gebieten,
V., unr. abl.;
vgl. Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben. 1988, 311 f.; 434 f.
1.
›jm. etw. anbieten, darreichen, zuweisen‹;
zu (V.) 12.

Belegblock:

Dubizmay, kurß zu Teutze
88, 5
(
hess.
,
1463
):
das du fleußet uff dem berg | syon wan da hin hat got | gebotten den segen vnd das | leben ewiglich.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
22, 7
(
nobd.
,
15. Jh.
):
der vogt oder der schultheiß sol nit hoer gebieten den by zehen schillingen.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
163, 15
(
Nürnb.
,
1446
):
do in dem hause ist gnug ze gepyten in essen vnd tryncken.
Schmidt, Rud. v. Biberach
105, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
etwenne sint guͦtete von der minne gebotten.
Klein, Oswald
19, 55
(
oobd.
,
1416
):
wann in demselben land die frauen | hinden [schwanz] an den röcken haben; | ring in den oren, nagelrot, | e das ir aine ain hendlin bot, | si torst aim e gebietten | ain smutz mit süssem nieten.
Piirainen, Stadtr. Sillein
139l
, 32 f., (
sslow. inseldt.
,
1378
):
vnd ist daz dy nemlichen levte mit sampt ym iren eyd turren dor vmb gebiten daz ware heymsuchunge sey geschen.
Schmitt, Ordo rerum
612, 14
;
Voc. Teut.-Lat. k iijr; l vijr;
Dasypodius
296r
;
Serranus
77r
;
Maaler
159v
;
Henisch
1389
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 64
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 177
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 31
;
Dietz, Wb. Luther
2, 24
;
Pfälz. Wb.
3, 89
;
Schwäb. Wb.
3, 129
;
Schweiz. Id.
4, 1860
;
Öst. Wb.
3, 159
;
Vorarlb. Wb.
1, 1073
;
Rwb
3, 1238
 f.
2.
›jn. an einen Ort, bes. vor das Gericht, laden; jn., z. B. Mitglieder einer Institution, zusammenrufen‹.
Syntagmen:
jn. auf das rathaus, in das ding / gericht, zu der gemeinde g
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
108, a
, 27 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Cumt der denne, dem da vor geboten ist, an de dingstat vnde horet wol, dat ime da geboten ist.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 277, 11
(
hess.
,
1355
):
Zu dem ersten male, wenne wir zu houffe gebyten, wer dan nicht enkomet, der virluset sehs heller zu eynunge.
Ermisch, Freib. Stadtr.
48, 34
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
der gast muz im in daz dinc gebiten.
Chron. Augsb.
8, 186, 19
(
schwäb.
, zu
1562
):
Am mittwuch [...] haben die herren burgermaister [...] alle wirt, gastgeben, [...] auf das Rathaus zusamen gepieten lassen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 112, 33
(
schwäb.
,
1554
):
wan ainem zue der gemaind gebotten wirdt und er uf bestimpte zeit nit erscheindt.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 91, 24
(
alem.
,
1410
):
Sich hat ouch gefuͤget, das Johans von Flaszlanden edelkneht fúr unsers schultheissen gericht hat getan gebieten.
Piirainen, Igl. Bergr.
32, 24, r
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
soll d(er) perckhmaisterr, an ainem Sambstag [...] auf dem gepurg dj Gwerckhen zusamen gebieten.
3.
›(jm.) etw. empfehlen, einen Auftrag geben, vorschreiben, anordnen, befehlen‹;
zu (V.) 5.
Phraseme:
Doppelformel
etw. gebieten und verbieten
.
Bedeutungsverwandte:
 11,
1
 2, , ,
1
 5,  1.
Syntagmen:
den frieden, die guttat, das gebot / recht / wort g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
19776
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
So wirt daz tal und daz velt | Irvult mit tummen dieten, | Den her mac wol gebieten.
Schöpper
66b
(
Dortm.
1550
):
Gebieten befelhen heissen vfflegen demandieren jn befelch thun.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5516
(
Magdeb.
1608
):
Biß jhr Hertzog reit in die mitt / Vnd was sie thun sollen gebieth.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Kön.
5, 17
(
Wittenb.
1545
):
der König gebot / das sie grosse vnd köstliche Steine ausbrechen.
Anderson u. a., Flugschrr.
17, 6, 29
([
Wittenb.
]
1523
):
Jn d‘ wellt gepiete͂ die herrn was sie woln.
Große, Schwabensp.
