anfechtung,
die
;
-Ø/-e
, auch
-Ø.
1.
›Anfechtung, Versuchung, Verführung, Verlockung (im religiösen Sinne)‹;
Religiöse und didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  2,  4,  4, , (
das
1, ; vgl.  1.
Syntagmen:
a. haben / leiden
(jeweils mehrmals)
/ tragen / überwinden / ausschlagen / abschlagen / meistern / miltern / begütigen, ring / klein schätzen; jm. die a. abnemen
;
a.
(Subj.)
kommen jm.
;
in a. fallen / kommen / bestehen
;
der a. angesiegen / entgehen, jm. in der a. helfen, etw. in a. erfaren, in a. mit jm. bleiben / unüberwunden sein, jn. mit a. üben / überwinden, etw. vor a. stärken, jm. von a. helfen / behüten / beschirmen, jn. in der a. schirmen, von a. in sünde fallen
;
zeit / angst / sünde der a.
;
a. des (bösen) feindes / teufels
(jeweils mehrfach)
/ fleisches / (bösen) geistes / leibes, der welt / untugend
(jeweils gen. subj.);
a. des menschen
(gen. obj.);
a. im felde / wege / in der hausung
;
a. der bekorung
(gen. def.);
fleischliche / böse / grosse / listige / müselige / schwere a.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
1655
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das myn tochter lidet swere | anfechtung von dem tufel sere.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5113
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
so wil ir [togend] god helffen unnd si beschure, | also das si wol mag bestehen | unnd aller anfechtunge entgehen.
Gille u. a., M. Beheim
86, 39
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Du machst des menschen stande | stark und auch sicher wider die | anvechtung der pösen veind hÿ | reht als der ademante.
Langen, Myst. Leben
178, 9
(
nobd.
,
1463
):
sol man [...] sy ermanen, daz sye [...] starck sein in dem gelauben vnd all anfechtum, dy in pe/gegen, gancz außschlahen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
15, 28
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wie vil sein der selben, die nach langer und manger seliger schiffung, nach mangen widersteung und uberwindung ritterlichen, sighaften, die yczund sich getrawenten czu nemen ein seligs und ein wunschleichs end, durch die einspruͤche und anfechtung des tewfels in der czeit ires insten des tods czu dem strick ires verderbens und irer verlisung kommen sein.
Bihlmeyer, Seuse
106, 24
(
alem.
,
14. Jh.
):
wirst du geuͤbet mit dez libes anvehtunge, froͤw dich, daz ein andre Paulus mag uss dir werden.
Warnock, Pred. Paulis
1, 205
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Adam und Eva im paradis warent zwo stark súl, wurdent von dem falschen rát und anfechtung des bösen gaist nidergeworfen und fiellent in súnd.
Henisch
79
(
Augsb.
1616
):
Es kan keiner Christum recht lernen vnd erkennen / noch Gottes wort recht verstehen / er erfahre es denn in Creutz vnd anfechtung.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
39, 23
(
tir.
,
1464
):
Die zäher die sint mir gewesen prot tag vnd nacht in der armüet dises lebens vnd die arbait, lëstrung, petrüebnus, chümmernus, hunger, durst, vasten, wachen, anuëchtung, chrankhait.
Dies., Imitatio Haller
83, 6
(
tir.
,
1466
):
Es ist niemant als gar volkchömen vnd heilig, der da nit etwenn hab anuechtung, wand wir mügen nicht gancz sein an die anuechtung. Die anuechtung des menschen die sint offt gar nucz, wie wol das ist, das sy gros vnd swer sint etwenn. Wend der mensch der würt dar durch gerainiget vnd gedyemuetiget vnd würt gelërnet. Wand alle heiligen gottes die sint gangen in das reich der himel durch vil truebsal vnd anuechtung.
Quint, Eckharts Trakt.
271, 8
;
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
3760
; vor
12231
;
12466
;
12536
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Luc.
22, 28
;
Feudel, Evangelistar
17, 12
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1966, 6
;
Thiele, Luthers Sprichw.
115
;
Palm, Veter Buoch
19, 12
;
Pyritz, Minneburg
3870
;
Gerhardt, Meister v. Prag
33, 11
;
223, 5
;
Langen, a. a. O.
164, 8
;
Wagner, a. a. O.
12, 28
;
42
;
Gille u. a., a. a. O.
74, 104
;
Mayer, Folz. Meisterl.
8, 171
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 287, 11
;
Chron. Nürnb.
5, 673, 16
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 5, 2
