ehe,
eher,
Konj.
(
1),
Adv.
(
2-
6; in
4 vereinzelt auch adjektivisch gebraucht),
Präp.
(
7); in zahlreichen Varianten (z. B.:
e, eb, ebe, ee, eer, ehr, ehir, er
) und Steigerungsformen (neben
eher
auch z. B.
ehender, ender
; Sup.:
ehest
) vorkommend;
zu
mhd.
êr
›früher, vormals, eher, vor, lieber‹
(
).
3.
›ehemals, einst (vor einer unbestimmt langen Zeit); früher‹; aber auch: ›vorhin, gerade‹.
Bedeutungsverwandte:
,
; vgl.
2,
.
Syntagmen:
j. e. regieren / verirren, etw. sagen / tun, j. e. blind / reich sein, jn. vertreiben, etw. e. geschehen / gewesen sein
; häufig in den Formeln
als e
.,
bei e
.,
vor e
. mit der Bedeutung ›wie einst‹ vorkommend.
Wortbildungen:
›anhaltend, fortdauernd‹,
˹
,
(häufig),
(häufig),
,
,
˺ ›vorgenannt, zuvor erwähnt‹,
˹
,
,
˺ ›einstmals, vormals‹ (dazu bdv.:
,
).
Belegblock:
Gott hat wol ehe durch boͤse buben regiert und guts gethan.
Den hoff [...] mocht man [...] auff die alte maure bauen, da ehezeiten ein sattelhoff gewesen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
597, 2891
(
Magdeb.
1608
):
Als wir auch ehe mit vnser Rotten / | Aus Jndia die Attariotten / | [...] | Vertrieben mit wehrloser Hand.
Ob ich dir sage nu myn leben, | Deme ich ewilen was ergeben.
Froning, Alsf. Passionssp.
(
ohess.
,
1501ff.
):
ßo wirt des unglauben me | und das volck wirt vorirret als e!
Kurz, Waldis. Esopus
(
Frankf.
1557
):
Er wer auch ehe ein Muͤller gwesen.
Gille u. a., M. Beheim
38, 30
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das valk, die hie vor ee | Mit dem geses | in vinsternes | sassen da hinder.
das sich kein bischof [...] solte üt tuͦn also ein bischof, er hette denne e von dem keyser enpfangen sine regalia.
das sindt zuͦsammen zehen constofeler, und dartzu die egeruͤrten zwentzig von den antwercken.
Dierauer, Chron. Zürich
213, 23
(
halem.
,
15. Jh.
):
Und also kamend die êgemaͤlten Schwitzer.
Schmidt, Rud. v. Biberach
62, 23
(
whalem.
,
1345
/
60
):
an in ist [...] ze suchende mit allem edúrlichum hertzlichem flisse [...] daz oberste guͦt.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk
186, 391
(
Bern
1551
):
was er hübsch ist gsin, | fallt wie die schönen rosen hin.
uff dem egesprochen letzsten ros rait ain ersamer ritter.
Sappler, H. Kaufringer
10, 44
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
den bösen we, | der dich hat bekümert ee | lang zeit bis auf disen tag.
Ehermals / hie beforens / vorzeitene / herzeits.
Winter, Nöst. Weist.
(
moobd.
,
1494
, Hs.
1612
):
darnach geht es nach dem kürchweeg hinauf biß in das ehegestimbte pächlein.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
(
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17. Jh.
):
solle er [underthon] ehenter nit auß dem schloß gelassen werden, biß das er bemelte straffen erlegt.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
86, 14
(
mslow. inseldt.
,
1617
):
außgeśagt vnd bekant haben, dz ehegedachten frauen Barbara Natürlicher Vatter, Veit Lucas geheiśśen.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 85
.
4.
›eher, früher, schneller‹ (als ein Vergleichszeitpunkt).
Phraseme:
je ehe(r) je besser
o. Ä. ›je früher, umso besser‹.
Syntagmen:
j. e. anheben / herunterrennen / kommen / malen / wechseln, in unmacht fallen, j. etw. e. tun, an jn. bringen, von der acht kommen, jn. erlösen / sehen, j. sich e. versprechen, etw. e. gefertigt sein
;
die eheste gelegenheit
; in der Doppelformel
e. den [...] e. [...]
vorkommend.
Wortbildungen:
›Nächster, unmittelbar Folgender‹.