231, a
, 28 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
BEclaget ein man den anderen vor deme lantgerichtere vmme guͤlte, dem sol man dre stuͦnt vore gebeiten, daz her im sin guͦt gebe.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
3006
(
Köln
1476
):
dye hokeyserlych maiestait | [...] Geboyt dorch synen hoegen rait | Den fromen, so ritter geslaegen, | Den ritter orden zu draegen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
541
(
mrhein.
,
um 1335
):
Der selbe, als ime IEsus gebot, | erstunt an dem vierden dage.
Kollnig, Weist. Schriesh.
232, 33
(
rhfrk.
,
1496
):
sin gnod hab schulthis und geriecht zu setzen und zu entsetzen, zu gebieten und verbieten.
Dedekind/Scheidt. Grob.
84, 3
(
Worms
1551
):
Es ist ein alt herbrachter sitt / | Was man gebeut das helt man nit.
Dubizmay, kurß zu Teutze
33, 4
(
hess.
,
1463
):
Wan er sprach da wurden sie gemacht er gebot da wurden sie geschaffen.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
12, 22
(
Frankf./M.
1626
):
ob wol Gottfried von Bulljon der vornembste vnter jhnen war / So waren jhme doch die andern nicht alle mit Pflichten verwandt / drumb sie sich auch von jhme nicht allerdings gebieten vnd befehlen lassen wolten.
Feudel, Evangelistar
12, 8
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
brenge dyn opphir en, alse Moyses gebot.
Behrend, Magd. Fragen
49, 31
(
omd.
,
um 1400
):
Ab der borggreve richter unde scheppin twingen unde gebiten mag, das sy ym eyn ding hegin uff der borg.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 2
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Man sol nicht übel mit übel rechen, gedultig sol ein man wesen, gebieten der tugent lerer.
Quint, Eckharts Pred.
1, 246, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der demuͤtig mentsch bedarf dar umb nit bitten, sunder er mag im wol gebieten.
Jostes, Eckhart
76, 26
(
14. Jh.
):
allez daz er [got] gebeutet, daz ist leiht.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
146, 19
(
thür.
,
1421
):
Noe tat, das ym got gebot, unde arbeite mit seime gesinde an der archin hundert jar.
Ermisch, Freib. Stadtr.
185, 15
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Der richter sal in gebiten, daz si an sinen gezuc treten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Nt.
8, 26
(
osächs.
,
1343
):
Dô stuͦnt her ûf und gebôt dem winde und dem mere, und eine grôze stilheit ist worden.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
71, 20
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
der soldan [...] gebot ym das her den geloubin Cristi vorsachte und enphunge an sich Machemetis e.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 18, 5
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
daz tet die menscheit, sam die gotheit ir gebot.
Palm, Veter Buoch
11, 28
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Muget ir im das andir nicht gebieten, so lidet geduldiclichen vmb das eine.
Henschel u. a., Heidin
399
(
nobd.
,
um 1300
):
Si taten daz man in gebot | Got half in vz aller not.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
61, 3
(
nobd.
,
1486
):
daß unser gnediger herr von Bamberg hie hat zu gebieten und zu verbieten auf wasser und landt.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
230
(
Nürnb.
1517
):
Er hat geboten, befolhen, und alle dingk sein erschaffen.
Franck, Decl.
351, 17
(
Nürnb.
1531
):
Der heylig Hieronymus gepeut einer Christlichen jungkfrawen / das der wein jr als ein gifft zu fliehen sey.
Chron. Strassb.
16, 4
(
els.
,
1362
):
derselbe [bobest] gebote, daz ein iegelich wip mit bedahtem houbete sol gan gottes dieneste zuͦ horende.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
27, 31
(
els.
,
1362
):
Der vatter gebot dem súne das er schiere dem bilgerin das almuͦsen gebe.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 54, 12
(
Straßb.
1466
):
er [holofernes] gebot abzehauen ir eydsucht.
Karnein, Salm. u. Morolf
372, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Salmon der wart der rede fro, | einen tornei gebott er da.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
142, 18
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
da von so wart er dez ahtenden tages besniten, alse ez in der e gebotten waz.
Chron. Augsb.
2, 219, 7
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
überall in seinem land gepot man den armen leuten harnasch und wägen als fast, als ie vor geschehen was.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 118, 25
([
Augsb.
]
1548
):
Der Herren bitten / ist gebieten.
Henisch
238
(
Augsb.
1616
):
Befehlen / gebieten / heissen / aufflegen / befehlich thuen / mandieren.
Stammler, Berner Weltger.
648
(
ohalem.
