gerecht,
Adj.
1.
›gerade, aufrecht, senkrecht, geradewegs, beweglich‹.
Gegensätze:
(Adj.) 1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
18703
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die lamen machet her gende, | Gerecht tut her die crummen.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
291, 41
(
preuß.
,
1404
):
4 scot den bretsnydern vor thor gerichte zu snyden.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
3, 3
(
osächs.
,
1343
):
bereitet den wec des herren, machit gerecht
[Luther
1545
:
richtig
]
sîne stîge.
Morrall, Mandev. Reiseb.
96, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Wer von Troposent welle gerechte gon gen Armenia der kumpt zuͦ ainer statt, die haisset Tyrom.
Sappler, H. Kaufringer
19, 120
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
also ist der welte zil | nicht anders dann schachzabelspil. | darin sind künig, ritter und knecht, | gross und klain, krum und gerecht, | edel und paurn, arm und reich.
Päpke, Marienl. Wernher
7282
(
halem.
,
v. 1382
):
Er machte stummen sprechen | Und lame wol gerechten.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
35, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
geprauch, das da erstarret ist, | mach gerecht, / das da krump ist.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
36, 21
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz zaichen haizzet gereht aufgen, mit dem ain groͤzzer stuͤkke dez ebennehters aufget.
Turmair
4, 4, 778, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das allain durch den namen Christi die pösen geist von den menschen getriben, die plinten gesehend, die krumpen und lamen gerecht wurden.
Schmid, Pilgerreisen.
1957, 413
;
Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 61
;
Schmitt, Ordo rerum
495, 26
;
Voc. Teut.-Lat. l viijv;
Dasypodius
395v
;
Serranus
81v
;
Maaler
169v
;
Hulsius N irr;
Dietz, Wb. Luther
2, 83
;
Dief./Wü.
613
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
133
;
Pfälz. Wb.
2, 218
;
Bad. Wb.
2, 371
;
Schwäb. Wb.
3, 393
 f.;
Schweiz. Id.
6, 223
;
Vorarlb. Wb.
1, 1129
;
Rwb
4, 264
 f.
2.
›rechts im Sinne der körperbezüglichen Orientierung‹.
Gegensätze:
 1,  1.
Syntagmen:
der gerechte arm / fus / wange, die gerechte achsel / hand / seite, das gerechte bein / or
.

Belegblock:

Reichert, Gesamtausl. Messe
97, 25
(
Nürnb.
um 1480
):
In deiner ere stunde die kuenigin zu deyner gerechten seyten.
Sappler, H. Kaufringer
11, 161
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der zan, der mich pringt umb das leben, | der stat in dem gerechten wang.
Barack, Zim. Chron.
1, 124, 29
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Nach seinem tod ward er in dem chor auf die gerechten seiten neben den fronaltar begraben.
Chron. Augsb.
5, 306, 4
(
schwäb.
, Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
ain altar [...] zuͦ der gerechten hand vor sant Johannsen capellen.
Ebd.
8, 370, 19
(zu
1549
):
auf den 4. januarii hat man [...] ainem an seinem gerechten fuͦß die zechen abgehauen.
Roder, Hugs Vill. Chron.
190, 19
(
önalem.
,
1529
):
nachmauls ist er wider uff des bapst gerechte syten kniget und allso kniget beliben.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
120, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dein denkiu hant schol niht wizzen, waz dein gerehteu hant würkt.
Bäumker, Geistl. Liederb.
21, 10, 2
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Er schlueg ainen der fürsten knecht | das orsädl herab, das gerecht.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
104, 8
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Hiemit nam er sein guets swert in paid hendt und erholt ainen sölichen slag, so, das er dem haiden die gerechten achsel und arm [...] mit all von dem leib slueg.
Turmair
4, 4, 432, 22
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Muest ein ieder ein hauptharnasch und vodertail haben auf dem denken arm und gerechten pain ein schin.
Winter, Nöst. Weist.
2, 417, 13
(
moobd.
,
E. 16. Jh.
):
schlecht er aber mit gerechter hant, so ist er zu wandl fünf gulden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
224, 14
(
smoobd.
,
1624
):
wëllicher ainen angelobten gerichtsfrit bricht, der ist die gerecht hand verfalln.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
42, 16
(
tir.
,
1464
):
Wend Christus ist in dem himel vnd siczet zu der gerechten hant der tugent gottes.
