heimsuchen,
V.
1.
›zu jm. (nach Hause) kommen; etw. (z. B. einen Ort, eine Institution) besuchen, aufsuchen‹; im Unterschied zu 2, 3 und 5 ohne Wertung verwendet;
zu (Adv.) 1.
Bedeutungsverwandte:
 5; vgl.  8,  4,  2,  3.
Syntagmen:
einander h.
;
den nachbarn / leitgeben / pfarhof / tempel, die hauptkirche / schule, das haus / heiligtum / grab h
.
Wortbildungen:
heimsucher
1 (a. 1482).

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 118, 14
(
Mainz
1605
):
Elizabeth die alte, | Schrye laut mit heller stim, | [...] | Waher meines HERRN Mutter, | Daß sie mich heim gesucht.
Bell, G. Hager
563, 1, 4
(
nobd.
,
1593
):
Es be schlosen ver borgen | Ettlich Burger ein rat, | wie sÿ wolten auf morgen | Heim suchen [...] | am abent spat | jren nachbaren frume.
Loose, Tuchers Haushaltb.
170,
Anm. 2 (
nürnb.
,
1509
):
die jungen knaben und annder, so die schul haimsuchen.
Rauwolf. Raiß
26, 4
([
Lauingen
]
1582
):
also begibt sichs taͤglich / das die Nachbauren auff jhren heüsern von einem auff das ander gehn / vnd einander haimsuchen.
Anderson u. a., Flugschrr.
29, 29, 15, 12
([
Augsb.
]
1524
):
Die euch yetzt übel reden / würden euch wol spreche͂ Die euch yetzund fliehen / würden euch haimsuͦchen.
Wedler, W. Burley. Liber
59v
(
moobd.
,
v. 1452
):
Er [Arysipius] ward gefragt, worumb die naturlichenn maister albeg haimsuechent die hewser der reichen, aber die reichen suechent nicht haim die naturlichen maister.
Turmair
5, 91, 3
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die bischof solten stäts visitieren und haimsuechen die pfarhöf, damit iederman christlich und recht lebet.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
4, 6
(
München
1528
):
Dadurch sy [die Juden] den tempel nit haimsuoechen noch pflichtige opffer legen haben moegen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
91, 35
(
tir.
,
1464
):
darum das si wolten haimsuechen das wirdig heiligtum des ersamen Jeronimi zu Wëthlehem.
Luther, WA
26, 195, 21
;
37, 94, 25
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 151, 7
;
Heydn. maister
19r
, 4;
Dirr, Münchner Stadtr.
527, 26
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 160, 3
;
Turmair
1, 46, 15
;
Bauer, a. a. O.
83, 18
;
Maaler
217r
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 455
.
Vgl. ferner s. v.  8.
2.
›jn. in freundlicher Absicht besuchen (um zu helfen oder Trost zu spenden)‹; besonders von Gott: ›sich jm. gnädig zuwenden, jm. die göttliche Gnade bringen‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 17; vgl.  3,  1.
Syntagmen:
got / der her
(Subj.)
jn.
(z. B.
sein volk, die weisen / witwen
)
(gnädiglich) h
.
Wortbildungen:
heimsucher
2,
heimsuchung
2.

Belegblock:

Luther, WA
22, 190
(
1544
):
Jtzt ist die zeit, das wir solten den tag erkennen und des reichen guͤlden jars wol brauchen, weil wir den Jarmarck fur der thuͤr haben und sehen, das er uns heimsuchet.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 168, 8
(
Bautzen
1567
):
Weh dir das du nicht hast erkandt, | Deinen heimsucher vnd Heylandt.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
97
(
Nürnb.
1517
):
Gebenedeiet sei der herr got Israel, wann er hat heimgesucht und erlöset sein volk und hat uns aufgericht das horn unsers heils im hauß David.
Ebd.
204
:
Domit sie aber im elend nit gebresten, sucht sie der fürst des frides heim durch seine diener und tröst sie.
Wyss, Luz. Ostersp.
2738
(
Luzern
1583
):
MARIA gnadet Elyzabeth [...] Wann Gott, so vnß heimgsuͦchett hett | Vnd hochbegnadet dich vnd mich, | Well allzytt trüwlich bewaren dich.
Ebd.
3, 37, 19
(
1616
):
SPONSUS | Ach Herr, wie ist dein guͤtt so groß, | dz dzuͦ vnnß kompst mit dinem trost | Vnnd suͦchst vnnß, dine fründtling, heim.
Bauer, Geiler. Pred.
319, 28
(
Augsb.
1508
):
Nit mag die sel erfült werden mitt den haimsuͦchungen gottes. die sollichen zerstroͤwlichaiten underworfen ligt.
Bäumker, Geistl. Liederb.
53, 6, 1
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Er süech mich haim so gar mit grossen vleise, | Das er mich prächt [....] | auf in das paradeyse.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
30, 14
(
tir.
,
1464
):
Das ist die rain vnd vnuermailigt geistleichhait vor got dem vater: die wittiben vnd die waisen haim zu suchen in irem trüebsal vnd sich pehüeten vnuermailigten vor diser welt.
Luther, WA
12, 147, 10
;
12, 148, 9
;
15, 36, 23
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 134, 5
;
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
1740
;
Wyss, a. a. O.
2704
;
Bauer, Imitatio Haller
77, 9
;
Qu. Brassó
5, 598, 3
.
Vgl. ferner s. v. (
der
).
3.
besonders von Gott: ›jn. für sein Fehlverhalten bestrafen, maßregeln‹; von Plagen: ›jn. befallen; über jn. kommen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ,  2,  1,  9,  5,  4,
1
(V.) 1;  2,  4,  11,  7, (V.) 2,  6.
Syntagmen:
j.
(Subj.)
mit einer krankheit heimgesucht sein; etw. mit der rute, mit plagen h., den hon / spot / stolz / troz, die missetat / sünde / wüterei h., die frauen / leute h
.

