1
gras,
das
;
-es
, ekthliptisch auch
/auch
+ Uml., für 2:
;
zu
mhd.
gras
›Gras‹
(Lexer
1, 1071
).
1.
›Gras‹, Sammelbezeichnung für direkt auf dem Boden wachsende halmige grüne Pflanzen (z. B. Kräuter) unterschiedlicher Gattung (auch Seegras); Gras verkörpert Fülle, Wachstum und Fruchtbarkeit, aber auch Vergänglichkeit; es wird als Nahrung für das Vieh genutzt und muß daher häufig in Form von frischem oder getrocknetem Gras, also Heu, als Abgabe an den Dienstherrn entrichtet werden; vielfach tropisch: ›einzelner Grashalm‹; ›grasbewachsener Ort (z. B. Weide, Rastplatz); Wiese‹; ›Grasmahd‹; ›Recht auf die Nutzung einer Wiese‹; ›Anteil am Ertrag einer Wiese‹; ›grünes Laub an Ästen; frische Triebe‹; bei deutschen Spielkarten: ›Pick, Laub‹.
Phraseme:
ins gras beissen; die nase ins gras bücken müssen
, jeweils ›sterben‹;
etw. / jn. ins gras schlagen
›etw. wegwerfen, jn. verstoßen‹;
das gras wachsen hören / sehen
›etw. besonders aufmerksam (neugierig, mißtrauisch, überklug) beobachten, wahrnehmen‹;
auf dem lezten gras gehen
›auf dem letzten Loch pfeifen, dem Tode nahe sein‹;
bis an den bauch im gras gehen
›reichlich versorgt sein‹;
in dem gras
›in der Frühlingszeit‹; oft in Doppelformeln wie:
gras und baum; kraut und gras; laub und gras
.
Syntagmen:
g. abgrasen / abkrauten / abmähen / abrupfen / aufhauen / ausetzen / ausraufen / dörren / essen / feil haben / fressen / gebrauchen / hauen / hegen / hinausfüren / schmecken / schneiden / schöpfen / stelen / teilen / verbieten / verbrennen / verderben / verkaufen / vertreten / verwüsten / zälen
, (einem Tier, z. B.
einer ku
)
g. geben; das g.
(Subj.)
ausschlagen / grünen / verdorren / wachsen; auf das g. fallen / sitzen / treten, auf dem g. liegen, etw.
(z. B.
vieh
)
auf das g. treiben, etw.
(z. B.
futter
)
im g. suchen, im g. herumkriechen, etw. mit g. bedecken; das abgesenste / burgundische / freche / frische / feste / fremde / geile / gemähte / grüne / gute / hervorstechende / schöne g.; bürde / büschel g
.
Wortbildungen
grasanger
(dazu bdv.: , ),
grasbank
,
grasblat
›Grashalm‹,
grasblume
›Nelke‹,
grasbürde
›Heuhaufen‹,
grasbusch
,
grasbutter
›Frühjahrs- und Sommerbutter (im Gegensatz zur Winterbutter)‹,
grasechtig
,
grasedicke
›dicht und häufig wie Gras‹ (1. H. 16. Jh.);
grasefeld
›Brachfeld, Wiese‹,
1
gräsen
›grasgrün‹ (a. 1472),
grasenwasser
›Kräutersud, Tee‹,
grasflecke
›kleine Wiese‹,
grasfrei
›vom Grasgeld befreit‹ (a. 1620),
grasfresser
,
grasfron
›Herrendienst bei der Heuernte‹ (a. 1506),
grasfrosch
,
grasgeld
1) ›Abgabe für die Weidenutzung‹; 2) ›Buße für Wiesenfrevel‹ (a. 1596), ˹
grasgilge
,
graslilie
›Graslilie‹˺,
grasglocke
›Blume „Campanula graminea‹ (a. 1594),
grashauer
›Froner, der das Gras mähen muß‹,
grasheller
›Abgabe für Wiesennutzung‹ (a. 1414),
grashenne
›Henne, die in der Zeit des frischen Grases gemästet wird (als Abgabe)‹,
grashirse
›Milium gramineum‹ (a. 1594), ˹
grashopper
,
grashupfer
, ›Grashüpfer‹˺,
grashube
(a. 1478),
grashut
›Recht auf eine Waldweide und die damit verbundenen Abgaben‹,
graskäse
