ansprache,
die
;
-Ø/-Ø
oder
-n.
1.
›Ansprache, Anrede an jn.‹;
vgl.  1.

Belegblock:

Rot
289
(
Augsb.
1571
):
Allocution, Ansprach / anredung.
2.
›Herausforderung zu etw. (im Beleg: zum Zweikampf)‹;

Belegblock:

Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
21, 28
(
moobd.
,
1305
):
den
[Herausgeforderten]
sag wir ledich van der ansprach des champhes.
Rwb
1, 732
.
3.
›Anspruch, Recht auf etw., rechtlich begründete Forderung gegen jn.‹; dazu metonymisch mit fließendem Übergang: ›Anklage als Handlung, Geltendmachung von Rechtsansprüchen vor Gericht, Klagerede als Teil des Gerichtsverfahrens‹ sowie ›Gegenstand, Grund einer Forderung oder Klage, Rechtssache, Streitpunkt‹; phrasematisch:
eine ansprache ab einem zaun brechen
›einen Rechtsstreit vom Zaun brechen‹;
vgl.  78.
Bedeutungsverwandte:
 3, ,  810,  2, , ; vgl.  7, (zur Metonymie), ,  1,  1,  9, , .
Syntagmen:
die a. haben
(oft)
/ausrichten / benennen / tun / wissen / gezeugen / verhören / beweisen / vernemen / gewinnen / ändern / verlieren / absprechen / abtun / erlassen, a. an jn. legen
;
sich der a. verzeihen
(mehrmals),
der a. laugnen
;
etw. für die a. schirmen, etw. von einer a. geben, jm. etw. für die a. geben, für die a. verzicht nemen, jn. von der a. abweisen
;
erliche / järliche / rechtliche / rechte / ungegründete a.
;
a. des erbes / gutes / rechtes
;
a. zu jm./etw., a. an jn./etw., a. um etw., a. wieder jn.
Wortbildungen:
ansprachbrief
,
ansprachspruch.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
17647
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sî daran hattin ê | [...] | von dikeinir hande ansprâch.
Große, Schwabensp.
183a, 15
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
de ansprache de mach iener han dre iar vnde nicht leinger.
Chron. Köln
3, 649, 5
(
Köln
,
1499
):
bischof Sifrit verloir die aenspraeche up die stat van Coellen.
Aubin, Weist. Köln/Brühl
108, 9
(
rib.
,
M. 16. Jh.
):
van jeder ansprache unde jeder antwert sall man geven [...] 2 rader alb.
Chron. Mainz
1, 87, 8
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
das einch burger zu Mencze [...] eincherlei ansprach odir forderunge zu dem rade [...] hetten.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
142, 9
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Jorg von Wolfframsdorff mochte den jerlich ansprach und fordrung gezeugen.
Opel, Spittendorf
482, 4
(
osächs.
,
um 1480
):
das wir zweyer ansprache, die wir dann haben zu den burgern von Halle umb das gutt im tale [...] in den rechten gangen sindt.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
7, 37
(
schles.
,
1384
):
vorczeyg sich Peczke Trinxus, [...] vor vns allir ansproche, czuuorsichtes vnde vorderunge.
Chron. Strassb.
2, 692, 23
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
die hettent vil zuͦsprüche und anesproche an die von Strosburg.
Geier, Stadtr. Überl.
363, 27
(
nalem.
,
1532
):
ob du (ir) deßhalb zuͦ minen herren, iren burgern oder iren armen leuten [...] ansprach zuͦ haben vermaintist.
Rennefahrt, Statut. Saanen
49, 19
(
halem.
,
1429
):
in denen underscheidnen fuͥrgeleiten sachen und ansprachen [...] soͤllend die vorgenanten beid teile [...] verslicht sin.
Welti, Stadtr. Bern
227, 13
(
halem.
, o. J.):
der selb seͤcher denn der ansprach lougnett.
Bächtold, N. Manuel. Elsli
295, 1064
(
Basel
1529
/
30
):
Die ab eim zun ein ansprach brechend | Und etwan ein armen man ansprechend | Umb ein löchlechti haselnuss.
Auer, Stadtr. München
2, 6
(
moobd.
,
1343
):
Waer auch, daz ain richter oder ain amptman mit iemant icht ze schaffen hiet, [...] der sol in darumb fürtagen [...] und sol er die ansprach benennen.
Klein, Oswald
112, 98
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
si volgen all dem selben nach, | wie falschlich ist sein anespräch.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
237, 14
(
moobd.
,
1478
/
81
):
die küniglich Mt. [...] hete hertzog Rueprechten für sein ungegründt ansprach oder gerechtigkait vil zu vil teydingen wollen.
Winter, Nöst. Weist.
3, 689, 5
(
moobd.
,
um 1500
):
so soll im es [purkrecht] der richter [...] schermen fur all ansprach.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
231, 6
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