Belegblock:

Luther, WA
18, 295, 6
(
1525
):
Es sind nicht bawren, [...], die sich widder euch setzen, Gott ists selber, der setzt sich widder euch, heymzusuchen ewr wueterey.
Ders. Hl. Schrifft. 3. Mose
18, 25
(
Wittenb.
1545
):
Denn ich der HERR dein Gott / bin ein eiueriger Gott / Der da heimsucht der Veter missethat an den Kindern / bis in das dritte vnd vierde Glied.
Ebd. Ps.
89, 35
:
So wil ich jre Suͤnde mit der Ruten heimsuchen / Vnd jre Missethat mit plagen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
168r
, 30 (
Leipzig
1588
):
Eines Fuͤrsten oder Regenten Jrthumb vnd Misshandelung / verirret vnd verwirret / [...] viel Leute / Darumb pflegt auch Gott solche Leute desto schrecklicher heimzusuchen / vnd zustraffen.
Glatz, Chron. Bickenkl.
20, 3
(
önalem.
,
um 1640
):
dass etliche frauen schwerlich haim gesuocht waren mit mancher abscheilicher krankhait.
Luther, WA
7, 553, 9
;
8, 287, 15
; Tr.
2, 179, 16
;
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
28, 10
;
Göpfert, Wb. Katechismus
109
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
wohl: ›sich jm. (einer Frau) in der Absicht geschlechtlicher Liebe nähern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  2.

Belegblock:

Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
2, 45, 31
(
Frankf.
1545
):
Wie er [Baurenknecht] nu auff eyn Zeit die Braut heymgesuͦcht hett und da er wider von ir abschiedt, schencket im die Junckfrau eyn huͤbsch Par Hendschuͦch.
5.
›jn. (zu Hause) beleidigen, belästigen und überfallen; (mit Gewalt) in ein fremdes Haus eindringen; bei jm. Hausfriedensbruch begehen‹;
zu (Adv.) 1.
Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  15,  1,
1
 4,  1.
Syntagmen:
jn. zu hause und zu hofe, vor seiner haustür h., jn. frefenlich / offenbar, in feindschaft, mit gewafneter hand, mit worten und mit werken h
.
Wortbildungen:
heimsucher
3 ›Hausfriedensbrecher‹.

Belegblock:

Kisch, Leipz. Schöffenspr.
748, 17
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Herr richter, wolt ir [Mertens] wort vernemen. Der clagt zu Mattes, der ine da heimgesucht hat zu hause und zu hofe in seinen vier pfelen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 921, 36
(
schwäb.
,
1490
):
welcher den andern uff mins ordens güter mit frävenlicher hand überlouft, frävenlich haimsucht.
Auer, Stadtr. München
13, 3
(
moobd.
,
1347
):
Waer auch, daz ainer den andern anchlagt, er hab in haimgesuocht mit gewaffenter hant in seinem haus und hof.
Ebd.
276, 7
:
Ist aber, daz iemant iagt ainen frömden man oder ain frauen in ain frömdez haus, daz ir nicht ist, ob er im tuot innerhalb der haustür mit worten oder mit werchen, daz er nicht tuon sol, da hat er in haimgesuocht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
306, 39
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
Wan einer den andern in feintschaft haimbsuecht, der ist verfallen der herrschaft straff an leib und guet.
Ders. Steir. Landr.
63
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wer ainem lawft an sein haws vnd vodert in heraus mit posen worten, oder ob er im aufstôsset ain tür oder ain tor, daz haisset allez haimsûchen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
139, l
, 38 (
sslow. inseldt.
,
1378
):
ist daz icht mordez an den nemlichen heymsuchern geschicht.
Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
106, 10
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
173, 7
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm
58, 12
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 219, 7
;
Auer, a. a. O.
1, 8, 275, 3
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 864, 34
;
Piirainen, a. a. O.
43, r
, 22;
97, r
, 28.