gelten,
gelden,
V., unr. abl.
– Vgl. Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben.
1988, 327
; 421; 482.
1.
›etw. bezahlen, entgelten, vergüten; Abgaben entrichten; jm. eine Zahlung leisten, seinen Lohn bezahlen‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1.
Syntagmen:
mit Dat. d. P., auch mit präpositionalem Anschluss (
für
); mit Akk. d. S., vereinzelt Gen. d. S.;
geldschuld / gulden / gut / habe / lon / kost / schaden / schuld g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
16325
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Und gelden lon dinen knechten.
Große, Schwabensp.
69, a, 9
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wirt aber de roup oder de duͦbe an gegreffen vnde vorzert, man muͦz iz zwevaltech gelten.
Chron. Köln
1, 112, 1
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
men galt eme myt der vart | van den veirdusent veirzeinhundert.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 34
(
Thorn
1584
):
her en gyldet des gutes nicht.
Behrend, Magd. Fragen
62, 22
(
omd.
,
um 1400
):
Welchir denne der sache vellig wirt [...] der sal das orteil geldin.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
122, 25
(
omd.
,
um 1559
):
Entstunde andern zechen schaden daraus, der teter soll den schaden gelten.
Ermisch, Freib. Stadtr.
273, 22
(
osächs.
,
um 1344
/
50
):
das sal ym der richter gebieten zcu gelden bie den acht tagen bie der buße.
Palm, Veter Buoch
55, 30
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
das er lihe einen schillinc, daz er dem bruder gulde.
Chron. Nürnb.
1, 171, 40
(
nobd.
,
1356
):
ob di burger di atzung und das lon gelten.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
100, 12
(
nobd.
,
15. Jh.
):
man sal gelten fur einen vogt zu Schildeck.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 280, 2
(
nobd.
,
1484
):
ist zw merken, als ich ob geschriben habe, das yede hoffstatt zw Erelbach jerlichen gilt zwirnt im jare.
Ebd.
283, 16
:
das sol er im widerumb gellten vnd bezalen zu denselben zilen vnd fristen.
Strauch, Schürebrand
47, 37
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
so unser herre allen sinen dienern lonen und gelten wil in iemerwerenden ewigen fröuden.
Barack, Teufels Netz
12629
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Si tuond spilan, sweren und schelten | Und hand nüt und sond vil gelten.
Pfaff, Tristrant
33, 3
(
Augsb.
1498
):
ist auch kein zweifel, du muͦst meinen oͤheime mit dem tod gelten.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
653, 3
(
halem.
,
1311
):
das es kein schad sy den gelten, dien si vormals schuldig warent ze geltenne.
Ders., Staat/Kirche Bern
247, 34
(
halem.
,
1412
):
das man von der varunden hab solt gelten.
Leisi, Thurg. UB
7, 3, 10
(
halem.
,
1375
):
von der gúlten wegen, so mir min bruͦder saͤligen verlassen hant ze geltend.
Bastian, Runtingerb.
2, 74, 21
(
oobd.
,
1384
):
daz gelt sol mir der Durrensteter noch gelten.
Ebd.
2, 410, 16
(
oobd.
,
1403
):
so sol man dem Lettel geltten 3 lb. 3 helbling.
Auer, Stadtr. München
147, 6
(
moobd.
,
1347
):
daz sol der schefman gelten den leuten, die den schaden nement.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
318, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Menelaus im zue gegen | beraite sich zue gelten im die koste.
Bischoff, Steir. Landr.
124
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
ez gilt nyemant fur den andern er hat dann fur in gelobt.
Ebd.
158
:
Ez gilt ain chind für seinen vater oder fur sein mûter nicht, ez besicz dann ir erb.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
323, 5
(
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
mag er in dann derweisen nach lantsrechten, so sol er im sein hab gelten.
Chron. Augsb.
1, 93, 19
;
99, 4
;
Dierauer, Chron. Zürich
67, 5
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
88, l, 28
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 35
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 67
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 501
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 185
;
Voc. Teut.-Lat. k viv; k viir;
Maaler
155r
;
183r
;
Hulsius F ivr;
Henisch
1478
 f.;
Dietz, Wb. Luther
2, 66
 f.;
Martin/Lienhart
1, 217
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
130
;
Pfälz. Wb.
3, 181
;
Schwäb. Wb.
3, 300
;
Schweiz. Id.
2, 276
 f.;
Vorarlb. Wb.
1, 1111
;
Rwb
4, 33
 f.
2.
›jm. etw. (z. B. Schulden) zurückzahlen, erstatten‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, .

