betrug,
der
;
-s/–
.
1.
›Täuschung, Blendung, Verleitung von jm. durch Vorspiegelung von Falschem, Unwahrhaftigem‹;
offen zu 2; zu  1.
Syntagmen:
(den) b. entdecken / erfaren / verantworten / zetteln
;
jn. durch b. verfüren
;
b. der sele
;
der greuliche / schändliche / teuflische / gute / böse b
.;
vater des betrugs
;
b. der sele, b. gegen got
.
Wortbildungen:
betruglos
›ehrlich, wahrhaft‹.

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
11, 8
(o. O.
1648
):
Dan̄ Complementen ist so viel als Gepraͤng (gut teutsch / Auffschneiderey / Betrug / Heucheley).
Luther, WA
16, 119, 34
(
1524
):
Bringet die Warsagerin aus dem Grabe ein Gespenst, das dem Propheten Samuel an gestalt und kleidern ehnlich war, durch des Teufels blendung und betrug.
Ebd.
22, 318, 34
(
1544
):
Da wirstu erfaren allerley boͤse tuͤcke und betrug, untrew, nachrede von denen, welchen du alles guts getan.
Ders. Hl. Schrifft. 1. Petr.
2, 22
(
Wittenb.
1545
):
Welcher keine sunde gethan hat / Jst auch kein betrug
[
Eck
,
Emser
:
trug
]
in seinem munde befunden.
Pfefferl, Weigel. Ges.
21, 11
(
Hamburg
1646
):
durch die Schlange, welche den Engel vnd Menschen verführet, geschicht der betrug.
Mieder, Lehmann. Flor.
91, 9
(
Lübeck
1639
):
Der Betrug ist zweyerley / gut vnd boͤß. [...] Das ist ein guter Betrug / vñ ein Kunststuͤck dadurch man den schaͤndlichen Betrug den Hals kan abstechen.
Perez, Dietzin
1, 43, 1
(
Frankf.
1626
):
als sey mein intent vnnd vorhaben betrug zu zetteln wie die Sirena.
Ebd.
19
:
ist demnach die Schlang erstlich ein gewisse anzeigung meiner betruglosen Eloquentz oder Wolredenheit.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
215
(
Nürnb.
1517
):
Darumb ist ein anfangk des teuflischen betrugs: raten zu ubermesiger weisheit.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 13, 19
([
Straßb.
]
1524
):
aber yetzt mit gnedigem ynsehen jren falsch vnd betrug entdeckt [...] hat.
Wickram
4, 35, 28
(
Straßb.
1556
):
wie wolt ich doch ewiglichen ein solchen bedrug gegen Gott verantworten / wann ich dem / der mir sovil gůtthat erzeigt / solt ein bedrug unnd die unwarheit anzeigen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
28, 22
(
Straßb.
1650
):
du böser Geist, bist von anfang ein Vatter der Lügen vnd alles betrugs.
Ebd.
52, 8
:
du wirst den Betrug vnd Heucheley bald erfahren.
Rot
352
(
Augsb.
1571
):
Sophisma, vnd Sophisterei, Betrug / bscheysserey / so mit helen geschliffnen vnnd wol gehaͤchleten worten geschicht / vnd doch im grund nichts ist. Alß weñ man aim in eim gulden becher gifft darbeutet.
Mieder, a. a. O.
91, 17
;
Luther, WA
31, 1, 4, 8
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
117
;
Dietz, Wb. Luther
1, 289
.
Vgl. ferner s. v.  5.
2.
›Betrug, Hintergehung, Übervorteilung e. P. mit der Absicht ungerechtfertigten Vorteils, Gewinns‹, jeweils als Haltung des Betrügenden wie als betrügerische Einzeltat und Betrugspraxis, im einzelnen je nach Nuance z. B.: ›Fallstrick‹; ›List‹; ›Gaunerei‹;
Syntagmen:
(den) b. brauchen / fürnemen / üben / suchen / verbergen / verhelen / strafen; etw. ein b. über den halben teil sein
;
jn. eines b. überwinden, sich eines b. versehen
;
mit b. umgehen, jm. durch b. schaden zufügen, ane b
. (›ohne Vorteilsabsicht‹)
abwesend sein, ane b. mit etw. umgehen
;
etw. als einen b. strafen
;
b. der knechte
(gen. subj.),
b. des gemeinen nutzes
(Gen.obj.),
b. von freundschaft / miete / gabe
;
abstellung / vermeidung des b
.;
der bedekte / verborgene / böse / grosse / öffentliche b
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Hiob
31, 5
(
Wittenb.