Bauer, Imitatio Haller
59, 2
(
tir.
,
1466
):
die pösen geist die sint v̈beral [...] czue der gerechten seiten vnd czue der tenkgen seitten.
Wackernell, Adt. Passionssp. St.
1, 872
(
tir.
,
v. 1496
):
Awe, das ich ye wardt geporen: | Das gerecht or hab ich verloren.
Weber, Oswald.
1847, 336
;
Bremer, Voc. opt.
270
.
3.
›gerichtet, gerüstet, fertig, bereit‹.

Belegblock:

Chron. Augsb.
2, 212,
Anm. 2 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
von dez harnasch wegen ze beschouwen daz damit menglich gerüst und gerecht sy wa dez nott werd.
Wackernell, Adt. Passionssp. H.
1, 463
(
tir.
,
1514
):
Lieber maister, das essn ist gerecht.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 260
.
4.
›dem Recht gemäß, mit dem Recht übereinstimmend, rechtlich korrekt, richtig, ehrenwert‹.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
der gerechte rächer / richter, die gerechte sache, das gerechte urteil; gerecht bleiben / sein
›im Recht sein‹,
jm. gerecht werden
›jn. nach Gesetz und Recht behandeln‹,
der schuld gerecht werden
›die Schuld bezahlen‹.
Wortbildungen:
gerechte
(
die
).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
7
(
Wittenb.
1545
):
Denn dich [Noah] hab ich Gerecht ersehen fur mir zu dieser zeit.
Ebd. 1. Mos.
20, 4
(
Wittenb.
1545
):
Abimelech aber hatte sie nicht berüret / vnd sprach / HErr / Wiltu denn auch ein gerecht Volck erwürgen?
Ebd. Hiob
10, 15
:
Bin ich Gottlos / so ist mir aber weh / Bin ich Gerecht / So thar ich doch mein heubt nicht auffheben / als der ich vol schmach bin vnd sehe mein Elend.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
872
(
mrhein.
,
um 1335
):
Pylate [...] wilt du gerehte han, | so duͦ ime den dot an.
Köbler, Ref. Wormbs
35, 15
(
Worms
1499
):
Ich glaub vnd gentzlich darfür achte ein gut gerecht sach zuhaben.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
15, 4
(
Frankf./M.
1568
):
Die [Schrifft] kan ich auch gerecht justiern | Die buchstaben zusammn ordnieren.
Behrend, Magd. Fragen
2, 2, 8
(
omd.
,
um 1400
):
so lange bisz her der schulde gerecht werde.
Dinklage, Frk. Bauernweist. 1ß
6, 13
(
nobd.
,
1241
):
wer zu in zu klagen hat, dem sollen sie gerecht werden.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
132, 44
(
nobd.
,
1393
):
Hans von der Cappeln sol dem Sternhals gerecht werden, daz er im recht niht getan habe.
Langen, Myst. Leben
208, 6
(
nobd.
,
1463
):
also starb der gerecht schacher an dem crewcz.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
8, 12
(
els.
,
1362
):
Herre gerehter rihter yrteile das dirre min si vmb sine sünde.
Sappler, H. Kaufringer
3, 561
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mich dunkt, der paur ste gar gerecht.
Heydn. maister
12v, 14
(
Augsb.
1490
):
dan̄ du nū mich für ein gerechten raͤcher leiden moͤchtest.
Welti, Urk. Rheinfelden
269, 11
(
halem.
,
1452
):
sollent vnd wellent sy im by vns vnuerzogenlich gerecht werden.
Roder, Stadtr. Villingen
153, 1
(
önalem.
,
1573
):
Der cläger soll schwören, das [...] er hab ain gerechte sach.
Dirr, Münchner Stadtr.
396, 25
(
moobd.
,
um 1365
):
Swer ainen gast oder einem purger leicht geloͤt, wag, maz, metzen oder ellen, ob ez nicht gerecht ist, mag der gast bereden.
Ebd.
580, 3
(
1364
/
80
):
Omer swerent den selben ayt und daz si gerechts geschirr haben.
Roth, E. v. Wildenberg
89, 32
(
moobd.
,
v. 1493
):
do die lieb Kunigund also gericht und unschuldig erfunden warde.
Winter, Nöst. Weist.
3, 502, 31
(
moobd.
, Hs.
