beichten,
(mit Rundungsschreibung vereinzelt:)
beuchten,
(archaisierend:
begichten
),
V.
1.
›jm. Recht widerfahren lassen, ein Urteil in seinem Sinne zukommen lassen‹.

Belegblock:

Große, Schwabensp. 
225a, 8
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Cůmet de, dem bichte her [Richter] recht.
2.
›beichten, gegenüber Gott oder einem Priester (als Verwalter des Bußsakramentes) unter der Voraussetzung der Bereitschaft zur Umkehr und in der Hoffnung auf Vergebung ein persönliches Schuldbekenntnis ablegen; (seltener:) etw. beichten, bekennen‹.
Phraseme
nas beichten
›unaufrichtig, vergeblich beichten‹, (am ehesten hier anschließbar):
bei dem henker beichten gehen
›peinlich befragt, gefoltert werden‹.
Gegensätze:
 2.
Syntagmen:
jm
. (z. B.
gotte, dem beichtvater / priester / pfarrer
)
b
.;
die / der
(vereinzelt)
sünde b
.;
dicke / gerne / lebend / gesund b
.;
in die gnade b
. ›in der Hoffnung auf Ablaßerteilung beichten‹; vereinzelt refl.:
sich (aller sünde) b., sich gegen jm. b., sich erlos b
.;
beichtender mensch
.
Wortbildungen:
beichtbuch
,
beichtlos
›ketzerisch‹ (in der Verbindung
beicht- und buslos
als Schlagwort der Reformation),
beichttafel
›Aufzeichnung begangener Sünden‹,
beichtzettel
›Bescheinigung über die vollzogene Beichte‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
275, 5
 (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Man sol gote ê bîhten dan den menschen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
2226
(
rib.
,
1444
):
Zo vil onreynicheit ind stancks, | Ind dat is as gebiget ind beruwet overlangs.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth 
3, 332, 3
(
Frankf.
1602
):
Er aber absolviret sie und gab ihr ein beichtzettel, mit seiner hand geschrieben, daß er hiervon niemand offenbaren […] solte.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
5573
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer nu sines mudes geweldet | das her di kuscheid reine heldet | unnd di andern haubt sunde nicht | bewaret, der had nass gebicht.
Schönbach, Adt. Pred.
14, 23
 (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
du solt din bicht tun vor dinem tode, lebendine und gesunt soltu bichten.
Ebd.
19, 1
:
wanne wir dicke unsern herren got erzuͤrnen […], so ist daz billic daz wir dicke bichtin und uns bezzern.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
68, 14
(
omd.
,
1487
):
Wen tegliche sunde […] nÿmãt úorpflicht Jn sunderheitt zcu beichten noch zcu bussen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
131, 5
(
osächs.
,
1523
/
4
):
sal der gerecht werden, der muß peichten und pußen kegen got, das er unrecht geschworen hat.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 332, 6
(
Leipzig
1537
):
der Suͤnd zu beichten eben, | So kommen wir ins ewig Leben.
Gille u. a., M. Beheim 
313, 6
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nun wil ich mich furpaz | gen ainem priester peichten.
Rieder, St. Georg. Pred.
333, 27
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
er sol gerne inne sin, nit uzwendig, nit vil geklaffen, nit maͤre sagen, gerne in kilchen sin, gern betten, gerne bihten und dike sin súnde flisseklich wainen.
Bihlmeyer, Seuse 
80, 4
(
alem.
,
14. Jh.
):
do hůb der morder an ze bihten und verjah im alle die totschlege und dú mord.
Ebd.
100, 14
:
Do er die bihttavel us gelass, do stuͤnd ze hindrest dar an also.
Ebd.
136, 20
:
e daz ich ú woͤlti bihten, ich woͤlte mir e lassen daz hopt ab schlahen.
Vetter, Pred. Taulers
137, 35
(
els.
,
1359
):
In disem bichtent si, und den heiligen lichamen unsers herren enphohent si.
Ebd.
203, 16
:
Wissent das das bichten und das stroffen ist recht als ein wunde die frisch ist und smirzet.
Ebd.
396, 18
(
E. 14. Jh.
):