, ›Käse, der im Frühjahr aus der Milch einer mit frischem Gras gefütterten Kuh hergestellt wird (als Abgabe)‹,
graskol
,
graskorn
›mit Gras und Heu durchsetztes Viehfutter‹,
graslauch
›Porree‹,
grasläufer
eigentlich: ›Wachtelkönig‹, im Beleg auf das Rind ütr.,
graslied
›derbes Buhllied, erotisch anzügliches Lied‹,
gräsling
›Dummkopf, unvernünftige Person, die noch grün hinter den Ohren ist‹ (zur möglichen Motivation s. Dwb
4, 1, 5, 1986
),
grasmäder
›Mäher‹,
grasmäher
›Mäher‹, hier bildlich für den Tod,
grasmal
›im Freien, auf dem Grasboden eingenommene Mahlzeit‹ (15./16. Jh.),
grasmat
›Heuernte‹ (a. 1559),
grasmond
›April‹,
grasmusch
(wie
grasmücke
), ˹
grasmut
(a. 1602),
graspfennig
›Abgabe für Wiesennutzung‹˺,
grasnägelein
›Grasnelke‹ (a. 1542),
grasquecke
(dazu bdv.: , ),
grasreich
,
grasrieme
›um die Schwanzwurzel des Pferdes gehender Lederriemen‹ (a. 1646),
grasrügung
›Strafe für Wiesenfrevel‹ (a. 1564),
grasschnecke
›Nacktschnecke‹ (a. 1603),
grasschnepfe
,
grasschultheis
›Dorfbeamter, dem die Aufsicht über die Graswirtschaft obliegt‹ (a. 1586),
grassenf
›Pflanze Eruca, Nasturtium palustre‹ (a. 1594),
grassichel
,
grasspaz
(wie
grasmücke
; a. 1603),
grasspecht
›Grünspecht‹ (a. 1554; 1603),
grasspier
›Grashalm‹,
grassprünglein
›Schößling‹,
grasstengel
,
grastisch
,
grastuch
›Tuch, das zum Transport und zum Aufnehmen des geschnittenen Grases diente‹,
grasungrein
›Grasböschung‹,
grasvogel
(dazu bdv.: ),
graswaler
›Grashügel‹,
graswasser
›Kräuterwasser‹ (a. 1559),
grasweg
,
grasweide
,
graswerk
,
graswiesmat
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
361, 18
(
Wolfenb.
1594
):
Ich hette so gedacht, [...], Das erstlich der alte Herr müste ins Graß beissen, Denn wann der alte todt were, köndte man [...].
Luther, WA
16, 167, 24
(
1525
):
in der Fasten, wenn das Grass und die Beume ausschlagen.
Ebd.
17, 2, 225, 26
(
1525
):
[Caiphas odder Hannas] sie sind gras und grase fresser.
Ebd.
21, 133, 16
(
1528
):
das volck, das daher bluͤet und grunet, und die blume des grases ist seine weissheit [...]. Aber dieselbige gerechtickeit ist alles gras fur Gott, das ist, sie ist nichts.
Ebd.
30, 2, 253, 44
(
1530
):
do die drescher auß der scheurenn, [...], die maide mit sichel vnnd graß tuchernn auß einem dollen ankhumen.
Ebd.
31, 1, 24, 21
(
1529
):
Der menschen gleyssend gerechtigkeyt weret nur zeitlich vor den menschen wie ein graßblume.
Ebd.
47, 314, 11
(
1537
/
40
):
Wan sie eines weibes mude seien, flugs dieselbige ins grass geschlagen und eine andere genommen.
Ebd.
48, 55, 72, 5
(
1547
):
Zeit macht Hew aus dem Gras, es grun oder bluͤh wie schoͤn es woͤlle, so mus es verdorren.
Ebd.
49, 48, 20
f. (
1540
):
Gras wechst dicker denn korn.
Ebd.
49, 288, 5
(
1543
):
Es sind mehr Engel im himel denn laub und gras in allen welden.
Ebd.
51, 658, 390
(
um 1535
):
Horet das gras wachsen.
Ebd.
52, 2, 8
(
1544
):
Denn (wie man spricht: Die Kue gehet im graß biß an den bauch) Also sind wir yetz auch reichlich zu unser zeyt warlich mit reicher, voller weyde Goͤttliches worts versehen.
