lez,
Adj.;
zu
mhd.
letze
,
lez
›verkehrt‹
(), nhd.
letz
().
1.
›im Unterschied zu dem stehend, was recht, richtig ist oder als recht, richtig gilt, unrecht, falsch, verkehrt‹; im einzelnen: ›links‹; ›umgekehrt (von Kleidungsstücken)‹; ›rückseitig (von Papier)‹; ›vom Glauben abgefallen‹; offen zu 2; 3; 4.
Beleghäufung für das Wobd.
Phraseme:
der letze pelz
›falscher Pelz‹ (spöttisch für die Bekleidung ärmerer Leute);
lez stehen
›im Unrecht sein‹;
lez dran sein
›irren‹;
es geht lez zu
›es geht nicht mit rechten Dingen zu‹;
lez oder recht haben
›recht oder unrecht haben‹;
jn. lez stellen
›jn. ins Unrecht setzen‹;
das lez herumher keren
o. ä. ›das Innere nach außen kehren‹; im Beleg ütr.: ›sich schamlos zur Schau stellen‹;
dem rok das lez auskeren
›alles auf den Kopf stellen‹;
jm. gilt (etw.) lez oder recht
›jm. ist etw. gleich‹;
es get lez und überzwerch
›es geht drunter und drüber‹;
es geht jm. lez
›es geht jm. schlecht‹.
Gegensätze:
(oft).
Syntagmen:
j. / etw. l. sein
; ˹
etw
. (z. B.
das rechte
)
l. machen, jn. / etw. l. stellen
˺ (präd. Attr.),
jn. / etw. l. verstehen, etw. l. angreifen / ausrichten, jm. l. oder recht gleich gelten
;
den letzen
(›Verkehrten‹)
umbringen
;
der letze glaube / händschuh / verstand / weg, die letze hand / meinung
.
Wortbildungen:
lezgläubig
›abergläubisch‹,
lezverständig
›widersprüchlich‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Contrarius Widerstendig widerwertig entgegen lǎtz widersins widerspilisch.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
zo mustu sten [...] von gote gesundert und gewizet zu der lezen hant
(›zur Linken‹)
mit den stinkenden ciegen.
Gille u. a., M. Beheim
82, 450
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
zu laichen [...] die | glaubigen menschen, nur das sy | werden ringer und leczer.
Spanier, Murner. Narrenb.
26, 31
(
Straßb.
1512
):
So louffens [frouwen] mit den puren knaben | Vnd gilt in glych letz oder recht.
Ebd.
40, 61
:
so ist es buͦben werck | Vnd gat offt letz vnd überzwerg.
Ebd.
41, 60
:
So ists [dyn tochter] wol selber so gelert, | Das sy das letz herumbher kert.
Ebd.
42, 92
:
Die schencken machens alles schlecht, | Wer es letz, so würd es recht.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
letzuerstendig red / widerspilische red. Antiphrasis.
Goedeke, Fischart Flöh Haz
1387
(
Straßb.
1594
):
Dieselb [weib] hett nach alten gebreuchen, | Die her von Eve belz solln raichen, | Ain letzen belz um, sah daraus | Wie ain schildkrott aus irem haus.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
das die rechte meinung verstanden werde, und nit die leze.
Bächtold, N. Manuel. Papst
85, 1427
(
Zürich
1525
):
Gott geb, ir habind denn glich ja letz oder recht, | So wil’s trüwlich mit üch han.
Ebd.
156, 641
(
1526
):
[Wenn] das ross sitzt uf dem man, | So muͦss es alles letz zuͦgan!
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie wol einer Eidgnoschaft nie wirs, nit so uͤbel und laͤz gangen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sich nit Entsetzen oder sich nit laͤtz gestellen ab menschlichen zuͦfaͤlen / dultigklich leyden.
An das Laͤtz theil des papeyrß schreiben oder auf das rauch theil, [...]. Laͤtze raͤdt / auff das wiederspil des das man thuͦn solt / gegaͤben. [...] Laͤtzer glaub. Superstitio. Laͤtzgloͤubig. Superstitiosus. Laͤtz machen / Vmbkeeren / Das inner außhin keeren. [...]
Ebd.
261r;
Laͤtz stellen die zeügen. Eleuare testimonia. Einsi fraͤfenheit Laͤtz stellen. Audaciam alicuius confutare. [...] Einen seiner zuͦuersicht Laͤtz stellen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1615
):
das er soͤlchen kauff [...] ohn einichen betrug, falschen schyn und allen anderen laͤtzen verstandt zuͦzüchen begere.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
schlecht in der könig user kreften mit der letzen handt unversehenlich ins angesicht.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1552
):
Es haist dem rock das letz herausskertt, darum mus sich gottes wortt mitt vill seltzamer brattick [...] besudlen lan.
