nahe,
Adj.
/
Adv.,
in 6
Präp.;
Komp.:
näher
, Sup.:
nächst
, subst. und häufig belegt:
nächster
; Schreibungen mit
-ch-
auch im Positiv und Komparativ begegnend; hohe Formenvarianz; generelle Tendenz zur Phrasematisierung sowie zur semantischen Spezialisierung. - Bed. 1-7 überwiegend räumlich bestimmt oder tropisch als räumlich bestimmt assoziierbar; 8-12 zeitlich, 12-14 sozial bestimmt, damit an den Raumgedanken anschließbar; 10-14 vielfach bis nahezu ausschließlich im Sup. belegt:
der nächste
.
1.
›räumlich nahe‹ (von Personen / Sachen im Hinblick auf ihre räumliche Situierung zu einer anderen Person oder Sache gesagt); am ehesten hier als Spezialisierungen anschließbar: ›tief unter die Haut gehend‹ (von einem Messer; ütr.); ›als Nächster erreichbar‹; ›nächstfolgend‹ (von Buchseiten, räumlich gesehen); ›nächstliegend‹ (ütr.; Teil des folgenden Phrasems).
Phraseme:
es bei dem nächsten bleiben lassen
›es beim Nächstliegenden bleiben lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
(s. v. ), , , .
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
n. anstossen
›angrenzen‹,
etw. / j. n. (bei jm. / etw.) sein, n. bei einander stehen, die vögel got n. sein, sich als n
. [wohin]
legen, das [...], j. n
. [wo]
stehen, den nächsten ansprechen, n. zu jm. kommen, j. js. zaun zu n. kommen, jm. zu n. holzen, stroh n. zu feuer tun
; subst.:
j. in das nahe sehen
;
der nächste markt / nachbar / umsässe / weg, die nächste stat, nahe völker
;
nahe bei der brücke / stat, bei einem land, nächst vor dem tor
.
Wortbildungen:
nächstgelegen
,
nahegelegen
,
nahegesessen
.

Belegblock:

Schöpper
42a
(
Dortm.
1550
):
¶ Prope. Vnfern nahe nahend ruͤrends anstoͤssig.
Mieder, Lehmann. Flor.
839, 2
(
Lübeck
1639
):
So neher dem Vngluͤck / so frecher ist der Mann.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 156, 9
(
Köln
1582
):
Auch nachbarn nahgesessen | Bin ich ein schmach vnd spott.
Sachs
20, 355, 3
(
Nürnb.
1563
):
Da bekamen in nächst darvor
[vor dem
statthor
]
| Wägen mit harnisch und mit wehr.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2442, 17
(
Nürnb.
1610
/
8
):
wenn er nur ein Karten sicht, | Den nechsten bey jm er balt anspricht.
Päpke, Marienl. Wernher
7397
(
halem.
,
v. 1382
):
Nu warent nache da bi in | Hirte.
Maaler
12v
(
Zürich
1561
):
Die Alb naͤchst darbey entspringt die Donauw.
Ebd.
301v
:
Jch wil es bey dem Naͤchsten bleyben lassen. Longior esse nolo.
Chron. Augsb.
8, 455, 7
(zu
1563
):
daß sie [todtengrebel] [...] alle befleckte und abgestorbne [...] zuͤ dem nechstgelegnen thor [...] tragen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
608
(
oobd.
,
1607
/
11
):
9 stuckh täfelein [...] an der nechsten seitten des blats.
Turmair
4, 385, 24
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das unser vorvodern auf [...] aren geier raben acht gaben, dieweil dieselbigen stäts oben in den lüften hin und her fliegen, demnach got nächner [...] sein.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
185, 31
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
demselben soll si [frau] ihr schmach und angelegte unehr anzaigen und si bitten, mit ihr zu dem negsten richter zu gehen.
Mell u. a., Steir. Taid.
98, 30
(
m/soobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
das chain nachpaur dem anderen seinen zeun [...] mit ichte ze nachent komen sol.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
46, 23
(
tir.
,
1464
):
da nu der priester nachen zu im cham, da [...].
Ziesemer, Proph. Cranc Bar.
4, 14
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 155, 8
;
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
264, 29
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
634, 3991
;
Lappenberg, Fleming. Ged.
183, 45
;
Karnein, Salm. u. Morolf
85, 2
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
19, 3
;
Fastnachtsp.
361, 31
;
Argovia
9, 117, 29
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
164, 4
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 524
;
Chron. Augsb.
4, 441, 4
;
5, 15, 11
;
339, 4
;
Leidinger, V. Arnpeck
459, 9
;
Turmair
1, 370, 6
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 60, 19
;
358, 33
;
3, 447, 14
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
11, 39
;
Maaler
296v
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
prädikativ (seltener), als subjektbezogenes präd. Attr. (häufiger) oder als Adv. (seltener) im Sinne von ›nahe, eng, dicht‹ gebraucht, im einzelnen sowohl ›bedrängend‹ wie ›innerlich berührend‹; anschließbar an 1.
Phraseme:
es komt jm. nahe
›j. kommt in Bedrängnis‹;
kein scharschach
›Schermesser‹
schneidet näher
›schärfer‹.
Syntagmen
(teils ansatzweise phrasematisiert):
etw. ist n., geht jm. n. zu herzen
›geht zu Herzen‹,
jm. / dem rate etw. zu nahe sein
›mißfallen‹,
jm. mit worten / werken zu n. sein
›zu nahe treten‹,
jm. näherlich reden
›eindringlich zureden‹,
jm. etw. (zu) n. gehen / liegen
›jn. rühren, jm. zu Herzen gehen, am Herzen liegen‹,
j. näher faren wollen
›Übergriffe begehen wollen‹,
j. jm. zu n. treten
›jn. aufbringen‹,
j. jm. n. reden
›eindringlich zureden‹,
der obrigkeit zu n. greifen
›zu nahe treten‹,
die gemüter / herzen sich n. zusammen richten
›eng zusammenhalten‹;
das nahe warnemen
›die Bedrängnis‹.
Wortbildungen:
nähen
2.