1545
):
hat mein fus geeilet zum betrug
[
Froschauer
:
trug
;
Eck
:
boͤsem
]
? So wege man mich auff rechter wage.
Mieder, Lehmann. Flor.
95, 29
(
Lübeck
1639
):
Wenn der Fuchs vnd Storck einander zu Gast laden / so betreugt ein Betrug den andern.
Perez, Dietzin
1, 407, 5
(
Frankf.
1626
):
war Anteus, als der sich keines betrugs versah / zu solchem mehr als willig.
Böhme, Morg.R.
144, 4
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Wer hat des Pabsts geld-sucht / abgoͤtterey / finantzen und betrug in Teuschland aus der Kirchen gefaͤget? ein armer verachteter Muͤnch.
Kollnig, Weist. Schriesh.
6, 5
(
rhfrk.
,
1430
):
als da sein diebstall, mord, zauberey, falsche maaß und gewicht, betrug, verräterey, gefährliche außwerfung der mark- und schiedsteine und alles, so durch den nachrichter zu strafen ist, alle hohen blasphemien.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
95, 23
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Wenn etwas in teilungen verhalten oder betrug darinne gebraucht were.
Laufs, Reichskammergo.
278, 35
(
Mainz
1555
):
Wo [...] sich [...] befünde, daß auß betrug oder argelist, von schenck, miet, gab, bitt, freundschaft, feindschaft [...] eyn [...] ungerechte urtheyl gefelt und geben were.
Köbler, Ref. Franckenfort
50, 26
(
Mainz
1509
):
Wo aber in kauffhendeln oder kremeryen [...] man vnnd wyb betrugk sůchen.
Ders., Ref. Wormbs
83, 25
(
Worms
1499
):
güter [...] die des gelds der schulden nit wert vnd vber den halben teil betrug were.
Ebd.
144, 5
:
so einem schaden durch betrug eins andern zugefügt were.
Ders., Stattr. Fryburg
80, 17
(
Basel
1520
):
So ein schuldner on betrug abwesend ist.
Harsdoerffer. Trichter
3, 148, 10
(
Nürnb.
1653
):
Der Betrug wird gebildet mit zweyen Haͤubtern / zweyen Hertzen in der Rechten / einer Larven in der Linken / Adlersklauen an den Fuͤssen und einem Drachenschwantze.
Geier, Stadtr. Überl.
585, 9
(
nalem.
,
1566
):
auch in sollichen conträcten, obligationen und verschreibungen gar kain verborgner lißt oder betrug, [...] nit gebraucht [...] werden.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
538, 4
(
halem.
,
1533
):
zů vermydung bschiß und betrugs ..., in dem das (sölliche frömbde gsellen) etwan ... wybspersonen vermächlend.
Ders. Gebiet Bern
524, 16
(
halem.
,
1626
):
welcher aber [...] einichen wyn, [...], mit waßer, öpfel- oder birenmost [...] verfeltschen wurde, der soll von sölcher untrüw und betrugs wegen lyb, leben, ehr und gůt verwürckt [...] haben.
Rot
309
(
Augsb.
1571
):
betrug / verfehlung / vmbschweiffung / verfarung / verjrrung.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 205, 36
(
schwäb.
,
1624
):
welche [...] zinnßweingart haben, die sollen redlich und ohne betrug oder vortheil damit umbgehen, auch den wein oder tröster nit zu andern wein schütten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
243, 22
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Diser betrüg und gevärde sind wider den selben hertzog Albrechten in disem krieg so viel geüebt.
Köbler, Ref. Wormbs
183, 21
;
ders., Stattr. Fryburg
92, 9
;
125, 12
;
Berthold u. a., a. a. O.
100, 9
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
142, 25
;
148, 19
;
149, 21
;
Opitz. Poeterey
20, 29
;
Geier, a. a. O.
311, 21
;
Welti, Stadtr. Bern
426, 1
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
400, 33
;
471, 25
;
ders., Recht Laupen
154, 36
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
105, 17
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 803, 19
;
Wintterlin, a. a. O.
2, 552, 1
;
Maaler
65r
;
Rwb
2, 225
;
Schweiz. Id.
14, 663
.
Vgl. ferner s. v.  9, ,  1,  13,  7,  9.