auftragen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (z. B. Getreide in den Mahltrichter) hinauftragen, hochtragen‹; ütr. vom Menschen: ›jn. nach oben tragen, jm. günstig sein‹.
Syntagmen:
getreide / pflaster / wasser / ziegel a.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
1, 12, 59
(
Frankf.
1557
):
da mich das gluͤck aufftrug, | Hett ich der Freunde mehr denn gnug.
Mell u. a., Steir. Taid.
28, 21
(
m/soobd.
,
1568
):
es sollen die mülner [...] von dem getraid nemen und weiter in daßelb nit greifen sonder solches volgunds auftragen und treulich herab malen.
Schweiz. Id.
14, 487
.
2.
›etw. (auch: sich, seine Seelenkräfte u. ä.) (jm.) darbringen, hingeben, zutragen, entgegenbringen‹; teils mit Betonung der Aufwärtsrichtung, dann: ›etw. emportragen, aufheben, erhöhen, hinführen‹; teils mit der Nuance, daß dies mit einem Prozeß religiöser Um- und Neuformung verbunden ist, dann: ›sich Gott zustrebend, sich ihm darbringend umbilden‹; Ütr. zu 1.
Mystische Texte vorwiegend des 14./15. Jhs.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Syntagmen:
das fünkelein a., got etw.
(z. B.
die gabe, das kreuz / leiden
)
a., sich got a., sich in das fäterliche herz a., etw. in die ewigkeit, in barmherzigkeit, in den ursprung, in den vater a.
; subst.:
ein a. in das götliche wesen haben, das a. in got
;
begerliches / minnigliches a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 121, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz er an den engeln ie geworhte, daz wirt ûfgetragen in barmherzicheit.
Ebd.
319, 7
:
Der got loben wil, der muoz heilic sîn und gesament sîn und ein geist sîn und niergen ûz sîn, mêr: allez glîch ûfgetragen in die êwige êwicheit hin ûf über alliu dinc.
Ebd.
2, 114, 7
:
daz sol si [sêle] allez mit einander ûftragen und opfern mit dem sune in den himelischen vater.
Ebd.
135, 4
:
Alsô ist daz götlîche lieht alsô überkreftic und klâr, daz ez der sêle ouge niht gelîden enmöhte, ez enwerde gestœtiget und ûfgetragen bî materie und bî glîchnisse.
Ebd.
232, 5
:
Diu sêle [...] sol sich ûftragen und sol stân in einem înkaffenne in disen rîchtuom gotes.
Ebd.
598, 3
:
daz sich diu sêle giuzet ûf den lîchamen, sô wirdet si vervinstert und muoz wider ûfgetragen werden mit dem lîchamen ze gote.
Jostes, Eckhart
106, 20
(
14. Jh.
):
mer die sele sol sich selber uf zihen und ein uftragen oder ein ufylen haben in daz gotlich wesen.
Vetter, Pred. Taulers
49, 1
(
els.
,
14. Jh.
):
die valschen kerent alle ding uf sich selber und nement sich der goben an und tragent sú nút Gotte luterliche wider uf mit minne.
Ebd.
63, 37
:
der vatter het ime alle ding gegeben in sine hant, dis truͦg der sun dem vatter also gruntlichen wider uf.
Ebd.
355, 12
(Hs.
1359
):
do wirt ein minneklich krútz, koͤndest dus Gotte uf getragen und von ime in rechter gelossenheit genemen.
Ebd.
363, 8
:
die zwene menschen, das sint die sinnelichen krefte und die vernúnftigen krefte, sich al zemole uf tragent in den aller innewendigsten menschen.
Strauch, Schürebrand
15, 9
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das suͣ uwern gesang und uwer gebet gar fruhtberliche uf tragent vür den göttelichen anblig.
Bihlmeyer, Seuse
90, 6
(
alem.
,
14. Jh.
):
Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol got wider uf tragen.
Ebd.
311, 17
:
so hab einen geswinden ker mit einem uftragenne in got.
Ebd.
431, 11
:
swaz ir sehent oder hoͤrent, daz sol úch ein uftragen ze gotte sin.
Höver, Bonaventura. Itin. B,
601
(
1450
/
60
):
der oͤbrest spicz der begird muͦs gancz auff getragen vnd auch entformet sein jn got.
Quint, a. a. O.
1, 345, 1
;
2, 223, 5
;
344, 2
;
370, 7
;
533, 3
;
567, 2
;
Ders., Eckharts Trakt.
114, 4
;
117, 6
;
Jostes, Eckhart
10, 10
;
Vetter, a. a. O.
37, 14
;
95, 26
;
166, 5
;
273, 12
;
Bihlmeyer, a. a. O.
27, 29
;
Höver, a. a. O.
664
;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 70
;
Zirker, Bereicherung d. dt. Wortsch.
1903, 83
;
Dietz, Wb. Luther
1, 149
.
3.
›(Speisen, Getränke) auftragen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Syntagmen:
brot / butter / wein / milch / speise / trank a.
; auch absolut gebraucht.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 29, 8
(
Köln
1610
):
HERR JEsu Christ, | Gesegne vns die Speisen, | Welch jetzundt auffgetragen ist.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 18, 8
(
Wittenb.
1545
):
[Abraham] trug auff Butter vnd Milch [...] vnd satzts jnen [Menner] fur.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
85, 27
(
nobd.
,
1346
):
Beyr, der dem Kisling wein auftregt.
Gille u. a., M. Beheim
354, 7
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
nach dem gelt du [wirt] nit frage, | trag auff und pis nit trage!
Jörg, Salat. Reformationschr.
783,
Anm. 26 (
halem.
,
1534
/
5
):
schwuͦrend [...] dem gotzhus keynen schaden zuͦ tuͦn / sunder was sy essend / und trunckend zuͦ bezalen / machtend ein ordnung wie / und was man jnen fürtragen
[Var.:
ufftragen
]
/ und geben soͤt.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
221, 14
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
27, 31
;
Dietz, Wb. Luther
1, 149
;
Bad. Wb.
1, 87
;
Schweiz. Id.
14, 486
.
4.
›etw. auf dem Kopf haben, tragen‹; auch: ›(ein Haarband) tragen‹; auch von Waffen gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
.
Syntagmen:
die krone, den hut, das bändlein a.
;
aufgetragenes gewer.