Hertel, UB Magdeb.
3, 713, 10
(
1503
):
Keyner sal sich gebrauchen des graszes uff der stad wischen und werder bey X marcken.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
46, 71
(
Magdeb.
1608
):
Das nicht allein die Nachtigal / | Da sang das klang in Berg vnd Thal / | Sondern Rohrsperling / vnd Grasmusch.
Ebd.
63, 605
:
Ja das verachte Graͤselein / | Hat seinen Feind am Scheffelein.
Ebd.
533, 832
:
[Das Pferd] Weidet sich ohne Neid vnd Haß / | Jn schoͤner Aw / im schoͤnen Graß.
Ebd.
548, 1307
:
Die Gans sagt / [...] | So kriech ich wenn ich wil herfuͤr / | Vnd such mein Futter in dem Graß.
Ebd.
639, 4160
:
[Mohrtantz vnd seine Mann] schossen / | Es fiel so dick als Hagelschlossen / | Vnd kam mancher Mauß auff den Ruͤcken / | Das sie die Naß ins graß must buͤcken.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 117, 30
(
preuß.
,
1403
):
34 m. vor 9 huben und 2 morgen gras czu slan den Pruszen.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
73, 16
(
preuß.
,
1437
/
8
):
sundir vor das dinstgelt sloen sy gras.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
163, 8
(
preuß.
,
1578
):
So muß man das graß den sommer den kuen meines g. hern zum Kaltenhofe teglich hienaußfuren lassen.
Große, Schwabensp.
184a
, 12 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
TRibet eyn man oder heyzet triben sin vie vf vromediz korn oder gras.
Ebd.
166a
, 26:
Swer des nachtes gemeitiz gras [stilet].
Quint, Eckharts Pred.
1, 384, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ob ich gevrâget würde, wie ein ieglich grasspier dem andern sô unglîch wære.
Ebd.
2, 470, 6
:
Hie seind alle graß bletlein vnd holtz vnd stein vnd alle ding ein.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 41
G, 6 (Hs. ˹
md.
,
v. M. 14. Jh.
˺):
kanstu die regens tropfen zeln, | so zel ich dir loub, gras und allen griez.
Fischer, Brun v. Schoneb.
6992
(
md.
, Hs.
um 1400
):
daz mir sin wisheit si ein stech, | so vare ich nicht an den grasewech.
Thiele, Minner. II,
32, 855
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
ich sach her und daer om mich, | bis das ich ein ordelich gresgen vant; | da viel ich neder alczu hant.
Kollnig, Weist. Schriesh.
96, 8
(
rhfrk.
,
1642
):
ist die gemeind neben andern dörfern schuldig, [...] zu mähen, daß graß dürr zu machen und heimbzuführen.
Ebd.
254, 25
(
1565
):
wirdt ein jeder waldschütz auf sein gelübd genommen, solchen wald zue verhüten, darumb er jedes graß von den dreyen wießen und der wald hut zue lohn, daß übrig die gemeind bezahlt.
Karnein, Salm. u. Morolf
125, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
vil schiere wart sie ungesunt. | sie viele uff das graß vor dot.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
73, 12
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
Wie wol sie doch in henden hätt | herz, schellen, gras und eichel, | gar baldt sie schellen auß wärfen thett | als mir zum narren zeichen.
Froning, Alsf. Passionssp.
4760
(
ohess.
,
1501ff.
):
mer woln gleuben yn unßern alden gott, | der laupp und graß geschaffen hot!
Alberus tt ir (
Frankf.
1540
):
Auena sterilis, lolium, zizania, hordeum murinum, gauchhaber / meußhabern / dort / graßquecken.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
45, 16
(
Frankf./M.
1550
):
[Die mauß] versteckt sich vnders graß / | Vnd saß so still / gleich wie ein Haß.
Strauch, Par. anime int.
114, 30
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz he [herre] sine schaf labin wolde uf dem berge an eime grunen grase.
Küther, UB Frauensee
169, 25
(
thür.
,
1375
):
Darubir soylde sich der muͤller wedir zuͤ fichschen weder zuͤ grase addir zuͤ keyme nucze addir zuͤ keyme rechte vorbaz geczıͤhe.
Ebd.
