klug,
Adj.
1.
›fein, feingestaltet, schön (von Sachen)‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , (s. v. ), , , (Adj.) 1,  6, , , , ; vgl. (Adj.) 7.
Syntagmen:
kluger baril / baum / borte / laz / leib / schieserker / tabernakel / ton / vogel / wiederfalt
›Ringelung des Haares‹,
kluge frau / seide / taube, kluges assach / bild / geschir / gesinde / gezelt / kind / kleid / weidental, kluge schuhe / steine / stricke
.

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1448, 1
(Hs.
A. 15. Jh.
):
Ein vingerlin von golde klug und wolgetan.
Karnein, Salm. u. Morolf
7, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Die nehste waht, die sie trug, | das was ein hemde von wißer siden clug.
Pyritz, Minneburg
5162
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ach waz cluger wisser tuben Da waren.
Bihlmeyer, Seuse
323, 25
(
alem.
,
14. Jh.
):
er [...] machet voran uf den mantel enzweres úber gar kluͦg stricke, und die [...] zierten die lieben vroͮwen.
Ebd.
440, 19
:
luͦg [...] wie die lúhtenden kluͦgen stein der stat vor geverwet sint.
Menge, Laufenb. Reg.
1645
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Ir lip ist cluͦg fúr wore.
Koppitz, Trojanerkr.
7057
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dü schönne ainen portten clüg | Under der richen cronne trüg.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
4119
(
Zürich
1560
):
noch sind die gschir so hüpsch und kluͦg | Da ich in zlieb wil trincken druß.
Päpke, Marienl. Wernher
937
(
halem.
,
v. 1382
):
Ir fines haͮr [...] An dem ende krúselecht, | Als samm ain kluͦger widervalt | Ze male wuneklich gestalt.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3844
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da ist aller schoͤni gar gnuͦg, | Was unser gesicht mag wesen kluͦg.
Primisser, Suchenwirt
25, 67
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ein chnauf von aim rubeine | Chos ich auf dem getzelde chluͦg.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
2, 30
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ze lobe dem [...] herezogen ze Österreich und ze Steyrn etc., der zu alen guten und chlugen sachen besunderleich ist genaiget.
Holtzmann, a. a. O.
1551, 2
;
Pyritz, a. a. O.
5175
;
Gille u. a., M. Beheim
23, 51
;
Bihlmeyer, a. a. O.
55, 23
;
Päpke, a. a. O.
4450
;
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
31
;
Primisser, a. a. O.
25, 163
;
46, 48
;
Voc. Teut.-Lat.
q viijr
;
Maaler
246r
;
Schwäb. Wb.
4, 508
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 296
.
Vgl. ferner s. v. ,
1
 1,
1
 2,  1,  1,  1, (Adj.) 7.
2.
›schmackhaft, fein (vom Essen)‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Hajek, Guͦte spise
9
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Ein kluͦge spise von pflumen.
Ebd.
43
:
Wilt du ein kluͤge spise machen.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
26, 14
(
moobd.
,
1393
):
wa ain mensch gar czarte vnd chluͤge speis alle mal heben wil.
3.
›sittlich, tapfer (von Personen); rühmlich, außergewöhnlich, lobenswert (von Vorgängen, Handlungen, Haltungen)‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  2.
Syntagmen:
sich k. erzeigen; kluger dichter / sitte, kluges abenteuer
.

