gehorsam,
der
 ;
-(e)s/–
;
gehorsame,
die
;
-Ø/–
;
letzteres gehäuft wobd.
1.
›Gehorsam, Folgsamkeit, Fügsamkeit, Treue, Loyalität‹; vgl. (Adj.).
Syntagmen:
gehorsam bewaren / beweisen / erfüllen / geloben / halten / leisten / schwören / tun; andächtiger / billiger / demütiger / gebürender / gebürlicher / rechter / schuldiger / treuer / warer / williger g
.

Belegblock:

Schöpper
13b
(
Dortm.
1550
):
Gehorsamkeit gehorsame vnderthenigkeit Willfertigkeit gehorsam willfarung.
Pfefferl, Weigel. Ges.
16, 10
(
Hamburg
1646
):
Darumb soll vnd vermag sie nicht ihr selbst eigen sein, Soll nicht nach eigenen willen leben, sondern in gelaßenheit vnd gehorsam.
Mieder, Lehmann. Flor.
47, 19
(
Lübeck
1639
):
Das ist trewer gehorsam / der auß Lieb / vnd nicht auß Furcht geschicht.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
2373
(
preuß.
,
1331
):
Cristes gehorsam, daz wol vach, | Der wir sullen volgen nach.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 147, 23
 f.(
preuß.
,
1453
):
das sy in krafft disz artickels sich nicht wolten aussliessen von der gehorsam irs herrn.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
338, 2444
(
Magdeb.
1608
):
Aber meinem Gott dien Jch gern / | Leist jhm Gehorsam ohn beschwern.
Luther, WA
17, 2, 352, 30
(
1527
):
Gehorsam ist besser denn opffer, Gehorsam haißt dem abt, Prior oder Guardian gehorsam sein.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 50
(
Thorn
1584
):
vnd sagen sy das in yrre meystirschefte by yrme gehorsame.
Reissenberger, Väterb.
6197
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Sie let sich willec ubertreten | An gehorsames zuht, | Wan ir da suͤze wirt die vruht.
Jürges u. a., Waldecker Chron.
341, 13
(
wmd.
,
1543
):
in allen gotlichen und ehrlichen dingen geborlichen gehorsam leisten.
Köbler, Ref. Wormbs
142, 16
(
Worms
1499
):
Dan ynen gepürt in gehorsam solichen beuelhen volg zuthuͦn.
Palmer, Tondolus
1133
(
Speyer
um 1483
):
dz sint monch vnd closterfrawen [...] die ir gehorsam gegen iren obersten frolich vnd mit innikeit haltent.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
17, 6
(
omd.
,
1487
):
Jn williger armutt vnd ewiger kevschheitt, mit volkōmlichem gehorsam lebenn.
Ebd.
43, 15
:
Aber weiber sollen gleich woll gehorsam halden.
Küther, UB Frauensee
197, 25
(
thür.
,
1419
):
daz spreche ich uff myn orden unde gehorsam.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
95, 27
(
thür.
,
1474
):
also habe er sin wip von gehorsams wegen weddergenomen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
11, 7
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
ob ymant sturbe in siner gehorsam, der queme also vort in das paradys.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
682, 15
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Des gehorsams und eintracht ist er uns abgetreten und widerseczig worden.
Pyritz, Minneburg
1886
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich han getan gehorsam ir | Reht als ein munch eim apte tut.
Chron. Nürnb.
3, 304, 27
(
nobd.
,
1450
/
80
):
also bestund kunig Ruprecht yn der gehorsam babst Gregorii wider das concilium zu Pisis bis an sein ende.
Loose, Tuchers Haushaltb.
127, 9
(
nürnb.
,
1515
):
adi 23 ottobris thet ein püßerin czu Pillnrewt gehorßam
(›legte das Klostergelübde ab‹).
Ebd.
175, 4
(
nürnb.
,
1477
):
da waß ich czu Franckfurtt und darnach adi 19 abril thet ich gehorsam
(›schwor ich den Amtseid im Rat‹).
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
216
(
Nürnb.
1517
):
do ist die gehorsam zerbrochen und das gebot uberschritten.
Dietrich. Summaria
30r, 4
(
Nürnb.
1578
):
Denn durch solchen glauben vergibt Gott alles / was vnserm gehorsam mangelt.
Lauchert, Merswin
36, 19
(
els.
,
1352
/
70
):
so gebúte ich v́ch bi rehter gehorsamme, daz ir alle annander gehorsam sint.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
258, 21
(
els.