Klein, Oswald
112, 238
(
oobd.
,
1438
):
man well dann felschen gots gesetz | und das gerechte machen letz.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 289, 7
;
313, 25
;
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
447
; Bab.
4615
;
Ukena, Luz. Sp.
2780
;
Hulsius
Q iijr
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
2.
›verdreht, linkisch, ungeschickt, der normalen Erwartung entgegengesetzt, unangemessen (von Menschen, Verhaltensweisen u. ä.)‹; auch: ›merkwürdig‹.
Phraseme:
der letze meier
›schräger Vogel‹.
Bedeutungsverwandte:
,  2, , , ; vgl. (Adj.),  2, .
Syntagmen:
l. wirken, sich l. stellen / verkeren, etw. l. [tun], zur hand nemen
;
der letze kopf, das letze wort
.
Wortbildungen:
3
letze
,
lezkopf
1.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Letzkoͤpff vnd Narren machens noch al.
Mancher schleifft / hebt vnd traͤgt sein Creutz so vngeschickt / letz vnd toͤlpisch / das sich zu verwundern.
Luther, WA (
1544
):
DAS sind nu eitel letze wort, so Christus seinen Juͤngern gibt.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
er was also ein letzer Meyer, das er nichtz fuͤr guͦt wolt haben.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk.
180, 228
(
Bern
1551
):
Wie kanst du dich gar lätz stellen!
Fuchs, Murner. Geuchmat
3137
(
Basel
1519
):
Welcher tüffel sy doch leret, | Das sy sich alß letz verkoͤret.
Adomatis u. a., J. Murer. Ufferst.
577
(
Basel
1567
):
ir klagend all on underscheid | Mit laͤren worten unütz geschwaͤtz | ich woͤlt mich ouch gern stellen laͤtz.
Meisen u. a., J. Eck
55, 22
(
Ingolst.
1527
):
dan yetlicher letzer kopff in bewegung seins hoffertigen hertzen [...] im firgenommen hat, etwas neüß in der heyligen kirchen [einzuͦfieren].
Maaler (
Zürich
1561
):
Laͤtz / Vngeschickt. Ineptus. Laͤtz / Gouchisch. [...] Laͤtze. Peruersitas.
Ukena, Zuger Trag.
2460
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
4, 1194
.
3.
›einen erwarteten Qualitätszustand, eine Funktion nicht oder nur eingeschränkt erfüllend, schlecht, minderwertig (von Sachen unterschiedlichster Art)‹.
Wobd. / oobd.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (Adj.) 1, ,  2.

Belegblock:

Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Es kam uf einmal ein alt Weib mit einem letzen Schleier.
Warnock, Pred. Paulis
7, 40
(
önalem.
,
1490
/
4
):
daz er kainen gebresten hab, [...], nit ain letz og hab, nit schilche oder krume nasen.
Niewöhner, Teichner
686, 27
(Hs. ˹
moobd.
,
1469
˺):
als der scher
(›Wühlmaus‹)
wult im pacht | und macht wisen und aͤckher letzzen
(flekt. präd. Attr.).
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
wolten [si] das letzer [vleis] hie verkaufen, wiert ainer des uberfaren, ze wandl 6 ℔.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1515
):
das guet heuslich [...] innen ze haben, damit es nur pesser und nit letzer werde.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
die heusser sind wandlpär und mugen bësser und lëtzer werden.
Müller, Handel Paumgartner
271, 29
(
Tirol
1545
):
41 ster des letzern Imbster pro 4 fl.
Jaspers, St. v. Landskron
137v, 8
;
Müller, Welthandelsbr.
183, 20
;
Winter, a. a. O. ;
Vorarlb. Wb.
4, 1194
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
›eigenwillig, zielstrebig auf etw. gerichtet, begierig auf etw.; feindselig; störrisch, widerspenstig‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1; vgl. (Adj.) 1, , , ,  1.
Wortbildungen:
lezkopf
2,
lezköpfig
›starrköpfig‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
52b, 31
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sy sein gar lecz | auf pos auf secz.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Letzkoͤpff thuͤn nit guͦt.
Ukena, Luz. Sp.
2842
(
halem.
,
1575
):
Man muͦß sich in den poßen stellen / | Ob ettlich sich letz böggen wellen / | So nim ich sy mitt gwallt darvon.
Maaler (
Zürich
1561
):
Laͤtzkoͤpffig. Duricapitones. Laͤtzkopff Eigenrichtig. Peruicax.