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1, 2
(Hs.
A. 15. Jh.
):
Hie mügend ir gerne hören singen und sagen | von kluger aventur.
Wyss, Limb. Chron.
27, 13
(
mfrk.
, zu
1336
):
was he der klugeste dichter von Duschen und von Latinischen, als einer sin mochte.
Ebd.
29, 1
(zu
1344
):
der selbe Reinhart was gar ein kluger ritter von libe, von sinne unde von gestalt.
Allg. Schau-Buͤhne
61, 10
(
Frankf.
1699
):
Der Kayser hatte ein grosses Vertrauen auff den Hertzog [...] gesetzt / welcher sich [...] klug und tapffer [...] erzeigt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 58
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Abigail mit klugem sit | mag dir gar chlain geleichen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
169, 26
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der von Grann [...] verkert das regiment an seinem hof und [...] schickt das auf das kluegist nach des kaysers hofsitten.
Voc. Teut.-Lat.
q viijr
.
4.
›weise, verständig, erfahren‹ (von dadurch bestimmten charakterlichen und kognitiven Fähigkeiten, Haltungen und Handlungen).
Phraseme:
mit schaden klug werden
.
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
sich klug bedünken / stellen; auf etw. k. sein, aus etw. klug werden, jn. für k. halten; k. des sinnes, der rede; kluger beichtvater / evangelist / general / herre / knabe / man / meister / mensch / rat / richter / sin / sophist / wiz, kluge dirne / frau / gedenkung / natur / nonne / rede / sache / sophisterei / welt, kluges gezeug / herz / reden / tier, kluge dinge / laien / leute / worte
.
Wortbildungen:
klugmütig
(a. 1530),
klugrede
(a. 1541),
klugreder
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schorer, Sprach-Verd.
33, 21
(
1643
):
geschicht es / daß [...] mancher Ehrlicher / Vornuͤnfftiger / kluger Mann [...] nicht verstehe / was darinnen begriffen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
6792
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Ouch ist der cristenen gnuc | Die des sinnes sin so kluc.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 11
(
Köln
um 1490
):
Syn gelaet was ghelick eyneme dorafftighen mynschen, wol dat he tho male klock was in synen reden.
Gropper. Gegenw.
15v, 4
(
Köln
1556
):
Offt hat mich verwundert / das sie / die Widersacher [...] nicht weinig scharffsinnig vnd klug sein woͤllen.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 90, 110
(
Frankf.
1557
):
Denn des hetten sie guten fug | Vnd warens auß der Schrifft auch klug, | Wie solchs ein jeder noch wol weißt.
Stoltzius, Chym. Lustg.
94, 11
(
Frankf./M.
1624
):
Sey weyß vnd klug zu jeder zeit / Doch setz nicht an mit list die Leut.
Dedekind/Scheidt. Grob.
133, 15
(
Worms
1551
):
Was nutzt dich ob du dich recht heltst | Vnd allweg kluͦg vnd weißlich stelst.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
556, 1551
(
Magdeb.
1608
):
wer erst klug wird nach der that | Der brauch sein Weißheit viel zu spath.
Feudel, Evangelistar
14, 20
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
du hast vorborgen dyne wisheit den wisen unde den clugen unde hast sy geoffenbart den cleynen.
Hübner, Buch Daniel
731
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
geloube mir | Herre, daz alle clugen | In meisterlichen vugen | Dinen troum nicht besinnen | Mugen.
Küther, UB Frauensee
181, 13
(
thür.
,
1391
):
Des [...] han wir gebetin dy clugen lute dy ratismeyster und dy schepphin der stad [...], daz sy ir ingesigel an disen briff han gehangin.
Ries, Rechenb.
A 1v, 22
(
Erfurt
1522
):
So er disputirt / welcher billich cluͤgk geheysen moͤcht werdenn.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
10, 16
(
osächs.
,
1343
):
sît kluͦg alse di slangen und einveldic alse di tûben.
Alberus, Barf. Vorr. Alb.
3, 15
(
Wittenb.
,
1542
):
Erasmus Rhoterod gab auch ein solchen klugen Rat / es solt kein Priester [...] ein Weib nemen.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 2, 14
(
Leipzig
1520
):
Fursehet euch sicherlich zu wandern / nicht als die vnweysen / sonder wie die klugen.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
728
(
schles. inseldt.
,
2. H. 15. Jh.
):
ir weÿssenen vnd clwgen irssamnen herren, wir bitten ewer lipliche ere vnd trewe.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3003, 24
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Ihr seyd züchtig, schön, reich vnd klug, | Wist einen Mann zu halten wol.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 127, 21
(
Hagenau
1534
):
Das ey ist kluger denn die henne.
Dasypodius
117r
(
Straßb.
1536
):
Ein kluͦgreder / wortzierer.
Bihlmeyer, Seuse
98, 22
(
alem.
,
14. Jh.
):
min begird stat nút na kluͦgen worten, si stat na heiligem lebene.
Chron. Strassb.
230, 7
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
zuͦ dütsche ist lützel sollicher buͤcher geschriben, wie doch das die kluͦgen legen also gerne lesent.
Lemmer, Brant. Narrensch.
36, 3
(
Basel
1494
):
Der [...] meynt er sy alleyn so kluͦg | Vnd allen dingen witzig gnuͦg.
Sappler, H. Kaufringer
12, 25
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si was kluog und minecleich | und darzuo des guotes reich.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
468, 1
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der [stain] macht seinen tragær kluog oder kündich und fürsihtich und benimt übrig hitz.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
60, 15
(
tir.
,
1464
):
Welche verstentnus wer als chlüeg auszüsprechen vnd zu pegreiffen die vorgenenten himlischen freüden.
Fischer, Brun v. Schoneb.
3883
;
Buch Weinsb.
4, 19, 20
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 139, 8
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 18
;
Peil, a. a. O.
501, 2
;
Anderson u. a., a. a. O.
3, 5, 15
;
19, 18, 30
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
15, 29
;
Weise. Jugend-Lust
84, 31
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
201, 1883
;
Gille u. a., M. Beheim
102, 23
;
Fastnachtsp.
1012, 9
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
153, 16
;
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 30, 14
;
Bauer, Geiler. Pred.
467, 22
;
Klein, Oswald
5, 12
;
Jaksche, Gundacker
3304
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
95, 72
;
Voc. Teut.-Lat.
q viijr
;
q viijv
;
Maaler
246r
;
Ulner
415
;
Volkmar
553
;
Stieler
1, 987
;
Schwäb. Wb.
4, 509
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 61
.
Vgl. ferner s. v.  2,  2,  2,  12, , , (Adj.) 2,  2, (Adj.) 2, ,  2,  2.
5.
abwertend ›schlau, hinterhältig (von Personen, vereinzelt von Handlungen)‹; nicht immer klar von 4. zu unterscheiden.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 5, , (Adj.) 2, ,  1,  3, , , , , ; vgl. (Adj.) 5.
Syntagmen:
kluger dieb / list, kluge märe / rede, kluges weib
.
Wortbildungen
klüglistig
(dazu bdv.: ; a. 1427).

Belegblock:

Schöpper
6b
(
Dortm.
1550
):
Callidus. Behendt spitzfindig verhauwen geschraufft geschyd schlaw fündig verschlagen kluͦg geschwind ränckisch.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
1, 10, 5
(
Köln
um 1490
):
En laist yrs niet durch klucken list, | Ir sehet ye wael so was myr ist.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
147, 26
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Jch bin der clugeste diep der vff erden leben mag.
Sappler, H. Kaufringer
7, 399
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wenn si nun ainen münich lert | mit iren listen cluog und fein.
Ebd.
15, 15
:
so hat si im vorgezogen | mit cluoger red das hälemlein, | das er muos ir narr sein.
Voc. Teut.-Lat.
q viijv
;
Schwäb. Wb.
6, 2326
.
Vgl. ferner s. v.  2, .