lieb,
Adj.
1.
›angenehm, lieb, das Gefühl der Freude, des Glückes, Wohlbefindens vermittelnd; eine Bezugsgröße, einen Sachverhalt als angenehm empfindend, so beurteilend, als ob er angenehm sei‹; von Bezugsgegebenheiten unterschiedlichster Art gesagt; vgl.  1, auch 2.
Phraseme:
es / etw. ist jm. lieb oder leid
;
jm. etw. zu lieb tun
;
der teufel möge jm. lieber wesen!
›es wäre jm. lieber, dass der Teufel ihn holte, als [...]‹.
Gegensätze:
(Adj.) 14, .
Syntagmen:
etw. / j. l. sein, j
. [wo]
l
. ›gern gesehen‹
sein, jm. etw
. (z. B.
das leben
)
l. sein, jm. j
. (z. B.
das kind
) /
etw
. (z. B.
die ere, das federspiel
)
l. sein, jm. etw. l. sein, das [...] / ob [...] / zu [...], jm. etw. lieber sein, ehe [...], jm. j. lieber sein, denne [...], jm. j. lieber werden, wan [...], jm. l. tun, jn. l. halten / gewinnen / meinen, etw. l. achten, sich etw. l. sein lassen
(z. B.
geld
),
jm. etw. zu l. machen, jn. jm
. (z. B.
got
)
l. machen
;
der liebe brief / gast / rebensaft, das liebe ungemach / volk / vaterland
.
Wortbildungen:
lieblächeln
,
lieblellen
›schmeicheln‹ (a. 1518),
liebleller
(a. 1518),
liebsam
,
liebschlek
›Leckerbissen‹,
liebspeise
(dasselbe),
liebsprecher
›Schönredner, Schmeichler‹ (insofern hierher; dazu bdv.:  1; andere Deutung im ; das Stichwort
liedsprecher
spricht für die Deutung im
Dwb
),
liebtraben
›schmeicheln‹ (dazu bdv.:  2, ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Charus. Lieb holdt werdt freundtlich guͤnstig geneigt zuthätig holdselig.
Adulari. Schmeicheln liebkosen [...] liebtraben.
Luther, WA (
1530
):
Und war Luther das liebe kind, und fegete die stifft und pfarren von solchem treudel marckt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
547, 1288
(
Magdeb.
1608
):
Die Geste blieben in dem Nest / | Das war jhnen das liebst vnd best.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
1635
):
Es ist mir besonders lieb, mein Polus, daß ich dich itzt bei mir befinde.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wuͦ lip im sin veder spil was; halp also vil sal her ime geben.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz im wirt sîn vater, muoter, bruoder und swester hundert wîs lieber wan sie ieze sint.
Froning, Alsf. Passionssp.
2736
(
ohess.
,
1501ff.
):
Byß wilkom, Davidis sone! | du host mer nu liebe gethayn!
Voc. inc. teut. p
ir
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Liebsprech’ Gannio. i. adulator.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
das jhrs ja euch auch als ewer Symbolum vnd Bekentnis / lieb vnd werth achtet.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
28, 10
(
schles.
,
1350
):
daz si nur von firdehalbir hufen daselbist geschos heischen vnde nemin sullin [...], alz lip in vnser hulde czu behaldin sy.
Opitz. Poeterey
42, 5
(
Breslau
1624
):
So wuͤndtsch’ ich daz mein feind dich moͤge lieb gewinnen.
Henschel u. a., Heidin
1127
(
nobd.
,
um 1300
):
Im mohte liber sin der tot | E denne er so groze not | Lide dvrch eines keisers wip.
Fischer, Folz. Reimp.
25, 167
(
Nürnb.
1497
):
[Unkeusch] Lieblechelt, hendkratzt, schmuczt und gelimpft.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
146, 17
(
Nürnb.
1548
):
Kinder sind den Eltern nimmer lieber / [...] / denn so sie kranck sind.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
nobd.
,
um 1600
):
Nun hat Er Ein schwester, genandt | Apollonia, die In gwan lieb | Vnordenlicher Weyß.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
orhein.
1520
):
under wölchen [geschöpf] er [schöpfer] zwo in sonderheit lieb gemeint, begabet mit unußsprechlichem kleinet der verstentnus.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 17, 13
(
Hagenau
1534
):
Er ist lieb unnd werdt gehalten.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. (
Straßb.
