1
stal,
der
 ;
-s/ställe
, auch
und
-er
.
1.
›Gestell allgemein‹; speziell: ›Stamm, Balken des Kreuzes‹; als Ütr. an ›Gestell‹ anschließbar: ›Stellung, Stand‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.
Wortbildungen:
stalkerze
wohl ›in einem Gestell, Gehäuse aufgestellte Kerze‹ (um 1331),
stallestat
›Setzstelle für Fischreusen‹.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 185, 2
(
Bautzen
1567
):
Du [Christe] bist kommen aus hoͤchstem Sal, | Alhie her in des suͤnders stal.
Argovia
4, 64, 13
(
halem.
,
1443
):
ob man inen also ir rüschen vnd kürblin vsser den stallestetten des Rins werfen sölt oder nit.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1296, 2
(Hs.
A. 15. Jh.
):
do von er uf dem schilte viel nider in kruzes stal.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
253, 2
;
Schweiz. Id.
3, 495
;
11, 4
 f.
2.
›Stall, Gebäude, Raum, in dem das Nutzvieh untergebracht ist; Verschlag (z. B. für Hunde)‹; seltener: ›Haus, Gebäude, Aufenthaltsort für Menschen‹; mehrfach Bezug auf den Stall von Bethlehem.
Phraseme:
stal halten
›anhalten, verweilen‹ (zur semantischen Variante ›Aufenthaltsort‹);
wie stal so vieh
o. ä.;
wie vieh und stal zusammen gehören
;
nimmer in einem stal stehen
›sich nicht vertragen, uneins sein‹ im Gegensatz zu
in einen stal und wesen kommen
;
etw. in rechten stal bringen
;
etw. im alten stal stehen lassen
›etw. beim Alten lassen‹;
viel ställe durchlaufen haben
›sich viel herumgetrieben haben‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ,  5,  2,
2
,  1,
2
.
Syntagmen:
den s. ausmisten / bauen / ordnen / verkaufen / zumachen, in bau halten / stellen, jm. den s. abkaufen
;
der s
. (Subj.)
vol rinder / schafe stehen
;
im s. liegen, geboren sein, got im s. finden, jn. im s. gebären, in seinen s. füren, das kalb, den hund im s. haben, jm. das weib im s. abbulen, jm. etw. aus dem s. entwenden, das handwerk im s. würken, jn
. (z. B.
den könig
)
in einen s. setzen
;
des teufels s
. ›Hölle‹;
der stal vol buben
;
die krippe, das pferd im s
.
Wortbildungen:
stalbaum
›Trennbalken für Pferdestände‹,
stalblind
,
˹
stalbruder
2,
stalbube
; jeweils bdv.: vgl. ˺, ›in Wirtschaften aufgehängte Ordnung für Fuhrleute und Lohnkutscher‹ (dazu bdv.:  ; 16./17. Jh.),
stalgatter
,
stalgeld
(dazu bdv.: vgl. , ),
stalgesinde
,
stalhengst
›Deckhengst‹ (ütr. auch auf einen Liebhaber bezogen),
1
stal|herre
,
staljunge
,
ställestroh
wohl ›Stallstroh‹ (Funktion bei der Bierherstellung: Vermisching der Würze mit Hefe; Genaueres nicht erschließbar),
stalman
,
stalmister
(1. H. 16. Jh.),
stalrecht
(a. 1597),
stalriese
wohl ›Abflußrinne, -graben eines Stallgebäudes‹ (Gw zu mhd.
rise
›Rinne‹; Lexer
2, 458
),
stalsel
›Grundbalken des Stalles‹ (Gw zu halem.
Sell
II ›Grundbalken‹; Schweiz. Id.
7, 711
),
staltür
(auch
stals-
; a. 1441 für das Genitvkompositum; 1604).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
383, 40
(
preuß.
,
1406
):
eyn gro tuch, das unser homeister synen staljungen und andern armen luthen vorgab.
Luther, WA
20, 553, 12
(
1526
):
die welt ist nichts anders denn ein stall vol boͤser buben.
Ebd.
32, 435, 21
(
1532
):
wie sie beyde [ehre und rhum] werd sind und zusamen gehoͤren als vieh und stall.
Ebd.
50, 47, 12
(
1537
):
was sol ich jtzt vom Weltlichen stand sagen, So des Papsts fusschemel und stalbuben sein.
Ebd.
51, 660, 450
(
1535
):
Nymer ynn einem stall stehen.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
133, 20
(
preuß.
,
1578
):
Die sommerkelber muß man den ersten sommer im stalle halten.
Goedeke, Fischart Bildn./Fredegunda
9
(
1575
):
Durch hetzen der alten Brunhilden, | Die iren stallhengst Gonderich | Sehr hoch erhub vermessenlich | Weit über all landfürsten gar.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
348, 2747
(
Magdeb.
1608
):
Fuͤr Stallbuben vnd Reutersknaben / | Die Raub vnd Mordt gewohnet haben.
Ebd.
550, 1384
:
Kam in den Stall / eilet zur Pfort / | Der Stallbruder erwachet fort.
Apherdianus
137
(
Köln
1575
):
Logurij, stallbaum. Ligna illa
, [Textverderbnis], ne se mutuè verberent
.
Ebd.
138
:
Equus admissarius, qui ad equas admittitur sobolis procreanda gratia, steig / stallhengst.
Struck, Joh. Pfannstiel
172, 12
(
mosfrk.
,
1545
/
6
):
ist uffgangen mit zerren, schraden, zol und stalgelt 2 fl.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
116
(o. O.