Belegblock:

Lindqvist, K. v. Helmsd.
3199
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da sÿ [Maria] ain kúnklich kron uff treit.
Mollay, H. Kottanerin
20, 25
(
moobd.
,
1439
/
40
):
daz der recht erb Kung Lassla die heiligen Kran zu Vngeren solt auf tragen.
Rwb
1, 960
.
5.
›etw. (Rechnungsposten) aufstellen, aufführen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2.

Belegblock:

Rwb
1, 960
(a.
1600
).
6.
›etw. (Materialien, z. B. Holz) aufschichten, stapeln; etw. (eine Materialschicht) auf eine andere Schicht auftragen, auflegen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (z. B. eine Bodenfläche) durch Anbringen einer Decklage erhöhen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern
490, 16
(
halem.
,
1437
):
sol er ouch das holtz [...] in sinem kosten schiden vnd vfftragen.
Rechn. Kronstadt
3, 323, 18
(
siebenb.
,
1557
):
Ich hab gebenn, das Im aǔff S. Catrÿnenn hoff Eÿnn feÿder lem had gefŭrtt wnnd den Estrÿch aŭff getragen hadtt, asp. 6.
Schweiz. Id.
14, 468
.
7.
›jm. eine Aufgabe zuteilen, jm. etw. auftragen, auferlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl.  11.
Wortbildungen:
auftrag
3.

Belegblock:

v. Birken. Erzh. Österreich 71c,
10
(
Nürnb.
1668
):
entschlosse sich / diese verrichtung ihm selber aufzutragen.
Rwb
1, 959/60
.
8.
›jm. etw. (oft: liegende Güter, auch: Verpflichtungen, Rechte in unterschiedliche Rechtsverhältnisse) übertragen, jm. etw. übergeben, überreichen, zueignen‹.
Syntagmen:
(jm.) den stollen, das gut / land, die stat / forderung / schuld, eine summe geldes a.
;
aufgetragene vormundschaft.
Wortbildungen:
auftrager
2,
auftragung
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Köln
2, 273, 17
(
Köln
1499
):
wilche Cleopatra Antonius vil stede ind lande gaf ind updroich.
Buch Weinsb.
2, 294, 35
(
rib.
,
1575
):
wan er, wie oben vertragen, aller dingen vergnoigt und ime ufftragt.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 506, 35
(
mosfrk.
,
1342
):
han wir dieselbe guͦt [...] ufgedran amptluden unsers vorg. herren.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
146, 3
(
rhfrk.
,
um 1435
):
gehulff yme got icht vff / er solde myr wol vergelden / was ich üch vnd yme vffgetragen han.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 515, 16
(
omd.
,
1433
):
das her der vorgenanten pfarkirchen czu eyner leiprenthe IIII gute mark czinses [...] hot czugeeigent, ufgetragen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 218, 12
(
schles.
,
1521
):
haben also seinen furstlichen genaden [...] den stollen [...] zu ainem rechten erbstollen aufgetragen.
Wyss, Limb. Chron. U
120, 9
;
Röhrich u. a., a. a. O.
302, 32
;
435, 20
;
Schöpper
84a
;
Rwb
1, 960/1
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 264
;
Schweiz. Id.
14, 487
.
9.
›jm. schlecht nachreden, jm. etw. (z. B. einen Spitznamen) anhängen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Schweiz. Id.
14, 487
(a.
1536
).
10.
›jm. jn. antragen, (zur Ehe) vorschlagen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  7.
Syntagmen:
jm. eine kramersche zum ehestande a.

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z)
1, 264
.
11.
›hinreichen, ausreichen‹.

Belegblock:

Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 48, 29
(
m/soobd.
,
1462
):
dar[e]ntgegen wir [...] mit großem anlegen durch die unsern der nottwer haben gepraucht, die doch nicht als gancz [...] auftragen.
12.
›über etw. hinausgehen, etw. übersteigen‹.
Syntagmen:
über die summe / zal a.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern
629, 12
(
halem.
,
1539
):
als menngen halbenn schuch dz stuck stein an der lennge v̈ber ietzgeschrybne zal vfftreyt, als dick soll an der bezalung 6 d. vffstygenn.
Rwb
1, 960
.