1611
):
David den Nahmen hett bequem / | Weil er lieb war und angenehm | Bei Gott.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
lieb Schleck oder speiß. Philtrum.
Roloff, Brant. Tsp.
497
(
Straßb.
1554
):
Da gab ein guͦt freündt mir den rath | Das ich doch etwas liebs doch werffen soth | Ins mer.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Wir dörffend zuo Dordonna niemmand fŭrchten, wann wir sind da lieb.
Ders., Morgant (
halem.
,
1530
):
ich will nŭt mer an dissem hăf beliben, da die verrether lieber sind dann die frommen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das Lieb vnd angenaͤm vatterland. Patria antiqua. [...]. Einem abwaͤsenden etwas zeLieb vnnd zuͦ gefallen thuͦn.
Gott Lieb vnnd angenaͤm. [...]. Jch begaͤr das von dir so es dir Lieb ist [...].
laß dir dz schnoͤd gaͤlt nit so lieb sein.
Steer, Schol. Gnadenl.
3,
A2, 213 (
schwäb.
,
1447
):
die gnad haizzet man also das sy den menschen got liep machet.
Sappler, H. Kaufringer
1, 360
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
nichtz liebers was in irem waun | dann das kindelein verwassen.
Ebd.
15, 44
:
wär es dir lieb oder laid, | ob ain man läg bei mir hinn | hie an dem pett.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ee ein liebs, kumend hundert laid. | Recht wie der schat ist unser leben.
Chron. Augsb. Anm. 7 (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
ain junger kardinal [...] der waß dem bapst fast lieb auff die welsch artt.
Klein, Oswald
25, 20
(
oobd.
,
1414
):
mit süssen worten leise | wirt mir vil liebs beschert.
Ebd.
88, 7
:
so wer ain laid ... vertuscht, | das hail drung mich zu liebem ungemach.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 230
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
der ritter ist seinem herren vil lieber, der mändleich in dem streyt dy veint hat v̈berbunden, den der in den streytt nye cham.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ich hach ıͤm soleich sleg an, | ıͤm moͤcht der teufel lieber wesen.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
89, 2
(
Venedig
1483
):
Jr [raͤine megdt] rede ist messig ir stym ist senftmuͤtig ir geper sind liebsam.
Karnein, Salm. u. Morolf
412, 2
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
2, 26
;
Rupprich, Dürer ;
v. Keller, a. a. O. ; ; ;
Strauch, Schürebrand ;
Bachmann, a. a. O. ;
Sappler, a. a. O.
17, 40
;
Klein, a. a. O.
64, 10
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
Vgl. ferner s. v.
1
 1,  5,  8.
2.
dient attributiv in der Anrede, in titelähnlichen Formeln und in formelhaft referierenden Substantivgruppen der Herstellung und Einforderung von Vertrautheit, Verbindlichkeit, Kooperativität von Personen, die einer bestimmten herrschaftssozialen, teils konstitutionellen (sowohl niedrigeren, abhängigen, untergebenen als – seltener – höheren Ranges) zu der Person stehen, die als Textautorität fungiert; vielfach im Umfeld mit
andächtig
3,
edel
2,
erenfest, ersam, erwirdig, getreu
2,
heimlich
4,
streng, weise
;
vgl. am ehesten  37.
Syntagmen:
unsere lieben bürger / untertanen / getreuen / andächtigen
; in
Chron. Augsb.
auch:
sonder lieben, lieben besonder
.
Wortbildungen:
liebgeld
›Hilfssteuer, Karitativgeld‹ (a. 1581).

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1495
):
So als sich irrunge [...] tuschen unsen lieven, getruwen ind samenburgeren den meisteren ind amptzgenoissen der vilzhuedemechere [...] erhaven hatten.
Küther, UB Frauensee
226, 12
(
thür.
,
1450
):
Unßern gunst tzuvor, probist eptischin [...] unßis closters czu dem Sehe liebin andechigin.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
15, 95
(
Zwickau
um 1540
):
das ich E. G. und Ernvehsten vor allen andern meinen gantz lieben Herrn unnd Freunden dise meine arbeit [...] / zugeschriebn.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
144, 29
(
Leipzig
1588
):
die ander Tugendt ist / Wenn sie sich jrer lieben Vnterthanen trewlich annemen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
132, 2, 4
(
schles.