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 31, 1
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz sie die scholt [...] billech gelten sullen von rechtes wegen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
58, 40
(
thür.
,
1474
):
daz er von lehengutern dye schulde nicht phlichtig were zcu beczalne nach zcu gelden.
Köbler, Ref. Nürnberg
196, 3
(
Nürnb.
1484
):
Von Eelewten die Ir beder schulde miteinander zegelten schuldig sein.
Chron. Strassb.
123, 25
(
els.
,
1362
):
so galt er ime die schulde.
Chron. Augsb.
1, 175, 5
(
schwäb.
,
1374
):
das suliche lewte kristen und juden die iczunt ire schuldiger sein [...] yn suliche schulde [...] nicht gelten wolten.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 189, 16
(
alem.
,
1426
):
umbe soͤliche krieg liesz er nach sinem tod dem vorgenanten sinem suͦn marggraͧven Wilhelm gros schulde und zinse ze geltende.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
232, 38
(
halem.
,
1384
):
Es sol oͧch iederman dem andern sin geltschuld [...] gelten.
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2895
(
moobd.
,
1418
):
also daz er alle die geltschuld gelt, die sy schuldig beleibt.
3.
›etw. beim Kauf bezahlen, kaufen‹.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 21, 13
(
rib.
,
14. Jh.
):
du galt man eine quarte wins umb zwene haller.
Ebd.
2, 117, 9
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
den stappel wolden si af han, daz alman mochte wine gelden ind verkaufen up dem Rin.
Ebd.
2, 437, 24
(
Köln
1499
):
so die des dages unmoissich waren mit gelden ind verkoufen.
Ebd.
2, 598, 33
:
ein minsch dorft nauwe ein hoin gelden up den mart.
4.
›etw. bestrafen, etw. mit etw. vergelten; jm. etw. heimzahlen, vergelten; jn. etw. büßen lassen‹.
Syntagmen:
mit Akk. d. S., Dat. d. P.; Bezeichnungen für das Mittel der Vergeltung mit präpositionalem Anschluss (
mit
).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
20095
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Got gildet eime ieslichen, | Dem armen und dem richen, | Nach den werken als her begat.
Große, Schwabensp.
69, a, 8
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wirt aber de roup oder de duͦbe an gegreffen vnde vorzert, man muͦz iz zwevaltich gelten.
Sachs
12, 215, 15
(
Nürnb.
1553
):
Ich gilt ir, wie sie mir hat gmessen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
402, 31
(
els.
,
1362
):
vnser meister Cristus hat vns geleret daz wir boͤses mit guͦtem sullent gelten.
Karnein, Salm. u. Morolf
527, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ich wil dir nu alles gelten, | das du uns ze leide hast getan.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 81, 40
(
schwäb.
,
1471
):
Wer schiltet wider schelten, | Der will mit schanden gelten.
Päpke, Marienl. Wernher
10478
(
halem.
,
v. 1382
):
Mit trúwen er ir trúwe galt.
Jörg, Salat. Reformationschr.
594, 19
(
halem.
,
1534
/
5
):
Dann ouch zürnen / all widerdryes rechenn / und rach wellen gelten / wider goͤtlich gebott / ouch eygenschaft waͤr der unwysen.
Stammler, Berner Weltger.
45
(
ohalem.
,
1465
):
Die boͤsen wil got beschelten, | Er wil jnen herte gelten | Jr boͤsheit vnd jr missetat.
Rieder, St. Georg. Pred.
162, 6
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wir sont ôch daz úbel gelten mit guͦtem und sont hass und nid mit minnen gelten.
Klein, Oswald
95, 26
(
oobd.
,
um 1425
):
lass gelden sein schuld.
5.
›jn. / etw. betreffen, auf jn. / etw. abzielen, sich auf etw. beziehen; Geltung für jn. / etw. haben, verbindlich sein, gelten‹.
Syntagmen:
mit Dat. d. P., auch mit präpositionalem Anschluss (
für
).

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 266, 10
(
Mainz
1605
):
Dein Opffer fuͤr vns ewig gildt, | Deß Vatters zorn hastu gestilt.
Göz. Leichabd.
165, 12
( 
Jena
1664
):
Wiewohl nun solches noch von fernen ist / und von uns deutlich nicht kan vernommen werden / so andet es doch unser gemuͤhte / daß es mit der Zeit auch uns gelten werde.
Fischer, Folz. Reimp.
15, 153
(
Nürnb.
um 1480
/
1
):
Die wort sülln alle gelten nicht, | Die ir gen mir hapt abgespullt.
Franck, Decl.
349, 11
(
Nürnb.
1531
):
Wo aber [...] der Fuͤrsten beyspil guͤlt vnd entschuͤldiget / so entschuͤldigen vnns auch grosser keyser exempel.
v. Birken. Erzh. Österreich
65, 43
(
Nürnb.
1668
):
Der von Regensberg / konte ihm [...] einbilden / daß es nunmehr ihme gelten wuͤrde.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 3, 21
(
Straßb.
1524
):
Darumb sol bey vnns kein brauch oder gewonheit / sunder dz lauter wort gots vnd die heilig gschrifft gelten.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 116, 15
(Hs. ˹
alem.
,
14. Jh.
˺):
min sang dir gilt | gar unverzilt.
Päpke, Marienl. Wernher
522
(
halem.
,
v. 1382
):
Ain sunder liecht der welte, | Das fúr úns allú gelte.
Bachmann, Haimonsk.
101, 29
(
halem.
,
1530
):
es gylt mir glich, wann es muos sin.
Goldammer, Paracelsus
7, 176, 27
(
1530
):
dein frombkeit gült nit vor gott.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 47
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
die letzten raitung für uns gilt, | wann wir hie müssen sterben.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
351, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Es giltet hie unser aintwederes leben.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
9, 12
(
mslow. inseldt.
,
1612
):
dz man dieśe śeine erśte bitt, bey der beśchehenn Verenderung, wölle gelten laßen.
6.
mit unterschiedlichen Bezugsgrößen: ›einen Preis haben, etw. wert sein, gelten, kosten‹.
Syntagmen:
Wert-, Preisangaben im Akk. oder mit präpositionalem Anschluss (
umb
); mit Dat. d. P.