239, 13
:
sollen die obgemelten keuffern sich daz nechst jare mit dreyen agker grass uff der breiten wiesen, [...], beruigen lassen.
Ebd.
275, 31
:
magk sich die genante Claus, Cunne [...] des graß in deme garten gebruchen nach seyner notdurfft.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
12, 23
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dornach vint man eyn groze wiltnisse von 1x tage reysin, in der keyn wonunge ist noch wurcz noch gras.
Opel, Spittendorf
473, 16
(
osächs.
,
um 1480
):
Nun ein wenigk vorbass von dem selbigen steine [...] ist ein cleiner alter graben, nicht tieff, und ein grasefleckigen.
Lippert, UB Lübben
2,
Eltg, 54, 5 (
osächs.
,
1563
):
das sie ein burde graß in die kirch geholt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
12, 39
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann ein acker von natur [...] gutte beume tregt und grun hubsch gras, so ist er gutter art.
Ebd.
18, 11
:
Den megden, welchen die gräserey angewisen, soll sie nachsehen, das sie diselbe ordentlich brauchen und das gras nicht mit der sensen hauen.
Ebd.
50, 13
:
Einem grashauer leihet man ein thaler fur ein tag gras zu hauen.
Ebd.
58, 31
:
Grasekorn im Gebürge.
Ebd.
72, 26
:
Das gras, so man dem viehe in ställen furlegen will, soll mit der sichel abgegraset [werden].
Ebd.
139, 19
:
Nim einen platz fur dich, alt oder grasefeld, darauf mache gruben.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
228, 2036
(
osächs.
,
1607
):
Ist einer hie, dem Es mi(e)ssfel(l)dt, | der allein das gras(s) wachsen hört(t).
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
152v
, 45 (
Leipzig
1588
):
das man den Todt mit einer grossen Sensen zu mahlen pfleget / Jst eine bedeutunge / wie der Todt die Menschen hauffenweise hinrafft / Gleich wie der Grassmeyer das Grass im Felde hauffen weise abhewet.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
284
(
schles. inseldt.
,
1464
):
vnd von dam salbigen flecke sal har dan sam do von nemen vnd das gras vnd dan genÿs.
Fastnachtsp.
587, 2
(
nobd.
15. Jh.
):
Er sprach, er sach mich pei dir ligen | Und olterst mich auf einer graspurd.
Ebd.
673, 10
(ironisch):
Ich main, ir seit ain grasmait worn. | Der mantel steet euch recht und wol, | Als man ain graspürd tragen schol.
Gille u. a., M. Beheim
164, 69
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
zu einem vich wart er verkart, | gras und heu wart sein speise.
Voc. Teut.-Lat. m vijr (
Nürnb.
1482
):
Graßanger. viridariu͂ od’ wurtzgart od’ gruner gut walde od’ graßhofe.
Ebd. m vjr:
Graßsichel fenera.
Chron. Nürnb.
3, 133, 17
(
nobd.
,
1488
):
einen, der het einen kleinen, schlechten, langen gaißbart, der was als witzig, daß er sach das gras wachsen, und het geerbt von Salomon all seine weisheit.
Sachs
22, 12, 7
(
Nürnb.
1524
):
Wie seind ir Lutherischen so naßweiß, ir hört das graß wachssenn.
Franck, Klagbr.
222, 13
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
die Zehend aller fruͤcht vnd einkommens / als des vichs / treids / graß / holtz.
Vetter, Pred. Taulers
157, 1
(
els.
,
1359
):
Es enist niergent so klein bluͤmlin noch ein bletlin noch enkein gras sprúnglin.
Ebd.
387, 24
:
[die sunne] verbrande krut und gras.
Spanier, Murner. Narrenb.
49, 3
(
Straßb.
1512
):
Das graß hören wachsen. Die welt ist also wol gelert, | Das sy das graß yetz wachsen hoͤrt, | Vnd felet dennocht offt damit, | Ja, wol vmb einen puren schrit.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
52, 10
(
Straßb.
1520
):
[doctor Luther] gipt sich vß er hoͤr das graß in dem ewangelio wachsen.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 3, 10
([
Straßb.
]
1524
):
wie der heylig Esaias sagt / Alle menschen seynd graßs / vnd all jr glory / bracht [...] nit anders dañ die hewblůme͂.