,
1373
):
wir karl, [...], empiten Johel Rotlewin, [...] vnsirm leibin getrwen, vnsir gnade.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
vnd last mich wissen, ob vch libs gestorben sey.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1467
):
Den ersamen weysen unser lieben besunder burgermaister und ratte der stat Augspurg.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
Lieben herren, ewch bitt die gemain, daz ir mit ewer weisheit [...].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
308, 12
;
Bindewald, a. a. O.
150, 1
(4);
Vgl. ferner s. v.  3,  1.
3.
dient attributiv (auch in der Superlativform) in der Anrede oder (etwas seltener) in referierenden Substantivgruppen der Herstellung oder Einforderung von Höflichkeit, Verbindlichkeit, Vertrautheit bzw. der Charakterisierung einer Person des Nähebereichs (der Familie, der Dienerschaft, der engeren Lebensgruppe), dann: ›geliebt, lieb, wert‹ (oder dies formelhaft abschwächend);
vgl.  5.
Syntagmen:
j
. (z. B.
die frau
)
jm. l. sein
;
lieber bruder / man / son / herre / knecht / leser / nachbar, lieber Peter, liebe frau / mume, liebes kind, liebe diener / freunde / gesellen / kinder
(Klosterangehörige);
der liebe gemal / nachbar / vater / vetter, die liebe hausfrau / base
.
Wortbildungen:
lieberman
›dem Lehensherren angenehmer und bevorzugter Mann‹ (a. 1434/5),
liebvater
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
635, 4044
(
Magdeb.
1608
):
[DEr Koͤnig] Sprach auch die Krieger tapffer an / | Frisch auff sprach er / Jhr lieben Mann.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
118, 8
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Lieben fründe / jch wil es zü mal gerrne dün.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
durch daz, liebe sustere, ist uns vor zu warnene, [...] daz uns got an heiner zit nit insi abe kerende zu deme ubel.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Vnnd thun mich also hiemit, freundtlicher lieber läser, [...], zu deinen günsten befehlen.
Ulner
82
(
Frankf.
1577
):
Der toͤdlich Abgang deines lieben Gemahls ist mir von Hertzen leid.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
107
(
schles. inseldt.
,
1456
):
do sprach Maczko: liber Peter, ich gabe dir keÿne scholt eyn dan sachen.
Ebd.
684
(
1480
):
wÿ das ir mutter hot gesprochen off dem tot bette: liben kinder, ir sollet wessen, wÿ das [...].
Henschel u. a., Heidin
872
(
nobd.
,
um 1300
):
Vnd rvmet sich niht da bi | Wie libe im sin vrowe si.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
Mein willing dinst zw vor, lÿeber her Pirykamer.
Wickram
4, 14, 23
(
Straßb.
1556
):
Lieber nachbaur nit also / wir woͤllend guͤte liebe freundt mit einander sein.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 8
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
dar vmb, min liebes kint, daz din menschlich krankheit in der gnaͮd, [...] gesterket [...] werde.
Adrian, Saelden Hort
2886
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
liebvatter
[Bezug auf
Herodes
]
ich
[
tohter
, Salome],
bedarf, | so disu red stæt sin, | daz duͦ daz tuͦst mit aiden schin.
Bächtold, N. Manuel Krankh.
229, 8
(
1528
):
man brent den lieben selen weder öle, anken noch unschlit und tuͦt inen nüt guͦts nach.
Wyss, Luz. Ostersp.
10119
(
Luzern
1545
):
lieben diener, varend hin | vnnd teylend v̈ch in kreyss der wellt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
do er [Jesus] vil geng hin tet | mit seinen lieben jungern zart.
Rintelen, B. Walther
180, 30
(
moobd.
,
1552
/
8
):
Zu Außrichtung und Vollziehung diß meines lezten Willens [...] ordne ich vielgedachte mein liebe Haußfrau [...].
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
478
;
Perez, Dietzin
1, 203, 14
;
205, 14
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Roloff, Brant. Tsp.
78
;
Wyss, a. a. O.
549
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 600
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
18, 16
;
Vgl. ferner s. v. ,  2,  4,
1
 3,  1.