;
154, 12
;
Bihlmeyer, a. a. O.
61, 7
;
132, 16
;
315, 32
;
498, 11
;
Vetter, Pred. Taulers
116, 1
;
Strauch, Schürebrand
45, 13
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 133, 9
(Anm.);
Warnock, a. a. O.
1, 230
;
27, 240
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 147
;
Jaspers, St. v. Landskron
26r
, 31;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1357
;
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
115, 22
;
Rieder, St. Georg. Pred.
50, 3
;
301, 22
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
246, 12
;
Adrian, Saelden Hort
5063
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
74, 24
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 259, 24
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
64, 6
;
269, 33
;
Primisser, Suchenwirt
33, 28
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
151
va, 10;
153
ra, 32;
153
rb, 4;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
63, 2
;
Wolf, Norm im sp. Ma.
49, 52
;
Bauer, a. a. O.
112, 22
;
Bauer, Imitatio Haller
59, 19
;
Dietz, Wb. Luther
77
;
Maaler
18r
/v;
281v
;
511r
.
2.
›Verlockung, Verführung (im nicht religiösen Sinne)‹;
vgl.  5.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
232, 4
(
Worms
1499
):
das sie mit manigerley begirden vñ an fechtungen zuzyten hinderkomen gereitzt vnd verfürt werden.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
43, 3
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Als dise Outa erwuechs, ward sy gar ains unfertigen lebens und durch ir anfechtung dienet ir zu willen des schultheissen sun zu Regenspurg, von dem auch sy geswengert ward.
Maaler
465v
.
3.
›zähe Verhandlung‹;
vgl. am ehesten  6.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron.
4, 207, 9
(
halem.
,
n. 1529
):
Zůletst, nach zweier jaren anfaͤchtung, sagt ein stat Bern [...], si woͤlte ires teils fri und mit niemand verbunden sin.
4.
›gerichtliche Belangung von jm., Klage gegen jn.; Widerspruch, Einspruch gegen etw. (z. B. eine Urkunde)‹;
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  2), ,  2.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
33, 17
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
den twinget leit zu klagen, disen die anfechtung des klagers die warheit zu sagen.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
429
(
schles. inseldt.
,
1469
):
ap her ÿm hette beczalth III marg phenige, vnd awch, off her irkeyne anfachtunge vorhabin, das her solde vortrattin.
Ebd.
613
(
1479
):
das ich ÿm das gelt wil freÿen, ap her irkeyne anfechtwnge wert haben.
Rwb
1, 627
/28.
5.
›Anfeindung, Krieg, Widerwärtigkeiten, denen der Mensch ausgesetzt ist; Verfolgung‹;
vgl.  9.
Bedeutungsverwandte:
 3; vgl.  2, .

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
1292
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
von kleyner anefechtunge swuer ich sere, | du werst mir gantz ummere.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
1, 6
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
leidige anfechtung, schentliche zuversicht und smechliche verserung betwingen euch gröblich an aller stat.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
167, 3
(
Bamb.
1507
):
so der ancleger der ersten tetlichen anfechtung oder benoͤttigung, darauff, als vor stet, die notwerh gegruͤndt, bekentlich ist.
Chron. Nürnb.
4, 396, 11
(
nobd.
,
1459
):
wann die anfechtung darnach sovil grosser wider uns wurde.
Turmair
4, 994, 18
(
moobd.
,
1522
/
33
):
warn si, wie der menschen brauch ist, wen si kain anfechtung und widerwertigkait nit haben, muetig.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 45, 17 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Nero hat der christenhait getan die erste anfechtung. Er hieng sand Peter auf an ain kreucz.
Wattenbach, Urk. Rauden
142, 3
;
Chron. Augsb.
9, 141, 10
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 146.
6.
›Zustand des Leidens, des Betrübtseins, des Schmerzes‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  5, (
das
1.

Belegblock:

Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Affect, anmůttung / leiden / kranckhait anligen / anfechtung / betruͤbung.
Alberus H iijv.