,
1362
):
Vnser herre het an dem crucze gedult erbotten [...] gehorsam erfullet.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 27, 3
(
Straßb.
1466
):
also werdent auch manig geschicket gerecht durch die gehorsam eins menschen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
119, 24
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
diz ist die underwerfung der gehorsami dez vatters bis in den tot.
Barack, Zim. Chron.
2, 331, 4
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Das solt ain grosse gehorsami bei seinen underthonen haben gebracht.
Ebd.
3, 267, 6
:
Der war ein herr in seinem landt und kunt auch ein gehorsame under seinem volk erhalten.
Bihlmeyer, Seuse
340, 15
(
alem.
,
14. Jh.
):
der mensch nit kumet ze goͤtlichen tugenden, als gehorsami, lidberi, unbehabenlichi und dero glich.
Bachmann, Haimonsk.
5, 12
(
halem.
,
1530
):
Karly [...] vermeint, ich söll im gehorsammy thuon mit allem minem vermögen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
98, 13
(
halem.
,
1513
):
Wir gebietten ouch by gehorsame, das niemand in das gotshuß genommen, [...], es welle dann geistlich werden.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 39, 21
(
whalem.
,
1484
):
wo man ouch in gehorsami lebet, do ist die kraft gottes, wann doch gehorsami die obriste tugent ist.
Rieder, St. Georg. Pred.
51, 9
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so man gehorsami lobet, so sprichet man: ich tuͦn anthais und gelob gehorsami untz an minen tot.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
157, 15
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Da muesten die Wienner schweren und geloben, all gehorsam zu thwen als irem herrn.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
153, 5
(
moobd.
,
1478
/
81
):
so beweis auch mir dein gehorsam.
Roth, E. v. Wildenberg
151, 16
(
moobd.
,
v. 1493
):
dieser fürst lebt in gantzer gehorsam gegen seinem vatter.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
281, 25
(
m/soobd.
,
1532
):
ir fürstl. genad versehen sich auch aller gehorsam bei inen.
Bauer, Imitatio Haller
79, 9
(
tir.
,
1466
):
Ir sint vil vnder der gehorsam vil mer durch der narung vnd noturft willen denn durch der lieb willen.
v. Keller, Amadis
384, 8
;
Wolf, Norm im sp. Ma.
33, 17
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
101, 846
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
72, 3
;
72, 13
;
76, 24
;
77, 25
;
114, 31
;
117, 34
;
123, 15
;
131, 36
;
Bachmann, Morgant
303, 34
;
Chron. Augsb.
3, 418, 35
;
5, 400, 10
;
7, 36, 5
;
44, 8
;
77, 25
;
85, 4
;
85, 20
;
87, 10
;
275, 33
;
311, 22
;
Schmitt, Ordo rerum
96, 4
;
Dasypodius
78r
;
Serranus
79r
;
Maaler
164r
;
Stieler
1, 860
;
Dietz, Wb. Luther
2, 47
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
125
;
Schwäb. Wb.
3, 217
;
Schweiz. Id.
2, 1570
;
Vorarlb. Wb.
1, 1093
.
2.
›Gefängnis, Gewahrsam, Arrest, Verwahrung‹.
Urkunden, Rechtsschriften.
Syntagmen:
in den g. gehen, im g. sitzen, mit g. gestraft werden
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 28, 30
(
md.
,
1471
):
vnd ab er dy bus wegerte zugeben, der sal in des rads gehorsam gehen vnd daraus nit komen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
43
(
omd.
,
1563
):
Welcher uber zuvorsicht solches unterlaßen, der solle mit gehorsamb gestraft werden.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
31, 7
(
osächs.
,
1542
/
70
):
der sol darumb einen ort eins gulden zur strafe geben ader, [...], einen tag und nacht in burgerlichen gehorsam sitzen.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
159, 23
(
osächs.
,
1545
):
so sol Nickel in gehorsam gehen pei seiner eigenen kost und nicht raus.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
258, 48
(
m/soobd.
,
1629
):
so soll demnach der richter dieselben ohne alles mitl und von stunt an in den gehorsamb verschaffen.
Ebd.
259, 25
:
Wellicher betrötten oder anzaigt wurdt [...] der soll dem richter straff geben als oft 72 ₰ oder in gehorsamb süzen drei tag.
Mell u. a., Steir. Taid.
74, 1
(
m/soobd.
,
1596
):
der sol [...] mit der gehorsam ernstlich gestraft werden.
Opel, Spittendorf
95, 43
.