entgegen,
entgegen-,
Ersteres
Adj.
/
Adv.,
Letzteres
Präfixoid
in adv. Funktion; Trennung zwischen beiden Zuordnungen nicht immer möglich.
1.
›widrig, gegen jn. / etw. gerichtet, e. S. widersprechend, entgegengesetzt‹; seltener auch adversativ: ›stattdessen‹; mit Präp.
zu
: ›jm. zum Trotz, e. S. (z. B. einer Verordnung) zuwider‹; mit Dat., vereinzelt mit Akk. oder Gen.
Phraseme:
zu entgegen
;
jm. steine entgegenwerfen
›jm. etwas in den Weg legen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , .
Syntagmen:
j. / etw
. (
jm. / e. S
.)
e. sein
, z. B.
ein wort der sünde, einem anderen wort, der strom jm., den christen e. S. e. sein
;
j. e. des erbietens sein, das [...]
;
die klage e. jn
.
Wortbildungen
(in Auswahl):
entgegenbetreten
›entgegenhandeln‹,
entgegenfallen
›Widerstand leisten‹ (a. 1451),
entgegengehen
1 ›jm. / e. S. entgegentreten, sich jm. / e. S. entgegenstellen‹,
entgegenhalten
1 ›jm. / e. S. etw. entgegensetzen, jm. widersprechen‹,
entgegenkeren
›sich gegen etw. wenden‹,
entgegenlaufen
1 ›e. S. zuwiderlaufen, entgegenwirken‹,
entgegensetzen
›sich jm. entgegenstellen, widersetzen‹,
entgegenstehen
1 ›jm. im Weg stehen; jm. widerstehen‹,
entgegenwerfen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
wer sich hynfurt weyhen lessit zur pfarr [...], das er dem Bischoff in keinen weg gerede, keuscheit zuhalten, und halt yhm entgegen, das er solch gelubd zufodern gar kein gewalt hat.
Soll ich den nun einen [...] finstern, dunckeln Spruch, [...] allen andern vielen, darzu hellen, liechten spruchen der gantzen heiligen Schriefft und Christo entgegen werffen, die do sagen, Niemands werde fur Gott gerecht aus den wercken oder eigenen krefften?
Ders. Hl. Schrifft.
4. Mose 22, 34
(
Wittenb.
1545
):
Jch [Bileam] hab gesündiget / denn ich habs nicht gewust, das du [Engel] mir entgegen stundest
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
stuͦndest wider mich
; nd. Bibel 1478:
entgegen my stundest
]
im wege.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
So wirdt auch in der gantzer Heiliger Schrifft nyndert eynich wort des Herrn befondē / das disen worten widerig / oder entgegen sey.
Anderson u. a., Flugschrr.
15, 5, 22
([
Worms
1521
]):
ydoch haben sy sein [k. Hainrichs] macht auch nit leiden muͤgñ / sonder haben sich yme auch entgegen gesetzt.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
wir musten vber ein solch stuͤck deß Meers segeln [...] vnnd war vns der Strom vnnd Windt so entgegen / daß [...].
Reichmann, Dietrich. Schrr.
117, 5
(
Nürnb.
1548
):
Gottes wort ist der sünde entgegen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Swenne der mensche dise ordenliche wegen gegangen hat [...], so engegen loͮft ime manig wunneklich fúr wurf.
In disem gemuͦte sol man sich ernúwen mit [...] engegenkerende [...] und meinunge Got sunder alles mittel.
Ist das úch ieman steine engegen wirffet mit urteillunge und slecht úch mit slechten worten, gedenkent das [...].
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1552
):
dardurch ir [...] zuͤ noch merern strafen [...] geraten werdet, welches doch [...] allen christen laid und entgegen were.
Ebd. (zu
1558
):
so seind wir entgegen des erbietens, daß [...].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
haben wir disen brief [...], auf das niemants [...] unserer geschanknuß vermesentlich entgegen gehen möge, [...] bestetten [...] wollen.
Ebd. (
1506
, Hs.
17. Jh.
):
solle in all weeg verbotten [...] sein in den holzschlägen gereiter, äcker und wisen zu machen. welcher aber disen zu entgegen betretten, der [...].
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 32, 8
;
Anderson u. a., a. a. O.
14, 3, 15
;
Andreae. Ber. Nachtmal
27v, 7
;
Hulsius
T ivv
;
Rwb  f.
2.
›anwesend, zugegen; in Gegenwart von jm.‹ (auf Personen angewandt).
Obd.; gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  6.