Belegblock:

Luther, WA
21, 367, 27
(
1544
):
das were meinem lieben HErrn Christo zu nahe, das er solt seinen gang umb sonst gethan.
Ebd.
22, 173, 26
:
Er
[Gott]
redet sonderlich nahe beide, den Kluͤglingen und nase weisen Splitter Richtern der Christen.
Ebd.
32, 33, 10
(
1530
):
es kompt dem guten Christoffel so nahe, das er schier drob erseufft.
Reissenberger, Väterb.
34256
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Die werlt ist manigen enden vol | Guter lute hie und da, | Den Gotes geloube lit vil na.
Froning, Alsf. Passionssp.
4162
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das ist nahe und gut | und erfrawet sere mer den mut!
Ebd.
5527
:
hie [Jhesus] was gerecht zu aller zyt: | darumb mer syn leyt nahe lyt!
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
345b, 8
(
Frankf./M.
1649
):
daß mit solchen reden der Obrigkeit zu nahe gegriffen wuͤrde.
Opel, Spittendorf
475, 7
(
osächs.
,
um 1480
):
das seine gnade das ander theil [...] zu sich bringen welde, das unser burger haben solte [...], das were dem rathe und uns zu nahe.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
105, 37
(
nobd.
,
1475
):
were es, das uns die vogtherren zu nahe wolten greifen, so sein wir das zu clagen meinem herrn.
Vetter, Pred. Taulers
308, 4
(
els.
,
1359
):
die lage und daz nohe warnemen die der vigent dem menschen anleit.
Chron. Strassb.
64, 21
(
els.
,
1362
):
die klage ginge nieman so nahe alse dem von Eschebach.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 189, 27
(
Hagenau
1534
):
Niemandt zu nahe sein / weder mit wortten und wercken.
Chron. Augsb.
7, 135, 14
(
schwäb.
, zu
1548
):
brauchen sie sich irer oberkait, [...], so unmenschlich scharpf, daß kein scharschach necher schneid.
Ebd.
267, 5
(zu
1552
):
damit sich beder thail gemueter und hertzen dester nehner zuͤsamen richten.
Winter, Nöst. Weist.
3, 579, 5
(
moobd.
,
1375
/
1406
, Hs.
16. Jh.
):
Ob iemants erber, [...], der naher wolt faren oder soliche sachen hantlet der nit zerdulden wär, [...], die soll der richter [...].
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
94, 21
(
moobd.
,
1478
/
81
):
mocht sy sich wainens nicht enthalten, das dem künig nach zu hertzen gieng.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
16193
.
3.
›ähnlich‹, gesehen als ›räumlich nahe, in unmittelbarer geistlicher Nachbarschaft zu einer religiösen Bezugsperson oder -größe‹ bis hin zu: ›ihr wesensähnlich, wesensgleich‹; damit auch: ›unmittelbar‹; ›höchstmöglich‹; als Ütr. zu 1 auffaßbar.
Meist Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , (Adj.),
1
,
1
(Adj.) 15,  3,  4,  1, , .
Syntagmen:
got n. unserem gemüte sein, j. / der engel, eine substanz, die sänftmütigkeit got n. sein, j. Christo n. sein, got n. werden
;
die sele Christi aller nächst zu gotte gefügt sein, die natur n. in die sele kommen, der mensch got mit der liebe n. kommen, j. n. in das bild Christi sehen
; subst.:
das nächste bejahen, nichts näheres finden denne [...]
;
das nächste
(Subj.)
jm. werden
;
die nächste bereitung / warheit
.

Belegblock:

Schöpper
103b
(
Dortm.
1550
):
Conforme. [...] gleichfoͤrmig ¶ aehnlich gleich gemäß gezem zureimig fuͤglich / ebenfuͤgig.
Quint, Eckharts Pred.
1, 360, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dennoch der oberste engel, swie nâhe er gote ist und swie sippe und swie vil er gotes in im habe – sîniu werk sint stæte in gote, er ist geeiniget in gote an einem wesene.
Ders., Eckharts Trakt.
52, 16
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sô der mensche würket alliu sîniu werk durch got, sô ist dâ got daz mittel und daz næheste der sêle.
Ebd.
118, 18
:
Hitze des viures und wesen des viures sint gar unglîch und wunderlîche verre von einander in der natûre, aleine sie gar nâhe sint nâch der zît und nâch der stat.
Sermon Thauleri
5ra, 13
(
Leipzig
1498
):
Wan wenne dy crefft der sele ruren die creaturen. so nemen sie vnd schopfen bilde vnd gleichniß von der creatur. vnd tzihen dz in sich. [...] Nicht neher mag die creatur kommen in die sele Noch nymmer genahet die sele keyner creatur.
Bihlmeyer, Seuse
115, 29
(
alem.
,
14. Jh.
):
waz der
[
liebes kind
, Jesus]
úber in
[den
heiligen menschen
]
verhenget, das ist und wirt sin nehstes und sin aller bestes.
Ebd.
438, 2
:
Ich [...] vinde nút nehers, denne daz sich ein mensche wislich und ordenlich allen dingen, als verre er mag, entsage.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
164
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
O herr, du solt mir sagen, | Wo mit ich das nächst mug beiagen.
Ebd.
168
:
Der dürch minen willen lät er und güt | [...] | Dem mag das nächst werden.
Vetter, Pred. Taulers
63, 15
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die senftmuͤtikeit die ist Gotte nach, die hoͤrent Gottes stimme.
Ebd.
65, 17
:
die gerne woltent wissen den allernehsten
[›schnellsten, kürzesten‹, vgl. 1]
weg zuͦ der nehsten
[›höchsten, unmittelbaren‹]
worheit.
Ebd.
70, 26
:
Nu sich in das minnencliche bilde unsers herren Jhesu Cristi vil neher und vil tieffer wenn ich dich geleren kann.
Ebd.
90, 28
:
Dis wer die neheste und die woreste bereitunge den heiligen geist zuͦ enpfohende.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
59, 22
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
die sele Jesuses Christi, die da waz zuo gotte aller nahst gefüeget under allen creaturen, die redelich sint, so enphahet ouch er die allermeisten infliezunge der gnaden.
Höver, Bonaventura. Itin. B
7
(
moobd.
,
1450
/
60
):
hie ist pilleich ze verwundernn, seid got also nachant vnd jnnig ist vnseren gemuͤtten, warvmb so wenig gefunden werden, die das erst begynne, got, jn jn selbs spechent sein.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
38, 2
(
München
1528
):
Mit nichte kumbt der mensch nachner zuo got dann mit der lieb vnd freyem willen, den Got von ewikait in jm hat vnnd dem menschen mittailt.
Bauer, Imitatio Haller
68, 12
(
tir.
,
1466
):
so soltest du dir vil e aus erwellen die truebsal vnd widerwertikhait der welt denn die trostung vnd gelükchsellikhait der welt, wand du werest Kchristo vil nëhner vnd geleicher.
Luther, WA
21, 462, 6
;
Jostes, Eckhart
5, 19
;
Morgan u. a., a. a. O.
43, 20
;
86, 5
.
4.
›genau, auf das genaueste‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1.

