bewegung,
die
;
-Ø/-e
.
1.
›meist ungerichtet gedachte Bewegung konkreter Gegenstände (oft: von Himmelskörpern, Wasser), vereinzelt abstrakter Größen‹; auch: ›Bewegung in der Zeit‹;
vgl.  12.
Bedeutungsverwandte:
.
Gegensätze:
, (
der
1.
Syntagmen:
b. haben, e. S
. (Dat.)
die b. nemen
;
der b
. (Gen.)
warten
;
geist in der b. sein, jn. in einer b. grüssen, etw. mit b. zerrütten / zerstören
;
b. des fusses / gestirns / himmels / meres / mondes / wassers, des inneren / äusseren menschen, der erden, der achseln, der himlischen körper
;
b. in dem mere
;
grosse / leichte / menschliche / unbegreifliche / unglaubliche b
.;
instrument der b
.

Belegblock:

Strauch, Par. anime int.
83, 26
(
thür.
,
14. Jh.
):
deme steine inwirdit di bewegunge nummer benommen di wile he uf der erdin nicht inist.
Jostes, Eckhart
64, 35
(
14. Jh.
):
Bewegung di ist an den kreften und an den gedenken.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
ein grôz bewegunge
[
Luther
1545:
vngestuͤm
]
ist worden in dem mere, alsô daz daz schiffelîn wart bedackit mit ůnden.
iz werden lantsuchte und hůngir und irschreckunge von dem himele und bewegunge der erden
[
Mentel
:
erdbitmung
;
Froschauer
1530:
erdbidem
;
Luther
1545:
Erdbeben
]
ubir di stete.
Ebd. Mk. :
und werden erden bewegunge
[
Luther
1545:
Erdbeben
]
durch di stete und hungir.
Ebd. Lk. :
Und grôze erden bewegunge
[
Luther
1545:
Erdbebunge
]
werden durch di stete [...] von dem himele.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Die bewegung derer Himmlischen Coͤrper ist eine fortruckung in ihren Creyßen / umb ihr eygenes oder natuͤrliches centrum.
Logau. Abdank.
169, 3
(
Liegnitz
1651
):
Dieser [...] wird seinen Menschlichen bewegungen wenig FRIEDE lassen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
33, 15
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz da beweget wirt von einre stat zuo der andern, daz muoz man e verstan e die bewegunge.
Ebd.
149, 16
:
daz der lip Christi niht anhebet zesin in disem sacramente übermitz bewegunge von einer stat zuo der andern.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
vor den lagent ein grosse menige der siechen, daz sú alle wartetent der bewegunge des wassers.
Ebd. (
1359
):
Bi disem geiste, der vor siner gegenwúrtkeit gieng und in der bewegunge was, do bi nimet S. Gregorius die heilige menscheit unseres herren.
Also werdent dise [menschen] in irem geiste, das si herschent úber alle die bewegunge irs usseren und inren menschen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
357, 22
(
els.
,
1362
):
do von frowete er [Johannes] sich vnd grůste Ihesum mit einre bewegunge, den er noch mit der stimen nút moͤchte gemelden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ir bedurfft nit daz ich eúch schreib von den zeyten vnd von den bewegungen
[Var. 1475
2
:
augenblicken
;
Luther
1545:
stunden
].
Eúch ist nit zů erkennen die zeyt oder die bewegung
[
Emser
1527,
Eck
1537:
weile
;
Luther
1545:
stunde
]
die der vatter hat gesetzt.
Cirurgia H. Brunschwig
22rb, 24
(
Straßb.
[
1497
]):
das do ist ein hantreichüng oder instrument des sinnes vnd auch der bewegung.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
3r, 14
(
Zürich
1521
):
Die himmelschen spheren / wie wol sy nit ein bewegung noch ein würckung habend.
Heydn. maister
26v, 6
(
Augsb.
1490
):
daselbs er die bewegu͂ge des gestirns [...] vñ hoͤchste ku͂ste gelernet hatt.
Karnein, de amore dt.
67, 11
(
moobd.
,
v. 1440
):
wann vnstäte ding, die werden mit leichter bewegung zerrütt.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
178, 2
;
Feudel, Evangelistar
13, 17
;
Voc. Teut.-Lat.
d vijv
;
Vgl. ferner s. v.  1, ,  3.
2.
›Gedanken, Überlegung, Meinung‹;
zu  3.
Bedeutungsverwandte:
2
 3.