Syntagmen:
j. e. (bei jm. / etw.) sein
;
etw. e. e. P
. (›in Gegenwart e. P.‹)
tun
.
Wortbildungen:
entgegenstehen
2 ›anwesend, zugegen sein‹, ˹
entgegenwärtig
,
entgegenwärts
˺ ›gegenwärtig, anwesend‹,
entgegenwärtigkeit
›Gegenwart, Anwesenheit‹ (dazu bdv.: vgl. ,
das
, ,
die
, 1).

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12947
(
rib.
,
1444
):
want he dat [gebede] intfenckt gelijch | As off sij [doden] weren intgainwordich | [...] | So [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
es wer denn sach, das der clager oder angeber engegenwarts wer personlich.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
[Der kauffman] Leyt an den wirt ein sulch beger, | Pat yn engegen seiner meide | Im zu bewaren | Sechs hundert guldin.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
250
(
Nürnb.
1517
):
Den got verachtet hat, den wirdet niemant bessern: und ob ouch drei man entgegen sein würden
(die für ihn sprechen).
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Wannanvon ist das das dir Got so froͤmde ist und daz dir sine minnencliche engegenwertikeit so dicke underget?
Qu. Schweiz. Gesch. (
halem.
,
1470
):
ist min herr schultheis ufgestanden [...], ouch herrn Caspers sines vatters, so synes lybs halb nüt entgegen moͤchte sin.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Söllich ketzerisch buben, die dan engegen stunden, [...] gab herr Jacoben Rieder antwurt.
Chron. Augsb. Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1562
):
die königin ist mit iren zweien jungen freulein [...] nit entgegen gewest.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
bei dem ayd sullen engagen sein 6 auz dem ynderm rat.
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs.
16. Jh.
):
Es mag niemant sein clag aufgeben, es sei dan der antwurter entgegen.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›im Gegenzug, als Gegenleistung, Ausgleich für etw. anderes‹.
Wortbildungen:
entgegenhalten
2 ›etw. ausgleichen, etw. mit etw. aufrechnen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1528
):
die sunde ist viel zu mechtig, [...] Gottes gericht ist viel zu erschrecklich, denn das du yhnen deine wercke, wie heilig und reyn sie sein, wollest entgegen halten.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dieselben gschloss [...] gab er dem kayser [...]; dafur unt enntgegen gab im der kayser 40 tausent gulden.
Moscouia
C 1r, 3
(
Wien
1557
):
Es stuende ain jrthumb vmb das Fuͤrstenthumb [...] das der Hertzog SIMEON vom Khuͤnig ZANABEGKH begert / der wolte ein Tribut entgegen haben.
4.
als Richtungsangabe, meist in Verbindung mit einem Bewegungsverb: ›auf jn. / etw. zu, zu jm. / etw. hin‹ (mit teils freundlicher, teils feindlicher Absicht).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Wortbildungen
(in Auswahl):
entgegenfliehen
,
entgegengehen
2 ›jm. entgegengehen‹; 3 ›gegen den Strom schwimmen‹ (von Fischen gesagt),
entgegenkommen
1 ›sich auf jn. hin bewegen‹; 2 ›jm. erscheinen, sich jm. zeigen‹ (im Beleg von Gott gesagt),
entgegenlaufen
2,
entgegenneigen
›sich jm. / e. S. zuwenden, um Schutz zu finden‹,
entgegennemen
›jn. bewillkommnen‹,
entgegenreiten
,
entgegenschmeissen
,
entgegensenden
,
entgegentragen
›jm. etw. bringen‹,
entgegenwandeln
,
entgegenwurf
wohl ›Ziel‹ (
Mwb
1, 1632
),
entgegenziehen
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1636
):
sagt ihm hohen Dank für diese seine Gaben, | mit welchen er uns schon allhier entgegen nimt.
Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
er [...] zoge ihnen entgegen in meinunge einen vorthel abezulauffen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
150, 3289
(
Magdeb.
1608
):
Petz [...] | [...] gieng zum Jaͤger auffgericht / | Das er sein gschoß kont brauchen nicht / | Sondern dem Petz entgegen schmiß.
Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
Melchiar Lendorff [...] finge also den fisch auff, der dem strom, dem wasser entgegenginge den Pregel auffwerts.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 14, 27
:
das meer kam wider fur morgens in seinen strom / vnd die Egypter flohen jm entgegen.
Ebd.
2. Mose 19, 17
:
Mose füret das Volck aus dem Lager / Gott entgegen
[
Mentel
1466:
in der begegnunge
, Var. 1475
2
-1518:
gegen got
; nd. Bibel 1478:
dem heren tho ghemote
, 1494:
in de moͤte gades
, 1522:
gode entieghen
].