Belegblock:

Luther, WA
41, 609, 5
(
1536
):
Is etiam bene sagittarius getroffen und gewunnen, qui zum nechsten geschossen.
Erben, Omd. Chrestomathie
32, 11
(
omd.
,
1489
):
wer den tzirkel ruret, der behelt einen nahen.
Bihlmeyer, Seuse
166, 12
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz sú [menschen] ir selbs in nahlicher wise nit alle zit war nement, uf ein ieglich puntlin sich ze huͤten vor straflichen dingen.
Maaler
301v
(
Zürich
1561
):
Ein ding Naher besichtigen.
5.
›beinahe, nahezu, fast‹; semantisch über die Assoziation ›nahe‹ an 1 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
 8,
2
 22, .
Syntagmen:
n. fallen / sterben, n. tot sein
, [wo]
liegen, n. nichts behalten, n. eine stat gewinnen, das j nahe einem g ausgesprochen werden, die predig n. 3 stunden wären, die röcke eine spanne n. über den knien sein, sich n. der gleichen nar
›Narrheiten‹
begehen, n. kein stein bei dem anderen bleiben, js. schein n. der sonne gleichen, n. ein schweigen sein, ein wort n
. [zu einem anderen]
kommen, got viel n. ich werden
;
n. zwei hundert, alle monat, x tage / minuten, stunden, n. x zol
;
n. gleich
;
n. das halbe teil
;
n. als viel / weit, als [...]
; ˹
viel / gar nahe
˺ ›fast‹; auch: ›kaum‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
814
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der hete [...] | Der werlde na daz halbe teil.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 683
(
Köln
um 1490
):
trad he in de kruken vul melk, und hadde ne gevallen.
Froning, Alsf. Passionssp.
1684
(
ohess.
,
1501 ff.
):
ich was vil nach vortorben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
einen guten, [...] freunt zu finden ist nahent geleich mügelich auf erden worden.
Strauch, Par. anime int.
63, 35
(
thür.
,
14. Jh.
):
also bekennit der engil Got alse he sich selber bekennit an alliz mittil. so muz Got vil noch ich werdin.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang.
1, 20
(
osächs.
,
1343
):
wan iz sint vil nâ alse vil exemplêre alse bûchere.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 162, 26
(
obd.
,
1525
):
geb im got beul! er hat nach alle monat ein neue [beiligerin].
Chron. Nürnb.
4, 192, 7
(
nobd.
,
15. Jh.
):
da verprent er auf dem Markt noch seiner lateinischen predig, die weret nochen 3 gancz stund.
Lemmer, Brant. Narrensch.
79, 3
(
Basel
1494
):
Sie sygen jnn der narren rott / Sie bgont sich noh, mit glicher nar.
Chron. Augsb.
3, 213, 20
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
bei liechtem tag satzt sich der turn selb nider, das gar nach
[hier: ›kaum‹]
ain stain bei dem andern nit beleib.
Drescher, Hartlieb. Caes.
345, 21
(
moobd.
,
1456
/
67
):
das sy all ir gült und pfründ armen leẅten raichett und ir nachett gar nichts zu leiplicher narung behyelt.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
104, 2
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Do der haiden also Karolum gewaffent sach, des was er nach ertobt.
Moscouia
B 1r, 40
(
Wien
1557
):
J. wirt oͤffter nahend ainem G. ausgesproche͂ / als Jausa / Jaroslaw / Jam͂a.
Ebd.
C ivv, 24
:
so dieselben Wenden oder Slauen ainen Khaiser KESSAR nennen / khumbt es gar nahend zu dem CZAR.
Wyss, Limb. Chron.
39, 3
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
83, 21
;
Chron. Nürnb.
4, 19, 15
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
210, 25
;
441, 14
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
55, 16
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 266, 4
;
Koppitz, Trojanerkr.
1372
;
Päpke, Marienl. Wernher
552
;
Chron. Augsb.
5, 330, 30
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
31, 23
;
56, 14
;
Leidinger, A. v. Regensb.
600, 22
;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
447
.
6.