1558
):
hab auch daheym stalbuͦben, die sein umb ein grossen bawrenschuͦch grösser dann ir, mein liebes döcterlein.
Ulner
430
(
Frankf.
1577
):
Vneins seyn. Zwyspaltig seyn / nicht mit einem halten / an zweyen hauffen traben / nicht in einem stall stehen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
275a, 27
(
Frankf./M.
1649
):
also daß man allhie wohl sagen moͤchte / wie Toͤpff so deckel / wie Stall so Viehe.
Feudel, Evangelistar
118, 11
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
unde bant ym syne wunden [...] unde leite en uf syn noz unde furte en mit ym in synen stal
[Luther
1545,
Lk. 10, 34:
Herberge
]
[...]. Des andirn tages brachte her czwene pfennynge dem stal manne
[Luther
1545,
ebd.
35
:
Wirte
] v. Tscharner, Md. Marco Polo
16, 30
(osächs., 2. H. 14. Jh.):
so totin si alle di pfert unde kobiln us syme stalle.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
31, 37
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann ein malz zu klein gemahlen, so nim grob stellestrohe und laß mit vleis stellen, so gehets abe.
Voc. Teut.-Lat. ee viij (
Nürnb.
1482
):
Stalherre. stalknecht. marstaller. oder marschalck od’ wirte stabulari’.
Sachs
23, 7, 14
(
Nürnb.
1547
):
Nu wil den stal ich machen zu, | So mir ist hin kalb und die ku.
Vetter, Pred. Taulers
137, 37
(
els.
,
1359
):
Si tuͦnt recht als der einen kúnig ze hus ladet und in setzet in einen unreinen stinkenden stal.
Koller, Ref. Siegmunds
138, 32
(
um 1448
/
52
):
darumb daz man nit strafft, so sundiget yederman an forcht und wirt glich stalle als vehe.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 139, 27
(
els.
1521
):
wer si nit kent, der hats für erber, so si [Gertraute] schon darvor vil ställ durchloffen hat.
Ebd.
3, 136, 21
(
obd.
1524
):
wir [...] seind bißher von euch ringer gehalten worden dann die stallbuben.
Ebd.
144, 22
:
ir wölt erst den stall zuͦ thuͦn, so die kuͤw hinauß sein.
V. Anshelm. Berner Chron.
3, 473, 25
(
halem.
,
n. 1529
):
dass [...] unser Eidgnoschaft gmeinlich und einhellig in einen stal und wesen komme.
Koppitz, Trojanerkr.
1557
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ich zaige dir den grossen hund, | In dissem stalle ich in han.
Bauer, Geiler. Pred.
316, 8
(
Augsb.
1508
):
als ainem esel / dem liebt fuͦter und hew und im stal zu liegen.
Schmitt, Ordo rerum
174, 15
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
Clatrus parnlaiter – raufe vel henleyter [...] – hilde [...] – eyn rauffe – stalgater – gater – gatter gehilcz – parnprett vel layter.
Maaler
382v
(
Zürich
1561
):
Staalblind / als ein stier der nie auß dem stal gelassen.
Barack, Zim. Chron.
2, 444, 39
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das innerhalb dreissig jaren ob den vierzig heusere ohne scheurn und steller alda erbawen worden.
Ebd.
3, 518, 39
:
do verhündert sich der postillion und hielt stall, zaigt dem grafen den weg.
Jaksche, Gundacker
350
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
so werdes stalgesindes
[bezogen auf Christus] |
wart nie nicht funden zedehainer ceit.
Dirr, Münchner Stadtr.
459, 11
(
moobd.
,
um 1365
):
sol niemant fuͤrbaz daz hantwerch in haͤwsern, / in staedeln. in staellen oder in den wincheln wuͤrchen.
Niewöhner, Teichner
213, 37
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
wir waren ewichleich verporgen | in dez teufels stal beliben.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
286, 4
(
smoobd.
,
1494
):
der raisgejaid [...] get schattenhalben hinab fur das gerichtmarich hinz an die stalrisen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
57, 17
;
332, 36
;
Joachim, a. a. O.
524, 26
;
Luther, WA
10, 1, 2, 366, 14
;
10, 3, 434, 11
;
34, 2, 134, 13
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 91, 5
;
Buch Weinsb.
3, 145, 16
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
2, 332, 30
;
Küther, UB Frauensee
356, 34
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
43, 9
;
230, 4
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
176v, 40
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
743, 30
;
Barack, a. a. O.
3, 137, 31
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 578, 7
;
Staub, Qu. Wien
3, 1, 1851, 4
;
Fuchs, Kart. Aggsbach
167, 23
;
Rechn. Kronstadt
3, 318, 9
;
Bremer, Voc. opt.
11019
;
Schwäb. Wb.
5, 1620
;
Dasypodius
128v
;
Golius
233
;
Schweiz. Id.
4, 540
;
995
;
7, 714
;
11, 5
 f.;
13, 1404
/5;
Tpma
11, 99
 ff.
Vgl. ferner s. v. ,  5,  6,  1,
1
 2, ,  1, .
3.
›diejenige Menge Vieh, die üblicherweise in einem Stall untergebracht ist‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 123, 25
(
schwäb.
,
1594
):
so sollen sie [hirten] außtreiben die erste wochen einen stall umb zwen laib.
Ebd.
573, 32
(
1615
):
daß drey haubt ein stall ist, deßgleichen was über zwei haubt ist, es seyne gleich viere, fünfe, sechse oder mehr, ist auch ein stall, und [...] solle man von einem stall acht tage lang geben einen laib brod.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 100, 32
.