Belegblock:

Luther, WA
35, 461, 12
(
1535
):
Wie aller welt macht, ehr und gut | fuͤr dir nichts gilt.
Wyss, Limb. Chron.
46, 15
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der win galt groß gelt.
Chron. Mainz
1, 224, 6
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
was der habern of die zit abegeslagen, also das er minner galt, dann er inkauft wart.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
149, 12
(
omd.
,
1554
/
1633
):
die seint gewinhaftigk oder ungewinhaftig, sie gelten gelt aber nicht.
Thür. Chron.
12r, 28
(
Mühlh.
1599
):
daß was vorhin 4 Pfennige galt / daß galt dazumal einen Pfennig.
Ermisch, Freib. Stadtr.
236, 16
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Waz man in der werlde herin vuret oder treit zu marcte veile, daz da sechs pfenninge gildet oder darunder, daz ist zolvri.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
25, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
eyn rittirlichis vutir von zobelin gilt wol tusint floren.
Ebd.
47, 21
:
eyn sagus der gilt me wen eyn floren.
Chron. Nürnb.
2, 305, 17
(
nobd.
,
1449
/
50
):
der brot ains galt gern 1 haller.
Ebd.
4, 369, 17
(
nobd.
,
15. Jh.
):
in dem sterben da galt ein krometfogel oder ein mistler umb drei haller.
Sachs
5, 133, 2
(
Nürnb.
1557
):
Der pawer [...] fraget an der stet, | Was die saw golten hat.
Chron. Strassb.
135, 13
(
els.
,
1362
):
schetzetent die kornkeufer, daz die erweißen eins helbelings beßer worent wan die figen, noch dem also do zuͦ mole gultent die beden gewerde.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 9, 5
(
Straßb.
1524
):
Ist Christus vnser frumkeit / so gilt nichts aller kloͤster vnd styfften wesen.
Chron. Augsb.
1, 20, 11
(
schwäb.
, zu
1473
):
gulten 30 wintrübel zuͦ Basel und zuͦ Friburg 1 dn.
Jörg, Salat. Reformationschr.
694, 19
(
halem.
,
1534
/
5
):
gallt [...] ein baͤcher saltz fünf schilling.
Klein, Oswald
45, 4
(
oobd.
,
1415
):
der frag den weg gen Überling, | da gelten vierzen pfifferling | fünfzen schilling.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
81, 15
(
noobd.
,
1312
):
ain ander guͦt [...] daz als vil gelte, als daz ich verchauft han.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
74, 25
(
tir.
,
1525
):
ain waar, die vor zeiten achtzehen kreŭtzer golten hat.
Qu. Brassó
4, 237, 4
(
siebenb.
,
1653
):
da denn ein schrecklicher Hunger gewesen; ein klein Hubeslein, wie ein Scheib, hat 2 Reichstaller gegulden.
Ebd.
5, 420, 33
(
1606
):
In diesem Johr hot ein Ochsenhaut Leder fl. 5, 40 gegulden.
M. Cunitia. Ur. Prop.
151, 44
.
7.
›wirksam, hilfreich sein‹.

Belegblock:

Gierach, Märterb.
8693
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
Do das alles nicht engalt, | die götter er vor czorne schalt.
Ebd.
13560
:
Do die marter manichvalt | an dem rainen nicht engalt, | der chaiser hiez in füren hin | in dem charcher phlegen sin.
8.
unpersönliches
gelten
dient der Bezeichnung des Augenblicks der Entscheidung, der Bekräftigung einer aufgestellten Behauptung, wird als herausfordernder Zuruf beim Wetten oder ermutigender Zuruf im Kampf verwendet.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 553, 2
(
1530
):
Wer lust da zu hat und boͤse ist, der reiss jhn herunter, so lange aber er da sitzen bleibt, wollen wir auch bleiben. Was gilts?
v. Keller, Ayrer. Dramen
3347, 10
(
nobd.
,
um 1600
):
Was gelts, Er werdt Auch Vber dich Clagen | Vnd dir ein schilling frümen An?
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 363, 28
(
Straßb.
1522
):
Der Pfarrer sprach: Es sol gelten.
Kurz, Murner. Luth. Narr
2008
(
Straßb.
1522
):
Was geltz, wir werden sie dan leren.