gesipt,
gesippe
(letzteres vereinzelt),
Adj.
1.
›mit jm. blutsverwandt‹; für Personen dieses Verwandtschaftsverhältnisses galten besondere Rechtsregelungen hinsichtlich Heirat, sexueller Beziehungen, Erbrecht (s. Rwb
4, 552
).
Syntagmen:
jm
. (
nahe, ferre, weit, des blutes, von blut, bis in das dritte glied
 )
g. sein
;
die gesipten gefangen sein
, [wohin]
fliehen
;
der gesipte agnat / (blut)freund / erbe / mage / neffe, die gesipten väter, die gesipte freundschaft / magenschaft, das gesipte blut
;
die gesipten des blutes, vom blute her, in absteigender / aufsteigender linie
.
Wortbildungen:
gesippen
(V.; s. u.
Henisch
).

Belegblock:

Schöpper
58b
(
Dortm.
1550
):
Sanguine iunctus. Verwandt gesipt / naher befreundet gefreundet wermagschafftet.
Köbler, Ref. Wormbs
209, 12
(
Worms
1499
):
NAtürlich oder gesipt erben heissen die võ geblüt oder gebuͦrt od’ früntschafft zusammen verwand.
Ebd.
219, 14
:
Wo auch in disen vnsern gesetzen [...] geschriben ist von gesipten oder gewanten des geblüts. das soll nit verstanden werden von den kinden die Bastart spury manseres oder Nochy genant sind.
Ders., Ref. Franckenfort
67, 7
(
Mainz
1509
):
So woͤllen wir / das den selbigen kindern [...] / die nechsten gesipten fründe zu Curatores / [...] gegeben sollen werde͂.
Gille u. a., M. Beheim
100, 96
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dar ümb warn sie gevangen zwar | in Egipten vir hundert jar | als ir gslecht und gesipten.
Ebd.
239, 85
:
Volget den zwaien fursten gut, | herczog Albrecht, herczog Sigmut, | wann sy sein eur gesiptes plut.
Sachs
6, 362, 4
(
Nürnb.
1559
):
Dein augen stoltzlich abzuwenden | Von dem armen, ringen, ellenden | Nach gesipten blutfreunden dein!
Adrian, Saelden Hort
1963
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
von disem irentuͦm | fliehent samet wir gesipten | hinan inEgiptun!
Rennefahrt, Zivilr. Bern
811, 18
(
halem.
,
1615
):
die jenigen verwanten, so einanderen im dritten glidt der bluͦtsfründtschafft oder auch naͤcher gesipt sindt.
Müller, Stadtr. Ravensb.
241, 16
(
oschwäb.
,
1452
):
welhi ainander von fruntschaft wegen so nach gesipp sind, das es ain Ee geschaiden mag, oder das die sippschaft in der vierden lininen oder naͤher ist, die sullen [...].
Henisch
1564
(
Augsb.
1616
):
Gesippen / verwandt sein / jungi sanguine.
Dirr, Münchner Stadtr.
378, 1
(
moobd.
,
um 1365
):
chain germag oder frewnt, der nicht mit hat geerbet, swie nachen er halt enen gesippt ist.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
209, 30
(
moobd.
,
1526
):
wo kain gesipter und beweister erb bisheer furkomen, sey furstliche durchleuchtigkait entslossen, dasselb haws zu vergeben.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
47, 4
(
München
1528
):
nachdem jr vntodlich geist on mittl von got hie auch all menschen miteinander gwislicher geistlich brueder seinn dann die leiblichen brueder gesybt.
Turmair
4, 60, 17
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wie er [got] dan seinem etwan außerweltem volk und gesipten freunden und vetern, den Juden, geton hat.
Rintelen, B. Walther
118, 22
(
moobd.
,
1552
/
8
):
Welche Freundt für die gesibten Freundt und Erben erkennt werden.
Köbler, Ref. Wormbs
97, 10
;
ders., Ref. Franckenfort
40, 4
;
Sachs
20, 428, 16
;
Boner, Urk. Brugg
389, 5
;
Welti, Stadtr. Bern
609, 13
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
297, 5
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 38, 19
;
153, 25
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
187, 16
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 144, 12
;
Rintelen, a. a. O.
29, 15
;
Voc. Teut.-Lat. m iiijr;
Rwb
4, 551
 f.;
Schweiz. Id.
7, 1225
.
Vgl. ferner s. v. , .
2.
›mit jm. verwandt‹; im Unterschied zu 1 ist die Heiratsverwandtschaft mit einbegriffen, oft ist das genaue Verwandtschaftsverhältnis offen gelassen; teilweise Tendenz zu ›befreundet, in einem engen (auch komplizenhaften) persönlichen Verhältnis stehend‹.
Obd.

Belegblock:

Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
62, 6
(o. O.
1532
):
Straff der Vnkeusch mit nahenden gesipten freunden. Jtem so einer Vnkeusch mit seiner Stieffdochter, Mit seines Sones eewyb, oder mit seiner Stieffmutter treybt.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
133, 28
(
nobd.
,
n. 1525
):
Es ist bißher gewesen, das gesipt freund und schweger erwelt in ain erber rat, soll abgetan werden.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
95, 3
(
halem.
,
1501
):
und sol ouch soͤlich urloub unargweniger, ouch gesipter und verfrundter personen halb ervordert wirdt, alldann soͤlich urloub nit abschlachen.
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
1960
(
Zürich
1565
):
Lucifer sampt andren tüflen louffen uß der hell spricht Lucifer. Ir mine gsipten lieben gsellen | ich bger von üch ein rechnung zstellen.
Maaler
175r
(
Zürich
1561
):
Gesipte oder schwaͤger / Gefründte. Affines, Necessarij. Eines Gesipter oder schwager werden.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
121, 10
(
tir.
,
1525
):
wo sich begeb, das ain richter ainer partheyen angehenngig, gesipt oder in annder weg verdechtlichen sein wolt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 5, 5
Var.;
Geier, Stadtr. Überl.
109, 37
;
451, 9
;
Panzer, Seifrid Füetrers
515, 6
;
Leidinger, V. Arnpeck
587, 18
;
Maaler
174v
;
Henisch
1564
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
139
;
Schwäb. Wb.
3, 530
.
Vgl. ferner s. v.  6.
3.
›mit Gott infolge des Ebenbildlichkeitsgedankens sowie infolge seiner Menschwerdung verwandt‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
21312
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do zu daz her [Got] gesippe | Menschen nature worde.
Ders., H. v. Hesler. Nicod.
1693
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
wir waren iedoch alle samen | gote na gesippe | von Adames rippe.