4.
als relativ festes, ansatzweise phrasematisiertes Attribut gebraucht für die Personen der Dreifaltigkeit, die Mutter Gottes und weitere gottnahe Personen, ütr. auch für Gottes Haltung (seinen
willen
), eine religiöse Institution (z. B. die Kirche) u. ä.; vielfach im Superlativ; oft in der Anrede; mehrfach mixtura verborum;
vgl.  11,  11.
Oft Texte der Sinnwelt ,Religion‘, auch ,Recht‘.
Phraseme
unsere liebe frau
, dazu weitere Bildungen:
unser lieben frauen bruderschaft / distelwasser
(eine Arznei)
/ himmelfart / tag
.
Syntagmen
(oft ansatzweise phrasematisiert):
der liebe got / herre / vater
;
der liebe son, das liebe haus / kind
(für Jesus Christus),
die liebe kirche / mutter, der liebe schaz
(für Maria),
die lieben altväter / heiligen / patriarchen / propheten / stifter, der liebe Alexius / Johannes
; mit mixtura verborum z. B.:
der liebe wille gottes
(mehrfach).
Wortbildungen:
liebergöttig
›jämmerlich‹ (a. 1651),
liebsehen
(subst.) ›liebendes Sehen‹.

Belegblock:

Alberus, Barf. (
Wittenb.
,
1542
):
Franciscus bat die Mutter Gottes vmb ein trost / da erschien sie jm mit jrem lieben Kinde.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vil libe here vnde god, hemelesche vater, sint daz duͦ vns zuͦ diner hoen gotheit [...] getelet hast, des sistuͦ iuͦmber gelouͦed.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz ich in disem gegenwertigen nû vrî und ledic stüende nâch dem liebesten willen gotes.
Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
1496
):
die kertze, die sij zo den Minrebroederen in de broderschaft Unser liever Frouwen [...] geordeniert.
Beckers, Bauernpr.
56, 6
(
Köln
1515
/
18
):
ITem regenet es an vnser lieuen frauwen dach als sy oͤuer dat geberch ginck.
Ebd.
59, 30
:
sal he kriege͂ dat ewich loin | Mit allen lieuen heil’gen in de͂ oͤuerste͂ throin.
Rosenthal. Bedencken
35, 26
(
Köln
1653
):
Wann deine liebe Kirch / in jhrer wolgemeinter Andacht verspottet wirdt.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Ach thuͦ dich mein erbarmen, | Du lieber trewer Got.
Daß ich gepflantzt im lieben haus des Herren | Fein gruͤnen mag, [...] | Von fruͤchten reich.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1439
):
das kayn burger [...] uff die hochgetzijde, Unsrer Lieben Frauwen tage, sondage, der aposteln tage und anderer heilge tage [...] keynerlei werglich arbeid tun sulle.
Dubizmay, kurß zu Teutze
2, 2
(
hess.
,
1463
):
Ditz ist der Kurß zu Teutze von vnser lieben frawen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Dirre ist mîn lîber sun in dem ich mir habe behagit
[
Luther
1545:
wolgefallen habe
].
Reichmann, Dietrich. Schrr.
81, 1
(
Nürnb.
1548
):
Lieber Vater / laß deinen gnedigen willen vber vns gehen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz du, truter herr, ein sunderliches minnekliches liebsehen uf mich hetist.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
der liebe sant Alexius ein arm verworfen lidig abgescheiden versmehet leben fuͦrte.
unsere lieben stiftere, die heiligen großen gottes frúnde, uns vil [...] alle eigenschaft widerroten [...] hant.
Warnock, Pred. Paulis
12, 85
(
önalem.
,
1490
/
4
):
wie hailgklich [...] die lieben altvätter, patriachen und propheten lebtend.
Bauer, Geiler. Pred.
102, 19
(
Augsb.
1508
):
daz haisset kain vermessenhait / wann er ist gehorsam, dem liebsten willen gottes.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
7, 20
(
noobd.
,
1347
/
50
):
der [feurein himel] hat kainen lauf, sunder got ruͦt mit seinen lieben darinne.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 51
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
[Got] Hat ie hievor der minne pfeil | drei ganz person so gar subteil | geloket zu der liben eil.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1638
):
der fürnembste patrocinium und kürchtag ist am suntag nach Unser lieben frauen himelfart.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
44, 5
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Vnser lieben frawen distel wasser Item das wasser ist gut, welcherlaj prechen der mensch in im hat.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
125, 26
;
Dubizmay, a. a. O.