M. 15. Jh.
):
kombt aber derselb fur den amptmann und wil sich der schuld gerecht machen, so sol der ambtman sein berednuß aufnemen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
57, 21
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
ain jeder so ain mühl hat in der gegent, den leuten mahlt und mahlen will, der soll haben ain gerechts mäßl.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
73, 1
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
Ob ainer klaghaft wurd vor gericht, ist der clager gerecht, soll antworter das wandl geben.
Bauer, Imitatio Haller
99, 18
(
tir.
,
1466
):
sünder, was wildu antwurten dem gerechten richter, dem da offenwar sint alle deine verpargen sünden.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
22
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
Auff das daß beÿdenn taÿlenn gerecht gesche.
Skála, Egerer Urgichtenb.
90, 20
(
nwböhm.
,
1572
):
het Auch seinem herrn gesagt das er sich gerecht vnd vnschuldig wisse.
Weise. Jugend-Lust
155, 1
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 188
.
5.
›passend, tauglich‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (Adj.) 6, , ,  4.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
1783
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Ja, viel lieben knecht, | er kommet mer wol gerecht.
Chron. Nürnb.
2, 290, 17
(
nobd.
,
1448
/
50
):
man sol unter ain ietlich tor zu einer ieglichen püchsen stain ain notdurft füren, die gerecht sind.
Rupprich, Dürer
2, 48, 142
(
nobd.
,
um 1500
):
Dornoch je genawer dw eß abmist, je gerechter sich alle ding jm grunt finden.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
225, 22
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
so ist das selb prett gerecht, an der scheit des pachs doselbst das wasser damit zu versetzen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 249, 1
(
Straßb.
1522
):
da er also mit dem Sattel umbgieng und in uff das Pferd legt und luͦgt, ob er im gerecht wer.
Welti, Stadtr. Bern
464, 4
(
halem.
,
15. Jh.
):
ouch soͤllend sy [...] vmb gan, zuͦ den geschirren luͦgen vnd die besehen, das die gerecht syen.
Winter, Nöst. Weist.
1, 950, 4
(
moobd.
,
1512
):
Ob ainer abhaket gerecht holz zu haunstillen zu des herrn arbait und auch sein notturft ôn gevär, ist im von alter her erlaubt.
Kummer, Erlauer Sp.
3, 235
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Rubein, nuͦ wart umb einen chnecht, | der uns paiden sei gerecht.
Wackernell, Adt. Passionssp. St.
2, 1489
(
tir.
,
v. 1496
):
O lieben fürsten, ritter und knecht, | Die sellen sein mier all gerecht.
6.
von Gegenständen, Sachen: ›gut, echt, qualitätsvoll, richtig, tauglich‹.
Syntagmen:
der gerechte balsam / stein / wein
(›unverdünnt‹),
das gerechte pflaster / pulfer
.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
67, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Ich mache die reysenden Vhr/ | Gerecht vnd Glatt nach der Mensur.
Keil, Peter v. Ulm
38
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Vnd schol es dornach außsperen, als der wachs außpert, so ist daz pflaster gerecht.
Ebd.
91
:
vnd scholt das seyhen durch ein tuch, so hastu die swartzen salben gut vnd gerecht zu alten schaden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
563, 19
(
nobd.
,
n. 1525
):
fünfzig centner gerechts gekurnts pulfers, wol gewegen und onenachlessig.
Morrall, Mandev. Reiseb.
36, 7
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Ist der balsam gerecht, so wúrt das wasser nit truͤb.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
360, 11
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ist der balsem ganz und gerecht, sô wirt ain wüllein tuoch niht unsauber dâ von.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4818, 6
(
moobd.
,
1480
):
100 guter Ungrischer guldein, gerecht in gold und wag.
Mell u. a., Steir. Taid.
22, 16
(
m/soobd.
,
1568
):
ist den lederern hiemit auferlegt, das si in würkung und zuberaitung desselben allen gueten vleis brauchen, solches gerecht und guet machen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
457, 44
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
das dieselbe die göst [...] umb ihren pfening [...] mit gutten speisen und gerechten wein gebührlich tractieren.
7.
von Menschen, menschlichen Eigenschaften: ›rechtschaffen, ehrlich, vorbildlich, aufrichtig, vollkommen‹.
