stelle,
die
;
–/-n
.
1.
›Gestell, gerüstartiges Gebilde‹; im einzelnen z. B. ›Wagenkasten‹; ›Sitzplatz in der Kirche, Betstuhl‹; ›Ablagefach, Regal an einem Möbelstück‹;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1,  1.
Wortbildungen:
stellenbogen
›Fensterrahmen‹;
stelmächer
›Wagner, Stellmacher‹ (zur Wortgeographie von ,Handwerker, der die Bauernwagen [...] anfertigt‘, s.
Dwa
2
;
9, 8
;
9, 9
).

Belegblock:

Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
104, 32
(
preuß.
,
1400-2
):
Peter Lynke eyn stellmechir tenetur 2½ ℔ vor 1 pfeͤrt.
Blümcke, Hans. Gesandtsch. (
nrddt.
,
1603
/
05
):
vor 3 neue stelle zu der herrn beywagenn ... 6 Denn.
Jürges u. a., Waldecker Chron. (
wmd.
,
1546
):
Eine stellenbogen mit einer winden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1513
/
4
):
hat zuͦ zeiten, alsbald sie Got empfangen hat, sich gebraucht als unwillig oder (mit) kotzen, bis sie ist komen in ir stell, vor den leuten.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
ein gredenntz mit 9 stellen, die was mit goldgeschier pesetzt pis an das kwelb.
Zingerle, Inventare ;
Schmitt, Ordo rerum
410, 37
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz. 1989, S. 
294
.
2.
›stufenartig ansteigendes Weinberggelände‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
die da pauen die stellen und die weingarten auf dem perg, geben nur den drittail und si muessen selber haben.
3.
›Platz, Ort, Stelle, bestimmter Raum‹; speziell z. B.: ›Platz in der Schlachtordnung‹; ›Position einer Zahl in einer Tabelle‹; ›Marktstand‹;
vgl.  123.
Phraseme:
(z. B.
der warheit
)
bleibt keine stelle über
›(z. B. der Wahrheit) bleibt kein Raum‹.
Bedeutungsverwandte:
 9,  1,
1
 1,  1, (
die
1.
Syntagmen:
seine s.
[wo]
haben, js. s. nicht wissen
;
an eine s. gelangen, etw. an einer s. tun / verkaufen, etw. auf eine s. setzen, jn. in einer s. finden, sich in eine s. schicken, etw. zu einer s. aufarbeiten
;
die erhöhte / rechte s
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Locus. Statt ort stelle platz plan.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
610, 3304
(
Magdeb.
1608
):
Er [Fuͤrst] wolt mit siegen oder sterben / | Vnd wartet nur auff sein Befehl / | Wo er solt haben seine Stell.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
durch welches [Land] / [...] / man wider [...] in vier Tag wider an vnsere vorige Stell gelangen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
277b, 31
(
Frankf./M.
1649
):
daß in so vielen sorgen vnd aͤngsten / der warheit keine stell mehr vberbleibt.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
so etwa einen numero eine sorte / in ihrer ordnung mangeln thaͤte / wird derer stelle durch eine O ergaͤntzet.
Gille u. a., M. Beheim
39, 17
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie gar | ich [Johannes] sein [Jesus] nicht wiste | An diser stell.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 555, 8
(
Hagenau
1534
):
[Der] kann sich in zeit / person / stelle / unnd wie sich alle ding zutragen / nach gelegenheyt schicken.
Maaler (
Zürich
1561
):
stell / Ordnung, Dispositio, Ordo [...]. Stelle (die) Positura, Gelaͤgenheit. [...]. ¶ Stelle / Darinn die kraͤmer feil habend in jarmaͤrckten / Item ort da die schiff od’ kriegßleüt stend. Statio.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
59
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Welcher nun etwas auff obgemelten stellen vnnd nit auff freÿe(m) margk kauffen od(er) verkauffen wirt.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
151, 21
;
Moscouia
D 2r, 15
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 15
;
26, 24
;
39, 4
.
Vgl. ferner s. v.  4,  8,  3.
4.
›Position, Funktion, Aufgabenbereich‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
das
1,
1
 3, ,  3, (
die
5.
Syntagmen:
eine s. bedienen / versehen, js. s. halten
;
an js. s. kommen / sein, in js. s. erwält werden
;
die freiwillige s
. (Hypallage).
Wortbildungen:
stelvertreten
(Beleg s. v. ).

Belegblock:

Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
9, 22
(
Frankf./M.
1626
):
Ritterstandes Personen / die so wol Befelch als freywillige Stellen in diesem Heere bedienet haben.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
145, 1234
(
Zwickau
um 1540
):
Drumb ich [Sathanas] ir viel gesetzt hab inn der hell / | Stadthalder die da wern an meiner stell.
Logau. Gott
157, 15
(
Breslau
1644
):
Die hier auff Erden deine [Gottes] Stelle halten / | Die wollen hoͤher / alß sie sollen / walten.
Moscouia
D 1r, 22
(
Wien
1557
):
dises Rats was vrsacher der clain Geoͤrg Schatzmaister [...] / der selb verhoffte sein Tochter solte an die stell
[als Heiratskandidatin]
khuͤmen.
Qu. Brassó
4, 41, 4
(
siebenb.
,
1556
):
In sein Styll ist erwählet worden Magister Johannes.
5.
›Weide-, Lagerplatz des Viehs, oft umfriedet‹.
Wortbildungen:
stelplaz
(a. 1578).

Belegblock:

Schwäb. Wb. (a. 
1420ff.
für das Simplex); .