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abkeren,
V.;
zu
keren
›wenden‹. Das Wort ist außer in der fachsprachlichen Verwendung 8 vor allem in den Bedeutungen 10; 11 belegt.
1.
›von einer bestimmten Stelle zu einer anderen hingehen, sich wohin begeben‹;
zu
1
 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr.
2598
(
halem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
Wir sölten keren gegen im abe.
2.
›die Arbeitsstelle verlassen, die Schicht beenden‹; fachsprachliche Spezialisierung zu 1.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
72, 27
(
omd.
,
1563
):
Es sollen auch hinfurder die arbeiter [...] am freytag abendts abekehren.
3.
›sich hinab-, hinunterbegeben‹;
zu
1
 2.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.

Belegblock:

Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Luc.
19, 7
(
osächs.
,
1343
):
daz her [Jhêsus] zů einem menschin eime sundêre abe kêrit wêre.
4.
›sterben, scheiden, heimgehen‹; verhüllend zu 1 oder 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
13, 148
(
nobd.
,
vor 1496
):
O jungfraw, preyt den mantel dein | Über unß sunder, so wir hie ab keren!
5.
›etw. entfernen, wegwälzen‹; anzuschließen an 1. mit Akk. d. S.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 99, 36
(
Frankf.
1557
):
Wenn du vom Loch den Stein abkerst.
6.
›(Waren) abladen‹; anzuschließen an 3 in spezialisierter Verwendung.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
29, 22
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Von jedem wagen abzukehren dem wirker 1 gr.
7.
›jm. etw. (z. B. Schaden) vergüten, ersetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
133, 14
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
ist [...] erkent, [...] dem andern sein schaden abzukeren.
8.
›(Wasser) ableiten‹.
Vorw. rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  4.

Belegblock:

Schatz, Sprache Oswalds.
45, 48
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
ker ab! so sprach die mülnerin, | heb auff! schrai die päurin.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
73, 5
(
m/soobd.
,
1606
):
das der bach nit [...] von der hoffwiesen abgekert werde.
Merk, Stadtr. Neuenb.
113, 21
;
139, 26
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
24, 1
;
Bad. Wb.
1, 10 a
.
9.
›etw. (z. B. Zaunlücken) schließen, dicht machen, beheben‹.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
78, 30
(
smoobd.
,
1654
/
68
):
so soll das esster hinten nach im zuefahlen, darnach in dreien tagen alle lucken abkert [...] werden.
10.
›jn. zum Abfall von jm. bewegen, abtrünnig machen, trennen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 127, 31
(
balt.
,
1396
):
mit drauwe derselben herunge her hatte abgekart vil man des stichtes zu Rige von dem vorgenomten herren erzbischofe.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Luc.
23, 14
(
osächs.
,
1343
):
Ir habit mir geantwortet disen menschin alse einen abe kêrinden daz volk.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
76, 11
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
wie er die menschen abekere von gote.
Lemmer, Brant. Narrensch.
1050
;
Strauch, Par. anime int.
21, 11
.
11.
›sich von jm./etw. abwenden, lossagen‹; vor allem in mystischer Verwendung, einerseits für die Abkehr von Gott, dann auch: ›abfallen‹, andererseits für die Lösung des Menschen aus allen seine Beziehung zu Gott störenden Bindungen, dann auch: ›sich von etw. lösen, auf etw. verzichten, etw. aufgeben‹.
Wörterbücher des 16. Jhs.; religiöse, vorw. mystische Texte des 14. Jhs.
Bedeutungsverwandte:
 6,
1
 2,  1,  11; speziell für die letztgenannte Nuance:  7; vgl. , .
Syntagmen:
von got, von dem götlichen liecht, von der seligkeit / tugend / welt / bescheidenheit / gleichheit / kreatur, von dem fürnemen, von zeitlichen dingen a.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jer.
5, 6
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ja sint gemerit ire bruche, ir abkeren ist gesterket.
Quint, Eckharts Pred.
1, 70, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Kêrte sich got ab allen crêatûren einen ougenblik, sô würden sie ze nihte.
Ebd.
2, 146, 2
:
Daz abekêren von der saelicheit und von der tugent, dâ von kumet alliu sünde.
Ebd.
2, 74, 2
:
Sô sich der mensche abekêret von zîtlîchen dingen und sich kêret in sich selben, dâ verstât er ein himelischez lieht.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 390
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
sv́ hattent ein frilich abe keren von gotte, wider sin ere vnd wider sinen willen, vnd hattent ein zvͦ keren zvͦ den creaturen.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
211, 6
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz da inhanget dem bösen unde abgekeret ist von dem gotlichen [lieht].
Illing, Albert. Sup. Miss.
375
(
els.
,
um 1380
):
wie wir vns [...] gotte opfren súllent: mit herze vnd libe, also daz, wir vns abekerent von glicheit dirre welte.
Vetter, Pred. Taulers
92, 6
(
els.
,
14. Jh.
):
Das ist daz sich der mensche abekere und abescheide von allem dem das nút Got luter und blos enist.
Ziesemer, a. a. O. Jer.
8, 4
;
Quint, a. a. O.
1, 334, 1
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
2, 4
;
Vetter, a. a. O.
51, 21
;
191, 34
;
325, 27
;
Morgan u. a., a. a. O.
201, 11
;
Kehrein, Kath. Gesangb. III,
214, 46
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
17, 43
;
Schöpper
105b
;
Maaler
3 v
;
12.
›etw. (z. B. den Zorn) von jm. abwenden, ablenken, abhalten; jn. von etw. (einer Handlung o. ä.) ab-, zurück-, fernhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Fischer, Eunuchus d. Terenz
181, 25
(
Ulm
1486
):
Subtillich thůt der knecht mit disen worten den zorn deß alten von im und von dem Cherea abkoͤrn.
Kehrein, Kath. Gesangb. I,
34, 8
(
Nürnb.
1631
):
GOtt woͤll vns allzeit mehren, [...] | Vnd vns vom boͤsen abkehren.