auftragen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (z. B. Getreide in den Mahltrichter) hinauftragen, hochtragen‹; ütr. vom Menschen: ›jn. nach oben tragen, jm. günstig sein‹.
Syntagmen:
getreide / pflaster / wasser / ziegel a.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
da mich das gluͤck aufftrug, | Hett ich der Freunde mehr denn gnug.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
):
es sollen die mülner [...] von dem getraid nemen und weiter in daßelb nit greifen sonder solches volgunds auftragen und treulich herab malen.
2.
›etw. (auch: sich, seine Seelenkräfte u. ä.) (jm.) darbringen, hingeben, zutragen, entgegenbringen‹; teils mit Betonung der Aufwärtsrichtung, dann: ›etw. emportragen, aufheben, erhöhen, hinführen‹; teils mit der Nuance, daß dies mit einem Prozeß religiöser Um- und Neuformung verbunden ist, dann: ›sich Gott zustrebend, sich ihm darbringend umbilden‹; Ütr. zu 1.
Mystische Texte vorwiegend des 14./15. Jhs.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Syntagmen:
das fünkelein a., got etw.
(z. B.
die gabe, das kreuz / leiden
)
a., sich got a., sich in das fäterliche herz a., etw. in die ewigkeit, in barmherzigkeit, in den ursprung, in den vater a.
; subst.:
ein a. in das götliche wesen haben, das a. in got
;
begerliches / minnigliches a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz er an den engeln ie geworhte, daz wirt ûfgetragen in barmherzicheit.
Der got loben wil, der muoz heilic sîn und gesament sîn und ein geist sîn und niergen ûz sîn, mêr: allez glîch ûfgetragen in die êwige êwicheit hin ûf über alliu dinc.
daz sol si [sêle] allez mit einander ûftragen und opfern mit dem sune in den himelischen vater.
Alsô ist daz götlîche lieht alsô überkreftic und klâr, daz ez der sêle ouge niht gelîden enmöhte, ez enwerde gestœtiget und ûfgetragen bî materie und bî glîchnisse.
Diu sêle [...] sol sich ûftragen und sol stân in einem înkaffenne in disen rîchtuom gotes.
daz sich diu sêle giuzet ûf den lîchamen, sô wirdet si vervinstert und muoz wider ûfgetragen werden mit dem lîchamen ze gote.
Jostes, Eckhart
106, 20
(
14. Jh.
):
mer die sele sol sich selber uf zihen und ein uftragen oder ein ufylen haben in daz gotlich wesen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
die valschen kerent alle ding uf sich selber und nement sich der goben an und tragent sú nút Gotte luterliche wider uf mit minne.
der vatter het ime alle ding gegeben in sine hant, dis truͦg der sun dem vatter also gruntlichen wider uf.
Ebd. (Hs.
1359
):
do wirt ein minneklich krútz, koͤndest dus Gotte uf getragen und von ime in rechter gelossenheit genemen.
die zwene menschen, das sint die sinnelichen krefte und die vernúnftigen krefte, sich al zemole uf tragent in den aller innewendigsten menschen.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
das suͣ uwern gesang und uwer gebet gar fruhtberliche uf tragent vür den göttelichen anblig.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol got wider uf tragen.
so hab einen geswinden ker mit einem uftragenne in got.
swaz ir sehent oder hoͤrent, daz sol úch ein uftragen ze gotte sin.
Höver, Bonaventura. Itin. B
601
(
1450
/
60
):
der oͤbrest spicz der begird muͦs gancz auff getragen vnd auch entformet sein jn got.
Ders., Eckharts Trakt. ; ;
Jostes, Eckhart
10, 10
;
Vetter, a. a. O. ; ; ; ;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Höver, a. a. O.
664
;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 70
;
Zirker, Bereicherung d. dt. Wortsch.
1903, 83
;
Dietz, Wb. Luther .
3.
›(Speisen, Getränke) auftragen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Syntagmen:
brot / butter / wein / milch / speise / trank a.
; auch absolut gebraucht.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1610
):
HERR JEsu Christ, | Gesegne vns die Speisen, | Welch jetzundt auffgetragen ist.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 18, 8
(
Wittenb.
1545
):
[Abraham] trug auff Butter vnd Milch [...] vnd satzts jnen [Menner] fur.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
85, 27
(
nobd.
,
1346
):
Beyr, der dem Kisling wein auftregt.
Gille u. a., M. Beheim
354, 7
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
nach dem gelt du [wirt] nit frage, | trag auff und pis nit trage!
Jörg, Salat. Reformationschr.
783,
Anm. 26 (
halem.
,
1534
/
5
):
schwuͦrend [...] dem gotzhus keynen schaden zuͦ tuͦn / sunder was sy essend / und trunckend zuͦ bezalen / machtend ein ordnung wie / und was man jnen fürtragen
[Var.:
ufftragen
]
/ und geben soͤt.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
221, 14
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
27, 31
;
Dietz, Wb. Luther ;
Bad. Wb.
1, 87
;
4.
›etw. auf dem Kopf haben, tragen‹; auch: ›(ein Haarband) tragen‹; auch von Waffen gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
.
Syntagmen:
die krone, den hut, das bändlein a.
;
aufgetragenes gewer.

