hauptman,
der
;
-s/-er
(+ Uml.),
-leute
, seltener
, -en.
1.
›j., der eine führende Funktion in der Administration einer sozialen Ordnung (des Reichs, eines Landes, einer Grundherrschaft, einer Stadt, eines Stadtbezirks, eines Dorfes, einer Bruderschaft) ausübt; Träger eines Amtes; teilweise mit richterlicher Funktion‹; speziell im Bergbau: ›oberster, für den Bergbau eines Landesteils verantwortlicher Beamter‹;
zu  16.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
den h. etw. bitten, zu etw. laden
;
der h.
(Subj.)
etw. anzeigen / bekennen / einnemen / erfaren, etw. in die büchse legen, gewält werden, jm. etw. sagen, jn. zu etw. bereden, h. sein / werden
;
dem h. etw. gebieten / verkünden, schuldig bleiben
;
mit / one erlaubnis des h.
;
der h. der bruderschaft / stat, des erzkönigs / landes, einer herrschaft
;
die klugen / obersten / vorsichtigen hauptleute
.
Wortbildungen:
hauptmännisch
(a. 1561), ˹
hauptmansfal
(a. 1524),
hauptmanshandel
(a. 1526)˺ jeweils ›Gerichtssache, die nur vor einem Landeshauptmann verhandelt werden darf‹,
hauptmanszelt
(a. 1536).

Belegblock:

