1
barn,
der
;
–/-Ø
(+ Uml.);
zu
ahd.
barno
›Krippe‹
(),
mhd.
barn
(
Lexer
1, 130
); die etymologische Identität der Wurzel mit derjenigen von
barn
›Kind‹
(vgl. s. v.
2
barn
) ist nicht gesichert (
Kluge/S.
1989, 61
;
Lloyd/Springer, a. a. O.
);
die Zugehörigkeit der Bedeutungen 3 und 7 zu vorliegendem Ansatz ist zweifelhaft, vgl. die dortigen Bemerkungen.
1.
›Scheune, Scheuer; Raum innerhalb der Scheune; Heuboden‹.
Phraseme:
oberer barn
›Speicher, obere Balkenlage im Bauernhaus (als Lagerfläche)‹;
an barn schneiden
›die Ernte vollziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  2,  4; vgl. .

Belegblock:

Mosler, UB Abtei Altenb. 
2, 241, 1
(
rib.
,
1494
):
de elude sullen yn tzyde ind heille unser beider fruychte ynfoeren in unse schuyre op eynen barm.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 132, 18
(
schwäb.
,
16. Jh.
):
alle wißen […] sollen wenn sie tragen und man drey tag gemeinilich und ungeverlich in baren hott geschnitten, abgemet und geheimbst werden.
Ebd.
2, 92, 16
(
1358
):
Es süllen och die vorgenanten herren in des hofes schür han daz ober tenne und den obern barn, den spicher.
Pfälz. Wb.
1, 582
;
Crecelius
1, 94
;
Schwäb. Wb.
1, 650
;
Schweiz. Id.
4, 1442
;
Öst. Wb.
2, 343
;
Kramer, Volksl. Ansb.
1961, 241
.
2.
›Krippe, Futterraufe für das Vieh im Stall‹.
Phraseme:
zwischen barn und wasser
›beim Fressen und Saufen (von gepfändeten Tieren)‹;
einen hengst / ein ros am barn haben / halten, ein hürlein / eine kellerin / metze am barn haben / halten
;
jn. ab dem barn entbinden
›jn. aus der Tischgemeinschaft entfernen, jn. rauswerfen‹;
beim barn schaden nemen
›bei der Fütterung (im fremden Stall) Schaden nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1 (mehrfach), , , .
Syntagmen:
den b. aufmachen / aufrichten / bessern / machen / erkennen
(vom Esel gesagt)
/ hinausfüren, den b. mit sich nemen, einen farren am b. ziehen
(Wortspiel mit der Konnotation: ›jn. aushalten‹, s. o. die Phraseme);
pferd
(Subj.)
sich am b. reiben, durch den b. kauen, knorfeln wie ein ros am b., den gurren an den b. binden, aus dem b. essen, in den b. beissen
(vom kranken Pferd);
ros am b., futter im b
.
Wortbildungen:
barnbret
,
barnleiter
›Bretter-, Lattengeflecht der Krippe‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus 
4, 81, 14
(
Frankf.
1557
):
du wilt das Gelt lan walten, | Daneben ein Hengst am baren halten.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 2, 23
([
Erfurt
1522
]):
muß mich nun erneeren / bey eyner armen Caploney / do ich kaum ein katzen bey erneren mag / ich wil geschweygen ein iungefrawen / ein knecht vnd ein hengst am baren.
˹Mit obszöner Anspielung auf
2
(
der
) ›Schoß‹: Fastnachtsp.
251, 2
(
nobd.
,
v. 1486
):
Wir mußen farn, | Schwingen das futer in den parn
Schade, Sat. u. Pasqu. 
3, 65, 19
(
obd.
1521
):
da hat irer der merentheil ein eigen metzen am barren, die ziehen si köstlicher dan fromer burger wiber gezogen werden von iren eemannen.
Mayer, Folz. Meisterl. 
103, 551
(
nobd.
,
um 1480
):
Der ochs hatt erkantt seinen wesiczer und herren und der essell den paren oder crippen seines herren.
Spanier, Murner. Narrenb.
11, 106
(
Straßb.
1512
):
Wie ein pferdt küwt durch ein barren, | Also küwt er das gbett im mundt.
Goedeke, Fischart. Bildn./Fredegunda
22
(
1575
