dienstbarkeit,
die
;
–/-en
.
1.
›Last, Auflage, Verpflichtung, die aus rechtlichen Abhängigkeiten resultiert; vertraglich festgelegte Regelung über einen möglichen Streitgegenstand‹; auch ütr.: ›als Bürde, Last gedachte Beschwerden (der Armut)‹;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
,  810, , .
Syntagmen:
armut d. tragen, jm. eine d. auflegen
;
ein haus mit dienstbarkeiten belegen
.
Wortbildungen:
dienstbarlichkeit
.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
98, 22
(
Worms
1499
):
So aber die güter vnteilbar weren als dinstparkeit gerichtszweng vnd der glichen gerechtikeit vnlyplicher ding soͤllen nit vertailt [blyben].
Ebd.
277, 4
:
Auch vmb dinstbarkeiten vnd buwen derselben zwuschen anstossern vnd nachpuren.
Ders., Stattr. Fryburg
96, 1
(
Basel
1520
):
sy sollent auch die hüser mit keinen nüwen dienstbarkeiten / [...] / beschweren.
Reichert, Gesamtausl. Messe
8, 12
(
Nürnb.
um 1480
):
groß ist dise dienstberlichkeyt und wirdigkeyt, dy gelegt ist an die priester.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 313, 41
(
schwäb.
,
1502
):
auch vermaint hand, das in andre dinstberkaiten wider alt herkomen aufgelegt werd.
Henisch
118
(
Augsb.
1616
):
Armut tregt vil dienstbarkeit mit jr auff dem rucken.
Kollnig, Weist. Schriesh.
182, 31
;
282, 20
;
Köbler, Ref. Wormbs
226, 16
;
Rwb
2, 878
.
2.
›e. P., einem personenähnlich gedachten Wesen (wie den Engeln) sowie Gott zugeschriebene Haltung der Dienstbereitschaft, Dienstwilligkeit, Dienstbeflissenheit gegenüber dem Menschen bzw. dem anderen‹; im Einzelnen: ›sich in der Erlösungstat Christi zeigende Opferbereitschaft Gottes‹ (teils mit dem mystischen Hintergrund einer der
dienstbarkeit
verglichenen Seinsweise Gottes und der sich daraus ergebenden Aufgaben des Menschen); ›Hilfsbereitschaft in Alltagsangelegenheiten‹ sowie (metonymisch:) ›Hilfe; Ergebenheit des Abhängigen gegenüber einem Höhergestellten‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , (
das
12, ,  7, , (
der
1,  2,  1, , , (s. v.  3), .
Syntagmen:
(die) d. beweisen / erklären / preisen, d. zu etw. zeigen, jm. d. erbieten / zugeben
;
die d
. (Subj.)
beflissen, nicht one furcht / liebe sein (sollen), keinen lon haben, den geist ermuntern
;
den leichnam
(›Körper‹)
der d. untertan machen, jn. in d. finden / versorgen, got in d. erscheinen, sich vor d. hüten, jn. zu d. neigen
;
die d. Christi, der engel, des rates, der hofleute, der welt
(gen. objectivus),
der werke
›in den Werken‹;
die d. in den ambachten
;
die freie / englische / gehorsame / getreue / nüzliche / schäzbare / übrige
›übermäßige‹
/ unterworfene / würdige d
.

Belegblock:

Luther, WA
7, 21, 11
(
1520
):
Diße zwo widderstendige rede der freyheyt und dienstparkeyt zuvornehmen, sollen wir gedencken, das eyn yglich Christen mensch ist zweyerley natur, geystlicher und leyplicher.
Ebd.
12, 133, 14
(
1522
):
ym abgrund der hellen werden sie sitzen, die aus der hymelischen freyheyt eyn solch hellisch gefengnis, uns aus der lieblichen dienstbarkeyt eyn feyndselige freyheyt machen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
53, 304
(
Magdeb.
1608
):
[die Froͤsch] danckten fuͤr die mildigkeit / | Erboten jhre dienstbarkeit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 80, 8
(
Köln
1619
):
Christi grosse demuͤtigkeit, | Vnd seine dienstbarkeit, | Lob preiß in ewigkeit.
