beichten,
(mit Rundungsschreibung vereinzelt:)
beuchten,
(archaisierend:
begichten
),
V.
1.
›jm. Recht widerfahren lassen, ein Urteil in seinem Sinne zukommen lassen‹.

Belegblock:

Große, Schwabensp.  (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Cůmet de, dem bichte her [Richter] recht.
2.
›beichten, gegenüber Gott oder einem Priester (als Verwalter des Bußsakramentes) unter der Voraussetzung der Bereitschaft zur Umkehr und in der Hoffnung auf Vergebung ein persönliches Schuldbekenntnis ablegen; (seltener:) etw. beichten, bekennen‹.
Phraseme
nas beichten
›unaufrichtig, vergeblich beichten‹, (am ehesten hier anschließbar):
bei dem henker beichten gehen
›peinlich befragt, gefoltert werden‹.
Gegensätze:
 2.
Syntagmen:
jm
. (z. B.
gotte, dem beichtvater / priester / pfarrer
)
b
.;
die / der
(vereinzelt)
sünde b
.;
dicke / gerne / lebend / gesund b
.;
in die gnade b
. ›in der Hoffnung auf Ablaßerteilung beichten‹; vereinzelt refl.:
sich (aller sünde) b., sich gegen jm. b., sich erlos b
.;
beichtender mensch
.
Wortbildungen:
beichtbuch
,
beichtlos
›ketzerisch‹ (in der Verbindung
beicht- und buslos
als Schlagwort der Reformation),
beichttafel
›Aufzeichnung begangener Sünden‹,
beichtzettel
›Bescheinigung über die vollzogene Beichte‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.  (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Man sol gote ê bîhten dan den menschen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
2226
(
rib.
,
1444
):
Zo vil onreynicheit ind stancks, | Ind dat is as gebiget ind beruwet overlangs.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth  (
Frankf.
1602
):
Er aber absolviret sie und gab ihr ein beichtzettel, mit seiner hand geschrieben, daß er hiervon niemand offenbaren […] solte.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
5573
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer nu sines mudes geweldet | das her di kuscheid reine heldet | unnd di andern haubt sunde nicht | bewaret, der had nass gebicht.
Schönbach, Adt. Pred.  (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
du solt din bicht tun vor dinem tode, lebendine und gesunt soltu bichten.
wanne wir dicke unsern herren got erzuͤrnen […], so ist daz billic daz wir dicke bichtin und uns bezzern.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
68, 14
(
omd.
,
1487
):
Wen tegliche sunde […] nÿmãt úorpflicht Jn sunderheitt zcu beichten noch zcu bussen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
sal der gerecht werden, der muß peichten und pußen kegen got, das er unrecht geschworen hat.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Leipzig
1537
):
der Suͤnd zu beichten eben, | So kommen wir ins ewig Leben.
Gille u. a., M. Beheim 
313, 6
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nun wil ich mich furpaz | gen ainem priester peichten.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
er sol gerne inne sin, nit uzwendig, nit vil geklaffen, nit maͤre sagen, gerne in kilchen sin, gern betten, gerne bihten und dike sin súnde flisseklich wainen.
Bihlmeyer, Seuse  (
alem.
,
14. Jh.
):
do hůb der morder an ze bihten und verjah im alle die totschlege und dú mord.
Do er die bihttavel us gelass, do stuͤnd ze hindrest dar an also.
e daz ich ú woͤlti bihten, ich woͤlte mir e lassen daz hopt ab schlahen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
In disem bichtent si, und den heiligen lichamen unsers herren enphohent si.
Wissent das das bichten und das stroffen ist recht als ein wunde die frisch ist und smirzet.
Ebd. (
E. 14. Jh.
):
das du tusentwerbe bihtest, es enhilffet dich nút.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
das sü zů jungest cristen wurdent und sich liessen touffen und bihtetent ire sunde.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
31, 16
(
Basel
1494
):
Bychten ist besser morn / dann hüt.