):
Mit iren vil bestalten farren, | Und andern, die sie ziecht am barren?
Bächtold, N. Manuel. Papst
61, 791
(
Zürich
1525
):
Ich kan ein gewaltiger chorherr sin | Und hab ein hüerlin an dem barren.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 176, 11
(
schwäb.
,
1442
/
3
):
1 lb. 6 ₰ han ich geben den zimerlüten zu lon ailf tag die bärn und roffen zu machend und in dem hus.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 894, 12
(
schwäb.
,
1531
):
weder kofen noch baren mit im nemen, sonder was wid und nagel hept, das soll er bliben lassen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 458, 31
(
schwäb.
,
um 1600
; Hs.
18. Jh.
):
welcher gemeinder roß […] in seinem stall ob dem barn oder krippen erhielt, nimmer uf die waid gehn ließ.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
85, 11
(
schwäb.
,
1551
):
Wan sie ettwas hatt gegessenn, so hatt das thir anfachenn zu knarfflenn wie ein ross am barenn.
Henisch
190
(
Augsb.
1616
):
Baren / barn / barren / kripp […]. Es gehoͤren vil ackergurren darzu / biß sie ein solchen reisigen gaul am baren erhalten.
Schmitt, Ordo rerum 
174, 15
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Clatrus parnlaiter […] rauffe uel henleyter […] parnprett uel layter […] padenlaytter parenlaitter.
Deinhardt, Ross Artzney 
68
(
oobd.
,
1598
):
wen es [roß] das fuetter essen wil vnd schlinten, so beisst es vorgrimen vnd wetagen in die wendt oder den parn.
Chron. baier. Städte. Regensb.
15, 42
(
noobd.
,
1511
):
zu Prifling hat es [ungewitter] im kloster mercklichen schaden gethan an fiech und anderm, an einem parn 4 ros ertrenckt, dy maurn oben im hoff am stall eingerissen, dy ros den parn, daran sy gehefft sein gewest, […] auffs feld hinauss gefürt.
Dirr, Münchner Stadtr. 
336, 12
 (
moobd.
,
1340
):
Setzzt ainer ein pfaert ze pfant […], swaz dem geschicht zwischen parn und wazzers, sterb oder leb, daz sol enem, dem daz pfant stet, nicht schaden.
Turmair 4, 
405, 33
 (
moobd.
,
1522
/
33
):
Ptolemæus […] hat am parn an seim hof gehabt zwainzigtausend pferd und reiter.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
41, 30/1
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
nam aber das selb essend phant zwischen parem und wasser oder pei dem parem schaden, des sol ain ambtman unengoltn sein.
Kurz, a. a. O.
2, 70, 4
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. 
302, 20
;
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
1348
;
Turmair
4, 227, 19
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 264, 24
;
408, 10
;
Diefenbach
126a
;
Schöpper
79a
;
Maaler
50r
;
Harsdoerffer. Trichter 2, 
122, 24
;
Crecelius
1, 95
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
22
;
Pfälz. Wb.
1, 582
;
Schwäb. Wb.
1, 649/50
;
Schweiz. Id.
4, 1439-1441
;
Öst. Wb.
2, 343
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 489
.
3.
in den folgenden beiden Belegen sind
baren/barren
(Dat.) nicht eindeutig interpretierbar; hier wird (trotz der
rr
-Schreibung im 2. Beleg und trotz sachkultureller Bedenken) Zuordnung zu
barn
›Krippe‹ vorgenommen. Denkbar wäre auch Zuordnung zu
barre
›Edelmetallbarren‹, einer Bedeutung, die allerdings für das Deutsche erst seit dem 17. Jh. nachgewiesen ist (
Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 101
).