dient als Präp. dem Ausdruck des Zusammenwirkens zweier Größen bei der Bewältigung / Gestaltung von Daseinsverhältnissen: ›neben, nächst, nebst, außer, samt, zusammen mit einem Zweiten‹; jeweils räumlich gedacht, anschließbar an 1.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
345, 2
(
Wolfenb.
1594
):
Negst diesem ehret ewern Vater vnd Mutter.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
565, 1865
(
Magdeb.
1608
):
Negst einem Gottseligen Todt / | Jst Fried das Edelste kleinoth / | Das vns Meusen hie kan zustehen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
654, 28
(
thür.
,
1421
):
das her vier gantze wochin zu bette lagk (unde seyne ertzte nehist gote on kume bey dem leben behilden).
Opitz. Poeterey
26, 14
(
Breslau
1624
):
denn die Frantzosen nechst den Griechen hierinnen meister sindt.
Peil, a. a. O.
293, 1018
;
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 12, 24
.
7.
›räumlich oder zeitlich kurz, auf kürzestem Wege, direkt, schnell‹; teils keine klare Unterscheidung zwischen zeitlicher oder räumlicher Kürze möglich.
Phraseme:
als nächst [...]
›sobald [...]‹;
den nächsten
›auf kürzestem Wege‹;
das näheste
›schnellstens‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 378, 42
(
rhfrk.
,
1429
):
dar nach nar
[weniger, kürzer]
dan ein jor wart man gewar, wi sich Ebirhart Windecke zu Brespurg [...] gehalden hatte.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
732
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Es wär ain năher weg zü got, | Der si hielt nach sim gebot.
Bachmann, Haimonsk.
55, 12
(
halem.
,
1530
):
wilt mir volgen, so wend wir den nechsten gen Dordonna zuo unser muotter.
Ders., Morgant
304, 29
(
halem.
,
1530
):
er were ein geyst, der inn necher
[›in weniger als‹]
dann inn drey tagen an Rontzefal tragen wett.
Maaler
301v
(
Zürich
1561
):
Der Naͤchst oder kuͤrtzest waͤg.
Sappler, H. Kaufringer
3, 587
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
auf ainen weg ich da gestieß, | der daucht mich vil näher sein.
Turmair
5, 81, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Karl eilet fluchs auf den ruck den feinden nach, das nähist auf Paris zue.
Winter, Nöst. Weist.
1, 845, 10
(
moobd.
,
1573
):
thät er damit schaden, so komb er an ains willen als negst rer mag.
Roder, Hugs Vill. Chron.
103, 34
;
132, 33
.
8.
›zeitlich nahe, kurz bevorstehend‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Enders, Eberlin
3, 39, 15
(
Erfurt
1523
):
Auch sol man dem geytz yn kauffmanschatz eyn maß setzen, dan der yungst tag ist nha.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
4, 29
(
osächs.
,
1343
):
zuͦhant sendet her di sichelin, wan nâhe
[
Mentel
1466:
engegenwurtig
; Var. 1475
2
-1518:
gegenwwurtig
;
Luther
1545:
da
]
ist die erne.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
23, 10
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
wie der summer durch sein zaichen erkhennt wirth / [...] wie nahet er ist / allso [...].
Glatz, Chron. Bickenkl.
37, 31
(
önalem.
,
um 1640
):
der Todt, dem du vielleicht am nächsten bist, wann du vermeynest am weitesten davon sein.
Bechstein, a. a. O. Mt.
26, 14
; Mk.
13, 28
;
Dietrich. Summaria
19r, 11
.
9.
›einem vorausgesetzten Zeitraum oder einem zeitlichen Orientierungspunkt kurz vorausgehend, jüngst, kürzlich, vor kurzem, unlängst, neulich‹; teilweise auf den letzten einer Reihe von Zeitpunkten bezogen, dann: ›zuletzt‹.
Phraseme:
am nächsten, zu dem nächsten
;
am eritag / auf den x.ten tag nächst vergangen
(mit Ellipse eines Bezugszeitraumes).
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  6),  4,  1, .
Syntagmen:
j. vernam nächst [...], j. war nächst [...], hat nächst
[etw. getan];
am nächsten sontag
›am vergangenen Sonntag‹.
Wortbildungen:
nächstergangen
,
nächstgehalten
,
nächstgeleden
(s. v.
2
, V.),
nächstgetan
,
nächstübergeben
,
nächstvergangen
,
nächstverschieden
,
nächstverschienen
,
nächstvorbeschrieben
,
nächstvorgehend
(teils getrennt geschrieben),
nählingen
.

Belegblock:

Schöpper
46a
(
Dortm.
1550
):
Nuper. Jüngst nähist vnlangst vor vnlangem zu nechst newlich kuͤrtzlich.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 174, 29
(
preuß.
,
1411
):
3½ mark eime löuffere [...] uff Pfingesten nehestleden.
Luther, WA
30, 3, 424, 5
(
1531
):
es hat Martin Luther ein Buͤchlein außgehen lassen widder Kaiserlichen Abschiedt nehstgehaltenen Reichstages.
Ebd.
32, 94, 3
(
1530
):
Weil man heut auff den tage kein sonderlich Euangelion hat, wollen wir ein stucke aus dem, das man am nechsten Sontag gepredigt hat, borgen.
Ebd.
33, 63, 9
(
1530
):
Nechst haben wir gehöret, was der herr den Juden geantwortet hat, die [...].
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1596
(
rib.
,
1444
):
dat was sij ouch vur waere, | As ich na vernam offenbaere.
Ebd.
1762
:
Id is nauwe dat ir nyet en raist, | Id schynt ir sijt nelyngen verdwaist.
Gropper. Gegenw.
18v, 1095
(
Köln
1556
):
Das alß dan vff die negste vorgehende vnd negstfolgende wort des orths fleissig vffmirckens zu haben ist.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
127, 30/32
(
thür.
,
1474
):
sprechin wir schephin zcu Lipcck uff solliche schriffte zcu lutterunge vor recht unnsers nestgethanen rechtsspruchs: Sintdemal Peter, [...], in unnserm nestirgangen rechtspruche zcuerkant worden ist, daz [...].
Ebd.
142, 31
:
daz derselbige Nicolaus [...] im nehestvorgangen jare unde sterbin todes halbin vorfallen ist.
Opel, Spittendorf
283, 9
(
osächs.
,
um 1480
):
meine herrn [...] haben mir befolen, zu sagen, so dieser handel vor unserm herrn von Magdeburg am nechsten vorblieben ist, das man seine gnade noch einmahl [...] ersuchte und bitte, das [...].
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Rebh.
44, 80
(
Zwickau
1536
):
eine witwe in der gaßen, | welche nechst ir man verlaßen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 284, 36
(
Straßb.
1522
):
Zuͦ dem nechsten waren wir auch hie.
Edlib. Chron.
3, 19
(
ohalem.
,
um 1500
):
dieselben land namlich utznach mit dem schloss von unsser gnädigen frowen geschenkt und geben wurden ist uff den zwentzigosten tag nächst vergangen.
Enders, Eberlin
1, 114, 36
([
Basel
1521
]):
wo er [mensch] aber also stirbt, so soll es [testament] sein wie ers am naͤsten gemacht hat.
Chron. Augsb.
2, 357, 33
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
als ir uns yetzo nächst etlich laͤuff des hofes in lantmanswise [...] geschriben [...] haben, wie [...].
Ebd.
4, 382, 14
(
v. 1536
):
wie wir uns in unser negstübergeben andtwurt erpotten.
Ebd.
5, 177, 10
(
1523
/
7
):
das hett man von dem kaiser Karel im nächsten reichstag erlangt.
Ebd.
8, 78, 8
(zu
1560
):
wölche personnen alhie in dem nechstverschinen 1559. [...] panckarota gemacht.
Pfaff, Tristrant
162, 12
(
Augsb.
1498
):
in der zeit, als herr Tristrant nehst bey ir gewesen was.
Luther, a. a. O.
30, 3, 279, 13
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
142, 20
;
Chron. Nürnb.
3, 99, 3
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
145, 20
;
Bolte, a. a. O.
1, 333, 29
;
2, 24, 7
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
262, 11
;
Chron. Augsb.
1, 58, 8
;
197,
Anm. 1;
7, 229, 11
.
10.
›von einem Orientierungszeitpunkt aus gesehen in kürzestmöglicher Zeit, schnellstmöglich, auf der Stelle‹.
Phraseme:
˹
den nächsten, auf das nächste, zum nächsten
˺ ›schnellstmöglich, unverzüglich, sofort, auf der Stelle‹;
als nächst man kan / mag
;
es ist bei dem nächsten
›es ist höchste Zeit‹.
Bedeutungsverwandte:
 35, , .

Belegblock:

Schöpper
45b
(
Dortm.
1550
):
Propediem. Schierst nechst bäldst.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
73, 14
(
nobd.
,
1523
):
auch hat er macht, solchs drey oder vier wochen aufzuschlagen, auch, ob von nothen were, neher ein gericht zu sitzen.
Sachs
17, 55, 25
(
Nürnb.
1553
):
ich wil solches enden frey, | Wil den nechsten in garten gehn.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 468, 10
(
Straßb.
1466
):
Do derschracke nabuchodonosor der kúnig vnd stuͦnd auff nechern
[
Luther
1545, Dan. 3, 24:
eilends
].
Goedeke, Fischart Flöh Haz,
1601
(
Straßb.
1594
):
Den nechsten ainer ainem knaben | Thet unter das gewantlin traben.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
155, 2
(Hs.
A. 15. Jh.
):
‚So wil ich denn besorgen daz kleine kindelin.‘ | ,Ez ist nun bei dem nehsten,‘ sprach die kunigin.
Chron. Augsb.
8, 467,
Anm. 4 (
schwäb.
, zu
1564
):
haben [...] sich gemaine gläubiger [...] uf ir, der Herbrot, begeren mit abschlegiger antwort den nechsten resolvirt.
Winter, Nöst. Weist.
2, 479, 32
(
moobd.
,
1613
):
und soll daz viech lösen von richter auf das nehendist er mag.
Ebd.
3, 637, 35
(
1. Dr. 16. Jh.
):
wo ain bese feuerstat ist, so sollen si [beschauer] selb negst schaffen zu wenden oder machen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
431, 32
(
m/soobd.
,
1565
/
81
):
[der] soll des gejagten huld gewinnen als negst er mag.
Sachs
16, 224, 15
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 200, 5
;
Dierauer, Chron. Zürich
235, 16
;
Welti, Stadtr. Bern
475, 11
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 221, 3
;
Chron. Augsb.
7, 475, 7
;
8, 237, 26
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
25, 39
.
11.
›auf einen vorausgesetzten Zeitraum oder einen zeitlichen Orientierungspunkt folgend, demnächst, in Kürze, später‹; auch auf den ersten Zeitpunkt einer Reihe bezogen, dann: ›erstnächst‹ sowie ›im Folgenden (eines Textes)‹.
Phraseme:
des / dem nächsten
;
am nächsten
.
Syntagmen:
das ziel n. sein
;
zwischen hie und sonwende nächst
;
der nächste tag / montag / bote, der nächst gekrönte könig, die nächste nacht / tagfart, das nächste gericht / jar / teiding, die nächsten pfingsten
;
auf den sontag nächst
(›danach‹).
Wortbildungen:
nächstfolgend
,
nächstkommend
,
nächstkünftig
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 93, 10
(o. O.
1521
):
Carolus, nächst gekrönter römischer künig und erwelter römischer kaiser.
Mendthal, Geom. Culm.
21, 27
(Hs. ˹
preuß.
,
A. 15. Jh.
˺):
Dovon hirnoch synt gescreben uersen. [...].
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
415, 9722
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Darnâch in dem jâre | nêstvolginde vorwâre | vorlôs er ouch daz lebin.
Chron. Köln
1, 42
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
wat men myt betwange deit, | dar zo ist irst den luden leit, | ouch wie it in na kome zo goede.
Ebd.
308, 20
:
dat her Costin upme Heumart up den sondach niest darna [...] vur Arsburgh vergadert was.
Pyritz, Minneburg
4915
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
du wilt ir by namen sagen | Dez nehsten, so ich kum zu ir, | Wie [...].
Rupprich, Dürer
1, 46, 19
(
nobd.
,
1506
):
Jst aber sach, daz jrß nit mer bedürft, so schickt mirs pey dem negsten botten.
Sachs
14, 268, 28
(
Nürnb.
1553
):
Ich wil den nechsten gehn marck lauffen | Und gut krefftige würtzel kauffen.
Wyss, Luz. Ostersp.
7401
(
Luzern
1545
):
ietz ist nach dz zil. | das man mich verratten vnnd vachen wil.
Rennefahrt, Statut. Saanen
258, 3
(
halem.
,
1635
):
sölle er aldan sein recht [...] gezogen han, und dem anderen nadist darumb weder bescheid noch antwort zu geben schuldig sin.
Chron. Augsb.
9, 161, 29
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
[sie] haben also auff den donerstag nechstkünftig (26. Oktober) widerumb zusamenzukomen [...] sich entschlossen.
Chron. baier. Städte. Regensb.
67, 34
(
noobd.
,
1525
):
haben dy steurheren alle geistlichen für dy steur gefordert, und von stund an zwischen hie und sunwenden negst dy steur bezalen miessen.
Roth, E. v. Wildenberg
21, 8
(
moobd.
,
v. 1493
):
das die drei keiser [...] ir jedweder den negsten nach im an das reich ansteendt im zwͦ einem son hat adoptiert.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
314, 16
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
wen der vitztumb am nägsten gen Matrei in die stifft kome, das dann [...].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
277, 8
(
m/soobd.
,
1391
, Hs.
15. Jh.
):
das ir jeglich die selben sein kaufrechtbrief zwischen hie und mittenfasten nagstkomend fur den von Admund [...] bringe.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
113, 30
(
tir.
,
1464
):
als nu chom die nëchst nacht, da stuend er auf.
Zingerle, Inventare
58, 1, 9
(
tir.
,
1495
):
den negsten monntag nach sanndt Jörigen tag.
Beckers, Bauernpr.
59, 14
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
403
;
Sachs
14, 305, 25
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
56, 10
;
Argovia
9, 118, 3
;
Bastian, Runtingerb.
2, 171, 18
;
Turmair
5, 278, 9
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
74a, 26
.
Vgl. ferner s. v. .
12.
›jm. nahestehend, in einem sozialen Näheverhältnis zu jm. stehend‹; das Näheverhältnis erscheint in den Belegen teils als symmetrisch, meist aber als asymmetrisch bestimmt; in letzterem Falle ist der
nächste
entweder der fürsorglichen Bemühung (teils im biblischen Sinne) oder (häufiger) der abgrenzenden bis agonalen, den Sozialstatus mindernden Beeinflussung von seiten eines anderen ausgesetzt; das hier behandelte soziale Näheverhältnis ist als Metapher zu 1 auffaßbar; das Verhältnis zwischen der verwandtschaftlichen und der sozialen sowie juristischen Begründung der Beziehung ist fließend.
Bedeutungsverwandte:
 1,  123; vgl. (Adj.), (Adj.) 5.
Syntagmen
(meist subst.):
den nächsten beschädigen / erhöhen / lieben / unterweisen / verärgern / veruntreuen, lieb haben, fälschlich beschweren
›falsch gegen ihn schwören‹,
zu gutem ziehen
;
sich selbst, jm. der nächste, die frau der nächste des mannes sein
, [zwei Personen]
nahe gefreundet sein, die nächsten dem tyrannen verwandt sein, eine (der königinnen) jm. die nächste sein
;
sich des nächsten annemen
;
dem nächsten dienen, nütze sein, liebe beweisen, übel reden, unkustlichen schwören, die habe angewinnen, ein gut mitteilen, das leben nemen
;
jn. gegen dem nächsten süsmütig machen, mit dem nächsten frieden haben
, [wie]
wandeln, zu dem nächsten sprechen
;
der nächste mensch, der nahe freund
;
die liebe des
(›zum‹)
nächsten, der abreisser / nuz / splitter, die fraue, die seligkeit, das weib des nächsten
.
Wortbildungen:
nachfreund
›nahe Verwandter‹,
nachlauf
II ›Liebestrank‹ (Motivation des Bw unsicher; dazu bdv.: ),
nähede
4,
naheverwandt
.