Belegblock:

Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
wardt bewogen, die wilkire hilte das nicht, und andere bewegungk mehr.
Dar sagten die doctores faste ihre bewegunge und meineten, man hette zu viel versehen.
waren beyde rathsmeister [...] uff dem rathause und hatten mancherley tieffe bewegunge dieser antwort.
3.
›Beweggrund, Anreiz, Motiv, Antrieb; Ursache, Grund von etw.; Veranlassung von etw. durch jn. (mit Richtung auf ,Befehl‘), Impuls‹;
vgl.  6.
Phraseme:
aus eigener bewegung
(o. ä).
Syntagmen:
b. haben
.;
b. des freien willen
(gen. subj.),
b. des leides, der kraft / freude / traurigkeit
(jeweils Gen.obj.),
b. des herzogen, des herzen, des eigennutzes, des lustes
(jeweils gen. subj.).

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan der anstôz und die bewegunge der untugent diu bringent die tugent.
Ulner
26
(
Frankf.
1577
):
Anreitzung. Bewegung / anweisung / anleitung / vrsach / anschundung / gepfeisch / anlockung / anweglung.
Strauch, Par. anime int.
132, 4
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz geschehe wol, alse ein mensche cleinlichir wirt, daz he minnir befulichir bewegunge hait di un reize zu Gode.
Küther, UB Frauensee
322, 6
(
thür.
,
1514
):
ist er nachfolgents aus eygner bewegung [...] gantz unbezwungen [...] zu uns komen mit demüthiger bitt.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
Wellicher theill auch auss vorgeenden geschichten mer glaubens, vrsach, bewegung, Vortheills oder nutz haben mög.
Illing, Albert. Sup. miss.
1362
(
els.
,
n. 1380
):
von dem vns influͥsset der sin dez erkentnisse vnd die bewegunge der craft vnd die rihtunge sinre fuͥrsihtikeit.
Warnock, Pred. Paulis
1, 51
(
önalem.
,
1490
/
4
):
daz sint die gůtten werch, die der mensch tůtt von im selber und von aigner bewegung sins frygen willen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
92, 14
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Wan der gegenwurf unde die bewegunge des leides, daz ist smertzte, der da befunden wirt von den sinlichen berüerden.
Ebd.
234, 27
:
alse daz gemuote dez ritters sich keret zuo der signuft von der bewegunge dez herzogen dez heres, aber zevolgenne dem baner eins heres von bewegede des houbtmannes.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Auß eigner bewegung / ohne befelch frembder verwaltung.
Meisen u. a., J. Eck
55, 23
(
Ingolst.
1527
):
dan yetlicher letzer kopff in bewegung seins hoffertigen hertzen und aigen nutz [...] im firgenommen hat.
Vetter, Pred. Taulers ; f.;
Preuss. Wb. (Z)
1, 588
.
4.
›Ergriffenheit des Menschen oder seiner Seelenkräfte, Gemütsbewegung, innere Regung, Bewegtheit, Anteilnahme an etw.‹;
zu  7.
Phraseme:
nicht bewegung finden
›nichts fruchten, jn. unberührt lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2,  12,  2, .
Syntagmen:
b. finden
;
etw. zu b. gut / nütze sein
;
b. des fleisches / geistes / herzen, der begierde / ewigkeit / gelust / natur / sinlichkeit / süssigkeit
(jeweils gen. subj.),
b. der liebhabung
(Gen.obj.),
b. des gemütes
(gen. subj./obj.);
die böse / geistliche / unordenliche b
.;
unterscheidung der b
.