Belegblock:
Das werden sie [Papisten] aber nit eher thun, der heylige geyst werde denn tzuvor eyn luͤgner.
das ende wird ehr komen, denn wyr dencken.
so mogē sye [die frauwe] woͤl drin esen von dissen blomen vff das sye got dester ee erloße.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 16, 4
(
Leipzig
1520
):
die [nuß] wirdt ich ym ehelangs mit der hilff gotes dermassen auffmachen.
Gajek, Seidelius. Tych.
11, 27
(
Breslau
1613
):
Agrippina die Kayserin / | Wil daß Nero jhr liebß Soͤhnlin. | Je ehr je besser Kayser werd.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
225, 16
(
Nürnb.
1548
):
ye zorniger vnnd boͤser die feinde Christi sindt / ye ehe rennen sie sich herunter.
Menge, Laufenb. Reg.
2340
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Ie minr du ouch ir nymest achte | Ie e du vellest in vnmachte.
Müller, Welthandelsbr.
146, 23
(
schwäb.
,
1506
):
wölcher da handln will, dem ist am erersten (!) nott, zu wissen, daz [...].
sie dann mit ehister gelegenhait zuͦ thun genaigt seien.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ist daz dich der wolf ê sicht wann dû in.
wart der zeit, wer ê kumpt der melt ê.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
(
m/soobd.
,
1508
):
der [schuldigen] sol man dhainen ân klag aufhalden, alain er bring das ee an den ambtmann.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
11, 31
;
‒
Vgl. ferner s. v.
5,
1,
1,
1.
5.
›lieber, besser, mehr als etwas anderes in der Seins-, Geschehens-, Handlungsmöglichkeit Liegendes; wahrscheinlicher, leichter‹.
Phraseme:
j. eh und näher sein
›j. drauf und dran sein‹;
eh mer eh minder
›eher mehr als weniger‹.
Bedeutungsverwandte:
˹
(Adv.)
1;
3,
˺ (s. v.
, Adj.,
1),
(s. v.
, Adj.,
3),
1 (s. v.
, Adj.,
1),
(Adj.)
6.
Syntagmen:
e. bekennen (hungers / um etw.), e. springen / sterben / umkommen, vom leben abstehen, e. S. gedenken / helfen / raten, sich bewegen / vorsehen, jm. e. entrinnen, etw. e. bekommen / finden, aus etw. ziehen, jn. / etw. e. annemen / auswachsen / auswischen / bewegen / erleiden / hören / merken, an etw
. (z. B.
an galgen
)
hengen
; häufig in den Doppelformeln
eh [...] eh
oder
dan / den
›lieber [...] bevor‹ bzw. ›bevor [...] lieber‹ (hier in komparativer Kombination mit der temporalen Konjunktion
eh
1).
Belegblock:
teile du sie [gute werck] auch nicht mit mir, hencke sie viel eher an den liechten galgen.
Ebd. 33, 483a
, 31 (
1530
/
2
):
Jch will mich selbst eher todtschlagen lassen, eher dan ich einen Christen wolt umbbringen.
Ehe ich in ein solche schriefft wolt stellen, ich wolt in ehe in becher scheißen und bissen, so hetten sie zu fressen vnd zu sauffen beieinander.
Einer vom adel bedengkt sein [...] geschlecht besser und eher den einer [...] von geringer ankonfft.
Quint, Eckharts Pred.
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
er [mensche] stürbe ê hungers, ê er ir [besten spîse] iemer gesmeckte.
Denn dieser sach ehe vnd leichtlicher [...] geholffen vnd gerathen werden soll.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
(
schles. inseldt.
,
1480
):
ich bÿn ee vnd neer das czw behalden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
(
nobd.
,
n. 1525
):
ob sich die pawrn destere er bewegen liessen, daruff mit inen zu handeln.
wie wol man daz heßlich eer bekumbt dann das huͤbsch.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
174, 12
(
Nürnb.
1548
):
du solt derhalb dest ehe vnd lieber disen Heyland annemen.
Lauater. Gespaͤnste
22r, 26
(
Zürich
1578
):
Jr mann ließ es jm dester ee gefallen / daß er wol wußt daß sy eins [...] frommen wandels was.
do besang in der ertzbischoff selb [...] und zwelf, e mer e minder
[›eher mehr als weniger‹],
geynfelter korhern [...] dienten [...] zuͦ alter.
Bauer, Geiler. Pred.
78, 13
(
Augsb.
1508
):
es ist kain ding das ainen menschen ee bewege zuͦ wainen / dann e(rk)antnuß seiner aigenen gebresten.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
124, 4
;
‒
Vgl. ferner s. v.
,
3,
7,
1
1,
(V., unr. abl.)
11,
2,
3.