gierheit,
die
;
-Ø/–
.
1.
›in der Natur des Menschen liegendes, durch den Teufel verstärktes allgemeines menschliches Streben, Begehren nach ordnungsfeindlicher und moralstörender Heraushebung der eigenen Person‹; im einzelnen semantisch kaum genauer bestimmbar, dennoch mehrfach Öffnung in Richtung auf ›Habgier‹ (dazu 2), ›Geiz‹, ›Hoffart / Ehrsucht / Hochmut‹, ›Fresserei‹, ›Unkeuschheit‹;
vgl.
1
(
die
3.
Gehäuft md. belegt.
Bedeutungsverwandte
bzw. Orientierungsfeld teils in Aufzählungen mit:  1, ,  1, , , , , ,  1, , ,  4, (
der
1,  3, , , ›Sucht‹, ,  1, , , , , .
Syntagmen:
die gerechtigkeit die g. reinigen
;
der teufel die g. sein
;
der g. gram sein
;
christenblut durch g. jamer schreien
;
die g. des gutes, der ere
(jeweils ›nach ...‹);
die böse / überflüssigliche g
.;
der g. strasse
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
17009
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Michel und ein rot trache | Siben hobet und zehen horn | Habende durch sinen zorn | Und durch sin ubeln girheit, | Die zume tuvel ist geleit, | Wart in dem himle gesen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
5563
(
md.
, Hs.
um 1400
):
ist her uf der girheit straze, | her sehe an Marien di maze, | si hete vor girheit armut.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2627
(
Köln
1476
):
Dat dorch dy boese duuelij, | Dorch valschen rayt ind droegerij, | Dorch hoemoit, has ind snoed boefrij, | Dorch gyrheyt, nyt ind firpelij | [...] | Dat cristen bloydt nyet iamers schrij.
Buch Weinsb.
2, 271, 1
(
rib.
,
1574
):
Dem geistlichen stande bin ich gunstich, mois in loben, aber irem misbrauch, list, geirheit, hoichfart gram.
Ebd.
5, 209, 13
(
um 1560
):
da alles der leut gutter [...] von dem neigsten geblode an fremde durch practick, smeichelei, geirheit, unsorgfeltigkeit sin komen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3511
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
also gereiniget auch di gerechtikeid | des menschen bose girheid.
Schönbach, Adt. Pred.
23, 11
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
[etteliche] keren daz ouge der gerunge in daz ertriche, daz ist in die gyrheit vorgencliches gutes und werltlicher ere.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
7, 22
(
osächs.
,
1343
):
Wan von binnen von der lûte herze gên vore bôse gedankin, êebrechin, unkûscheit, manslaht, Dûbe, girheit
[
Mentel
1466-1475
1
:
arckheit
; 1475
2
–1518:
geyttigkeit
;
Luther
1545:
geitz
],
schalkheit, truͦgine, unschemelikeit, bôse ouge, aftirsprâche, hôchfart, thôrheit.
Gille u. a., M. Beheim
114, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mir tut grimmlichen czorn und lait | dy uberflussiglich girhait | und geicz der grassen geiren.
Neumann, a. a. O.
5526
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
77, 4
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 42
.
2.
›Habgier, Raffgier, Habsucht, der
gerechtigkeit
1; 3,
warheit
entgegengerichtetes, durch
bosheit
1; 2,
gewin
2,
schalkheit, wucher
gekennzeichnetes, oft betrügerisches Streben nach zeitlichen Gütern‹; im Beleg
Ziesemer
(s. u.) als Metonymie gebraucht: ›unrechter Gewinn‹;
eng an 1 anschließbar, offen zu 3; zu (Adj.) 1.
Syntagmen:
g. treiben / wegwerfen
;
die g. an dem verkaufen (keine) stat haben, die wurzel der bosheit sein
;
jn. mit der g. versuchen, jn. vor g. bewaren, zu g. fleissig sein
;
die g. der henne, nach gute
;
die böse / grosse g
.;
die praktiken der g
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
33, 15
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
wer do wandirt an der gerechtikeit und spricht di warheit, der do wecwirft di gyerheit unrechter gewalt
[
Luther
1545:
vnrecht hasset sampt dem Geitz
]
und entsleet syne hende von aller gabe.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9510
(
rib.
,
1444
):
dar zo beckere ind vil anderen | Die yre koufmanschaft ducke verwandelen | Ind umb yre gijrheit ind quait gewyn | Die hant sleent as verre dar in | Dat [...].
Buch Weinsb.
3, 11, 8
(
rib.
,
1578
):
Disse practicken der geirheit sin villicht nit die geringste ursachen eitziger zit der groissen irtummen der christenheit.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
18, 12
(
hess.
,
14. Jh.
):
sie insal nit fliszic sin zu girheide noch die habent des closteres nit verdun.
Ebd.
31, 12
:
Des sal man auch huden daz an dem verkaufene die gyrheit keine stat inhabe.
Froning, Alsf. Passionssp.
383
(
ohess.
,
1501 ff.
):
dem richen rade ich [Beltzbugk] uff mynen eydt, | das ire trybe groiße gyerheyt | und wucher sere darzu!
Neumann, Rothe. Keuschh.
5547
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
so versuchet her on des menschen mute | mit der girheid nach tzitlichem gute.
Ebd.
5588
:
si [henne] samet mer eiger an | dan si uss gehecken kan, | hir mede ist er girheid gewest.
Feudel, Evangelistar
110, 30
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Bewarit uch vor allir gyerheit, wen keyn genugunge ist an dem menschen an dem daz her besyczit.
Klein, Oswald
112, 52
(
oobd.
,
1438
):
Der gebhart hat ain swachen nam, | wie wol er ist natürlich zam, | dorumb das er ist ganz durchpaisst, | mit grosser gierhait man das haisst.
Meijboom, a. a. O.
9655
;
Froning, a. a. O.
3631
.
3.
›Geiz‹;
zu (Adj.) 2.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
8, 10
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ja volgen si von deme mynsten bis an den grosten alle der gyerheit
[
Wormser Proph.
1527:
seind gewinsüchtig
;
Froschauer
1530:
schantliche gewün
;
Dietenberger
1534:
geitz
;
Eck
1537:
geitigkait
]
von den propheten bis an den pristir tun si alle logene.
Buch Weinsb.
2, 270, 7
(
rib.
,
1574
):
Ich bin neulich und sperlich, mehe aus unvermogenheit der inkomtz dan van geirheit.
4.
bedeutungsverwandt zu  1.