Syntagmen:
der gerechte apostel / fürst / herre / keiser / könig / man / mensch / profet / wundarzet, die gerechte meinung / miltigkeit / minne / treue; sich gerecht machen
›sich rechtfertigen‹.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
118, 3
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Do noch wolde her sich selbir gerecht machen.
Behrend, Magd. Fragen
88, 24
(
omd.
,
um 1400
):
unde mich der sachwalde ledig geloszen hat alse eynen gerechten man und myn recht nicht nemen torste.
Quint, Eckharts Pred.
2, 371, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
got gibet dem gerechten menschen ein götlich wesen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1766
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer da zu rechte forchtet god, | der heldet stete sin gebod, | unnd der ist ouch gerecht alzu hand.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
40, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Idoch ir kunig, alleyne das her was eyn wiber, doch was her also gerecht das di ingenge kume wurdin czu geton und blebin ane schadin offin.
v. Groote, Muskatblut
17
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wir bitten dich auch / du woͤllest durch deinen heyligen Geyst vns erleuchten / [...] / das wir an disem gerechten Koͤnig vnd Heyland vns alleine halten.
v. Birken. Erzh. Österreich
77, 40
(
Nürnb.
1668
):
Wir brauchen einen gerechten Keyser / der dem Reich nichts entzieht.
Eichler, Ruusbr. steen
370
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Dise moͤnschen sint zy˚ in selber gekeret vnordenlich, [...], wan in gebristet gerechter minne.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1145
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dis mensche enist weder gerecht noch demuͤtig noch milte, noch diensthaftig den armen, noch innig, noch ernsthaftig.
Rohland, Schäden
347
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
Diß ist ein edel wunt salb vnd ist auch der vier kunst ein, die ein gerechter wunt arczet affter lant fürt zuͦ den wunden.
Chron. Augsb.
9, 323, 23
(
schwäb.
,
1536
):
ain frommer mann, schlecht und grecht.
Anderson u. a., Flugschrr.
10, 5, 5
(
Zürich
1524
):
so sy nit fridsam vñ grecht sin wellend.
Heidegger. Mythoscopia
60, 26
(
Zürich
1698
):
was wahrhafft / was ehrbar / was gerecht / was rein / was lieblich ist [...] ist etwan ein Tugende.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
49, 5
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
so mussen wir von ainannder schaiden denn gerechten apostl / vnnd den falschen.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 153, 15 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
darumb macht er [bischof] ain tag gen Salczburg, daran sich ieder gerecht solt machen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
53, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er was ein gueter und got gerechter herr.
Winter, Nöst. Weist.
1, 39, 27
(
moobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
ist aber der pawr gerecht, so ist im der zehentner verfallen zug und wagen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 17
(
tir.
,
1464
):
er [Hieronymus] ist gut den selbigen, die da sint aines gerëchten hërzen.
Bauer, Imitatio Haller
79, 23
(
tir.
,
1466
):
Vnd ob dein sin nu guet vnd gerecht ist, so soltu nicht nachuollgen deinem sinn.
8.
von Geschehnissen, Handlungen, Haltungen: ›richtig, angemessen, zutreffend, korrekt, gut‹.
Syntagmen:
der gerechte anschlag / glaube / lauf / lon, die gerechte sache / tat, das gerechte gebet / gebot
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
514, 241
(
Magdeb.
1608
):
Doch ists ein Schatz wenn gerechte That / | Auch beym Geruͤcht gut zeugnis hat.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
20, 13
(
Frankf./M.
1626
):
Damit was herrlichs ich in Deutsch koͤnt setzen auff/ | in eim gewissen maaß mit eim gerechten lauff
(›in angemessener Formulierung‹)
.
Jahr, H. v. Mügeln
122, 1552
(
omd.
, Hs.
1463
):
her Abel rif mich und sin blut: | ein stral durch sinen morder wut: | im wart gemeßen als er maß. | gerechter lon ich nie vorgaß.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 236
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
har vmbe diende er
[Jesus]
in
[den Eltern]
mit gerehter niderheit nach allem irem willen.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
306, 23
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz ist gereht, daz da concordieret mit dem beginne.
Dreckmann, H. Mair. Troja
38, 26
(
oschwäb.
,
1393
):
nu wär daz gereht und billich, daz man [...] uns an in rächend.
Chron. Augsb.
5, 98, 9
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
also begert er er welt [...] ain krist werden, dan er sech, daß unser gelauben gerecht wer.
