dulden,
V.
1.
›etw. zulassen, dulden, erlauben, gelten lassen; das Vorhandensein / die Gültigkeit einer Sache, die Anwesenheit einer Person hinnehmen, akzeptieren‹; vereinzelt auch: ›etw. genießen, sich an etwas erfreuen‹; offen zu 2.
Phraseme:
˹
etw. dulden und leiden, etw. nicht dulden noch leiden
˺ (juristische Bekräftigungsformel).
Bedeutungsverwandte:
,  123, ,
1
(V., unr. abl.) 4, ; vgl.
1
 2,  1, , (V.) 1,  3,  13,  7,  2, .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den dieb / mörder, Jupiters kinder
)
/ etw
. (z. B.
die lere / sünde / warheit, rechtssprüche
)
d., js. natur die keuschheit nicht d
.;
den babst wie einen tyrannen d
.;
die oberkeit
(Subj.)
d., j., die tauben
[Vögel]
d., das [...], friedlich d., das [...]
;
e. S
. (Gen.obj.)
d
.
Wortbildungen:
duldung
1 ›Erlaubnis‹.

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
660, 26
(
preuß.
,
1437
/
8
):
Wo von mag es ime komen des sol er nit lenger tulden.
Luther, WA (
1518
):
was zu Rom ader anderwo geschicht adder bepst dulden, kund auch ein iglicher landferrer ader kertschmer woll schwetzen.
Ebd. (
1519
):
werden die ubirherrn geystlich und weltlich gar schwere rechnung geben, die solch mißbrauch dulden.
Ebd. (
1521
):
Eyn Boßer bapst sey nit eyn glid der heyligen Christenheytt. wie wol man yhn dulden muß wie eynen tyrannen.
dartzu solt mann dulden die Creutze, das sie uns reytzen zu gedencken an das Creutz Christi.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
520, 424
(
Magdeb.
1608
):
[Juno] nicht kont / noch wolt dulden schlecht / | Jhres Gemahls Jupiters Kinder.
Ebd.
531, 775
:
Wolten die Tauben nicht mehr dulden / | Das die Weihen [...] | So feindlich jhnen stelten nach.
Ebd.
565, 1855
:
Ehe denn wir friedlich dulden wolten / | Das ander bey vns wohnen solten.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Wann er [der unwandelpär] dann hin gesach | Dulden erlich gemach.
Rosenthal. Bedencken
12, 14
(
Köln
1653
):
eine andere Kirch [...] welche [...] solche Lehr gefuͤrt / gutgeheissen oder geduͤldet hab.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
56, 20
(
thür.
,
1474
):
unde sint solliche rechtspruche geduldet [...] geblebin.
Ebd.
193, 12
:
daz der vater sollichs gedult unde in sollicher zcyt sich des nicht entlediget hat.
Köbler, Ref. Nürnberg
420, 8
(
Nürnb.
1484
):
wo sich begebe das yemant truͤpf oder liecht mit duldung seins nachpawrn genuͤlich her pracht hett.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
141, 36
(
Nürnb.
1548
):
Solchem zorn Gottes sol weltliche Oberkeit wehren / vñ dem Ehestand zu ehren / solches ergernuß keins wegs dulden / noch leyden.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Dann ist das nicht ein grosse Pein, | Daß ich solt halten die Keuschheit, | Die mein Natur nicht dult noch leit?
Wickram
4, 19, 11
(
Straßb.
1556
):
Gotslesterung und andere laster geduldet er an keinem.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Ich
[Jesus]
han menschait an mich genomen | [...] | Das ich nút sunden dulde.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Sie möhten nit me | Dulden die Kriechen.
Große, Schwabensp. ;
Grosch u. a., a. a. O.
63, 34
;
129, 35
;
204, 30
;
271, 9
;
328, 32
;
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 11, 19
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
35, 31
;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v. (
der/die
2,
1
 1, ,  3,  3.
2.
›etw. (Schmerzliches, Leidvolles) ertragen, erdulden, aushalten, hinnehmen müssen‹; auch: ›jn. ertragen‹; eng anschließbar an 1.
Phraseme:
etw. tragen und dulden
.
Bedeutungsverwandte:
(V., unr. abl.) 3,  2,
1
(V., unr. abl.) 12,
1
 4; vgl. ,
1
 1, (V.) 9, .
Wortbildungen:
duldung
2 ›Ertragen‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
sufferre. Erleiden duͤlden ertragen in sich trucken.
Luther, WA (
1521
):
die andern sunde und geprechen befelhn sie tzu dulden und tzu tragen.
zeygt an, das er [Christus] allen andern glaubigen gleych foͤrmig sey in duldung der truͤbsal.
Ders. Hl. Schrifft.
Matth. 17, 17
(
Wittenb.
1545
):
wie lange sol ich euch dulden?
[
Mentel
1466:
leid ich eúch
].
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1610
):
Er duldet gar viel hon vnd spott.
Froning, Alsf. Passionssp.
560
(
ohess.
,
1501ff.
):
woldestu nit grossen schaden dolden, | ßo [...].
Pyritz, Minneburg
4950
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ach waz ich dann dulde | Grosser not und swerer pin!
Sachs (
Nürnb.
1542
):
Senfftmut, du bist den frawen ehnlich, | Die alle ding tregt, leidt und duld.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
sie leiden alles, sie dulden alles, vnd dannoch hat die Liebe bey ihnen kein Ende.
Thiele, Minner. II,
2, 19
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
so weis ich das er ungemach | von mynen wegen duldet.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1541
):
Das hat Augspurg mit schmertz gedult.
Brandstetter, Wigoleis
231, 42
(
Augsb.
1493
):
wolt fraw larie [...] beyde übel vnd guot guetlich mit jm
[dem
ameis
, ihrem Geliebten]
tragen vnd dulden.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 4, 26
([
Augsb.
]
1523
):
Dz euangeliu͂ strebt dar wid’ lernet [...] schmach / armuͦt / vñ ellend duldñ.
Munz, Füetrer. Persibein
461, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
dem sag ich, das er dullden múes mein hassen.
Froning, a. a. O.
603
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
19, 25
;
Pyritz, a. a. O.
5068
;
Thiele, a. a. O.
7, 283
;
11, 63
;
28, 23
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Weber, Füetrer. Poyt.
252, 7
;
Dietz, Wb. Luther ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 45
.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›sich gedulden, warten; mit jm. Geduld haben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, (V.) 11,  2, .

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
swer dâ dult, der vint den sic; | wiltû gesigin, duldin pflic!
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Aber in den hochgeziden sollen sie dulden biz zu dische.
Maaler (
Zürich
1561
):
Duld mich / Hab gedult mit mir.