Dasypodius A
218 r
(
Straßb.
1536
):
Scilio, Ich schorpfe die wysen / oder matten / so man [...] nach mals die stumpen vnnd hertte͂ graß stengel abschneidet.
Golius
38
(
Straßb.
1597
):
Solum herbsdum, graßechtiger boden.
Sudhoff, Paracelsus
10, 192, 25
(
1536
):
das gibe zu trinken on underlaß für al ander trenk, keinen wein, alein was kület, als grasenwasser, wasser, milch, bier, öpfeltrank.
Päpke, Marienl. Wernher
256
(
halem.
,
v. 1382
):
wie frúntlichen was | Gezieret lop, boͮm und grass.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208r
, 8 (Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
nim swinin mist, das gras / esse, werm den vast vnd leg in an des blůtes / vssgang.
Maaler
191
rff. (
Zürich
1561
):
Graß (das) Allerley gattung kraut vnnd hoͤuwgewaͤchs. Gramen. Das Graß ist weyß vom touw. [...] Die rossz aͤssend Graß / Weidend sich im graß. [...] Graßreycher boden / Vast voll vnd überflüssig von kraüteren.
Ebd.
191v
:
Graßfrosch (die) Ruberta [...]. Graßgilgen (die) Ein kraut hatt bletter wie graß vnd weyß blůme͂ wie kleine gilgen. Phalangites. [...] Grasposch (der) Gramineus cæspes [...] Gruͤner Graßpoͤsch.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
200, 11
(
schwäb.
,
1361
):
[Sie verkaufen ihre Burg mit Zugehör]
an vischentzen, zollen, kirchsætzen, gerihten, ehaftin, manlehen, zinslehen, grashuten.
Ebd.
367, 29
(
1415
):
10 ℔ Augsb. ₰ zu Grasgeld.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
471
(
schwäb.
,
1455
):
Des herten winters fluet | Verderbet loub und gras.
Sappler, H. Kaufringer
5, 172
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er legt si nider in das gras. | sein will ward erfüllt an ir | gar nach seines herzen gir.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
140, 21
(
schwäb.
,
v. 1542
):
fast vor hunger, das man zu zeiten gesechen hett, das die kunder gras im munt gehapt hetten und also gestorben.
Barack, Zim. Chron.
4, 130, 5
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ist das kindt im grass umbher krochen und hat blumen gebrochen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 256, 32
(
schwäb.
,
1578
):
das einer wolt ein büschel graß mit einem roß über ruck holen.
Henisch
1726
ff. (
Augsb.
1616
):
Gras / mit langer wurtzel / agrestis [...]. Gresich / greßle / graͤsle [...]. Daß junge gresichen das heraus wechst nach der brachfar ist den schiffen am besten. [...] grasung / pascua herbos, viridantia. [...] Er meinest er hoͤre das gras wachsen / die floͤ husten. [...] Es wird dir bekom͂en wie dem hund das gras. [...] Grasbanck / graßtisch / torum, cubile, abacus herbidus, quo convivæ discumbunt. [...] Grasblumen / negelin / negelblumen / betonica coronaria [...]. Grasbutter / butyrum gramineum, è lacte vaccarum viridi gramine pascentium. [...]. Graskoͤl / wisenkoͤl / wilder beren klaw. [...] Grashopper / locusta & cicada. Graslauch / weisser zwibel / porrum [...]. Graslied / weltlich / bulerisch / hurisch gesang [...]. Grasmond / Aprilis. Grasmucken / grasmusch / gorse / grasvogel / zotscherlin / curruca [...]. Grasschnepff / gallinago, sic dicta qvod inter gramina lateat [...] Wasserhǔnle [...]. Grasspecht / picus graminis [...] Daß Pferdt stirbt offt / ehe das gras waͤchset. [...] Der Kuhe gefellt ein hand vol gras besser denn aller gelehrten kunst. [...] Weil einer kan / so braucht man jhn / darnach schlegt man jhn ins gras. Wo man das gras haͤget / da waͤchßt es.
Guth, Gr. Alex.
3554
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Da waz waßer, dar ynn gräzz | Mer den zehen schüch höch.
Ebd.
3572
:
Ain pürk in dem möß waz, | Dor umb daz waßer und graz | Gieng on allen orten.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
389
(
oobd.