Piirainen, Igl. Bergr.
43, 10r
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
daruber ain hanndtfesten geben, vber Erb vnd vber aigen, vnd vber guete, oder waruber Es ist, Er sey gerecht, den Sy geben.
Rupprich, Dürer
2, 47, 63
;
Eichler, a. a. O.
2, 868
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
429, 6
;
Wyss, Luz. Ostersp.
6428
;
Dreckmann, a. a. O.
8, 1
.
Vgl. ferner. s. v. , .
9.
›gerecht als absolute Wesensqualität Gottes‹; bezogen auf den Richtergott des Alten Testamentes: ›gerecht richtend und urteilend‹; bezogen auf den Gott des Neuen Testamentes, damit auf Christus: ›barmherzig, befreiend, den Menschen rechtfertigend, erlösend‹; vgl. dazu auch den Beleg Luther, Mt.
3, 17
unter 10.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 2. Mos.
9, 27
(
Wittenb.
1545
):
Der HERR ist gerecht / Jch aber vnd mein volck sind Gottlosen.
Ebd. 5. Mos.
32, 4
:
Trew ist Gott vnd kein böses an jm / Gerecht vnd from ist er.
Ebd. 2. Macc.
1, 25
:
DJS aber war das gebet Nehemie / HERR vnser Gott / der du alle ding geschaffen hast / vnd bist schrecklich / starck vnd gerecht / vnd barmhertzig / vnd allein der rechte König vnd Gesalbete / Der du allein alle Gaben gibst / der du allein gerecht allmechtig vnd ewig bist.
Ebd. Geb. Asarj. Zus. Dan. 2 f.
GElobt seiestu HERR / der Gott vnser Veter / vnd dein Name müsse gepreiset vnd geehret werden ewiglich. Denn du bist Gerecht in allem das du vns gethan hast / [...] / vnd alle deine Gerichte / sind vnstrefflich. Du thust vns recht / das du vns gestraffet hast / [...] / Ja du thust recht vnd wol daran / vmb vnser sünde willen.
Ebd. 1. Joh.
1, 9
:
das blut Jhesu Christi seines Sons / machet vns rein von aller sünde. So wir sagen / Wir haben keine sünde / So verfüren wir vns selbs / vnd die warheit ist nicht in vns. So wir aber vnsere sünde bekennen / so ist er trew vnd gerecht / das er vns die sünde vergibt / vnd reiniget vns von aller vntugent.
Ebd. 1. Joh.
2, 1
:
ob jemand sündiget / So haben wir einen Fursprecher bey dem Vater / Jhesum Christ / der gerecht ist / Vnd derselbige ist die versönung fur vnser sünde / Nicht allein aber fur die vnsere / sondern auch fur der gantzen Welt.
Ebd. Sir.
18, 2
;
Chron. Augsb.
4, 205, 3
.
10.
›gerecht vor Gott; gerecht als Folge der von Gott durch Christi Heilstat geschenkten Rechtfertigung; im Zustand der Rechtfertigung befindlich und entsprechend auf christliche Weise lebend; fromm (von Personen); auf Gerechtigkeit vor Gott gründend (von Werken)‹.
Texte religiösen, oft mystischen Inhalts; Luthertexte.
Bedeutungsverwandte:
, , , .
Gegensätze:
vgl. (Adj.) 8.
Syntagmen:
ewiglich g. bleiben, von sünden g. werden, jn. vor got g. machen, got jn. für g. achten; der gerechte engel / man / mensch / prediger
.
Wortbildungen:
gerechtmacher
.

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 283, 3
(
1527
):
Ehe Adam vonn dem verpottenen baum asse, war er gerecht, fromm und hailig von Got geschaffen.
Ebd.
20, 508, 28
(
1526
):
Sie meineten, sie weren die frumbsten und gelertesten, dorfften keinen meister noch gerechtmacher mehr, woltens Christo zuradten geben.
Ebd.
22, 229, 18
(
1544
):
das das Gesetz und werck niemand koͤnnen fur Gott gerecht machen.
Ders. Hl. Schrifft. Vorr. auf das NT (
Wittenb.
1545
):
Wer an diesen Samen Abrahe gleubet / sol gesegnet / das ist / von Sünde / Tod vnd Helle los sein / vnd gerecht / lebendig vnd selig bleiben ewiglich.