,
1465
):
Lucifer, ich gebüt dir hüte, | Das du fachest dise lüte.
Rennefahrt, Statut. Saanen
49, 21
(
halem.
,
1429
):
gebietten inen ouch fuͥr sich und ir nachkomen, disen uͥnsren spruch staͤt und vest zehaltend.
Ders., Recht Laupen
19, 35
(
halem.
,
1414
):
da erkennet wart, dz er inen zehenden da von geben soͤlti, und wart im oͧch dz gebotten.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
11, 28
(
Zürich
1521
):
Gebütet jnen das sy güts thün sollen denen / so inen boͤß thuͦnd.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
73, 10
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
in [knechten] was doch von irem herrn strenngigklich gepotten, das geschlos wol zu huetten.
Wolf, Norm im sp. Ma.
40, 36
(
oobd.
,
1486
):
Ich gepeut festiglichen allen bruͤdern, das sy jn kaynerlay weis phenning oder gelt nemen.
Dirr, Münchner Stadtr.
464, 16
(
moobd.
,
um 1365
):
Die gesworen habent gepoten und gesetzt, daz chain gast [...] nindert in der stat vail haben sein kaͤufmanschaft.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
96, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Ich thue, was ir gepietet.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
47, 28
(
m/soobd.
,
1440
/
56
):
Auch de vor und hernach bescriben ordnung sezen und gepitten wir, das de von ein iegeleichen gehalten werden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
63, 5
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
das er die underthanen gepiet, das iedes riegat sein pank mit tauglichen personen besez.
Bauer, Imitatio Haller
62, 31
(
tir.
,
1466
):
Wenn ir nu alle ding tan habt, die euch gepoten sint worden, so sült ir sprechen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
74, r
, 10 (
sslow. inseldt.
,
1378
):
Wvnt einer dem andern vnd wirt vorbuͤrget daz er geste czu rechte vnd gebeuͤt yn der richter beiden vride.
Ders., Stadtr. Kremnitz
58
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Svlliches wellen wir beÿ verlirung des haupts Ernstlich gepottenn haben.
Feudel, a. a. O.
13, 20
;
20, 23
;
24, 23
;
25, 10
;
35, 2
;
46, 27
;
Ermisch, a. a. O.
213, 11
;
249, 17
;
253, 11
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
1, 24
;
4, 6
;
26, 19
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 375
;
82, 610
;
100, 4
;
Chron. Strassb.
86, 4
;
137, 9
;
306, 7
;
615, 23
;
Williams u. a., a. a. O.
39, 13
;
145, 27
;
403, 18
;
502, 12
;
658, 23
;
823, 23
;
Chron. Augsb.
2, 325, 33
;
4, 386, 26
;
391, 6
;
5, 2, 2
;
7, 252, 13
;
8, 99,
Anm. 2;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 5, 33
;
18, 36
;
65, 23
;
167, 12
;
364, 14
.
4.
mit präp. Anschluss (
über
): ›über jn. bestimmen, herrschen, gebieten‹;
zu (V.) 5.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. U
132, 28
(
mfrk.
,
1382
):
wanne daz Got ober mych gebuͤdet.
Anderson u. a., Flugschrr.
15, 13, 29
([
Worms
1521
]):
hoff ob got wil / dises soll der letzt sein / des yne auch got geweret / dañ Got hatt bald darnach vber yn geboten.
Perez, Dietzin
1, 319, 17
(
Frankf.
1626
):
warumb trennen vnd reyssen denn jhrer viel solches Schloß oder Regel der maͤssigkeit so muhtwillig auff / vnd lassen sich vom Wein tyrannisiern oder denselbigen vber sie gebiehten?
Neumann, Rothe. Keuschh.
498
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
ubir die meide han ich zu gebeten nicht.
Chron. Nürnb.
1, 206, 20
(
nobd.
,
1406
):
wenn got über mich gepaͤutet, also das ich von tods wegen abgangen bin.
5.
als Part. Prät.
geboten
›festgelegt, vorgeschrieben, erlaubt, bestimmt‹;
zu (V.) 5.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
26, 15
(
Köln
1653
):
daß er das gebottene vnd verbottene koͤnne erwehlen / seine Hand außstrecken zum Wasser vnnd Fewr.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 19
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
gebotene ding nicht tun, verbotene ding tun fleißet sie sich allzeit.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
167, 48
(
m/soobd.
,
1635
):
die graben und gehöger, welcher sie vor gebottenen tägen nicht macht, der ist schuldig 3 kr.
Maaler
160r
.