müe,
mühe,
müge,
die
;
-Ø/-n
.
1.
›Mühe, Mühewaltung, Arbeit, Anstrengung, die j. zur Erledigung von Alltagsroutinen, zur Bewältigung von Schwierigkeiten, zur Erreichung eines selbstgesteckten Zieles auf sich nimmt‹; bei Betonung der Anstrengung offen zu
not
(
die
), (u. ä.), bei Betonung der eigenen Zielsetzungen offen zu
emsigkeit, fleis, unmusse
(u. ä.) (s. u. die Angaben bdv. Ausdrücke); im einzelnen auch z. B.: ›berufliche Tätigkeit‹; ›Leiden‹; vgl.  1; teils offen zu 3.
Phraseme:
an jm. keine müe sparen
;
sich keine müe bedauern / verdriessen lassen
;
müe und arbeit ist verloren
o.ä.
Bedeutungsverwandte:
 16,  2, , (
der
1, ,  2,  3, (
die
3, , , .
Syntagmen:
m. nemen, in / mit etw. m. haben, m. (auf etw.) anwenden, m. anwenden, das [...], etw
. (Subj.)
m. kosten, es hat m., wen [...]
;
m
. (Subj.)
umsonst sein, nicht verfahen, jm. werden, jn. verdriessen
;
das leben m., voller müe sein
;
js. m. danken
;
ane m. nichts herfürbringen, durch m. etw
. (z. B.
gold
)
kriegen, den verstand durch m. schärfen, für seine m. etw. bezalen, jm. für seine m. etw
. [einen Betrag]
geben
,
j. für seine m. etw
. (z. B.
eine landschaft
)
zu eigen nemen, mit m. etw. durchdringen, nach etw. ringen, mit m. sein brot suchen, mit m. suchen, wie [...], etw. mit m. bezalen / schreiben / erfinden
(z. B.
die kunst
)
/ zusammenbringen
(z. B.
ein buch
)
/ erwerben
(z. B.
ein land
),
jn. mit m. zu etw. bewegen, aus einem joch ledigen / freien, jm. mit m. dienen, e. S
. (Dat.obj.)
mit m. anhangen
;
jm. um m. etw. geben, j. zu m. kommen
;
m. mit kleinem gewin
;
die anhältige / fleissige / grosse / harte / schwere m
.

Belegblock:

Luther, WA (
1533
):
muͤste mich die muͤhe nicht verdriessen, jnen die augen ein wenig zu schewren.
Ebd. (
um 1535
):
Hie ist muhe vnd erbeit verlorn.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 90, 10
(
Wittenb.
1545
):
wens [Leben] köstlich gewesen ist / so ists Mühe und Erbeit gewesen.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
sie befleissigen sich hierin [...] vergeblich / verlierenn alle jhre müehe vnd arbeit.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
74, 23
(
omd.
,
1487
):
Es dÿnt mancher mitt grosser múhe sorge vnd arbeitt eÿnem zceitlichen hern.
Stoltzius, Chym. Lustg. (
Frankf./M.
1624
):
ohne Arbeit / Muͤh vnd Macht | Wird nichts herfuͤr noch hrauff gebracht.
Ulner
173
(
Frankf.
1577
):
Fleiß. Muͤhe / sorgfeltigkeit / arbeit / vnruhe / embsigkeit / sorge / ernst.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1523
):
so ich nit mit geringem vleiß, auch stetter anheltiger muhe vnnd arbait [...] vil zeit erlangt hab.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
1525
):
alles uber und wider unser ernstlich ermanung, muw, arbait und fleyß, der aller kains hat wöllen verfahen.
Franck, Decl.
335, 16
(
Nürnb.
1531
):
[ein herlich erbguͦt] von welcher wegen das leben der menschen ist arbeitsaͤlig / vnrusam / vnd voller muͤhe?
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
last das best bey euch doch stehn | Vnd last euch keine müh verdriessen!
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1446
):
mit grosem flis und ernst, múeg und arbeit wart gesuͦcht von dem byschof [...], wie sy die sach in der frúntschafft moͤchtent zerleit haben.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
an mir kein müey muoss werden g’spart.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 120, 22
([
Augsb.
]
1548
):
Es hat muͤhe / wann man soll vil koͤpffe in ainen bringen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Dir wúrt der nutz und mir die mühe.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
57
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
wie ich mit fleissiger muͤ vnd williger arbait [...] ain puch in deẅtsch zusammen wolde clawben.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
83, 14
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
chunst vnd ler, dew die hailigen lerär [...] mit muͤe vnd in arbait habent derfunden.
Rechn. Kronstadt
3, 219, 4
(
siebenb.
,
1545
):
das sÿ mye haben gehat in wain kauffen vnd anderen sorgen auszczurichten.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
20, 30
;
Pfefferl, Weigel. Ges.