Belegblock:

Schöpper Vorr. (
Dortm.
1550
):
du woͤllest dir meinen fleiß [...] gefallen lassen / vñ dero zuͦ Gottes lob vnnd deins Nehisten nutz gebrauchen.
Volkmar
469
(
Danzig
1596
):
Philtrum, ein liebtrunck, nachlauff.
Luther, WA
9, 132, 27
(
1518
):
das nicht krefftiger lere [...] kan gegeben werden den kleffern und affterkosern, dan so man in saget, wy sye das alles Christo thun, was sye irem nehesten menschen mit honunge [...] ertzeigen.
Ders. Hl. Schrifft.
3. Mose 14, 18
(
Wittenb.
1545
):
DU solt deinen Nehesten lieben / wie dich selbs / Denn ich bin der HERR.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2654
(
rib.
,
1444
):
Den [vrede] he sal haven steetlichen | Mit syme neesten ind gelijchen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
134, 33
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Herre wir waren vor zijden / die nesten jn uwerm rade.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 5, 99
(
Frankf.
1557
):
Werd erst an deinem Balcken Ritter, | Darnach zeuh auß deins nehsten splitter.
Strauch, Par. anime int.
89, 12
(
thür.
,
14. Jh.
):
wan min frunt ist mir nahe, alleine ich un durch gut lip habe, so minnerit doch di nehide und di widirlibe minen gewin.
Eggers, Psalter
49, 12
(
thür.
,
1378
):
wer stiget vf in gotis berg. [...]. der sine sele nicht ytelich inphing noch ny geswur vnkustlichen sime neichsten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
22, 39
(
osächs.
,
1343
):
Du salt lîb habin dînen nêhstin alse dich selbir.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
30, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
der [wip] iiij ist eyne ym dy neeste in der eschaft und in allin eren dy herste.
Chron. Nürnb.
3, 110, 16
(
nobd.
,
1488
):
Adam mein vater [...], Eva unser beider muter, merk, wie nachend wir gefreunt sein.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
75, 9
(
Nürnb.
1548
):
wo der Predigstul recht versorget ist / da wirt bedes gefuͤrdert / die ehre Gottes / vnnd des nechsten seligkeit.
Sachs
18, 345, 32
(
Nürnb.
1562
):
daß mein bekanten, | Mein freunde und auch nachverwanten | Gar ferrn sich von mir.
Vetter, Pred. Taulers
209, 21
(
els.
,
1359
):
Ein ieklichs sehe wie er wandele mit sime nechsten, das er nút Gotz tempel in im zerstoͤre.
Goldammer, Paracelsus
7, 177, 12
(
1530
):
also ist die ehe, daß die frau des manns nechster sei und er ir nechster.
Brack
a 8r
(
Basel
1483
):
Proximi nachfrundt. a sanguinis propinquitate.
Maaler
301v
(
Zürich
1561
):
Jch bin mir selbs der Naͤchst.
Chron. Augsb.
8, 189,
Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1562
):
darin ir, als unser nechstverwandten, erbar gemuͤt zuͤ spüren.
Bauer, Geiler. Pred.
465, 16
(
Augsb.
1508
):
Die sechßt frucht des mundes ist / underweisen den naͤchsten.
Primisser, Suchenwirt
39, 132
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Nim deinen nesten nicht daz leben | Mit werichen noch mit worten.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
57, 299
(
tir.
,
1466
):
der da seinen nächsten erhöhen ist vnd sich selbs diemuetigen ist.
Luther, WA
9, 532, 22
;
35, 429, 21
;
52, 578, 11
;
52, 596, 4
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
145, 3153
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
13, 9
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
18, 20
;
Eggers, Psalter
21, 7
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
27, 33
;
Vetter, a. a. O.
106, 28
;
Sappler, H. Kaufringer
25, 168
;
Heydn. maister
10v, 18
;
36v, 13
;
Bauer, Geiler. Pred.
101, 4
;
465, 20
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
199, 14
;
Schweiz. Id.
1, 1304
.
Vgl. ferner s. v. , ,  3,  9.
13.
›nahe verwandt‹; meist: ›im Vergleich zu anderen als näher blutsverwandt über den ranghöheren Erbanspruch verfügend‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
 3, , (Adj.) 12, , .
Syntagmen:
sich näher zu der sippe zälen, jn. der gerade näher behalten, der nächste js. blutsfreund sein, jn. beerben, j. js. nächster sein, jm. nahe gesipt sein
;
der nahe verwandte / blutsfreund, der nächste erbe / niftel, die nächste freundschaft / magenschaft / gespinne, das nächste blut
.
Wortbildungen:
nächstgeboren
,
nächstgesipt
,
nächstverwandt
,
nahesippe
(Adj.; ›nahe verwandt‹),
nahewendigst
.

Belegblock:

Schöpper
58b
(
Dortm.
1550
):
Sanguine iunctus. Verwandt gesipt / naher befreundet gefreundet wermagschafftet angehoͤrig.
Große, Schwabensp.
81a, 20
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
her ist ouch arcwenig, der der kindere vater vient was, do her noch lebede, Sw
e
a na her der kinde mac is.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 635,
Anm. 3 (
mosfrk.
, o. J.):
wan einer dem andern ein kauf thut, es seie haus hof [...], so sol der negste erb der abtrift mechtig sein.
Leman, Kulm. Recht
1, 3, 27
(
omd.
,
1. H. 13. Jh.
):
Claget abir des mannes neste swert moge vf den vmme den totslag.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
141, 4
(
osächs.
,
1523
/
4
):
so ist er der gerade seiner verstorbnen schwester neher zu behalden.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
150, 39
(
schles.
,
1455
):
der selbte hannus Slegil ist by der helffte sines anerstorbñ güte nehir vñd mit besserem rechten zcu bliben.
Geier, Stadtr. Überl.
47, 8
(
nalem.
,
1390
):
mit zwai frauwen und mit ainem mann, die dem, den er besetzen will, als nachsipp sigint, daz si mit ainandern ze der ehe gegreifen moͤchtint.
Roder, Stadtr. Villingen
188, 30
(
önalem.
,
1582
):
dann sollen wür, die oberkeit, redliche, erbare [...] personen, sonderlich aber die nächstgesipten, [...], darzu [zu vormündern] verordnen.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 78, 12
(
halem.
,
n. 1529
):
wie wol der kuͤng im nach gesipt, er nit woͤlte von inen [Eidgnossen] obston.
Maaler
301v
(
Zürich
1561
):
Eigner oder Naͤchster erb / der dem abgestorbnen der naͤchst was do er starb. Suus hæres.
Ebd.
302r
:
Naher bluͦtsfreünd.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
338
(
Genf
1636
):
naͤhest / der am aller meysten ein Blutfreund ist.
Barack, Zim. Chron.
1, 182, 25
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
graf Otto, war der nechst von den manlichen agnaten.
Ebd.
3, 289, 4
:
das er von etlichen grave Gotfridt Wernhers nechsten verwandten darauf seie gestift [...] worden.
Müller, Stadtr. Ravensb.
92, 7
(
oschwäb.
,
1330
/
4
):
so sol der nahwendegost man oder duͥ nahwendigostu vröwe selbe dritte gan ze opherenne.
Leidinger, A. v. Regensb.
602, 19
(
oobd.
,
um 1430
):
[zwen prüder] waren gar nachent von der purd kunig Pipino.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
9, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und nam mit im graff Vlreichen von Cyly, [...], der dan sein nagstgeporner frewndt was.
Dirr, Münchner Stadtr.
198, 8
(
moobd.
,
1310
/
2
):
ze dem drittem mal muͤgn die naechsten freunt von frawen und von mannen datz der hochzeit essen.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
188
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Nu sind die herren vnd preläten gotes nachste nachuolger so si am maisten gewaltes haben so si ye mer gutig sind.
(hier auf das Näheverhältnis des Geistlichen zu Gott ütr.). Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
34, 4
(
moobd.
,
1478
/
81
):
er fand da sein nachgesippt magen, die bruederkind seiner mueter.
Ebd.
187, 15
:
Do underzoch sich hertzog Johanns, der do ain brueder hertzog Wilhalms was, der landvogtei, als ain nägst gesippter erb.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
139, 23
;
Leman, a. a. O.
1, 2, 72
;
4, 88
;
Köbler, Ref. Franckenfort
63, 11
;
ders., Ref. Wormbs
319, 1
;
Kisch, a. a. O.
499, 76
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
227
;
Sachs
14, 71, 13
;
Welti, Stadtr. Bern
55, 14
;
Roth, E. v. Wildenberg
145, 27
;
Turmair
5, 120, 26
;
436, 16
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
23a, 38
;
80a, 14
;
Rwb
9, 1331
;
1334
;
Lex. d. Mal.
6, 1006
.
Vgl. ferner s. v.  3, (V.) 11.
14.
›wohlfeil, billig, preiswert, zum günstigsten Preis‹.
Phraseme:
so man nächst mag
o. ä. ›so billig, kostengünstig es geht‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2.
Gegensätze:
,  2.
Syntagmen:
das mal n. geben, etw. zu n. schatzen, etw
. (z. B.
den wein, die salbe
)
näher setzen / geben, etw. näher (ver)kaufen, viel der steine näher kommen
›einkaufen‹,
auf das nächste kaufen, nächsten
›mindestens‹
jm. etw. werden
;
gesinde das nächste mieten
;
x schillinge näher
;
der nähere kauf
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 479, 9
(
preuß.
,
1503
):
ider mitte
[›miete‹]
geszinde, das neheste er kan.
Opel, Spittendorf
236, 29
(
osächs.
,
um 1480
):
Da man das saltz nun neher hette gesatzt, so [...].
Chron. Nürnb.
2, 263, 5
(
nobd.
,
1449
):
so kam man mit in ab, so man nechst mocht.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
84, 8
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
man kompt der stein sunst gleich als nohent und vill neher.
Voc. Teut.-Lat.
x jv
(
Nürnb.
1482
):
Nahe od’ wolfayl, remisse in bono foro od’ in gutem kaufft.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
210, 25
(
halem.
,
1386
):
luͦg wie git si daz mel so nach; si git es wol also nach, won daz mes ist ze klein.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 377, 11
(
halem.
,
1508
/
16
):
dar um man den [win] vil neher dem andren win geben must.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
211, 18
(
halem.
,
1641
):
den pryß deß wyns, [...], betreffend möge der beste Ryff- und La Coste wyn – umb 7 bz, aber nit höcher, wohl nächer, [...] verkaufft
[werden].
Maaler
301v
(
Zürich
1561
):
Naͤher oder wolfeiler verkauffen.
Chron. Augsb.
4, 372, 28
(
schwäb.
,
v. 1536
):
denen wir auch unser traid treulich und alweg necher dann es sunst golten, mitgetailt.
Ebd.
9, 327, 1
:
wann hinfüro ain zunft ain guet kaufft, [...], so sollt man die rechnung machen auf die umbgab, daß zu dem nechsten jedem maister ain kreutzer kündt werden.
Ebd.
331, 23
:
kaufft man dann von im aufs nechst, so man konnt, so gab der kauffmann ain frist biß zu ainer zeit, soliches zu zalen.
Bastian, Runtingerb.
2, 140, 22
(
oobd.
,
1400
):
der sol sy da verchauffen auͤf daz naͤgst, ye ain lot.
Toeppen, a. a. O.
5, 535, 27
;
Rueff, Rhein. Ostersp.
1000
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
65, 23
;
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 54, 4
;
Lexer, a. a. O.
97, 5
;
Boos, UB Aarau
117, 6
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
237, 1
;
UB Zug
1888, 3
;
Schnyder, a. a. O.
147, 37
;
Chron. Augsb.
4, 372, 28
;
7, 69, 23
.