Lau, Qu. Neuß
300, 4
(
rib.
,
1636
):
Erstlich solle ein jeder [...] sich daselbst finden lassen und entweder mit Erlaubnuss des Hern Burgermeister oder Haubtmans einen [...] bewehrten Burgersman an seine Platz stellen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 322, 21
(
hess.
,
1478
):
sall yederman [...] sich des geschreyes, der zeychen und losunge, die die burgermeyster und heuptlude yne dan da uffenberlich sagen [...] werden, sich gebruchen.
Gerhard, Hist. alde e
1209
(
omd.
,
um 1340
):
Der phaffe, daz ist der houbtman | Des landes, hatte sunder wan | Siben tochter.
Küther, UB Frauensee
375, 30
(
thür.
,
1528
):
uff sulchen gehalten tagk sey ein underredung gescheen, das die heuptleudt und schultes zu Eyssenach die oberkeit in das ampt Wartburgk gehorig haben wollen.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
232, 31
(
osächs.
,
1542
):
Wir, Michel Fischer, derzeit heuptman der herschaft Grauppen.
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
30, 32
(
nböhm.
,
1552
):
mit zulossen des edeln gestrengen hern Hans von Oppel zu Linderod, röhm. khönigl. Mayestät hauptman zu Fridland.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
70, 1
 f. (
nobd.
,
1406
):
waz danne gelte und von wachs uberig blibet [...], daz sullen die zwen heubtman der bruderschaft [...] innemen und in die buchsen legen.
Chron. Nürnb.
3, 356, 27
(
nobd.
,
1440
/
4
):
Auch wart den obersten heubtleuten empholhen, Sebolten Kressen burggrafen auf der vesten ein hilf zu thun.
Gille u. a., M. Beheim
453, 1361
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Uber daz volk warn zwen gestalt. | die waren haptlewt und anwalt.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
60, 11
(
nobd.
,
n. 1525
):
Hauptlewt, rät und ander amptlewt, zu Insing gemacht.
Sachs
10, 423, 31
(
Nürnb.
1557
):
So hab wir fürsichtig und klug | Haubtleut, das man die ding außricht.
Ebd.
11, 203, 9
(
1550
):
Dieweil heut mein geburts-tag ist, | Darzu ich ludt vor langer frist | Die obersten und hauptleut da | Im gantzen landt Galilea.
Merk, Stadtr. Neuenb.
36, 39
(
nalem.
,
1368
):
Ich Albrecht von Buͦcheim, der hochgebornen fúrsten [...] herzog Albrechts und herzog Leúpoldes gebruͤdern von Oesterich [...] hauptman und lantvogt ze Swaben und in Elsazz.
Geier, Stadtr. Überl.
602, 24
(
nalem.
,
1589
):
Als sich [...] die [...] weisen herren hauptman, burgermaister und rathe der statt Costanz [...] und [...] herr Wolfgang von Hohenegk [...] ainer durchgeenden fischerordnung [...] auf zehen jar lang nachbeürlich mitainanderen eingelassen und verglichen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
286, 33
(
halem.
,
1339
):
Gitschshart Petermans sun von Raren ze den ziten houbtmans ze Wallis.
Müller, Lands. St. Gallen
100, 10
(
halem.
,
1562
/
64
):
wo die amman, houptlüth und waibel solliches erfüeren und mines gnedigen herren ambtlüthen nit anzaigten, söllten sy [...] gestraft werden.
Chron. Augsb.
1, 28, 11
(
schwäb.
, zu
1372
):
darnach ward herzog Fridrich von Deck der stat haptman zwai jar.
Chron. Augsb.
5, 382, 10
(
schwäb.
,
um 1530
):
dieselben ordnung gab man den viertelhauptleuthen, die muostens den hauptleithen uber zehen heusser und dieselben iren underthanen verkhünden.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 497, 3
(
schwäb.
, [
1577
] Hs. [18. Jh.]):
Die haubtleuth sollen aus den Gmündischen underthanen gewählt werden.
Rauwolf. Raiß
40, 23
([
Lauingen
]
1582
):
Dise Sangiachi haben noch andere mehr Haupt / vnnd Beuelchsleüt vnder jnen.
UB ob der Enns
10, 358, 18
(
moobd.
,
1386
):
Wer auch [...] gesessen jn vnserr herrschafft [...], der sol das recht darumb nemen und suechen vor dem egenannten vnserm haubtmann oder seinem pfleger ze der Freynnstat oder jn der lanndtschrann daselbs.
Turmair
4, 64, 29
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Mich dunkt [...], das die hauptleut dises erzkünigs genent und nach einander beschriben werden.
Bischoff, Steir. Landr.
74
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wann man ainem ainen gewalt anbehabt, der chumbt vmb zechen markch; die mûs er dem hawbtman geben.
Ebd.
97
:
vmb ain aigen vom lant mag nŷmant gerichten, denn der herczog oder der hawbtman von dem land.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
97
(
mslow. inseldt.
,):
Sol khainer beÿ verlust laibs vnnd guets [...] etwas an bephelh des Herrn Richters od(er) Hauptmans Herrn Annder zuthuen.
Hertel, UB Magdeb.
3, 886, 12
;
Laufs, Reichskammergo.
134, 17
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
59, 24
;
137, 13
;
Küther, a. a. O.
363, 25
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
283, 16
;
Weizsäcker, a. a. O.
55, 37
;
127, 30
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
5, 2
;
137, 2
;
Loose, Tuchers Haushaltb.
64, 20
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
184, 9
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
82, 24
;
121, 11
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
8, 1
;
162, 44
;
Leisi, Thurg. UB
5, 487, 1
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
146, 19
;
Chron. Augsb.
1, 30, 4
;
Müller, Nördl. Stadtr.
554, 3
;
Rauwolf. Raiß
5, 30
;
Fuchs, Kart. Aggsbach
160, 35
;
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 32, 17
;
2, 63, 22
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 335, 30
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
80, 35
;
Dasypodius
187r
;
Schöpper
107b
;
Maaler
214r
.
Vgl. ferner s. v. , (
der
).
2.
›Oberbefehlshaber eines Heeres; Heerführer‹; daneben: ›Führer einer einzelnen Einheit des Heeres (von unterschiedlicher Größe), (hoher) Offizier‹; seltener auch: ›Anführer einer (meist militärisch organisierten) Gruppe von Menschen (z. B. einer städtischen Wache); Befehlshaber‹;
vgl.  3.
Rechtstexte und Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. (
der
),  3.
Syntagmen:
einen h. auserwälen / bestellen / fangen / kiesen
;
der h.
(Subj.)
jn. etw. heissen
;
dem h. etw. anzeigen / schreiben
;
jm. als einem h. schwören, etw.
(Subj.)
zu einem h. gehören, jn. zu einem h. haben / setzen
;
h. zu ros, ein h. des bundes / heres, des krieges h.
;
der oberste / redliche / römische h
.
Wortbildungen:
hauptmannin
.

Belegblock:

Ralegh. America
9, 16
(
Frankf.
1599
):
Er hatte auff seiner seiten 700. Soldaten welche jhm noch andere Hauptleut vnd Fendlein an sich zu ziehen verhiessen.
Thür. Chron.
22v, 9
(
Mühlh.
1599
):
Der Sachsse Reit in sein Lager / zeiget solches seinen Haͤuptleuten an / welche Riethen / daß sie die Nacht weichen vnd Heimziehen solten.
Skála, Egerer Urgichtenb.
73, 17
(
nwböhm.
,
1570
):
In Vngern sej Iung STockhamer Von Schwatz sein hauptman gewest vnd hanß Scharff [...] Ir oberst.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
108, 26
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wo gros fursten – oder den die sach angaͤtt vnd des kriegs hauptman jst – bey dir jm feld weren.
Ebd.
119, 32
:
so man ein velt bestelt hott, oder das man vor den feinden heltt vnd mit jn treffen will, do gehort zu jglichen dapffere vnd trostliche wort zu thonn von eim hauptmann.
Gille u. a., M. Beheim
453, 1097
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nach im waz in dem ersten veld | auch ein habetman ausserweld.
Chron. Nürnb.
4, 429, 17
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
10 centner pulvers unserm [...] herren keiser [...] zu zuschicken [...] und dabey schreiben den hewptluten, wie sie das damit halten sollen.
v. Birken. Erzh. Österreich
68, 29
(
Nürnb.
1668
):
So ruͤhmlich hat Rudolphus seinen Feind gedemuͤtigt / und seine Freunde / die Zuͤricher geschuͤtzt: welchen es [...] in allem gegluͤckt / so lang sie ihn zum Hauptmann gehabt.
Müller, Nördl. Stadtr.
123, 21
(
schwäb.
,
1468
):
So sol ain rat auch zwelf nachtwachter bestellen und ain redlichen hauptman zu in.
Dreckmann, H. Mair. Troja
30, 3
(
oschwäb.
,
1393
):
in unser ersten schar sol haptman sein der hertzog Nestor.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
73, 22
(
Ulm
1486
):
Merck wie hoch er abher felt der vor ain haubtman was deß gantzen hoͤres und obroster rat.
Memminger Chron.
18, 34
(
Ulm
1660
):
da hiessen die Hauptleut vnseren Buͤchsenmeister schiessen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
25, 16
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der Pamkircher, der des kryegs ein fuerrer und ein hawptman was.
Ebd.
99, 14
:
als sy kamen in Bosnien zw dem Geytze, do het sich der hawbman daselbst in ainer gehaym besambt und sprengt mit ainer klaynen macht trostlich in die Turckhen.
Turmair
4, 148, 25
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die weiber [...] hetten auch ein besundern haufen. Ir hauptmannin ist gewesen frau Häcs, obgenants künigs Theuers gemachel.
A. à S. Clara. Glori
46, 27
(
Wien
1680
):
die jenige 100. Kriegsknecht sampt ihren Hauptmann.
Rechn. Kronstadt
51, 23
(
siebenb.
,
1527
):
her Anthoni goltschmÿdt vndt her Sygmvndt perelheffter: dÿ do hawbtleÿtt seyn gewest yn der herfartt: czu der schlacht dÿ do yst gescheen mÿtt dem Tÿrkischen Kaÿser.
Luther, WA
41, 17, 14
;
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
29, 8
;
Buch Weinsb.
3, 72, 38
;
Wyss, Limb. Chron.
50, 9
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
29, 26
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
36, 9
;
Henschel u. a., Heidin
234
;
Gille u. a., a. a. O.
104, 199
;
453, 499
;
Neubauer, a. a. O.
67, 16
;
72, 23
;
80, 5
;
Koppitz, Trojanerkr.
23893
;
Chron. Augsb.
5, 103, 17
;
Memminger Chron.
2, 23
; Chr. 5;
31
; Chr.
8, 23
;
Heydn. maister
12r, 9
;
Grossmann, a. a. O.
68, 5
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 162, 47
;
2, 3, 4983, 7
;
Turmair
4, 179, 1, 4, 179, 21
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
97, 12
.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›j., der den Zins eines Gutes, einer Gruppe einzieht und an den Lehensherrn abzuführen hat‹ (vgl. Pfälz. Wb.
3, 710
; a. 1538).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 105, 19
(
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
lies ihnen ihre pächte und zinse durch seine hauptleute arrestiren und verpieten zu geben.
Loersch, Weist. Boppard
109, 31
(
mosfrk.
,
1585
):
wan ein hauptman uff einer hoffrieden [...] mit thod abgehet, hab der herr probst davon ein kurmut oder bestheupt.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
650, 5
.
4.
›Hauptperson in einem Rechtsgeschäft‹; speziell: ›Bevollmächtigter, Vertreter einer (Prozeß-)Partei vor Gericht‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
1, , , .

Belegblock:

Goerlitz, Magd. Schöff./Posen
70, 13
(
omd.
,
um 1414
):
Her richter, meyn houptman hatte eynen schuldiger, der was so ungewis, also das her santhe seynen mechtiger [...] zu Poznaw in daz recht.
Ebd.
71, 24
:
Her richtir, vrogit myn houptman, ap her mich schadlos haldin vil in seynen tadingin.
Müller, Welthandelsbr.
182, 6
;
Rwb
5, 318
 f.
5.
›Hauptschuldner (im Unterschied zum Bürgen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

Köbler, Ref. Franckenfort
61, 4
(
Mainz
1509
):
Dwyl in einer yeden bürgschafft der cleger den heuptman zuuor zu ersuͦchen schuldig ist / vn̄ aber zu zeiten der bürg sich nit allein bürg / sunder auch guͦt oder selb schuldig verpflicht vnd verschreibt.
Rwb
5, 319
.
6.
›Vorsitzender einer Versammlung / Einrichtung‹.

Belegblock:

Chron. Augsb.
2, 63, 19
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
das glait ward in versprochen von künig Sigmunden, der des conciliums oberster hauptman was.