stat,
der
;
-(e)s/stät(e)
, auch
;
aus
lat.
status
›Stand‹
(
Kluge/S.
2002, 872
).
1.
›Zustand e. S. sehr unterschiedlicher Art (z. B. einer Zunft, eines Baches)‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1505
):
dat si und datselve ire ampt ind gaffel vortan in gudem staide ind in einem bestentlichem wesen [...] gehalden [...] mogen werden.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
25, 9
(
nobd.
,
um 1430
):
so sollen die muller den bach im rechten staten behalten.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
):
damit das heilig römisch reich bey seinem stat und herkommen unzerdrennet und unzerlidet beleiben mocht.
Haage, C. H. v. Hoff. Kunstb. S. 
137
(
oobd.
, Hs.
M. 16. Jh.
):
Wan unser stain hat in im allerlay farben davon alle philosophi sagen, die ersten mineralischen stett seindt in im die: 4: ellement.
2.
›Existenzform, Seinszustand, Verfaßtheit, in der sich e. P. (auch Gott) befindet; Eigenheit, Besonderheit, Wesen e. S.‹;
Spezialisierung zu 1; vgl.  1.
Gehäuft Texte religiösen ud didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  4.
Syntagmen:
seines states übel gebrauchen
;
in einem s. leben, volkommen sein, jn. in einen s. drücken
;
der s. der ganzheit / gerechtigkeit / gnaden / verdamnis, des glückes
;
der alte / schlechte / sörgliche / unsichere / volkommene s
.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
71, 149
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sy [Engel] merkten vleissigcleiche | wie seu peschaffen warn van got | und auch wie er in seinem stott | an seiner gothait reiche | Gar vil unmessigcleicher ye | valkamenleicher wer dann sie.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
193
(
Nürnb.
1517
):
das ist der stat der (lieb der) gerechtikeit, dem alswol im menschen als in Christo nachfolgt die himelisch tröstung.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
234
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Er [pfarrer] sprach: „ich binn im stodt der gnaden“.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
die witsweiffigen jungvrouwen, die ires eigenen willen sint [...] und doch meinent luter und kúsche zuͦ blibende. die sint in eime gar soͤrglicheme unsicherme state.
Goedeke u. a., Liederb. (
Schleusingen
1556
):
du solt in gelückes stat | dich nicht hochmütig machen.
Langen, Myst. Leben
211, 9
;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
226, 2
;
Eichler, Ruusbr. steen
1020
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
9, 63
;
15, 52
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 201, 13
.
Vgl. ferner s. v.  5.
3.
›Lebensführung, Lebensweise; (oft hoher) Aufwand der Lebensführung‹.
Meist berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
(
das
7, , (
das
4,  67, .
Syntagmen:
einen s. (vollen)füren, s. als ritter halten
,
jm. einen s. versichern
;
eines states sein
;
jn. mit einem s. versehen, etw. für einen s. notdürftig sein
;
der erliche / priesterliche s
.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2753
(
Köln
1476
):
Dayr landtgreeff Herman doegentlych | Myt stayt zusampt den andren trat.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1588
):
wie disse herrn burgermeister sulchen herlichen ansehens, staits und wesens sin, so ist zu wunschen, das sei auch jeder zit gottes lob, [...] befordern.
Michels, Murner. Badenf.
15, 2
(
Straßb.
1514
):
Scheren, mit lauander schmieren, | Ein priesterlichen stat zuͦ füren.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1466
):
Die zwen doctores sint nottúrfftig 300 gulden, yeglicher 150 gulden fúr sinen staͧte.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
den Meylaͤndschen herzogen mit êrlichem stat zuͦ versehen.
Wyss, Limb. Chron. ; ;
Bernoulli, a. a. O. ;
V. Anshelm. a. a. O. .
4.
›Stellung, Stand in der Gesellschaft‹; teils ohne, oft mit Konnotation zu ›hierarchisch herausgehobene Stellung‹; im einzelnen: ›wirtschaftlich und rechtlich von anderen abgrenzbarer Status, Stand‹; als Metonymie: ›einem Stand zugehörige Person‹; vereinzelt: ›Amt; Amtswürde‹;
vgl.  2.
Phraseme:
welches states j. ist
o. ä.
Bedeutungsverwandte:
(
das
13,  1,  13, , , ; vgl.  4567.
Syntagmen:
seinen s. beschirmen / erhalten / füren, erlich halten
;
einem s. ziemen
;
von seinem s. weichen, minner von state sein, von state zu etw. gwürdiget sein, an einem state teilhaben, nach seinem s. bekleidet sein, jm. an seinem s. benügen, jn. seinem s. gemäs unterhalten
;
der s. der ritter, der wirdigkeit
;
der bischöfliche / fürstliche / einfältige / hohe s., alle stäte der menschen
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 483, 35
(
preuß.
,
1442
):
wente wir unsiren stat und ammecht ane hulffe nycht konnen halden.
Ebd.
595, 34
(
1443
):
Goth sey gelobet, hie seyn vier stad, alz meyn herren prelaten, meyn herre, seyne gebietiger, seyn wirdiger orden und ir in den landen und steten.
Ebd.
5, 77, 12
(
1463
):
welchs wezens statums adir wirden die sein werden
[hier pseudolatinisiert].
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Were menstu der du bis, der noch van geburt noch van stade dar to gewerdiget bis?
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1005
(
Köln
1476
):
Truyrych was der getruwe rayt | Der stat van Nuyssz, vort alle stayt, | Dye dayr enbynnen waren.
Ebd.
3005
:
Dye hokeyserlych maiestait | Eylff froemen dayr geslaegen hait | Wyrdyncklych zu der ritter stait.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Die Welt jetzt keinen Menschen hat, | Dem das benuͤgt an seinem stat.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1738
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
mentel unnd rock di beide | sollen sin gesneten gar bequemlich, | also irem leben wol ist zemlich, | ein itlichiss nach sime stad.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
alle geystliche heupter, es sey babst, cardinal, bischoff und alle orden und iren stat, daz man dye von dem mynsten byß an dye meysten verorden müß dem gewalt ist geben von got.
er [konig] sol auch auff den stat komen keyserlicher wirdigkeyt.
Lemmer, Brant. Narrensch. Vorr. (
Basel
1494
):
zuͦ verachtung vnd straff der narheyt / blintheyt yrrsal vnd dorheit / aller staͤt / vnd geschlecht der menschen.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1439
):
do ward bopst Eugenius der vierd, [...], abgestossen von baͤpstlichem staͧt.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1487
):
damit die – vier frowen von Inderlappen iren staͧt dester erlicher haben [...], so soͤllen – yeder in sonders jaͤrlichen in lipdings wise gelangen.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 259, 12
(
halem.
,
1508
/
16
):
da ist er in die kilchen an die kanzel gestanden und die tri staͤt, namlich priesterschaft, riterschaft und burgerschaft beruͤft und bi zwei stunden gar ernstlichen mit inen geret.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
sind benüegig in üwerem einfaltigen statt; | den Paulus eigentlich gsprochen hatt: [...].
Meisen, a. a. O.
2744
;
Fischer, Folz. Reimp.
38, 27
;
Opel, Spittendorf ;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
18
;
Kottinger, Ruffs Adam ;
Luginbühl, a. a. O.
2, 307, 2
;
Koller, a. a. O. ;
Mollwo, Rotes Buch Ulm ;
Warnock, Pred. Paulis
26, 116
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
Vgl. ferner s. v.  1, (Adj.) 4.
5.
›durch individuellen Entschluß oder durch gesellschaftliche Zwänge bestimmter persönlicher Stand‹; als Metonymie: ›Gesamtheit aller durch eine solche Entscheidung oder solche Zwänge in ihren Lebensverhältnissen bestimmte Personen‹; auch: ›Gruppe von Personen‹.
Bedeutungsverwandte:
 8.
Syntagmen:
seinen s. ändern / brechen, einen s. vergiften
;
der weltliche s. regieren
;
der s. der ehe, der witwe
;
der christliche / eheliche / jungfräuliche / geistliche / weltliche / verbitterte s
.