das du tusentwerbe bihtest, es enhilffet dich nút.
Chron. Strassb.
354, 19
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
das sü zů jungest cristen wurdent und sich liessen touffen und bihtetent ire sunde.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
31, 16
(
Basel
1494
):
Bychten ist besser morn / dann hüt.
Morrall, Mandev. Reiseb. 
145, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Wen sie gesúndent hond, so bichtend sie irm priester; und wenn ainer hät gesaicht in sin huß, so getar kainer mer dar in kommen.
Ebd.
161, 7
:
sie sprachend uns messe, und wir bichtetend und namend all gottes fronlichnam.
Sappler, H. Kaufringer
17, 110
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
so sprecht ir, wenn ich peichte mich; | es ist pesser die sünd gelaun | dann alle tag ze peichten gaun.
Anderson u. a., Flugschrr.
29, 6, 19
([
Augsb.
]
1524
):
vnser prediger sagt man dürff nym̃er beten / den hayligen dienen / fasten / beychten / wallẽ / Meßhoͤren / Vigilg / Seelmessen / Jartagsstifftẽ Ablaß loͤßen / vñ sey kain gůt werck zůr saͤligkait nütz.
Chron. Augsb.
5, 71, 22
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
wer in die gnad beucht, der můst so vil in die gnad geben, als vil ainer mit seinem hausgesind im haus verzert.
Ebd.
6, 19, 14
(zu
1514
):
den fuert man aus und schlůg im das haupt ab. der gieng aus als ain viech, weder beicht noch bericht.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 54, 19
([
Augsb.
]
1548
):
Es kan sich ainer wol ehrloß beichten. Beichten / haißt begichten oder bejahen / das ist / Ja sagen und bericht thůn / deß darumb wir gefragt werden.
Ebd.
238, 11
:
Wann ain Pfaff oder Münch dem andern beichtet / so ists eben / als wann ain Hund dem andern flohet.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 570, 16
(
schwäb.
,
1588
):
setzen […] wir, daß ain jeder unser underton […] zu den osterlichen zeiten ainem pfarrer seine sünd beichte.
Henisch
255
(
Augsb.
1616
):
Phr. Bei dem Hencker beichte
[!]
gehen / carnifici confiteri, apud carnificem (nouercam) queri.
Ebd.
256
:
Wer (recht) beichtet / dem gibt man rechte buß. […]. Ein gar zu spate beicht / ist selten waare beicht. […]. Gebeichte vnd versuͤnte suͤnd ist keine suͤnd. Beichten ohne Rew / lieb haben one trew.
Fischer, Eunuchus d. Terenz 
97, 15
(
Ulm
1486
):
sie sagen allso. Wilt mich zetod fragen so laß mich vor beichten.
Barack, Zim. Chron. 
3, 517, 28
 (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie er gebeuchtet, also wardt im buess gesprochen.
˹Im Zusammenhang mit einer Wirtshausschlägerei: Klein, Oswald
105, 88
(
oobd.
,
1431
/
2
):
wer der keulen nicht empfand, | die si dar brachten in der hand, | wie wol des manger ward unfro, | der hett nicht wol gebeicht
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 479, 21
;
Thiele, Minner. II, 
10, 24
;
Neumann, a. a. O.
4894
;
Rieder, a. a. O.
5, 31
;
Vetter, a. a. O.
398, 25
;
Warnock, Pred. Paulis
28, 121
;
Müller, Lands. St. Gallen
88, 11
;
ders., Alte Landsch. St. Gallen
88, 11
;
Koller, Ref. Siegmunds 
57, 13
;
Chron. Augsb.
3, 325, 5
;
16
;
465, 17
;
Eschenloher. Medicus
13, 13
;
Dirr, Münchner Stadtr. 
114, 1
;
Klein, a. a. O.
39, 56
;
Schmitt, Ordo rerum 
603, 5
;
Volkmar
203
;
Dietz, Wb. Luther
1, 239
;
Schwäb. Wb.
1, 789
;
Schmeller/F.
1, 200
;
Lepp, Schlagwörter.
1908, 104
.
3.
›jm. die Beichte abnehmen‹.
Wortbildungen:
beichthengst
abwertend für den die Beichte abnehmenden Priester (a. 1521),
beichtrat
›vom Beichtvater gegebener Rat‹.

Belegblock:

Rennefahrt, Statut. Saanen
68, 13
(
halem.
,
1447
):
sol darumb der obgenant kilcherre ein jegklich person […] bichten, verwaren und im sin rechtsami tůn.
Dietz, Wb. Luther
1, 239/40
;
Schweiz. Id.
4, 1010
;
Franke, Luthers Wortlehre.
1914, 118
.