Schwartzenbach
E vjr
(
Frankf.
1564
):
Dienst. [...] Dienstbarkeit. Handreichung. Wolgefallen. Liebgefallen. Behegelichheit.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
26, 19
(
omd.
,
1487
):
Doch sall eins das ander [...] In nottorfft vnd dinstbarkeitt vorsorgen.
Mathesius, Passionale
40r, 23
(
Leipzig
1587
):
also erkleret der HERR Christus [...] diese seine Dienstbarkeit vnd Knechtschafft / in dem er spricht: Fecisti me seruire in peccatis tuis.
Opitz. Poeterey
14, 7
(
Breslau
1624
):
die freye dienstbarkeit / | Die sichere gefahr / das troͤstliche beschweren | Ermuntert meinen geist / das er sich hoͤher schwingt.
Mayer, Folz. Meisterl.
103, 556
(
nobd.
,
um 1480
):
Reden hab ich geredt daz dein haüsß und daz haüß deines vaters soll dinen und in dinsperkeyt erfunden werden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 121, 4
Var. (
Straßb.
1466
):
Wann alle ding seint von gott der vns im hat versoͤnt durch cristum: vnd gab vns die ambechtung
[Var. 1475
1
:
dienung
; 1475
2
:
dienstberkeit
;
Luther
1545, 2. Kor. 5, 18:
ampt
]
der versoͤnung.
Strauch, Schürebrand
49, 4
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz ir geneiget werdent zuͦ gehorsame, [...], zuͦ demuͤtikeit, zuͦ minnesamkeit [...] zuͦ underworfener dienstberkeit in snoͤden unwertlichen ambahten, also schüßeln weschen.
Ruh, Bonaventura
367, 22
(
orhein.
,
um 1480
):
daz [du] alle dine dienstbarkeit, besunder die demütigen vnd sneden werck, mit so inbrünstiger lieb volendest.
Ebd.
361, 6
:
so soltu dich flisen diser stúcklin zuͦ betrachtten [...] waz pin der vngerechten bereit sint, vff daz din dienstbarkeit nit on forcht oder liebe sy.
Warnock, Pred. Paulis
2, 262
(
önalem.
,
1490
/
4
):
alle din dienstbarkait wirt kainen lon haben.
Höver, Bonaventura. Itin. A,
223
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Denselben himlischen geysten [...] czvͦegehört zuͦ beweegen dye hymlischen leib, auch durch das wirt in zuͦe geeben dyenstperkayt vnd regiment der gannczen werlt; wann sy enpfahen von der ersten sachh, das ist von got, influs der tugent vnd kraft, denselben influs sy gyessend ia wydergyessend nach dem werkch des regiments.
Ebd.
1, 547
:
dye creatur in der pildnüz got wollt erscheynen in ennglischer dyenstpërkhait.
Leidinger, V. Arnpeck
471, 38
(
moobd.
,
v. 1495
):
di ander nacht der abt mit sambt dem kaiser sach auch solhe dinsperkait im von den englen bebeisen.
Bauer, Imitatio Haller
66, 16
(
tir.
,
1466
):
das man [...] kchestigen sol den leichennamen vnd den vntertenig machen der dinstperkchait vnd fliehen sol die weltleichen eren.
Ebd.
78, 13
:
Wie man sich hueten sol von der v̈brigen dinstperkchait der menschen.
Luther, WA
52, 225, 17
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
470, 29
;
Illing, Albert. Sup. miss.
933
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
87, 11
;
Warnock, a. a. O.
5, 71
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 477
.
Vgl. ferner s. v.  2,
1
 16, .
3.
›Knechtschaft, Zwangsherrschaft, Unterworfenheit, Untertänigkeit‹; auch: ›als Unterworfenheit verstandene Verfallenheit an etw. (z. B. das
laster
, die
sünde
)‹; jeweils als Zustand aus der Sicht des leidend Betroffenen gesagt.
Bedeutungsverwandte:
(
der
469, (
der
3, ; vgl. , , .
Gegensätze:
 46.