26, 34
;
Dedekind/Scheidt. Grob.
135, 8
;
197, 31
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
270b, 3
;
323b, 23
;
Loose, Tuchers Haushaltb. ; ;
Rupprich, a. a. O. ;
v. Keller, a. a. O. ;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Wickram
4, 13, 6
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Brandstetter, Wigoleis
213, 1
;
Klein, Oswald
11, 9
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Moscouia
C 2r, 36
;
Mollay, Ofner Stadtr.
236, 10
;
Vgl. ferner s. v.  3, (
der
3, ,  3.
2.
›seelische, psychische Not, Belastung e. P. bis hin zur Erkrankung reichender Zustand vor allem religiös bedingter Verzweiflung, Angst, Glaubensnot‹; vereinzelt Tendenz zur Säkularisierung;
vgl.  5.
Meist Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
(
die
2,  2,  3, , ,  12,  12, (
die
457, (
die
5, ,  123,  1.
Syntagmen:
m. haben, die angst m. machen
;
jm. aus der m. helfen, sich in m. verzeren, sich mit m. ausmergeln / verderben, nach m. ausgehen
;
die m. der anweigung
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
95, 1646
(
Magdeb.
1608
):
Jsts nicht bequemer froͤlich leben / | So lang vns Gott gesundheit geben / | Denn das man auch die gringe zeit / | Verzehr in muͤhe vnd trawrigkeit?
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 51
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Mit arbeit, trubsal und jamer leben wir und nach vil mwe und kestigung [...] wern wir außgeen.
Ebd.
15, 46
:
Wer mag aber geczelen, was jamer, wurcken und mue machen die totlich engst, die sorg benotet, die sorgfeltikeit laidigt, die forcht erschreckt, [...], die trawrikeit betrubt, die betrubnuß trawrigt.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dú sel ist och saͤlig dú ietz enhain muͤgi hat von dez libes laster.
Maaler (
Zürich
1561
):
Den leyb von angst vnd not oder sorg verzeeren vnd gantz Außmaͤrglen. [...]. Sich verderben vnnd Außmaͤrglen mit muͤy vnnd arbeit.
Wagner, a. a. O.
15, 8
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
75, 64
.
Vgl. ferner s. v.  2.
3.
›Unglück, Elend, Not, Qual, Beschwerlichkeiten, die jn. im sozialen Alltag sowie in besonderen Situationen (z. B. im Krieg, auf Reisen, vereinzelt auch in einem angenommenen Jenseits) überkommen oder jm. zugefügt werden‹;
vgl.  6.
Gewisse Beleghäufung für berichtende Texte.
Phraseme:
eine müe findet die andere
›ein Unglück kommt selten allein‹.
Bedeutungsverwandte:
(
die
1,  1, (
der
1, (
die
1, , , , , .
Syntagmen:
m. ausstehen / geleiden / haben
, [wo]
finden, jm. m. tun, vernunft jm. m. geben
;
(die) m
. (Subj.)
jn. ängsten / stechen, nicht aus der erde gehen
;
jn. ane m. finden, j. in m. leben, mit m. sieglos liegen, befangen sein, den kopf vor m. hangen
;
die grosse m
.
Wortbildungen:
müe
(Adj.),
müekeit
›Plage‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
29, 18
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
und wil si vorvolgin mit dem swerte, mit hungere und mit suchtikeit und will si gebin eyne muykeit allin landin zu vluche.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dem begonde gebin nû | ein teil vornumfte dise mû, | dâmite er sich bevangin sach.
want sî itzunt zwei jâr | gestrittin hattin manchin strît | und gelâgin alle zît | sigelôs mit grôzir mû.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Es ist kein standt so hoch auff Erden, | Der one muͤhe moͤg funden werden: | Groß muͤhe ist stets bei hohem stat.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
143, 21
(
Nürnb.
1548
):
so du ein weib hast / die [...] zur haußsorg vngeschickt vnd mutter vnflat ist / [...] / Da ists zumal muͤhe vnd arbeyt.
Morrall, Mandev. Reiseb.
81, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
etlich daz sie nit múgent die múge geliden, etlich daz in zerung gebrist.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1395
):
daz der Aunsorg herzog Hansen land ward angriffen an lutten [...] und tet den vil schaden und vil mü.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Mühe gehet nicht auß der erden / vnnd vngluͤck wechst nicht auß dem acker.
Klein, Oswald
104, 75
(
oobd.
,
1429
):
Ain mü die ander vindt.
Munz, Füetrer. Persibein
393, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ich sag dir, ob du volgest nicht, | das du dortt múe vnd grosse angste vindest.
Kurz, a. a. O. ;
Ralegh. America iijr, ;
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
A vijv, 15
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Hör, Urk. St. Veit
136, 19
;
Vgl. ferner s. v. .