Belegblock:

Lindqvist, K. v. Helmsd.
3199
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da sÿ [Maria] ain kúnklich kron uff treit.
Mollay, H. Kottanerin
20, 25
(
moobd.
,
1439
/
40
):
daz der recht erb Kung Lassla die heiligen Kran zu Vngeren solt auf tragen.
5.
›etw. (Rechnungsposten) aufstellen, aufführen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2.

Belegblock:

Rwb (a.
1600
).
6.
›etw. (Materialien, z. B. Holz) aufschichten, stapeln; etw. (eine Materialschicht) auf eine andere Schicht auftragen, auflegen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (z. B. eine Bodenfläche) durch Anbringen einer Decklage erhöhen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1437
):
sol er ouch das holtz [...] in sinem kosten schiden vnd vfftragen.
Rechn. Kronstadt
3, 323, 18
(
siebenb.
,
1557
):
Ich hab gebenn, das Im aǔff S. Catrÿnenn hoff Eÿnn feÿder lem had gefŭrtt wnnd den Estrÿch aŭff getragen hadtt, asp. 6.
7.
›jm. eine Aufgabe zuteilen, jm. etw. auftragen, auferlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl.  11.
Wortbildungen:
auftrag
3.

Belegblock:

v. Birken. Erzh. Österreich 71c, (
Nürnb.
1668
):
entschlosse sich / diese verrichtung ihm selber aufzutragen.
8.
›jm. etw. (oft: liegende Güter, auch: Verpflichtungen, Rechte in unterschiedliche Rechtsverhältnisse) übertragen, jm. etw. übergeben, überreichen, zueignen‹.
Syntagmen:
(jm.) den stollen, das gut / land, die stat / forderung / schuld, eine summe geldes a.
;
aufgetragene vormundschaft.
Wortbildungen:
auftrager
2,
auftragung
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Köln (
Köln
1499
):
wilche Cleopatra Antonius vil stede ind lande gaf ind updroich.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1575
):
wan er, wie oben vertragen, aller dingen vergnoigt und ime ufftragt.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1342
):
han wir dieselbe guͦt [...] ufgedran amptluden unsers vorg. herren.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
146, 3
(
rhfrk.
,
um 1435
):
gehulff yme got icht vff / er solde myr wol vergelden / was ich üch vnd yme vffgetragen han.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 515, 16
(
omd.
,
1433
):
das her der vorgenanten pfarkirchen czu eyner leiprenthe IIII gute mark czinses [...] hot czugeeigent, ufgetragen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1521
):
haben also seinen furstlichen genaden [...] den stollen [...] zu ainem rechten erbstollen aufgetragen.
Wyss, Limb. Chron. U ;
Röhrich u. a., a. a. O.
302, 32
;
435, 20
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 264
;
9.
›jm. schlecht nachreden, jm. etw. (z. B. einen Spitznamen) anhängen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Schweiz. Id. (a.
1536
).
10.
›jm. jn. antragen, (zur Ehe) vorschlagen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  7.
Syntagmen:
jm. eine kramersche zum ehestande a.

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z)
1, 264
.
11.
›hinreichen, ausreichen‹.

Belegblock:

Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 48, 29
(
m/soobd.
,
1462
):
dar[e]ntgegen wir [...] mit großem anlegen durch die unsern der nottwer haben gepraucht, die doch nicht als gancz [...] auftragen.
12.
›über etw. hinausgehen, etw. übersteigen‹.
Syntagmen:
über die summe / zal a.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
als menngen halbenn schuch dz stuck stein an der lennge v̈ber ietzgeschrybne zal vfftreyt, als dick soll an der bezalung 6 d. vffstygenn.