77, 17
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Eichler, Ruusbr. steen
453
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
36a, 5
;
Vgl. ferner s. v.  1, .
5.
›jm. wichtig, angelegen, teuer; wertvoll (von Vorhandenem); innig erwünscht, ersehnt (von Unsicherem oder nicht Vorhandenem)‹;
vgl.  56.
Syntagmen:
jm. etw
. (z. B.
die sele
)
lieber sein, den [...], jm. l. zu lernen sein
;
jn. l. halten
;
der liebe friede / wille, die liebe freiheit, das liebe Asia / teutschland / getreide
.

Belegblock:

v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
22, 20
(
omd.
,
1487
):
Dem nach laß dÿr dein ßele lÿeber sein, den leÿpp adder leben eins andern.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
241b, 36
(
Frankf./M.
1649
):
Vnser liebes Teutschlandt hat diese Exempel gesehen / vnd kans niemãd wieder sprechen.
Logau. Abdank.
163, 21
(
Liegnitz
1651
):
[haben] nichts so inniglich und hertzlich erseufftzet / [...] / alß den lieben FRJEDE.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
daz du [herre] mir gebest zvͦ tvͦnde was din aller liebester wille si.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein diener der seinen herren Lieb halt [...].
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die sinnereichen schuoler, den haiz und lieb ze lernen ist.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
damit daß liebe getrait desto sicherer ohne schaden möge stehn.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
537, 979
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
118, 3
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
381, 3737
;
Henschel u. a., Heidin
887
.
6.
›geliebt, erotisch begehrt (mit Bezug auf die geliebte Frau gesagt); verliebt (von der Haltung des Mannes)‹;
vgl.  4,  89.
Syntagmen:
jm. l. sein / werden
;
jn. l. gewinnen
;
der liebe blik / gedanke / grus / lust, die liebe braut / frau / sonne, das liebste ein, das liebe Mäzlein / weib, der liebste mein
.
Wortbildungen:
liebäugeln
›liebevoll auf jn. blicken; jn. erotisch begehrend anschauen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Das es nicht mus geschielet, sondern liebeugelt heissen.
Ebd. (
1537
):
wenn man spricht: Syhe dein Sone schilet, So spricht der Vater: Eß lieb ewgelt.
Pyritz, Minneburg
1761
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die frawen rant ich undervorcht | Do an mit lieben blicken.
Gille u. a., M. Beheim
68, 1
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die liebste mein | macht mir gross pein | und sendlich leiden.
Wiessner, Wittenw. Ring
5208
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Triefnass andacht die was gross / Gen seines lieben Mätzleins schoss.
Klein, Oswald
18, 76
(
oobd.
,
1416
):
ich brunne, wenn mich hitzt die liebe sunne
[bezogen auf:
künigin, frowe, weib
]; |
Won ich ir bei, so ist unfrei mein mitt und mass.
Ebd.
47, 43
(
v. 1408
?):
zart liebstes weib, | den jamer hie vertreib.
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. II,
1164
(
tir.
,
1486
):
Ich
[ein
diabulus
]
haysz dy lewt springen an dem tancz | Und die pueben lieb augeln auf dy frawen.
Karnein, Salm. u. Morolf
4, 5
;
Henschel u. a., Heidin
1173
;
Klein, a. a. O.
1, 24
;
20, 18
;
20, 53
;
22, 128
;
42, 1
;
92, 38
;
97, 12
;
121, 27
.
7.
dient der nachsichtig liebevollen und zugleich distanzierenden Charakterisierung von Bezugsgrößen, die in einem gewissen Gegensatz zu
lieb
stehen.

Belegblock:

Gajek, Seidelius. Tych.
26, 27
(
Breslau
1613
):
Jst das nicht eine Antichristische rede, das die liebe einfalt geweiset wirdt, auf die schwachen Element der Welt.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
das jar ist mir worden so lang, | das liebe
›schwere‹
lange jar ist mir worden lang genueg.
Wickram
4, 10, 5
(
Straßb.
1556
):
Wann sie dann ausgelert haben / lauffen sie dahin wie das liebe
›unverschuldet unvernünftige‹
vieh / meinen sie habend ihre jar der lehr schon überkummen.