Syntagmen:
d. gebären
›hervorbringen‹,
die d. des teufels lassen, jm. d. einbringen
;
etw. eine d. nennen
;
sich einer d. unterwerfen
;
jn. aus (der) d. erkaufen / erlösen / fechten, jn. durch d. demütigen, in d. kommen / verbleiben, sich in d. begeben / verkaufen, jn. in d. nemen, jm. mit d. unterworfen sein, jn. vor d. aufenthalten
›bewahren‹
/ entledigen, von der d. zu dem herren gehen, sich zur d. wenden, zu der d. geboren werden
;
die d. der sünde, der magd
›Knechtschaft als Status einer Magd‹,
eines herren / fürsten / wüterichs, des teufels / todes, der Römer / Spanier / Türken / heiden
;
die ewige / schwere d
.;
das zeichen der d
.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
12, 6, 13
(
Wittenb.
1522
):
dz die mayt Agar / das alt testame͂t bedeut / welches tzu dinsparkeit vñ burde͂ gebird.
Luther. Hl. Schrifft.
Neh. 9, 17
(
Wittenb.
1545
):
vnser Veter [...] wurffen ein Heubt auff / das sie sich wendeten zu jrer dienstbarkeit
[bis 1541
1
:
dienst
]
in jrer vngedult.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
15, 2
(
Frankf./M.
1626
):
Ist auch also in der Heyden vnd Tuͤrcken Dienstbarkeit biß auff heutigen Tag verblieben.
Schwartzenbach
O jr
(
Frankf.
1564
):
Tyrannei. [...]. Beschwerliche Viehische forcht vnd dienstbarkeyt.
Ralegh. America
4, 20
(
Frankf.
1599
):
Daß sie alle Voͤlcker / die vmb sie her ligen / von der Hispanier Dienstbarkeit / vnd Tyranney erledigte.
Perez, Dietzin
1, 317, 9
(
Frankf.
1626
):
sintemal wir [...] vns gleichwol / als die wir frey vnd vber alle andere Thier zu herrschen Gott erschaffen / durch solches Laster der Dienstbarkeit des Todts vnd Teuffels vnterwerffen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
148v, 35
(
Leipzig
1588
):
Manche verkeuffen oder vergeben sich vnd die Ihrigen in schwere Dienstbarkeit / ihr Leben zu fristen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
125
(
Nürnb.
1517
):
[Das gesetz Moysi] ein gesetz der forcht genent wirdet, in dem wir geborn werden zu der dinstberkeit von der meidt. [...]. Nemrod [...] was ein starker jeger vor got, der die menschen fieng in sein dienstberkeit.
Bachmann, Morgant
145, 3
(
halem.
,
1530
):
[Jhesus Krystus] tod und martter gelytten hat am krŭtz, zeerkouffen daz mentschlich geschlächt uß der dienstbarkeyt des tŭffels.
Heydn. maister
5v, 16
(
Augsb.
1490
):
Hat auch den von Athenis vÿl guͦtheit bewisen. Vnd lang zeit sÿ mit seiner fürsichtikeit vor dienstberkeit d‘ wuͤtrich vnd Tÿrannen aufenthalten.
Chron. Augsb.
9, 132, 32
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
daß sie zu ainem zaichen der dienstparkait durch ain joch, daran die ochsen ziehen, haben schlieffen und kriechen miessen.
Ebd.
154, 14
:
regierung, die doch [...] billicher ain dienstparkait dann ein herlichkait mit der warhait genenet werden möge.
Ebd.
352, 2
:
Kein gwalt, der mocht sie nie bezwingen, | Noch inen dienstparkeit einbringen.
Moscouia
C 2v, 3
(
Wien
1557
):
ist er widerumb nach Neugartten gezogen / [...] / das volck in schwaͤre ewige dienstparkait genumen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
15, 4
(
tir.
,
1464
):
[ich ge] von der dinstperkait zu dem herren, von dem zeitleichen zu dem ewigen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
135, 2857
;
537, 980
;
Luther, WA
48, 58, 7
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
171
;
Bachmann, a. a. O.
199, 23
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
66, 108
;
Heydn. maister
24v, 21
;
Lutz, Buch Alfadol
250, 6
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
6, 14
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 531, 6
.
Vgl. ferner s. v.  11.