närrisch,
auch:
närricht
,
Adj.
1.
›töricht, dumm; einfältig, schlicht, unkompliziert‹ (vom Menschen, menschlichem Handeln, Denken, Gedanken u. ä. gesagt);
vgl. (
der
1.
Seit dem ausgehenden 15. Jh.; vgl. aber den Beleg zu
närrischheit
.
Bedeutungsverwandte:
 1, (Adj.) 3,  67, , ,  4, ,  2, , , (mehrfach), .
Gegensätze:
 2, (Adj.) 4,  10, .
Syntagmen:
j. n. sein / werden, etw
. (z. B.
die welt
)
n. sein
;
n. faren / handeln / leben / reden / tun, sich n. stellen
;
jn. für n. halten
;
der närrische herre / lügenrum / ratschlag / tor, die närrische abweise / auslegung / feige / rede / vervorteilung, das närrische kind / vertrauen
.
Wortbildungen:
närrischheit
.

Belegblock:

Luther, WA
8, 344, 23
(
1521
/
2
):
wie wol das eyn nerrichte auszlegung ist, szo aber doch die einfeltigen damit beschreckt werden von den reyssenden wolffen.
Ebd.
53, 591, 1
(
1543
):
Darumb ists nicht eine kluge noch meisterliche, sondern eine grobe, toͤlpissche, nerrichte luͤgen, da sich die Juͤden jrer Beschneittung fur Gott rhuͤmen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
72, 892
(
Magdeb.
1608
):
im Tod sind wir alle gleich / | Groß / klein / klug / nerrisch / arm vnd reich.
Opitz. Poeterey
10, 6
(
Breslau
1624
):
ist auch ferner nichts naͤrrischer / als wann sie meinen / die Poeterey bestehe bloß in jhr selber.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
170
(
Nürnb.
1517
):
die fürsehung [...] sei ein ursach eins nerrischen vertrauens in got.
Dietrich. Summaria
29v, 11
(
Nürnb.
1578
):
So nerrische gedancken haben sie vom Himelreich / die groben sew.
Lemmer, Brant. Narrensch.
97, 14
(
Basel
1494
):
Sellig der werckt mit synem karst | Wer muͤssig gat / der ist der narrst.
Warnock, Pred. Paulis
3, 126
(
önalem.
,
1490
/
4
):
den unglöbigen und unmilten wirt es gesechen närresch und ain dorhait ze sin.
Ebd.
131
:
Das wort des crútzes ist denen, die verderben söllint, ain torhait und ain närschait.
Goldammer, Paracelsus
4, 425, 27
(
1530
):
darumb sollen wir nit nerrisch, unweis darin leben, sunder wir sollen mit diefern gedanken dieselbigen bedrachten.
Jörg, Salat. Reformationschr.
89, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
die nerrischen kinder syend gschickter zum glouben / dan die vernünftigen allten.
Barack, Zim. Chron.
2, 563, 33
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
nersch her, waist nit, das mein haar uf kopf zwainzig jar elter, dann mein bart.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
44, 14
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sint diu augen klain [...], diu bezaichent tôrhait und närrischait.
Luther, WA
27, 348, 2
;
46, 750, 4
;
53, 513, 17
;
Peil, a. a. O.
678, 5396
;
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
491, 6
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 105, 31
;
Perez, Dietzin
1, 130, 16
;
Fastnachtsp.
843, 3
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
220
;
Dietrich. a. a. O.
19v, 9
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3009, 6
;
Warnock, a. a. O.
3, 117
;
Schöpper
7b
;
Maaler 301v/
302r
;
Ulner
326
;
Vgl. ferner s. v.  3,  1,  5.
2.
›versponnen, verrückt, wahnsinnig, gedanklich unkontrolliert, ausgreifend, die erwartbare Logik und Handlungsnorm des Menschen außer Kraft setzend, sie zur Phantasie, zum Traum, zum Wahn hin öffnend‹;
vgl. (
der
23.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. n. sein
(z. B.
eine hexe
)
/ werden
;
jn. n. machen, sich n. stellen
;
jn. für n. achten
;
der närrische mönch / sin, das närrische ansuchen / baren / gewissen / leben / vorgeben
.
Wortbildungen:
närrischen
›sich verrückt gebärden‹.

Belegblock:

Ulner
326
(
Frankf.
1577
):
Naͤrrisch. [...] / nicht bey sinne / der sinne beraubt / [...] / der vernunfft entsetzt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
263a, 6
(
Frankf./M.
1649
):
weil man aber annoch der That vngewiß ist / so ists fast naͤrrisch / die grosse vnnd Grawsambkeit / desselbigen anzuziehen.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
22, 1
(
Frankf./O.
1557
):
Wiewol er solches nerrischen vorgebens selbs auff eine zeit lachen [...] muste.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
7, 49
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
die einpildung ist worden tumm, nerrisch und spottisch.
Kurz, Murner. Luth. Narr
2
(
Straßb.
1522
):
Den halt ich für ein weisen man, | Der zuͦ zeit auch nerschen kan.
Bachmann, Haimonsk.
109, 6
(
halem.
,
1530
):
Wann ich achten den für närsch, der tröummen gloupt.
Bauer, Geiler. Pred.
226, 20
(
Augsb.
1508
):
da ain mensche [...] sein vernünftig leben. nit vermüschet und verwuͤstet / mit dem naͤrrischen leben.
Henisch
6
(
Augsb.
1616
):
Abenthewrig / der sich naͤrrisch stelt [...]. Ein abentheuriger / possierischer Tantz / ein Moͤrischer tantz.
Luther, WA
7, 797, 25
;
19, 387, 13
;
53, 466, 33
;
Perez, Dietzin
1, 43, 4
;
Oorschot, a. a. O.
381b, 29
;
Opitz. Poeterey
11, 16
;
Roloff, Brant. Tsp.
2051
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
114, 21
;
Schwartzenbach
J iijr
;
Dauner, Obd. Bibelgl.
1898, 115
.
Vgl. ferner s. v.
1
 1,  1.