auswirken,
auswürken
(beide Formen in annähernd gleicher Häufigkeit),
V.,
unr.; Prät. als Folge von Primärberührung auch mit
ch
; vereinzelte analogische Übernahme des
ch
in die Präsensformen; vgl. dazu auch
auswerken
, Kommentar zum 3. Beleg.
1.
›sich von etw. lösen, befreien, sich abspalten, abfallen (im religiös ütr. Sinne)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,
2
 11,  3,  1,  12.
Syntagmen:
sich von der anklage / blutrache a., aus / von dem gericht a.
;
mit geld a.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
1, 193
;
Scherzius
81
;
Haltaus
88
;
Schwäb. Wb.
1, 539
.
2.
›(mittels des Wirkeisens) einen freien Raum im Gestein aushauen; etw. (mit dem Wirkmesser) ausschneiden; etw. (z. B. einen Hirsch) aus der Decke schlagen und zerlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12 (zur ersten Variante).
Syntagmen:
den bau, den huf a.

Belegblock:

Patocka, Salzwesen.
1987, 124
(
oobd.
,
1595
):
Wann die Peÿ tief gnueg ausgewircht sein.
Trübner, Dt. Wb.
1, 209
;
Schwäb. Wb.
1, 539
.
3.
›etw. knetend zu der gewünschten Form gestalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. ,  25.
Wortbildungen:
auswirkmel
›Mehl, mit dem der Teig ausgewirkt wird‹,
auswürker
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat.
q viijv
(
Nürnb.
1482
):
Kneter od’ außwurcker eins taygs. cerastur.
Rohland, Schäden
557
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
wirck es
[die Mischung]
uß als vorgenant.
Maaler
48r
(
Zürich
1561
):
Außwürcken / Das brott auß dem teig gestalten jn zůschiessen.
Schwäb. Wb.
1, 539
.
4.
›etw. (Tuch) mit etw. (z. B. Edelsteinen) zieren, bestücken‹.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
118, 39
(
tir.
,
1464
):
[die] vmhëngtten die wentt zue allen seitten mit chöstleichen tüechern von gold vnd von ëdlem gestain ausgewarcht.
5.
›sich manifestieren; etw. prägend wirken‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3 (zur ersten Variante).
Texte der Mystik; vorwiegend 14. Jh.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 330, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Alle crêatûren enmugen got niht ûzgewürken.
Jostes, Eckhart
19, 17
(
14. Jh.
):
Di erst craft wurchet sich uz und hoͤrt und vernimt und zeuht in sich alle leipliche dinge geistlich.
Bihlmeyer, Seuse
262, 1
(
alem.
,
14. Jh.
):
so wirt daz war bilde mins toͮdes in dir us gewúrket.
Vetter, Pred. Taulers
158, 8
(
els.
,
1359
):
so kert er sich ze note oder ze nutze us ze wúrkende us dem selben in das selbe.
Ebd.
236, 34
:
die [zornliche kraft] ensol nút uswúrkens han denne in die ding die Gotte wider weren.
Bihlmeyer, a. a. O.
94, 16
;
99, 8
;
353, 13
;
Sermon Thauleri
4vb, 12
;
18
;
Nicklas, Seuse.
1914, 146
.
6.
›nach außen wirken, sichtbar wirken; sich sinnlich verhalten‹.
Texte der Mystik des 14. Jhs.
Wortbildungen:
auswürkung
1.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
28, 16
(
14. Jh.
):
leiplich ding: ie creftiger di sint, ie mer si uzwurchen in di zeit, von got verre.
Ebd.
32, 5
:
Geistlich dinch di sint inwurchend, leiplich dinch di sint uzwurchend.
Bihlmeyer, Seuse
300, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
ich bin nút ein uzwúrkendes gůt, ich bin ein inwúrkendes gůt, und daz ist so vil edeler, so vil es geistlicher ist.
Vetter, Pred. Taulers
289, 34
(
els.
,
1359
):
[du] hast dich des lebenden burnen unwirdig gemachet mit diner sinnelichen uswúrkunge.
Ebd.
374, 37
:
das si als gewaltig werdent ir selbes innewendig und uswendig irre sinne und sinnelicher uswúrkunge an allen dingen.
7.
›etw. zu Ende führen, fertigstellen, vollenden‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. ,
2
 6,  12.
Wortbildungen:
auswirkung
,
auswürkung
2 (dazu bdv.:  13, ).

Belegblock:

Lexer, Tucher. Baumeisterb.
274, 28
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
Es sollen auch die meister wem sie arbeitten [...], demselben von seinem werck nit geen wider seinen willen, piß sie im sein werck außgeworcht [...] haben.
Maaler
48r
(
Zürich
1561
):
Die Außwürckung / Der außgang deß wercks vnd vollendung.
Bihlmeyer, Seuse
323, 24
;
Dasypodius
67v
;
Schwäb. Wb.
1, 539
.
8.
›etw. erreichen, von jm. erlangen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, ,  3, ,  3.
Syntagmen:
eine bulle, ein privilegium a.

Belegblock:

Rwb
1, 1141
(a.
1659 ff.
).
9.
›schwinden, sich verzehren; etw. mindern, verringern, zum Verschwinden bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  910,  1719, (V.) 7, (V.) 12.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
396, 17
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Das bewiset sich mit maniger wise, mit lidunge, mit bissen der conciencien; daz wellent sumliche uswúrcken mit bihtende.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1449
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Alsus wurt der geist verbrant in dem fv́re der minnen [...] vnd wirket sich vs vnd wurt selber minne.
Ebd.
2040
:
wurt hunger vnd turst von minnen so gros, daz er sich alle stunden v́ber git vnd gebristet sines werkes vnd wirket sich vs und wurt zvͦ nv́te in minnen.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
55, 10
(
Venedig
1483
):
als vil als die genade gottes die naͤygunge auß worcht.