Belegblock:

Strauch, Par. anime int.
23, 10
(
thür.
,
14. Jh.
):
wan die sele berurit wirt von ewigin dingin, so wirdit si bewegit, und von der bewegunge wirdit si irhitzit.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
61, 16
(
omd.
,
1487
):
eÿnn cluger weÿßer man sall sein weipp nicht nach bewegu̇ng der sÿnligkeitt sunder nachem gerichte der vornu̇fft lieben.
Opitz. Poeterey
8, 37
(
Breslau
1624
):
die Poeterey sey [...] eine erzieherinn des lebens von jugend auff / welche die art der sitten / der bewegungen des gemuͥtes vnd alles thuns vnd lassens lehre.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1422
):
so sein wir sunderlich geneygt zu den, an den wir grosse trew und dienste und bewegung in allen sachen finden.
Gille u. a., M. Beheim
82, 644
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das er uns mit wer geben | Ain ebenpild zu vasten zwar, | mit dem wir nider truken gar | dÿ vihisten geluste | Und bewegung des flaisches ach.
Ebd.
135, 109
:
nicht mag so gut und nucz gesein | czu der pewegung unde | Pehaltung und merung der reinn | liebhabung gacz.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Andaht, was ist daz? daz ist devocio, das ist also vil gesprochen als ,quasi se vovere deo‘, ein innewendig verbinden mit Gotte mit einer bewegunge der ewikeit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
396, 4
(
els.
,
1362
):
Do von so sneit er ime selber heimelich die hant abe die gekusset wart vnd do von eine sache der vnordenlichen bewegunge was.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 1718
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das der mensche in einre iegelicher liplicher bekorunge oder bewegunge der naturen mit friheit sins willen, [...] sich zvͦ gotte kere.
Dasypodius tt (
Straßb.
1536
):
beWegung des gemuͤts durch ein Goͤtlich krafft oder anblasung.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 43, 71
(
moobd.
,
15. Jh.
):
sölcher ebengeleicher vnd doch widerwertiger geistlicher bewegunge vnd eingeistung chan noch mag nyemand vnderschaydung gehaben oder aygenleich erchantnüs.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
da es aber bei inen beden, ainem oder dem andern, nit stat oder bewegung funde, ist inen alsdann die merer obrigkeit zuersuechen unverwört.
Bauer, Imitatio Haller
84, 26
(
tir.
,
1466
):
an dem anuang kchümet an dem ersten in das gemuet ain schlechter gedankch [...] vnd darnach so kchümet der wolust vnd die pegierd vnd die pös pewegung.
Jostes, Eckhart
59, 25
;
Pyritz, Minneburg
2245
;
Eichler, a. a. O.
1, 730
;
Bauer, Geiler. Pred.
96, 2
;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Voc. Teut.-Lat.
d vijr
;
Dietz, Wb. Luther .
Vgl. ferner s. v.
1
 3, ,  2.
5.
›individuelle Aufsässigkeit, Widerborstigkeit; politisch-gesellschaftliche Bewegung, Parteibildung gegen etw.‹;
vgl.  11.
Bedeutungsverwandte:
 2, .

Belegblock:

Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
sal sie gestrekket an die erde vor iren fuzzen ligen geotmudigit also lange biz die bewegenge mit guden worten geheilit werde.
Luther. Hl. Schrifft.
Apg. 19, 23
(
Wittenb.
1545
):
Es erhub sich aber vmb dieselbige zeit nicht ein kleine Bewegung
[
Mentel
:
trúbsal
]
vber diesem wege.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 544
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Mit dirre gedult wurt oͮch der mensche geziert vnd gewafenet gegen bewegunge vnd widerwertikeit vnd gegen zorne vnd vngedult.
Dietz, Wb. Luther .
6.
›Art, Anlage, Beschaffenheit‹.

Belegblock:

Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
74
(
pfälz.
,
1436
):
das die sele von got geschöpffet an dem anfange ist an kunst vnd an togend, vnd darümb müs sie arbeiten, zu überkommen mit jrer naturlicher bewegunge vnd auch jrer synnilichkeit nach vernonfft vnd auch tugenden.
Ebd.
79
:
das die sele zu erkennen sy vß irer naturlicher bewegunge vnd synnigkeit oder kantnisse.