Belegblock:

Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Van Geckshusen was he genant. | He was die eirstwerff vant | Dye staet van dem boyffen orden.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
47, 9
(
Nürnb.
,
1446
):
Witwe: Mir gnüget nu wol von dem stat der witwen, sag mir nu von den virden stat.
Gille u. a., M. Beheim
349, 10
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mit dem verviel Davit | und prach sein elich stat, | sein riter er ertat.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
get der mensche also hin [...] und verlot sich uf sin geistlich stat [...], so get er in den ewigen dot.
Warnock, Pred. Paulis
11, 28
(
önalem.
,
1490
/
4
):
das sint die, die im sacrament der e jungfrowlichen stát behalten habent.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Darnach der gantz weltlich stat | Zuͦ leben vnd regieren hat.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
so ist eelicher Stat ein verbitteretter Stat, wuͤrt zuͦgegleicht einem Habermuͦß.
Merz, Urk. Wildegg
72, 26
(
halem.
,
1493
):
wollte sie [Frau] iren staͧtt ennderen, es waͤr in gaistlichen oder weltlichen, sollen ihr folgen die 1000 Gl. haymstür.
Ebd.
82, 2
(
1524
):
Magdalena Effingerin
(urk.), die das Kloster Kungsfelden verläßt, um den
weltlichen staͧtt anzuͦnemen.
Küther, UB Frauensee
362, 9
;
365, 8
;
Mayer, Folz. Meisterl. ; ;
Warnock, a. a. O.
22, 76
;
Koller, Ref. Siegmunds ;
Bächtold, H. Salat ;
Wyss, Luz. Ostersp.
10866
;
Bauer, Geiler. Pred.
81, 3
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 1628, 12
;
1826, 30
;
1877, 3
.
6.
›Gesamtheit der Ratgeber, Hofstaat (bezogen auf Amor)‹.
Wortbildungen:
statisch
(bezogen auf die nl. Generalstaaten).

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
26, 164
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
dese waren herren Amors hoeghste raet, | dair he by leyde sinen staet | stedenclich in allen uren.
Allg. Schau-Buͤhne (
Frankf.
1699
):
Die Staatische Besatzung darinne verunruhigte die nahgelegene Laͤnder und staͤdte.