Belegblock:

Fastnachtsp.
826, 24
(
nobd.
,
15. Jh.
):
als ich erst kom in den stal | Und […], | […] den karen zuo het gerust, | Darnach der kuo den baren gwüst, | Fand ich ein lumpli, was zemen bunden, | Daß lag im baren wol da unden.
Ebd.
832, 11
:
Acht rinsch gulden vor minem man. | Muotß nach und nach erkratzen, | Hut ein schilling, morn ein batzen, | Und daß in ein lumptli verbunden | Leit es in barrem woll da unden.
4.
das Phrasem
jn. zum barn bringen
›jn. zur Ruhe, zum Gehorsam, zur Vernunft bringen‹ ist eher an
barn
1 ›Krippe‹ oder an
barn
9 ›Netz, Schlinge‹ (vgl. lat.
in laqueum inducere
als Äquivalent für
zum barn bringen
) anschließbar als an
barre
›Schranke‹.

Belegblock:

Sachs 17, 
166, 7
(
Nürnb.
1554
):
Pfarrherr spricht: | Ich wil zum barn dich bringen fein | Und dich vor dem pfleger verklagen.
Schwäb. Wb.
1, 650
;
Schweiz. Id.
4, 1441
.
5.
›Futtertrog‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Barack, Zim. Chron. 
2, 105, 27
 (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Als er nun das fuetter in aim messle und zu dem ross […] kommen, im sollichs in barn zu schitten.
Karnein, de amore dt. 
225, 95
(
moobd.
,
v. 1440
):
auf dem selben annger was ain silbrein parn, darjnn wasser vnd fueter der pferd nach aller notdurfft berait was.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 490
;
Kramer, Volksl. Ansb.
1961, 240
.
6.
›Lecke, ausgelegte Nahrung für das Wild‹; Metonymie zu 5.

Belegblock:

Wopfner, Bauernkr. Tirol 
5, 29
(
tir.
,
1519
):
betreffendt die bărn und sŭltzen wellen die hern vom regigiment […] ordnŭng geben, damit die aŭs und von den veldern weyt von einander in die teller […] gelegt sŏllen werden.
7.
›Topf, Krug, Napf‹; auch: ›Nachtgeschirr‹.
Wmd.
R. Hildebrandt, Ton u. Topf.
1963, 379-383
stellt das Wort in vorliegender Bedeutung eher zu
bare
1 ›Traggestell‹ als zu
barn
, und zwar erstens aus lautgeschichtlichen Gründen, zweitens wegen der Existenz einer Einheit
-bar
in
eimer, zuber
, drittens wegen des fehlenden finalen
-n
. Diese Argumentation ist möglich, aber nicht zwingend, da es insbesondere für die beiden letztgenannten Gründe Gegengründe gibt. Semantisch fällt die Zuordnung von ›Topf‹ zu
bare
›Traggestell‹ ebenso schwer wie in die hier angenommene Reihe ›Scheune – Krippe – Futtertrog – Lecke – Topf – Netz‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1, , .
Wortbildungen:
milchbarn
.

Belegblock:

Lau, Qu. Siegburg
116, 43
(
rib.
,
1516
):
Bleich werck, roede kroichen ind baren eder C vur 16 wispenninck.
Buch Weinsb.
5, 21, 38
 (
rib.
,
um 1560
):
Eins mail fant ich in irer bar gefalten papier, […], und als mir uns darnach eins zankten, verweiß ich ir das, do sacht sei, sulch het sei umb des rauschens willen in die bar gelacht, uff das sei mich nachtz nit weckte.
Lau, a. a. O.
120, 22
;
Vilmar
26
;
Crecelius
1, 95
.
8.
›sackartiger Behälter‹; im ersten Beleg auf die Genitalien des Mannes bezogen: ›Hodensack‹.

Belegblock:

Fastnachtsp.
310, 6
(
nobd.
,
v. 1486
):
Ich urteil, ainer, der ein frauen hat | Und si des nachts ser hunger lat | Und fuoters gnuog hat in seim parn | Und wil das andren pübin sparn | Und sein frauen lest hungern, daß si nicht mag slafen, | Den sol man an seim leib darumb strafen | […] | Und sol im sein geschirr vorem ars abhauen.
Haszler, Kiechels Reisen 
327, 5
(
schwäb.
,
n. 1589
):
füert einer allzeütt denn barn mütt sich, das ist ein schwarz herener sackh, denn henct er dem pfert an denn halls mütt gersten.
9.
›Netz, Schlinge, Garn zum Fangen des Wildes‹.

Belegblock:

Henisch
190
(
Augsb.
1616
):
Zum baren bringen / ins netz bringen / in laqueum inducere, arte sic concludere quempiam, ut iam nullum sit effugium: in casses incidere.
Siegel u. a., Salzb. Taid. 
289, 40
(
smoobd.
,
1499
):
es sol auch ain wildhüeter darob sein, das an den enden, do dann das valwild sein wonung hat, mit dhainem gejaid oder gericht, snuer und parm gelaidigt, vertriben oder gejagt werde.
10.
›Getreidehaufen; aufgeschichteter Haufen Holz‹.

Belegblock:

Henisch
191
(
Augsb.
1616
):
Bärne / korn stoͤcke.
Rechn. Kronstadt
3, 480, 38
(
siebenb.
,
1548
):
lignorum strues vulgo die Berren componentibus.