,
1607
/
11
):
(Schale)
nur am rand inwendig mit wenig graßwerckh mit gold gemalt.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
378
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
da wart daz ertreich trukchen gesehen vnd mit gras bedekchet.
Turmair
4, 348, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Alles volk lief zum pischof Jaddnah, der war nun auch ein vast alt man, gieng auf dem lesten gras.
Winter, Nöst. Weist.
2, 273, 29
(
moobd.
,
1585
):
Wann einer ain graserin in graswismädten begreift, so [...].
Ebd.
2, 469, 31
(
1561
/
77
):
Wer ain grasung rain außört, der hat gefrevelt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
12, 26
(
m/soobd.
,
2. H. 16. Jh.
):
soll ainer dem andern [nit] [...] durch sein viech das groß verderben vertreten und verwüesten.
Ebd.
236, 35
:
jeder angesessner im gericht ist schuldig zu geben [...] daß gerichtfueter; und auf den guetern im gericht darauf man solch gerichtfueter, graßkäß oder graspfenning hat.
Ebd.
243, 26
:
schol ein purkgraff [...] allen leuten [...] in dem grass [aufciechen].
Siegel u. a., Salzb. Taid.
6, 40
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
soll man uns dienen nach alter gewonhait die air zu ostern, die gras- und maihennen nach ostern.
Wackernell, Adt. Passionssp. Br. I,
1277
(
tir.
,
1551
):
[Ain diern spricht zu Petro:] So du alter gresling! | Schluegstu nit den jungling | In dem garten ab sein Ohr? | Bie pistu yecz wie ain thorr.
Luther, WA
11, 63, 24
;
21, 133, 29
ff.;
21, 296, 36
;
30, 2, 608, 14
;
31, 2, 685, 12
;
36, 435, 29
;
36, 557, 15
;
41, 159, 11
;
Hertel, a. a. O.
3, 608, 23
;
37
;
Toeppen, a. a. O.
5, 9, 27
;
117, 34
;
144, 13
;
Quint, a. a. O.
1, 385, 2
;
2, 475, 1
;
568, 16b
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
66, 10
;
Jahr, H. v. Mügeln
113, 816
;
118, 1235
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 7
;
v. d. Broek, a. a. O.
152v
, 32;
Göz. Leichabd.
211, 14
;
Böhme, Morg.R.
152, 24
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 32, 10
;
Gille u. a., a. a. O.
199, 57
;
334, 6
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 38, 4
;
Harsdoerffer. Trichter
3, 245, 22
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 438, 2
;
Bihlmeyer, Seuse
233, 10
;
478, 14
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
94, 8
;
Menge, Laufenb. Reg.
193
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 631, 21
;
3, 806, 21
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
120
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
47, 26
;
Klein, Oswald
8, 11
;
21, 48
;
42, 45
;
75, 44
;
Dasypodius
338v
;
Alberus cc iijv; GGr;
Maaler
178r
;
191
rf.;
Henisch
1726
ff.;
Dietz, Wb. Luther
2, 160
;
Schles. Wb.
1, 445
;
Pfälz. Wb.
3, 414
;
417
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
153
;
Martin/Lienhart
1, 280
;
Schweiz. Id.
2, 792
;
3, 852
;
4, 693
;
6, 908
;
10, 47
;
Schwäb. Wb.
3, 794
-801;
6, 2063
/4.
2.
Maßeinheit für eine Grasabgabe.

Belegblock:

Mon. Boica, NF.
2, 1, 304, 19
(
nobd.
,
um 1428
):
und ein halbs tagwerk wismads, tregt ein grasz; [...] und mer ein vierteyl eins tagwerk, tregt zwey grasz.
Ebd.
310, 12
:
mer acht tagwerk wismads, die tragen newr ein grasz.
Nyberg, Birgittenkl.
43, 38
(
schwäb.
,
1472
):
[ein gart], den hatt auch innen der genannt Jacob Boss vnd gibt jerlichen dauon zehen gras.
3.
›Raupe‹; Kopfform von .
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Henisch
1727
(
Augsb.
1616
):
Gras. hier / hyæna, animal quod & piscis & serpentis nomen esse ait. Gesn. Gras / krautwurm / raup / campe, eruca, vermis olorum hortensium fiutices infestans & erodens.