Ebd.
3. Mose 26, 27
:
WErdet aber jr da durch mir noch nicht gehorchen / vnd mir entgegen wandeln
[
Mentel
1466:
geet wider mich
; nd. Bibel 1478:
wandert my enteghen
, 1494:
wedder my wanderende
;
Eck
1537:
werdt wandern wider
]
/ So wil ich [HERR] auch euch in grim entgegen wandeln.
Ebd.
1. Sam. 25, 32
:
Gelobt sey der HERR [...] / der dich [Abigail] heuts tages hat mir [Dauid] entgegen gesand
[
Eck
1537:
geschickt hat mir entgegen
].
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
449
(
rib.
,
1444
):
Ouch dancken ich uch [...] | Dat ir [...] wouldt begynnen | Untgaen mich zo komen durch myn heil.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1350
):
Da qwamen di lantgrebschen dem bischofe entgein zu Gudensperg unde streden einen großen strit.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
119, 18
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Der konnig reit syner husfrouwen entgeyn mit grossem folck.
Ebd.
171, 12
:
Konnig Ludewig [...] zog zü stünt yne [Franczosen] engein mit yne zü stryden.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1505
):
da trug man im sein kint also tot entgegen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
O starcker Gott, | Der [...] | [...] Moysi entgegen kam | Jm Busch, der flammt vnd nicht verbrann.
Bey Mitternacht mir kommen ist, | Mein Braͤutigam Herr Jesu Christ, | Man rufft zieht jhm entgegen frey.
Frommes Jungfraͤwlein mach dich auff, | Deinem Gesponß entgegen lauff.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
sprich, wenne unversehen liden uf dich velt [...]: ,bis wilkomen, min lieber [...] frúnt [...]‘, und nige vil demuͦtklichen dar engegen.
Dis umbe keren [...] und dis suͦchen [...], das ist alle die fúrwúrfe
[›Entwurf‹?]
und die engegenwúrfe in aller der weise im
[dem Menschen]
Got hie fúr gehalten wirt.
Schib, H. Stockar
141, 11
(
halem.
,
1520
/
9
):
Uff der hialgen dryg küng dag bin ich gerytten uber Rin, Hans Schmid brutt aingiegen.
Sappler, H. Kaufringer
6, 84
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da kom die fraw wolgetan | im engegen oun argen list.
Dreckmann, H. Mair. Troja
14, 29
(
oschwäb.
,
1393
):
da stund er [küng Oetes] von seinem künklichen stul uf, und gieng den gesten engegen.
Weber, Füetrer. Poyt.
219, 1
;
Voc. inc. teut. e
viijr
;
5.
meist als Präp.: ›räumlich gegen jn. / etw. gerichtet, jm. / e. S. entgegengesetzt‹; in 1 Beleg: ›jm. gegenüber, in Beziehung auf jn.‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1631
):
Gott, du bist mein Erretter, | und meiner Zuflucht Schutz entgegen alle Spötter.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2033
(
rib.
,
1444
):
So nam ich dat gelijchnisse uch zer lere | [...] | Want intgaen den tzymmerman | En sal syne aechs neit hoemoitlichen up staen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
872
(
Köln
1476
):
Dayr was groys arbeit tgaen dat fuyr | Jnd tgaen dye vyand vngehuyr.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1559
):
Da seind die herrn statpfleger, burgermaister und ain ersamer rat entgegen gestanden
[›dem Kaiser, in einer Reihe aufgestellt, gegenüber gestanden‹]
und Jrer mt. gebürliche reverentz gethan.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Durch die all khumen die zwenn hawffen an grossen schaden und khumen in des allten keczer veld, [der in] enntgegen lag.
Meisen, a. a. O.
1192
.
6.
als hauptsatzeinleitende Konjunktion mit adversativer Funktion: ›dagegen, hingegen, demgegenüber, jedoch, indessen, stattdessen, während‹.
Gehäuft Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  1.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
da entgegen verbot der marggrave, daz man nichtz in die stat füren solt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
Entgegen sicht man in der stat Niermberg [...] vil ain bössere administration.
Meisen u. a., J. Eck
37, 14
(
Ingolst.
1526
):
diweil [...] yeglicher tail vermaint, er hab die Geschrifft fuͤr sich, er verstand und bruͤch sy recht, entgegen die widerparthy bruͤch und verstand die Gschrifft onrecht.
Vgl. ferner s. v.  2.