geschenk,
das
;
-(e)s/-e
, auch
-er
.
1.
›Geschenk, Gabe, die man jm. aus Zuneigung ohne Erwartung einer Gegenleistung macht‹; prototypisch sind Geschenke anläßlich der Hochzeit, die Geschenke der heiligen drei Könige an das Christuskind; mehrfach auch Bezug auf Kinder als Geschenk Gottes; bei M.
Luther
wird
geschenk
auch auf Heilstatsachen wie die Menschwerdung Christi, das
evangelium
, das
wort
bezogen; in einzelnen Belegen offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  1, , .
Syntagmen:
ein g. bringen / geben / opfern / tun / annemen, das g. mit dem glauben empfangen, mit dem herzen ergreifen, sich auf js
. (
gottes
)
g. trösten, sich ein g. gefallen lassen, jm. ein g. zufertigen
;
das evangelium, die taufe, Christus, der heilige geist, die leibesfrucht ein g. sein
;
mit geschenken einreiten, jn
. (
Christus
)
für ein g. nemen, als ein g. aufnemen / erkennen, jm. für ein g. danken
;
das g. vor der hochzeit
;
das edle / fürstliche / geringe / hohe / reiche g
.;
der wert des geschenkes
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Alszo wil got, das seine rechte kinder nit auff seine gutter und geschenck sich trosten.
das du Christum tzuuor, ehe du yhn tzum exempel fassist, auffnehmist unnd erkennist alß eyn gabe und geschenck, das dyr von gott geben [sey].
Ebd. (
1523
):
wilches wort ist das gantz Euangelion, und du sihest und greyffist, das es nichts vom opffer noch werck lauttet, ßondern von eynem geschenck und gabe, die Christus uns anbeutt.
Ebd. (
1523
):
ynn der schrifft wirt uns das leben des herrn Christi und sonderlich seyn leyden auff zweyerley weyss furgehalten. Eyn mal als eyn geschenck.
Ebd. (
1538
):
Wird also diess geschenck und Gabe, nemlich, der Sohn des vaters, [...] allein mit dem hertzen und glauben ergrieffen.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 127, 3
(
Wittenb.
1545
):
Leibes frucht ist ein geschenck
[mit anderern Interpretation:
Dietenberger
1534,
Eck
1537:
lohn
].
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Munus. Gab miet geschenck schanckung.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Es scheint nicht jedem / wiewol ers verdient / ein solcher Stern / wie vber Josephs vnd Marien Herberg / daß grosse Herrn mit Geschencken vnnd Gaben einreiten.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
1601
/
9
):
Auf eine Hochzeit. Was kan und soll ich euch zu diesem neuen Leben, | [...] | vor ein Geschenke tun.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
die solche theure Gabe und aͤdles Geschenk [Hauß voll Kinder] in aller Reverenz und Ehrerbietung annehmen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
290r, 31
(
Leipzig
1588
):
werden mir Gottliebende verstendige Leute auch nicht fuͤr vbel haben / das heilige Pfingstfest / wegen seiner Bergwunder / ein Berg Fëst zu nennen / vnd das Trostreiche Euangelion des Pfingst Montags / von der grossen Liebe Gottes / vnd seinem reichen Geschencke / einem reichen Bergwerck zu vergleichen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 181, 20
([
Augsb.
]
1548
):
Vil warten auff die Person des Fürsten / und seind alle des freünde / der geschencke gibt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein gut hertz ist das hoͤchste geschenck. Das beste am geschenck ist der genaigte gute will.
Turmair (
Nürnb.
1541
):
Prometheus [...] het dem bruder Epimetheo befolen, das er [...] kein gab oder geschenkt von Iove gesandt annemen, sonder solt es hinwider schicken.
Qu. Brassó
5, 462, 30
(
siebenb.
,
1613
):
Die Geschenker aber waren diese: Erstlich ein schön gross silberen Becken, ein gross Giesskann, 2 schöne grosse Geschirr.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
37, 3
;
52, 8
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Behrend, Spangenb. Anbindbr. ;
Qu. Brassó
5, 431, 37
;
Dietz, Wb. Luther
2, 91
.
Vgl. ferner s. v.  1, .
2.
