͤtz vnd noth.
Perez, Dietzin
1, 318, 12
(
Frankf.
1626
):
ob wol die Teutsche vnd Boͤhmen hiebevor den Nahmen fast allein gehabt / daß sie solchem Laster
[Sauffen]
[...] anhangen / so folgen [...].
Ebd.
323, 2
:
so hastu jetzund den Nahmen eines gewaltigen Saͤuffers.
Rupprich, Dürer
1, 151, 29
(
nobd.
,
1520
):
Es waren auch unter ihnen gar trefflich personen von namen, die sich all mit tieffen naigen auf das allerdemütigste gegen mir erzeugten.
Enders, Eberlin
2, 100, 18
(o. O. [
1522
]):
Vnd het nymmer besorgt, diß mein nachlassen vnd fall solte so groß geschrey, nammen vnd ergerniß geberen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
373
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Er gab jnen ein boͤsen nammen, | Des sye sich billich solten schammen, | Wann Maculisten er sye hieß.
Jörg, Salat. Reformationschr.
728, 8
(
halem.
,
1534
/
5
):
uns unsrer eeren / und guͦten glimpfs, namens und lümdens / so schantlich und lasterlich etc. anzogen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
83, 83
(
Basel
1494
):
Das Roͤmsch rich / vnd sin hoher nam | Anfaͤnglich vß armuͦt har kam.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
17, 10
(
Straßb.
1650
):
als Leuten, die einem ehrlichen Mann seinen guten Namen, Ehr vnnd Leymuth beschneyden können.
Luther, WA
32, 119, 18
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
39
;
Perez, a. a. O.
1, 38, 18
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
318b, 23
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
178v, 36
;
Opitz. Poeterey
48, 9
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
386, 16
;
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
5, 83, 85
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
31, 19
;
Bauer, Imitatio Haller
74, 3
;
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›Würde, Ehre, gesellschaftliche Achtung, die e. P. (auch: einem Geschlecht) aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Macht, ihres Reichtums von anderen zuerkannt wird‹.
Phraseme:
so weit js. (gottes) name reicht
(formelhaft für den Herrschaftsbereich Gottes);
den namen über jn. haben
›jn. an Würde, Macht übertreffen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 4; vgl.  37.
Syntagmen:
einen namen haben, wieder aufrichten
;
der n. fallen
;
des namen
›an Würde‹
jm. gleich sein
;
j. von gutem namen sein, die geistlichen von grossem namen sein
;
der edele / grosse n
.

Belegblock:

Franck, Klagbr.
230, 42
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
wie fallen verstürtzt in disen bodenlosen meerschlund ewig zu verschlinden zumal alle Adel / wappen / reychtum / gewalt / herrschaft / name.
Vetter, Pred. Taulers
47, 36
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die andern das sint sus geistliche lúte die in grosseme schine sint und von vil grossen namen, [...] in irme grunde so sint sú phariseen.
McClean, Havich
3499
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
vil maniger reicher herre | [...] | dy pegerten ïr zu weib, | di an güt und an leib, | des namen warn ïr geleich.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
149, 24
(
moobd.
,
1478
/
81
):
dise dein verrätnüss zimbt für war deinem edlen nam, stam nicht.
Kummer, Erlauer Sp.
2, 279
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
und sol er [chunig] haben uͤber mich [Herodes] den nam, | das waͤr mıͤr ein große scham.
v. Keller, Ayrer. Dramen
228, 24
;
3233, 34
;
Klein, Oswald
8, 8
.
6.
steht für eine Person, in der Regel für Gott, für personenartig gedachte Wesenheiten (wie die
engel
), eine herausgehobene irdische Person; in einem Großteil der Belege in phrasematischem Gebrauch, der von dem
namen
(
gottes
usw.) über
name
der
engel
bis hin zu
name
einzelner Menschen und deren als gottfern ausgegrenztem Rand (
name
des
henkers
) reicht. Im Hintergrund dieses Bedeutungsansatzes (wie auch des Ansatzes 7) mögen Namentabus, Namenverbote und Vorstellungen von Namenmystik bzw. ihrer Generalisierung und ihrer bis hin in das Fluchinventar reichenden Verweltlichungen stehen.
Phraseme:
in gottes, des vaters / sones / heiligen geistes, des herren, des teufels, in aller engel namen, durch gottes namen wegen / willen
o. ä ›auf Geheiß, in Übereinstimmung mit dem Willen, in Hinblick auf, stellvertretend für Gott‹, auch als Alltagsformel gebraucht, im Sinne von ›um Himmels Willen‹;
in henkers namen
(analog zu dem vorigen; als Fluch fungierend);
in gesamtem namen
›gemeinschaftlich‹ (s.  1, auch
hand
11).
Syntagmen:
gottes namen heiligen / verunheiligen, js. namen verkünden
(z. B. des
Eusebius
)
/ misbrauchen
(z. B.
gottes
);
ein name wunderlich sein
;
in js. namen bitten, etw. unter js. (gottes) n. tun
;
der n. gottes
(vielfach),
des herren, aller engel, Abrahams
, eines
vaters, des wirtes
;
der heilige n
. (vielfach);
die barmherzigkeit / ere / güte / kraft / weisheit des namens (gottes)
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
266, 30
(
Wolfenb.
1593
):
lieber Thomas, Ich habe euch so hertzlich lieb vmb ewres Namens willen.
Luther, WA
9, 225, 17
(
1519
):
Vater unser der du bist in den hymelen Geheiliget werdt dein name.
Ebd.
33, 13, 19
(
1530
):
weil wir jmer hin in aller Henger namen geitzigen, das wirdt uns gewislich auch widerfaren.
Ebd.
34, 1, 307, 27
(
1531
):
Christus est mortuus, yn seynem nhamen wyl ich dyr das schenken nicht yn deynem nhamen.
Ebd.
34, 2, 101, 28
(
1531
):
Noch wollen sie den geyst gotes haben, thuͤns unter des nhamen, fallen myt der vernunfft yn das worth.
Alberus, Barf.
203, 8
(
Wittenb.
,
1542
):
das er den Muͤnchen das schwein gantz schenckt vnd lies sie es ins Hengers namen fressen.
Ebd.
294, 34
:
In Gottes Namen, Wenns dann ja nicht anders sein kan, So [...].
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
18, 19
(
Frankf./M.
1563
):
Denn neben dem mißbrauch der Creaturen / wird mit etlichen zaubergeschlechten auch der Nam Gottes mißbraucht.
Beckers, Bauernpr.
54, 27
(
Köln
1515
/
8
):
men sall in aller engell namen plantze seen am maendach.
Dubizmay, kurß zu Teutze
9, 9
(
hess.
,
1463
):
here wie wunderlich deyne nam ist in allem erterich.
Allg. Schau-Buͤhne
27, 30
(
Frankf.
1699
):
die NiederLande zum Heyraths⸗Gut mitgegeben. Welche sie in gesambtem Namen miteinander regierten.
Mathesius, Passionale
27v, 29
(
Leipzig
1587
):
Denn bald redet der Prophet in GOttes Namen vnd Person.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 338, 14
(
Hagenau
1534
):
Sie sollen in Gottes namen schweigen / thun sie es nit / so müssen sie leiden.
Bachmann, Morgant
238, 24
(
halem.
,
1530
):
sprach er zuo im: „Ich wyll dir antwurt geben inn nammen mines wyrtz“.
Morrall, Mandev. Reiseb.
27, 20
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
der [kuͤng] hies ain bild machen in sines vatters namen
[hier: zum Gedenken an seinen Vater]
und bezwang alles sin volck daz sie es muͤstent an betten.
Dirr, Münchner Stadtr.
113, 29
(
moobd.
,
1328
):
Geschiht daz also, so enphaeht in der maister in dem namen dez vaters und suͤns und dez heiligen geists und sol in haissen peihten.
Turmair
4, 90, 12
(
moobd.
,
1522
/
33
):
In seim, des Ahrahams, nam und sâm solt die ganz welt, alle völker miteinander, [...], gesegnet werden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
8, 18
(
tir.
,
1464
):
ein idleiche zung sol [...] seinen [Eusewÿ] namen verkünnden.
Luther, WA
2, 87, 28
;
6, 223, 13
;
10, 1, 1, 621, 18
;
30, 1, 199, 14
;
34, 1, 56, 38
;
37, 633, 17
;
Pfefferl, Weigel. Ges.
31, 31
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
226r, 2
;
Logau. Abdank.
163, 24
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
73, 31
;
Bauer, Geiler. Pred.
96, 21
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
200
;
Bauer, Imitatio Haller
67, 20
.
7.
steht mit Genitiv- oder als Adjektivattribut für den Inhalt des untergeordneten Substantivs bzw. des Adjektivs, z. B.
mannes name
›Mann‹;
fräulicher / keuscher name
›Frau / Keuschheit‹.
Syntagmen:
mannes / weibes, frauen name
;
der fräuliche / fürstenliche / geistliche / götliche / keiserliche / königliche / keusche / römische n
.;
die ere des (römischen) namens
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
117a, 28
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swenne her gesetzit wert of den stol zo Achen mit der vorsten willen, [...], So hat her konigliche gewalt vnde namen ¶ vnde Swenne in der paves gewiged hat, so hat her des riches gewalt vnde keyserlichen namen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
53, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
hatte her ccc und xxvj kindir beyde wibis namen unde mannes namen.
hail. altvaͤter
93v, 22
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
die hailigen wunder [...] da von och der goͤttlich nam vnsers herren jhesu cristi mag gelobt werden.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1910
(
Basel
1519
):
Wyplichs geschlecht, freuwlicher nammen, | Vnser geburt / vnd vnser stammen | [...] brocht vff den synn, | Das ich zuͦ erst har gestanden bynn.
Müller, Nördl. Stadtr.
77, 16
(
schwäb.
,
1435
):
wa nuͦ fuͤrbas beschehe, das man̄es oder frawen name her zuͦ huͤlfe, daz eins buͤrgers oder buͤrgerin kind on vater oder muͦter [...] rate, [...] zuͦ elichen sachen gegeben wuͤrde.
Chron. Augsb.
9, 133, 2
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
wiewol er [...] disen dictatorstand und höchste ehr des römischen namens ain halb jar lang hett haben mögen, so [...].
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
dein [Maria] keuscher nam | got machet zam, | der aller werld was wild.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
33, 40
(
tir.
,
1464
):
ich sprich heüt das in der warhait vnder dem geistleichen namen, das von vil menschen geschicht neüe erfindung der vncheüsch.
Gille u. a., M. Beheim
71, 10
;
Vetter, Pred. Taulers
393, 11
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
142a, 13
.
Vgl. ferner s. v.
1
 3.
8.
phras.:
mit namen, in dem namen
,
a) ›besonders, speziell, ausdrücklich‹;
b) ›genau gesprochen, nämlich, und zwar‹;
c) ›ohne jeden Zweifel‹;
d) ›in der Weise, so‹;
e) ›in der Absicht‹.