Ebd. Mt.
3, 17
(Marg.):
Alle gerechtigkeit wird erfüllet / wenn wir vns aller vnser gerechtigkeit vnd ehre verzeihen / Das Gott allein fur den gehalten werde / der gerecht sey / vnd gerecht mache die Gleubigen. Dis thut Johannes / so er sich seiner gerechtigkeit eussert / vnd wil von Christo / als ein Sünder / getaufft vnd gerechtfertiget werden. Dis thut auch Christus / so er sich seiner gerechtigkeit vnd ehre nicht annimpt / sondern lesset sich teuffen vnd tödten / als ein ander Sünder.
Ebd. Röm.
2, 13
:
sintemal vor Gott nicht, die das Gesetz hören, gerecht sind, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein
[Emser
1527,
Froschauer
1530,
Dietenberger
1534,
Eck
1537
:
rechtfertig
, Mentel
1466
:
gerechthaftigt
, Hs. 14./16. Jh.:
gerechthaftig
, 1483:
gerechtfertigt
].
Ebd. Röm.
3, 28
:
So halten wir es nu / Das der Mensch gerecht werde
[Luther
1527
:
gerechtfertiget
, Froschauer
1530
:
from gemacht
]
/ on des Gesetzes werck / alleine durch den Glauben.
Ebd. Röm.
8, 33
:
Wer wil die ausserweleten Gottes beschüldigen? Gott ist hie / der da gerecht machet
[Luther
1527
:
rechtfertiget
].
Ebd. Röm.
10, 4
:
Christus ist des Gesetzes ende / Wer an Den gleubet / der ist gerecht
[Luther
1527
:
rechtfertig wird, wer...].
Ebd. 1. Kor.
6, 11
:
jr seid abgewaschen / jr seid geheiliget / jr seid gerecht worden
[Mentel
1483
:
gerechthaftigt
, Luther
1527
:
gerechtfertiget
, Froschauer
1530
:
frõ gemacht
]
/ durch den namen des HErrn Jhesu / vnd durch den geist vnsers Gottes.
Ebd. Vorr. Eph.:
Das alle die daran gleuben / gerecht / frum / lebendig / selig / vnd vom Gesetz / Sünde vnd Tod frey werden.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2009
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die Gotes ougen vuren | Die beduten die thuren | Gerechten predigere.
Quint, Eckharts Pred.
2, 62, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der gerehte mensche endienet weder gote noch den crêatûren, wan er ist vrî.
Ders., Eckharts Trakt.
18, 14
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der reine mensche minnet alle reinicheit, der gerehte minnet und neiget ze gerechticheit.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
146, 2
(
thür.
,
1421
):
Noe vant gnade bey gote, wen her was eyn gerechter man unde gotforchtigk.
Mathesius, Passionale
38v, 14
(
Leipzig
1587
):
das Gott [...] vns alleine durch sein erkentnis wil annemen / vnd fuͤr gerecht achten vnd halten.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
207
(
Nürnb.
1517
):
So wir des gehorsam nachfolgen, werden wir in uns selb gerecht.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
176, 6
(
Nürnb.
1548
):
Gerecht sein heist anderst nicht / denn wissen das wir suͤnder sind.
Ebd.
262, 31
:
Bißher hat der Prophet geleret / wie man zur vergebung der suͤnden kommen / vnnd fuͤr Gott koͤnne gerecht werden.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2366
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
so werde wir vs fliessende vnd wider in fliessende in gerehter minnen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
24, 24
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Si getwingent des gerechten menschen herze, das es sich nvt teilt in vil begirde vnd besamnot die alle in gotte.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
234, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
die gerehten menschen die bekeret er zuo im selber alse zuo dem iungesten ende.
Sappler, H. Kaufringer
14, 1
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Got lat den gerechten menschen nicht | auß seiner väterlichen pflicht.
Bauer, Imitatio Haller
48, 27
(
tir.
,
1466
):
Wenn dein hercz gerecht wër, so wer auch alle creatur dein vntertan.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
22, 18
Marg.; Ps.
11, 7
;
ders. WA
21, 545, 8
;
41, 729, 33
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 104, 3
;
Schönbach, Adt. Pred.
21, 13
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 227
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
624, 25
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst., S. 
266
.
Vgl. ferner s. v.  2,  2,  1.