›Geschenk, das mit der Absicht auf Gewinnung einer Gegenleistung oder von Vorteilen gegeben wird‹, mit Tendenz zu ›Bestechungsgeschenk‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, ; vgl. , (
die
1c,  3; mehrfach im Orientierungsfeld von  1,  1,  3, , (
das
1, ,
1
 5, ,  1, , , gebraucht.
Syntagmen:
geschenke geben / nemen / machen / schicken / tun, jm. ein g. tun, ein g. mit vorteil an sich ziehen
;
ein g
. (Subj.)
jm. raum machen, nicht viel frommen, geschenke blind machen
;
jn
. (z. B.
die gelerten leute
)
mit g. stopfen, jn. mit g. in jammer bringen, sich mit geschenken schweigen lassen, ungerechtiglich behelfen
;
das g. des narren
.
Wortbildungen:
geschenknemung
(a. 1612),
geschenksüchtig
›geschenkgierig, bestechlich‹ (a. 1577).

Belegblock:

Luther. WA (
1520
):
Wievil sein yhr dartzu, die sich mit geschenck und gaben lassen schweygen.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Mose 23, 8
(
Wittenb.
1545
):
Dv solt nicht geschencke
[
Mentel
1466,
Froschauer
1530,
Eck
1537:
gaben
]
nemen / Denn geschencke machen die sehenden blind.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
579, 2302
(
Magdeb.
1608
):
Beth vmb ein Frieden vnd vertrag / | Schickt auch geschenck / das viel vermag.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Geschenck geben / muß mit einer Geschickligkeit geschehen. 6. Geschenck macht man mit freundlichen Worten desto angenehmer. 7 Schmieren macht linde Haͤnd.
Ulner
412
(
Frankf.
1577
):
Wer dem Richter geschaͤnck gibt / der macht sich selber der Sachen verluͤstig.
Küther, UB Frauensee
3, 376, 17
(
thür.
,
1528
):
Ab sie yhm ein geschenck gethan habenn, das laß ich uff sich beruen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
72v, 31
(
Leipzig
1588
):
Deine Fuͤrsten sind abtruͤnnig vnd Diebsgesellen / Sie nemen gerne Geschencke / vnd trachten nach Gaben.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
445, 4383
(
Zwickau
um 1540
):
Ich weis nicht bessers denn noch eins man thu / | Und stopff mit grosem gschenck all glerte leut / | [...] | Daß sie die leer vordammen unser feind.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Habt mit viel Renck, mit Geld vnd Gschenck, | Sie bracht in grossen Jammer.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 182, 13
([
Augsb.
]
1548
):
Das geschencke des menschen / macht im raum / und bringet (in) für die grossen Herren.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Geschenck / gab / verehrung / muͤht / schmiral.
Der Reich uͤberwigt den Armen / wo nicht mit recht / jedoch mit gunst / gelt vnd geschenck. Ein Ehrenvoͤst gemuͤt laßt sich mit keinem geschenck gewinnen. [...]. Es ist kein Thür so hart verschlossen / die nicht durch geschenck koͤndt geoͤffnet werden. Furcht / geschenck / leib vnd neyd verkehren das gericht. [...]. Geschenck macht Schmeichler vnd Veraͤchter.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
Dann jr geytz so groß / daß / wa nit verehrungen oder geschenck vorher gehn / wenig bey jnen außzurichten.
Müller, Nördl. Stadtr., S. ;
Winter, Nöst. Weist. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Byland, Wortsch. Zürcher AT .
Vgl. ferner s. v.  1,  9,  2,  1,  1,  11.
3.
›Gebühr, Abgabe für eine Leistung; Entschädigung, Zahlung an die Hinterbliebenen eines im Bergbau tödlich Verunglückten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1609
):
wen aber ein frembder anhero komptt und um arbeitt steht, soll zum geschenck geben ein albus.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
153, 5
(
omd.
,
um 1600
):
Ob sie sich aber eintrechtigk nicht entschließen künten, gehet’s nach der meisten stimme, also auch mit den geschencken, weil es bluetgelt ist und den armen gehört.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1509
):
welcher aber ein gantz iahr aus treulich arbeitet [...] oder ohne gnugsame ursache nicht aussbleibet, dem gibt man 72 weissgroschen, das heisst man das geschenck.