Belegblock:

Zu a):

Luther, WA
1, 172, 17
(
1517
):
ein rechten eynfeltigen glauben [...] wil got von unß haben, darumb wirt yn dißen worten nit mit namen der glaube, hoffnung, demut, gedult, sundern was der selben tugent art und eygentlich natur ist, aufgedruckt.
Chron. Mainz
1, 29, 23
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
clagen wir, daz die zwen und zwenzig [...] uns unser friheit, gewonheit und mit namen die gadenrecht, dinstrecht, [...] gebrochen hant.
J. W. von Cube. Hortus
90, 21
(
Mainz
1485
):
wer hanff samen zuͦ vil nutzet mit namen die menner den wirt ir natuerlich samen verdruget.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2773
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
21, 9
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
5, 14, 3
;
Kottinger, Ruffs Etter Heini
1364
.

Zu b):

Küther, UB Frauensee
197, 2
(
thür.
,
1419
):
gude rynsche gulden, dy wyr ford an unses closters nucz gewand han, myt namen 12 gulden, dy [...].
Dierauer, Chron. Zürich
72, 2
(
halem.
,
1415
/
20
):
dis nachgeschriben stett, mit namen: Straͮßburg, Basel, Friburg.
Reichert, Gesamtausl. Messe
3, 23
;
UB Zug
1128, 30
.
Vgl. ferner s. v. .

Zu c):

Kurz, Murner. Luth. Narr
3476
(
Straßb.
1522
):
Du würdst mit namen hon zuͦschaffen: | Darumb so laß dein wort vnd klaffen.
Gille u. a., M. Beheim
78, 46
.

Zu d):

Winter, Nöst. Weist.
1, 204, 15
(
moobd.
,
1532
):
wo noch zwen nachbaurn [...] zucket ainer uber den andern, [...], eß wär [...] ain spieß oder ain langs messer, er rugkets in dem namen als wöllt er hant anlegen, [...].
Chron. Magdeb.
2, 59, 12
.

Zu e):

Bobertag, Schwänke
280, 12
(
Nürnb.
1558
):
hat lassen ein kirchlein bauwen, das crucifix darein gehenckt, nicht in dem nammen, als man solt anbetten, sonder [...].
Plant u. a., Main. Naturl.
303ra, 5
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
so hantgiftet ein friūt dem andern in dem namen dc in gelucke vn̄ guͦt davō volgete.