daz si alsdan von dem ausgehairaten verzicht nemen für all ansprach.
Große, a. a. O.
64a, 27
;
Chron. Köln
2, 120, 18
;
Chron. Mainz
1, 110, 1
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
S. 93;
Schmidt, St. Kastorst.
2, 176, 1
;
Behrend, Magd. Fragen
84, 8
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
57, 23
;
68, 39
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
253, 8
;
Bindewald, a. a. O.
18, 15
;
102, 14
;
Chron. Nürnb.
1, 126, 41
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 16, 26
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
79, 1
;
38, 16
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 60, 25
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 181, 19
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
32, 17
;
104, 24
;
38
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
42, 31
;
90, 24
;
Welti, a. a. O.
85, 15
;
110, 28
;
619, 26
;
Adomatis u. a., J. Murer Bab.
5439
;
Edlib. Chron.
11, 26
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
175, 28
;
Chron. Augsb.
3, 288, 21
;
338, 5
;
4, 311, 24
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm
34, 30
;
Hauber, UB Heiligkr.
1, 275, 36
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
12, 3
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
178, 11
;
Turmair
4, 29, 25
;
5, 165, 24
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
216, 34
;
265, 15
;
Winter, a. a. O.
3, 727, 11
;
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 141, 15
;
Maaler
26v
;
Dietz, Wb. Luther
101
;
Brinckmeier
1, 111
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 179;
Pfälz. Wb.
1, 281
;
Crecelius
35
;
Shess. Wb.
1, 296
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
13
;
Schwäb. Wb.
1, 263
;
Vorarlb. Wb.
1, 111
;
Schweiz. Id.
10, 722
-725 (dort sehr reiches Belegmaterial);
Rwb
1, 730
;
Haltaus
41
;
Wmu
1, 114
.
4.
formelhaft an 3 anzuschließen:
ane [...] ansprache
›ohne daß j. einen Anspruch geltend gemacht hätte, ohne Einspruch‹; metonymisch: ›ohne Einspruchsrecht‹; daher auch: ›rechtlich unangefochten, ohne rechtlichen Zweifel‹.
Rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
4, 25
(
Thorn
1584
):
des her eynen scheppen bryf habe, vnd ouch besessen habe an alle ansproche. das hilft ym allis nicht.
Behrend, Magd. Fragen
53, 19
(
omd.
,
um 1400
):
myne vorfarn unde ich han is von uwern vorfarn ane ansproche unde hindernisz besessen.
Ebd.
125, 33
:
varnde habe mag der man geben syme wibe, frunde adir fromden, [...] ane der erben ansproche.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
35, 19
(
thür.
,
1474
):
her habe daz ynnegehabit lenger danne jar unde tag ane rechte ansprache Anders Mollers, der inlendisch unde mundigk gewest ist.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
175, 23
(
schles.
,
v. 1433
):
Wen wns’ fat’ lange genuk gelabit hat an allirlee ansproche bas an sin ende.
Winter, Nöst. Weist.
4, 403, 1
(
moobd.
,
1618
):
der Gföllerwalt ist ie und allerwege ohne ansprach landsfurstlich gewesen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
716, 18
;
Ermisch, Sächs. Bergr.
17, 24
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm
29, 5
.
5.
›mit der Geltendmachung von Rechtsansprüchen verbundener Zwist, Streit, die Mißhelligkeit, Auseinandersetzung‹; anzuschließen an 2.
Bedeutungsverwandte:
,  5,
1
 1,  2,  7, , .

Belegblock:

Chron. Augsb.
2, 213, 9
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ward die groß zwitrechtigkait [...] geschlicht umb alle ander ansprach, vorderung und muetung von baiden tailen.
Leisi, Thurg. UB
6, 903, 5
(
halem.
,
1371
):
umb alle stoͤss, sachen und anspraͤch, [...] daz daz alles reit, tod und ab sin sol.
Turmair
5, 417, 23
(
moobd.
,
1522
/
33
):
warn auch Ungern und Beham im strit und ansprach, kriegten auch mêr drumb.
Geier, Stadtr. Überl.
37, 18
(
nalem.
,
1362
):
umb alle die stoͤsse, misshellung und .. ansprach, so si mit úns gehebt hant.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
83, 26
;
Voc. Teut.-Lat. b iiijv;
Rwb
1, 730
.
6.
›billiger Vorwand‹.

Belegblock:

Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag Dijr,
14
(
Zürich
1521
):
Die Christen aber (wenn du jr fuly ansprach dar von thuͦst vnd die sach warlich ermissest) so bewegt sy zuͦ kriegen nüt anders / dann eergyt.