Morrall, Mandev. Reiseb. 
145, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Wen sie gesúndent hond, so bichtend sie irm priester; und wenn ainer hät gesaicht in sin huß, so getar kainer mer dar in kommen.
Ebd.
161, 7
:
sie sprachend uns messe, und wir bichtetend und namend all gottes fronlichnam.
Sappler, H. Kaufringer
17, 110
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
so sprecht ir, wenn ich peichte mich; | es ist pesser die sünd gelaun | dann alle tag ze peichten gaun.
Anderson u. a., Flugschrr.
29, 6, 19
([
Augsb.
]
1524
):
vnser prediger sagt man dürff nym̃er beten / den hayligen dienen / fasten / beychten / wallẽ / Meßhoͤren / Vigilg / Seelmessen / Jartagsstifftẽ Ablaß loͤßen / vñ sey kain gůt werck zůr saͤligkait nütz.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
wer in die gnad beucht, der můst so vil in die gnad geben, als vil ainer mit seinem hausgesind im haus verzert.
Ebd. (zu
1514
):
den fuert man aus und schlůg im das haupt ab. der gieng aus als ain viech, weder beicht noch bericht.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 54, 19
([
Augsb.
]
1548
):
Es kan sich ainer wol ehrloß beichten. Beichten / haißt begichten oder bejahen / das ist / Ja sagen und bericht thůn / deß darumb wir gefragt werden.
Ebd.
238, 11
:
Wann ain Pfaff oder Münch dem andern beichtet / so ists eben / als wann ain Hund dem andern flohet.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 570, 16
(
schwäb.
,
1588
):
setzen […] wir, daß ain jeder unser underton […] zu den osterlichen zeiten ainem pfarrer seine sünd beichte.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Phr. Bei dem Hencker beichte
[!]
gehen / carnifici confiteri, apud carnificem (nouercam) queri.
Wer (recht) beichtet / dem gibt man rechte buß. […]. Ein gar zu spate beicht / ist selten waare beicht. […]. Gebeichte vnd versuͤnte suͤnd ist keine suͤnd. Beichten ohne Rew / lieb haben one trew.
Fischer, Eunuchus d. Terenz  (
Ulm
1486
):
sie sagen allso. Wilt mich zetod fragen so laß mich vor beichten.
Barack, Zim. Chron.  (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie er gebeuchtet, also wardt im buess gesprochen.
˹Im Zusammenhang mit einer Wirtshausschlägerei: Klein, Oswald
105, 88
(
oobd.
,
1431
/
2
):
wer der keulen nicht empfand, | die si dar brachten in der hand, | wie wol des manger ward unfro, | der hett nicht wol gebeicht
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 479, 21
;
Thiele, Minner. II, 
10, 24
;
Neumann, a. a. O.
4894
;
Rieder, a. a. O. ;
Vetter, a. a. O. ;
Warnock, Pred. Paulis
28, 121
;
Müller, Lands. St. Gallen
88, 11
;
ders., Alte Landsch. St. Gallen ;
Koller, Ref. Siegmunds ;
Eschenloher. Medicus ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Klein, a. a. O.
39, 56
;
Schmitt, Ordo rerum 
603, 5
;
Dietz, Wb. Luther ;
Schmeller/F.
1, 200
;
Lepp, Schlagwörter.
1908, 104
.
3.
›jm. die Beichte abnehmen‹.
Wortbildungen:
beichthengst
abwertend für den die Beichte abnehmenden Priester (a. 1521),
beichtrat
›vom Beichtvater gegebener Rat‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Darumb sind unszer Bischoff unnd geystlichen beicht hengst nitt bedeuttet durch die priester, tzu den Christus disze auszsetzigen weyszet, szondern durch die, die sie habenn abwendet von Christo.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1447
):
sol darumb der obgenant kilcherre ein jegklich person […] bichten, verwaren und im sin rechtsami tůn.
Dietz, Wb. Luther ;
Franke, Luthers Wortlehre. .